KROLOP & GERST PORTRÄTIEREN IN NAMIBIA AUSSERGEWÖHNLICHE GESICHTER VON KINDERN MIT ALBINISMUS

Dienstag, 18. Juni 2019

Das Kölner Fotografen-Duo Krolop & Gerst ist in Deutschland vor allem durch seine Workshops und Tutorials bekannt. Doch eigentlich arbeiten die beiden ganz regulär Produktionen im Kundenauftrag ab – und widmen sich gerne auch besonderen Fotoprojekten. Ein solches entstand am Rande einer Videoproduktion für Nikon in Namibia, als Martin Krolop Kindern mit Albinismus mit einer Nikon D850 porträtierte.

Das Schicksal von Menschen, die nicht gut sehen können, berührt Fotografen häufig besonders. So ging es auch dem Kölner Fotografen-Duo Krolop & Gerst, als es für Nikon einen Film über ein Skate-Aid-Projekt in Namibia produzierte. An der Förderschule National Institute for Special Education (NISE) in Windhoek hat die Hilfsorganisation in Kooperation mit weiteren Partnern den erste inklusiven Skatepark gebaut. Hier können Schülerinnen und Schüler mit hör-, seh- und geistiger Behinderung nach Lust und Laune mit ihren Skateboards trainieren. Auch Nikon unterstützt das Projekt seit mehreren Jahren.

„Das gemeinsame Skaten stärkt die Kinder in ihrer Persönlichkeit und trägt zum Abbau der immer noch verbreiteten Vorurteile über Menschen mit Behinderung bei“, erzählt Martin Krolop. „Mitten ins Herz getroffen hat mich als junger Vater besonders das Schicksal der Kinder mit Albinismus, die in vielen afrikanischen Ländern bis heute ausgegrenzt und benachteiligt werden, an dieser Schule aber ganz normal mit anderen Kindern lernen und spielen können.“

Martin Krolop fotografierte in Namibia Kinder mit Albinismus.

Die Begegnung mit den Mädchen und Jungen inspirierte Krolop & Gerst zu einem besonderen Fotoshooting: Sie porträtierten die begeisterten Kinder mit ihren Nikon-Kameras. Für das Kölner Fotografen-Duo, das neben Workshops und Tutorials regelmäßig Auftragsarbeiten für Werbe- und Industriekunden realisiert, wurde das Projekt zu einer echten Herzensangelegenheit.

Das Fotografen-Duo wählte einen neutralen Hintergrund, um das Land und das gesellschaftliche Umfeld bewusst außen vor zu lassen.

Kampf gegen Vorurteile

„Namibia hat in Afrika den größten prozentualen Anteil Albinos in seiner Bevölkerung“, erklärt Martin Krolop. „Die Betroffenen leben nicht nur mit einem stark eingeschränkten Sehvermögen und einem hohen Hautkrebsrisiko, sondern erfahren häufig auch Stigmatisierung und Marginalisierung.“ Aberglaube und Mythen über magische Kräfte oder eine Strafe Gottes seien immer wieder der Auslöser für Verfolgung und Demütigung. Kinder mit Albinismus würden gerade im ländlichen Namibia häufig versteckt und misshandelt.

Mit ihrem Vorhaben möchten Krolop & Gerst zugleich das Anliegen von gemeinnützigen Organisationen und der namibischen Regierung unterstützen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, über Albinismus aufzuklären und die Sehbehinderung durch spezielle Brillen zu kompensieren sowie Sonnencreme und -brillen, Hüte und Kleidung kostenlos zu verteilen. „Die Förderschule in Windhoek ist für die Kinder ein geschützter Ort, an dem sie die Chance haben, ihre Potenziale zu entwickeln“, erzählt Martin Krolop voll Anerkennung für die Arbeit der Lehrer.

Charakterstarke Fotografie

Für die Porträts hatten sich die Fotoprofis aus Köln eine einheitliche Bildsprache überlegt, um die einzigartige Persönlichkeit jedes Kindes hervorzuheben. „Wir wählten einen neutralen Hintergrund, um das Land und das gesellschaftliche Umfeld bewusst außen vor zu lassen“, so Krolop. „Die Schule liegt in Windhoek-Katutura, einem Wohngebiet dessen Name übersetzt so viel bedeutet wie ,der Ort, an dem wir nicht leben möchten’. Diesen Kontext wollte ich ausblenden, um mit den Bildern nicht die typischen Slum-Klischees zu bedienen. Beim Betrachten der Porträts soll nicht das Lebensumfeld der Kinder, sondern ihre unterschiedlichen Charaktere im Fokus stehen.“Martin Krolop entschied sich bewusst zugunsten der professionellen Spiegelreflexkamera Nikon D850.

„Unser Ziel ist es, die Bilder großformatig im Rahmen einer Ausstellung zu präsentieren. Deshalb haben wir viel Wert auf die maximale Auflösung gelegt“, erläutert der Fotograf. „Die Nikon D850 liefert mit ihrem 45-Megapixel-Sensor eine überragende Abbildungsleistung. Hinzu kommt, dass die professionelle Blitzfotografie unter Studiobedingungen immer noch das natürliche Territorium der Spiegelreflexkameras ist.“

Mit dem Projekt wollen Krolop & Gerst zugleich ein Zeichen gegen Rassismus setzen. „Wer sich die Bilder anschaut, macht sich automatisch Gedanken um die Hautfarbe“, so Martin Krolop. „Die Albinos in Afrika stellen unsere stereotypischen Erfahrungen mit rassistischer Ausgrenzung auf den Kopf: Nur weil ihre Haut heller ist, werden sie von der Gesellschaft ausgegrenzt und in eine Schublade gesteckt. In Europa ist es genauso, nur werden hier Menschen mit dunkler Hautfarbe oftmals vorverurteilt. Mit unseren Aufnahmen wollen wir zeigen, wie sinnlos und paradox dieses Verhalten ist.“

Insgesamt hat das Fototeam knapp drei Dutzend Kinder fotografiert.

Maximale Detailwiedergabe

Fotografiert hat Martin Krolop die Porträts mit dem lichtstarken Standardzoom AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8G ED, meist im Tele-Bereich bei 70 mm. „Viele der Kinder können nur sehr schlecht sehen, einige sind nahezu komplett blind. So war es uns nicht möglich, sie alle exakt auf den gleichen Punkt zu stellen. Das Zoom gab mir hier die nötige Flexibilität, um den Bildausschnitt anzupassen. Die Bildsprache erforderte eine absolut identische Ausrichtung der einzelnen Porträts, und das ist eben genau die Stärke von Objektiven mit variabler Brennweite.“

Um jedes Detail in den Gesichtszügen der Kinder einzufangen, wählte Martin Krolop zudem die mittlere Blendeneinstellung F/8 und die niedrigste Sensorempfindlichkeit, die bei der D850 bei ISO 64 liegt. Dadurch erzielte er Bilder in maximaler Qualität unter Beibehaltung des riesigen Dynamikumfangs von über 14 Blendenstufen. Martin Krolop: „Unser Plan ist es, die Bilder im Rahmen einer Ausstellung zu zeigen. Und weil wir damit größtmögliche Aufmerksamkeit generieren wollen, setzt das eine entsprechend hohe Aufnahmequalität voraus.“

Insgesamt hat das Fototeam knapp drei Dutzend Kinder fotografiert. Rund 800 Aufnahmen waren am Ende des Tages auf der Speicherkarte. Ein Knochenjob unter den zum Zeitpunkt es Shootings herrschenden Temperaturen. „Die Fotos sind bereits im November entstanden, also im Sommer auf der südlichen Halbkugel“, erzählt Krolop. „Es hatte 43 Grad im Schatten, auch drinnen war es irrsinnig heiß. Meine Sorge galt vor allem dem Fotoequipment. In der Kamera verrichten Sensor und Prozessor ohnehin schon digitale Schwerstarbeit und ich befürchtete, dass die Kamera aufgrund der Lufttemperaturen in Verbindung mit der Länge des Shootings irgendwann überhitzt. Doch wir hatten nicht einen einzigen Aussetzer oder anderweitige Probleme. Das hat mich wirklich sehr positiv überrascht.“


Berührende Momente

Später schenkten Krolop & Gerst jedem Kind sein Porträtbild. „Viele der Albinos sind noch nie fotografiert worden, geschweige denn von einem professionellen Fotografen. Allein schon deshalb waren die Aufnahmen für sie etwas Besonderes“, so Martin Krolop. „Tatsächlich wollten sie alle fotografiert werden und konnten es kaum abwarten, endlich selbst vor der Kamera zu stehen.“

Besonders bewegt hat den erfahrenen Fotografen der Moment, als die Jungen und Mädchen zum ersten Mal ihr eigenes Bild sahen. „Viele der Jungen und Mädchen können so schlecht sehen, dass sie ihr eigenes Spiegelbild kaum erkennen können. Doch als sie ganz nah an die Kamera gingen, konnten sie sich selbst auf dem Display sehen. Ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, mit welchem strahlenden Lächeln die Gesichter wieder hinter der D850 auftauchten. Solche Momente sind unvergesslich und machen für mich den wahren Zauber der Fotografie aus.“

Noch steht nicht genau fest, wo und wann die Albino-Porträts von Krolop & Gerst erstmals als Ausstellung zu sehen sein werden. Im Rahmen der von Nikon unterstützten Video-Tutorial-Serie „Destination Namibia“, wird es aber eine Sonderfolge zu dem Projekt geben. Darin gibt es einen umfassenden Einblick hinter die Kulissen des Shootings an der Förderschule in Windhoek. Die erste Folge der aufwendig produzierten Tutorial-Reihe, die insgesamt sechzehn Teile umfasst, wird im Spätsommer veröffentlicht.

Weitere Informationen findest du unter blog.krolop-gerst.com oder destination.krolop-gerst.com sowie unter mynikon.de.

Die Kinder waren völlig begeistert, als sie zum ersten Mal ihr eigenes Bild sahen.

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