REPORTAGE EINER INDISCHEN HOCHZEIT MIT DER NIKON Z 6

Donnerstag, 12. März 2020

Cara ist eine leidenschaftliche Nikon-Fotografin aus dem Raum Frankfurt. Sie begleitet internationale Hochzeiten zur Hochzeitssaison, lässt ihre Kreativität im Herbst/Winter in Portraitshootings spielen und ist außerdem begeisterte Musikerin. Wir haben mit ihr über eine indische Hochzeit gesprochen, die sie mit ihrer D750 und der Z 6 fotografisch begleiten durfte.

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 320

Eine indische Hochzeit

Eli und Kamal waren nicht mein erstes indisches Brautpaar, aber es war meine erste indische Hochzeit. Am Meisten habe ich mich im Vorhinein auf Elis roten Sari gefreut, welchen indische Bräute während der Zeremonie tragen. Denn Rot ist meine absolute Lieblingsfarbe und allgemein sind die Saris und die Bräute mit so viel Liebe zum Detail geschmückt, da schlägt einem das Fotografenherz absolut höher. Auch wenn es kulturelles Neuland für mich war, war ich davon nicht eingeschüchtert, denn meine Einflüsse sind auch absolut multi-kulti. Von England bis Rumänien ist da eine Menge dabei und neue Traditionen finde ich absolut spannend.

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 280

Zusammen mit dem NIKKOR Z 50 mm 1:1,8 S für die Z 6 hatte ich auch das geniale AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm 1:2,8G IF-ED dabei. Als ich das zum ersten Mal in den Händen hielt, ist mir echt kurz das Herz stehen geblieben vor Freude. Was soll ich sagen? Es hat mich alles andere als enttäuscht. Zusammen mit der Nikon Z 6, dem einwandfreien Adapter und dieser Linse, konnte ich so wunderbare unauffällige Nahaufnahmen machen und ganz viele Details einfangen. Denn wenn ich etwas bin, dann versessen auf Details!

Wenn ich zu einer Hochzeit komme, bin ich zuerst darauf aus alle Details, die es in der Location gibt einzufangen. Alle Feinheiten der Deko, alle kleinen Vorbereitungen und letzte Handgriffe, persönliche Gegenstände, die Kleidung des Paares, den Schmuck und und und.

Und auf noch etwas bin ich versessen, nämlich Hände! Das rührt vermutlich auch daher, dass ich Klavier studiert habe und Hände immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt haben, da ich sie mir berufsbedingt ständig angeschaut habe. Es ist auch einfach schlicht und ergreifend der Wahnsinn was Hände so alles können. Für mich sind damit sehr emotionale Bilder möglich.

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 180

Vorbereitung & Equipment

Da ich für meinen natürlichen und emotionalen Reportagestil gebucht wurde, bin ich diese Hochzeit nicht anders angegangen, als meine üblichen christlichen oder freien Trauungen. Im Gepäck hatte ich daher meine beiden Nikon-Kameras: die D750, die Z 6 zum Testen. An Objektiven begleiten mich meist ein 50mm, ein 35mm sowie für enge Räume und größere Gruppenbilder ein 24mm Objektiv. Im Grunde könnte ich jedoch eine ganze Hochzeit mit einer 50er Linse fotografieren, ich liebe dieses Objektiv einfach und finde es unheimlich flexibel, praktisch und schön. Da ich sehr früh mit der Braut in den Tag gestartet bin und nur bis zum späten Nachmittag gebucht war, habe ich mich komplett auf natürliches Licht eingestellt und den Blitz auch nicht auspacken müssen.

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 220

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 180

Des Weiteren ist eine hinduistische Hochzeit nicht nur die Vereinigung von Mann und Frau als Ehepaar, sondern auch der Verbund zweier Familien. An der Zeremonie wohnen daher stets beide Familien bei und weichen dem Paar und dem Priester zu keinem Zeitpunkt von der Seite. Auch sind sie oft in den Ablauf der Vermählung eingebunden und wirken aktiv mit. Die Zeremonie wird von einem Priester in Sanskrit vollzogen, welches eine der ältesten antiken Sprachen ist, die noch gesprochen wird.

Während der Hochzeit werden immer mal wieder verschiedene Materialien benutzt. Zum Bespiel viele frische Blumen, welche Schönheit repräsentieren, Kokosnüsse, die für Fruchtbarkeit stehen oder Reis, den wir auch aus christlichen Hochzeiten kennen und für das grundlegende Bedürfnis der Nahrung steht.

Die Hochzeitszeremonie findet unter dem sogenannten Mandap statt, einem überdachten Gebilde, bestehend aus vier Säulen. Darunter sitzt das Brautpaar und um sie herum mehrere Kupfertöpfe, die die vier Elemente, Erde, Luft, Feuer und Wasser, repräsentieren. Da wir in diese Elemente hinein geboren wurden, gebührt man ihnen während dieser hinduistischen Zeremonie Respekt.

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 200

Mit dem 50mm ist es doch etwas schwer solche Aufnahmen unauffällig zu machen, da man recht nah ran muss. Das 105er mit seiner wundertollen Tiefenschärfe hat mir die schönsten Aufnahmen von Händen geschenkt. Zusammen mit dem knackscharfen 50mm wirklich die perfekte Kombination! Das 35er habe ich aus praktischen Gründen ab und zu benutzt, das 24mm blieb komplett in meiner Tasche.


Bräuche einer hinduistischen Hochzeit

Nach der hinduistischen Kultur, ist die Ehe eine heilige spirituelle Beziehung zwischen zwei miteinander verbunden Seelen. Diese sind so eng miteinander verwoben, dass nach der Hochzeit, die Körper zwar getrennt bleiben, die Seelen jedoch miteinander verschmelzen und spirituell gesehen zu einer werden. Eine, wie ich finde, sehr romantische und schöne Vorstellung der Ehe.

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 1400

Die vier Säulen repräsentieren aber auch die Eltern des Paares, welche die größten Stützpfeiler einer Beziehung zwischen Mann und Frau sein sollen. Daher ist der Segen der Eltern von allergrößter Bedeutung. Wenn die Zeremonie beginnt, ist zunächst die Braut noch nicht anwesend, sondern nur der Bräutigam und dessen Vater. Zusammen begrüßen sie durch verschiedene Rituale die beiden Mütter bevor die Braut eintrifft. Anschließend folgen verschiedene interessante und äußerst fotogene Rituale mit den Materialien und einem kleinen heiligen Feuer, welches in der Mitte angezündet wird.

Die gesamte Zeremonie hindurch spielen verschiedene Musiker traditionelle indische Instrumente, die wahnsinnig laut und hoch sind. Dadurch hat die Hochzeit natürlich etwas total lebendiges, aufgeregtes und wildes, wesentlich anders als man es von christlichen Trauungen kennt. Trotz des schönen bunten lebendigen Chaos waren viele von der Zeremonie berührt und es wurden einige Tränen, vor allem von der Braut, vergossen. Auch das Verlassen des Elternhauses hat in dieser Kultur eine viel schwerere und emotionale Bedeutung und diese Gefühle schwangen auf jeden Fall während der Hochzeit mit.

D750 | 1/320s | f/1.4 | ISO 160

D750 | 1/320s | f/1.4 | ISO 160

D750 | 1/320s | f/1.4 | ISO 160

D750 | 1/320s | f/1.4 | ISO 160

Auch indische Fotografen und Videografen sind von ihrer Arbeitsweise anders, als die meisten Fotografien, die ich aus meiner Umgebung kenne. Sie sind sehr darauf aus ein „perfektes“ Bild zu erstellen und geben somit ständig Anweisungen an das Brautpaar und die Familie, wohingegen ich versuche möglichst unauffällig zu ein, um das Geschehen nicht zu beeinflussen, sondern nur durch meine Augen mit meiner Kamera zu dokumentieren was passiert.

Auf der Hochzeit waren von den Eltern des Paares auch indischen Fotografen und ein Videografen-Team gebucht, an das ich mich erst mal gewöhnen musste, weil ihre Arbeitsweise so anders ist. Aber durch ihre sehr auffällige Arbeitsweise konnte ich schön unauffällig das Geschehen und die kleinen Moment drum herum fotografieren. Ich liebe es, wenn der Bräutigam einen kurzen Blick auf seine schöne Braut wirft, eine Mutter ihr Kind kurz streichelt, die Brautmutter gerührt ihre Tochter anschaut oder der Brautvater versucht die Tränen zu unterdrücken. Daher versuche ich stets wachsam zu sein, denn all diese kleinen Momente geben den Hochzeitsgeschichten ihren Charakter und ihre Emotionen. Nur auf das Dauerlicht des Videografen hätte ich verzichten können, da es im Tempel eigentlich ein wunderbar mystisches Licht gab, welches leider zu oft weg geleuchtet wurde. Aber so waren eben die Familien und das Brautpaar mit ihren Bildern glücklich ;-)

Z 6 | 1/500s | f/1.8 | ISO 640

Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 320

Z 6 | 1/500s | f/1.8 | ISO 450

Nach der Zeremonie und dem Essen, zu welchem ich herzlich eingeladen und etliche Male gefragt wurde, ob ich auch wirklich genug gegessen habe, sind Eli, Kamal und ich zu unserem Shooting aufgebrochen, bei dem ich mit den Beiden alleine sein konnte. Das Paar war ziemlich geschlaucht von den Vorbereitungen der Hochzeit sowie von der recht langen Zeremonie, aber dennoch haben wir, die wundervolle Z 6 und ich, einige tolle Bilder machen können.

Ich lache sehr gerne und oft und stecke somit meine Paare mit meiner positiven und fröhlichen Art an, sodass sie während des Shootings entspannen können, wenn ich meine Kamera hoch halte. Auch gebe ich ihnen gerne kleine Aufgaben, sodass sie nicht darüber nachdenken, ob sie jetzt gerade gut aussehen, sondern einfach sie selbst sein können und dabei sieht jeder einfach am Besten aus!

Z 6 | 1/400s | f/1.8 | ISO 100

Z 6 | 1/400s | f/1.8 | ISO 100

Cara's Leidenschaft

Ich bin noch jung in der Branche und erst seit zwei Jahren dabei, aber ich durfte bereits so viele schöne, emotionale Hochzeiten begleiten und einigen Paaren auch ins Ausland wie Griechenland, Spanien und Frankreich folgen. Trotz meiner großen Liebe zur Liebe und den daraus entstehenden Hochzeiten, gehört meine andere Fotografen-Herzhälfte der Portrait-Fotografie, wo ich mich in Richtung Fine-art und kreativen Portraits auch gerne auslebe. Der Sommer ist somit fast ausschließlich mit dem Dokumentieren von Hochzeiten voll und im Herbst und Winter beschäftige ich mich gerne mit der Portrait-Fotografie sowie der Musik und meinem Klavier. Ein sehr fotogener Blüthner Flügel übrigens, der mit seinem verschnörkelten Holz schon oft als Prop genutzt wurde ;-)

Zwei Dinge, die Fotografie und die Musik, welche wunderbar zusammen passen und mein kreatives Herz völlig ausfüllen.

My | Z 6 | 1/320s | f/1.4 | ISO 400

My | Z 6 | 1/320s | f/1.8 | ISO 800

My | Z 6 | 1/320s | f/1.4 | ISO 640

Lilly | Z 6 | 1/1250s | f/1.8 | ISO 2000

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