Dienstag, 16. Juli 2019

Fotografieren mit einem ND-Filter

Kombiniert eure Nikon-Kamera mit dem perfekt passenden Zubehör, um eure Bilder auf ein ganz neues Level zu bringen. Heute geht es um ND-Filter, auch Graufilter genannt. Ein farbneutraler ND-Filter lässt weniger Licht in die Kamera einfallen – wie eine Sonnenbrille. Aber wofür ist das gut, welche kreativen Möglichkeiten verstecken sich hier?

Wenn ihr fließendes Wasser samtig ablichten möchtet, kommt ihr an einem ND-Filter nicht vorbei. @Stefan Forster

Sinn des ND-Filters

ND-Filter dienen der Verlängerung eurer Belichtungszeit – und dafür gibt es einige gute Gründe: Komplexe Szenen etwa, wie Flüsse, Wolken oder Wälder können so in ihren vielen Details etwas reduziert werden: Durch eine Langzeitbelichtung verschwimmen Wasserläufe und wirken dynamischer, gleiches gilt für Wolken. Diese ziehen nun viel plastischer durch den Himmel. So entsteht ein Effekt, der für das menschliche Auge so nicht sichtbar ist und damit automatisch mehr beeindruckt. Anders ausgedrückt – ihr schafft etwas Surreales. Es gibt aber noch einen Grund, warum viele Profis ND-Filter nutzen: Wenn sie mit einem lichtstarken Objektiv, wie etwa einem 50mm f/1.4, ein Porträt bei Offenblende in der Sonne fotografieren möchten. Da der ISO-Wert zum unteren Rand meist bei 100 begrenzt ist und Kameras nur bis zu 1/8000 Sekunde belichten können, ist die Verwendung eines starken ND-Filters Pflicht, um die Helligkeit zu kompensieren. Verschiedene Stärken für verschiedene Situationen – für jeden Wunsch gibt es elegante Lösungen.

Mit Hilfe eines ND-Filters könnt ihr Menschen in Unschärfe verschwimmen oder sie sogar gänzlich verschwinden lassen. Auf dem Foto: Max Leitner in Lyon

Sorten und Größen

Steck- oder Rechteckfilter gibt es in der Regel nur in wenigen Größen, da diese ohnehin mit einem Adapter am Objektiv befestigt werden. Eine gute Wahl sind 100mm Durchmesser, das deckt alle gängigen Objektive ab. Qualität sollte ein wichtiges Kaufargument sein, es macht schließlich wenig Sinn, ein hochwertiges Objektiv für die maximale Schärfe zu nutzen, um dann einen günstigen Filter davorzusetzen.

Helligkeit und Farbechtheit

Die verschiedenen Graufilter unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Lichtdurchlässigkeit, die mit einer Zahl gekennzeichnet ist. ND2 entspricht dabei einer vollen Blende weniger Licht. Der übliche Maximalwert für ND-Filter liegt bei ND1000, was einer Verdunklung von zehn Blendenstufen entspricht. Das bedeutet: bei ND2 müsst ihr die Belichtungszeit verdoppeln, um ein identisches Bild wie ohne Filter zu erreichen – bei ND1000 müsst ihr die Belichtungszeit sogar mit dem Faktor 1.000 multiplizieren. 

Es empfiehlt sich, nicht alle Filter einzeln zu kaufen, sondern auf bestimmte Filter im Set zu setzen und diese dann zu kombinieren. Wem ein ND1000-Filter nicht ausreicht, der kann natürlich auch mehrere davon übereinander legen. So werden auch stundenlange Belichtungen bei hellem Tageslicht möglich. Das wird häufig verwendet, um belebte Plätze menschenleer zu zaubern.

Richtige Anwendung

Filterfotografie hat grundsätzlich viel mit Planung und Vorbereitung zu tun – und braucht fast immer ein Stativ. Sucht euch zunächst mal ein passendes Motiv aus – eine vernünftige Langzeitbelichtung, die Bewegung in Wolken bringt, kann schnell eine Viertelstunde dauern, also besser vorher überlegen. Baut dann die Kamera auf dem Stativ auf und richtet alles ein, auch den Bildausschnitt und den Fokus. Erst jetzt kommt der Filter auf die Kamera, denn mit einem starken ND-Filter kann man durch den Sucher nichts mehr erkennen. Das Objektiv sollte auf den manuellen Fokus eingestellt sein, die Kamera ebenfalls auf den Modus M. Den Bildstabilisator solltet ihr deaktivieren. Erstellt nun einen Testschuss mit einer hohen ISO-Zahl, um eine Belichtungszeit zu ermitteln. Danach rechnet ihr den Wert für ISO 100 aus. Dafür verdoppelt ihr die Belichtungszeit je ISO-Stufe. Als Beispiel: ISO 1600 bei 30 Sekunden entspricht ISO 800 bei einer Minute, bis dann bei ISO 100 acht Minuten herauskommen. Das ist eure Kameraeinstellung für Top-Ergebnisse.

Für eine bestmögliche Bildqualität ist die integrierte Rauschreduzierung der Kamera empfehlenswert. Sie nimmt nach der eigentlichen Aufnahme noch ein Schwarzbild mit gleicher Belichtungszeit auf und rechnet dann aus der Aufnahme das Rauschen heraus.

Das Fotografieren mit ND-Filtern erfordert viel Übung, sorgt aber dafür, dass ihr eure Kamera besser versteht. Die Blende bleibt dabei grundsätzlich unangetastet und wird besser schon im Vorfeld eingestellt. Hier empfiehlt sich, je nach Objektiv, eine Blende von f/4 bis f/8 – die optimale Zahl hängt immer vom Objektiv ab, ihr könnt sie durch ein paar Testfotos herausfinden.

Bei mehreren Minuten Belichtung braucht ihr auch bei Sonnenauf- oder untergang einen ND-Filter, um beispielsweise Leuchtspuren von Autos oder Bahnen aufzunehmen. D850 | AF-S NIKKOR 16-35 mm 1:4G ED VR | ND 1000 | 3s | f/5 | ISO 250 @Zerletti

 
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