Donnerstag, 28. Juni 2018

Zerletti

Marcello Zerletti lebt mit seiner Familie in Berlin und ist tagtäglich auf der Suche nach einzigartigen Momenten, Blickwinkeln und Perspektiven in seiner Stadt. Er liebt fotografische Spatziergänge in den frühen Morgenstunden, bevor der Trubel der Großstadt erwacht und sich die Straßen mit Leben füllen. Seine Fotos sind moody, stecken voller Leidenschaft und zeigen Berlin von einer ganz besonderen Seite.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Mein Schwiegervater hat sich vor 8 Jahren (2010) eine Spiegelreflexkamera (Nikon D3000) gekauft, die ich mir für den Urlaub ausgeliehen hatte. Ich hatte mit Fotografie vorher nicht viel am Hut und hab eigentlich nur mit dem Handy (die Qualität 2010 haben wir noch im Kopf) fotografiert. Meine Begeisterung war entfacht und nachdem ich anfänglich alles fotografiert habe, bin ich über Portraits und Blumen und Tiere, schnell bei meiner Umgebung und Berlin gelandet. Ich habe Fotografie nicht studiert und auch keinen Lehrgang besucht. Alles, was ich weiß, habe ich mir selbst durch sehr viel Probieren beigebracht und auch viele Tipps von befreundeten Fotografen bekommen.


Wann & WO fotografierst du am liebsten?

Meine bevorzugte Zeit ist der Sonnenaufgang. Die Zeit, wenn die Stadt erwacht, ist für mich die spannendste. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob die Sonne scheint oder nicht, es geht um die Stimmung, die es nur am Morgen gibt. Besonders in Städten bekommt man ein ganz anderes Bild, als am Abend bei Sonnenuntergang. Die Szenerie wirkt durch die menschenleeren Straßen ganz anders, als am Abend, wenn das Leben tobt. Am liebsten mache ich das natürlich in meiner Heimatstadt Berlin, in der ich viele Ecken schon kenne und 1000 Mal besucht habe – aber diese jedes Mal anders aussehen. Ich spiele gern mit Licht, insbesondere Gegenlicht und lange Schatten haben es mir angetan. Kein Tag ist gleich, daher kann ich eine Stelle so oft besuchen, wie ich mag und bekomme immer ein anderes Bild.

Mein Tipp ist, sich nicht zu viel vorzunehmen und das Ganze einfach als einen entspannten Spaziergang zu nehmen, sich treiben lassen. Mir kommt dabei entgegen, dass ich mich von sehr viel Equipment trenne und nur mit einer Kamera und einem Objektiv unterwegs bin. Ich verweile auch mal 20min an einer Stelle, beobachte die Szenerie und lasse die Umgebung auf mich wirken. In der Regel ergeben sich dann Szenen oder Blickwinkel, die sich von der Masse abheben



Was treibt dich an?

Wie alle Fotografen, bin ich stets auf der Suche nach Blickwinkeln oder Momentaufnahmen, die es nicht oft gibt oder vielleicht sogar Situationen, die einzigartig sind. Und genau das ist, was mich antreibt und mich fast jeden Morgen in die Stadt zieht. Mal begegne ich einem Fuchs vor dem Berliner Dom, mal schlägt ein Blitz in den Fernsehturm ein und mal passiert gar nichts. Ich weiß es vorher nicht, da ich das meiste nicht planen kann. Inspirieren lasse ich mich dabei nur von meiner Umgebung und verlasse mich da auf mein Auge und das Glück des Tüchtigen.

Welches Equipment ist bei dir immer mit dabei?

Am meisten kommt bei mir das AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR zum Einsatz. Durch die verschiedenen Brennweiten bleibe ich in der Stadt flexibel. So kann ich mit 24mm die meisten Gebäude in der Stadt ohne Verzerrung fotografieren, kann aber gleichzeitig auch mit bis zu 70mm das Leben in der Umgebung festhalten und/oder sogar auch Portraits machen ohne weitere Objektive mitzunehmen. Durch die Blende f2.8 bekomme ich eine fabelhafte Unschärfe und kann sehr spontan kreative Ideen umsetzen, bleibe aber mit dem Equipment an der unteren Grenze.


Dein Instagram-Profil lebt die Faszination für Berlin. Wie lange wohnst du schon dort?

Ich bin schon mein ganzes Leben in Berlin. Geboren wurde ich zwar in Strausberg, ca. 30km von Berlin, aber gleich nach meiner Geburt sind meine Eltern nach Berlin (Ost) gezogen. Soweit ich also denken kann, bin ich Berliner und zwar mit ganzem Herzen. Zu meinen Favoriten gehören der Berliner Dom und das Brandenburger Tor. Ja, ich weiß, das ist sehr touristisch, aber diese Orte stehen für mein Berlin, wie nichts anderes. Ich bin gern in meinem Kiez in Prenzlauer Berg unterwegs. Da verändert sich alles stets und ständig und man kennt sich.


Was war für dich die bisher herausforderndste Situation als Fotograf?

Höhe ist für mich immer eine Herausforderung. Ich habe zwar keine Phobie, aber es ist immer schwierig, mich in ungewohnter Höhe zu konzentrieren. Ich erinnere mich da sofort an einen Termin auf dem Berliner Fernsehturm. Ich hatte die Ehre über der Besucherplattform zu fotografieren, wo sonst eigentlich nur Wartungsmitarbeiter hinkommen. Ich stand also über der Kugel auf einem Gitter bei sehr heftigem Wind. Das war schon eine besondere Situation mit etwas mulmigem Gefühl. Da es aber ein Kindheitstraum von mir war, habe ich die Zähne zusammengebissen und meine Bilder gemacht.

Was macht dich zu einem Original?

Das ist eine schwierige Frage, ich weiß nicht einmal, ob das überhaupt zutrifft und ob ich etwas besonderes mache. Ich mache einfach, was mir Spaß macht. Von außen betrachtet, sehen meine Bilder oft recht düster und dunkel aus. Ich bin einfach kein Freund von zu viel Farbe. Meinen Bearbeitungsstil habe ich daher an meine Bilder angepasst.


Die Geschichte hinter einem deiner Bilder: Gibt es ein Bild, das dir besonders am Herzen liegt?

Es gibt sehr viele Bilder, auf die ich selbst ein wenig stolz bin. Es ist schwierig da ein einzelnes heraus zu picken. Zu meinen Favoriten gehört in jedem Fall ein Bild aus einer Serie, die ich vor 3 Jahren machen konnte. Ich habe bei meinem morgendlichen Spaziergang eine Fuchsfamilie im Tiergarten entdeckt. Ich bin nach dieser Entdeckung so gut wie jeden Morgen dorthin und habe beobachtet, wie die Kleinen aufgewachsen sind. Nach einer gewissen Zeit und anfänglicher Skepsis, hat mich die Mutter akzeptiert und an ihrem Leben teilhaben lassen. Ich habe nicht immer Bilder gemacht, manchmal hab ich auch einfach nur zugesehen. Der Abschied damals war für mich sehr emotional, da ich über 3 Monate täglich zu Besuch war. Die Bilder und speziell dieses Bild hat daher für mich eine besondere Stellung.

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