Dienstag, 10. April 2018

Models, Outfits und eine Taucherbrille: kreative Unterwasserfotografie

Der 2014 vom Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) zum Deutschen Meister der Unterwasserfotografie gekürte Nikon-Fotograf Konstantin Killer liebt das kühle Nass: Seine Models und er tauchen während des Shootings ab.

Model: Ann-Marie Anders, Nikon D800 + NIKKOR 16mm | 1/160s | f14 | ISO 640 mit insg. 9 Blitzen fotografiert

Wie bist du zur Unterwasserfotografie gekommen?

Bereits in den 80er-Jahren zog es mich als Kind immer wieder ans und vor allem auch ins Wasser. Zunächst legte ich unzählige Seemeilen an Bord von Sportsegelschiffen zurück, bevor ich 2007 mit dem Tauchen begann. Da ich mich schon als Jugendlicher mit analoger Fotografie beschäftigte, konnte ich mit dem Umstieg auf digitale Fotografie gleich zwei meiner liebsten Hobbys vereinen: Tauchen und Fotografieren.

Zuerst als Winterbeschäftigung gedacht, begann ich mit der Model-Unterwasserfotografie. Daraus entstand sehr schnell eine Leidenschaft: besondere Belichtung, unerwartete Ideen, komplexe Planung und „je verrückter, desto besser“ ist meine Devise. Trotz sehr viel Vorbereitungsarbeit und aufwendigen Szenenaufbauten macht es mir enorm viel Spaß eine ausgedachte Idee umzusetzen.


WIE ENTWICKELST DU DEINE FOTOIDEEN?

Mir macht vor allem die Fotografie mit Menschen Spaß – erst mit einem weiblichen oder männlichen Modell werde ich so richtig kreativ. Besonders spannend dabei ist, dass die Models meist schwebend oder fliegend wirken, wenn ich sie unter Wasser fotografiere. Bei einem Unterwasser-Aufnahmewinkel zur Oberfläche von etwa 45 Grad oder kleiner wird ein perfektes Spiegelbild des Modells erzeugt: Totalreflektion genannt.

Ein besonderer und sehr interessanter Effekt, den ich gerne in meinen Fotos nutze, um mehr Spannung zu erzeugen. Mit passenden Accessoires, wie zum Beispiel Tüchern oder langen Kleidern, unterstreiche ich gerne die Schwerelosigkeit unter Wasser. Mein Faible für offene, lange Haare ist auf vielen Bildern sicher auch nicht zu übersehen.


WAS GIBT ES BEI EINEM UNTERWASSERSHOOTING ZU BEACHTEN?

Ich wurde schon oft gefragt, welche Tiefe für ein Unterwassershooting optimal sei. Diese Frage kann so pauschal gar nicht beantwortet werden, jedoch empfehle ich eine Tiefe von etwa 1,40 bis 1,60 Metern (für das Modell). Je nach Schwimmbecken ist diese Tiefe optimal, denn so kann der Fotograf  fest auf dem Boden stehen und die Kamera stabil halten. Für Models – vor allem auch für ungeübte – besteht die Möglichkeit schnell und zu jeder Zeit aufzutauchen, um Luft zu holen. Wer einen größeren Aufnahmebereich benötigt und ganze Geschichten Unterwasser mit seinen Bildern erzählen möchte, der sollte zwischen 3,5 bis 5 Metern abtauchen. Hier sind jedoch viel Erfahrung und eine besonders eingespielte Crew gefragt, damit alles glatt läuft. Einsteigern würde ich diese Tiefe nicht empfehlen.

Model: Dominique Grübel im Heinrich Völker Bad in Worms, Nikon D800 + NIKKOR 16mm | 1/200s | f14 | ISO 500 mit insg. 8 Blitzen fotografiert

Model: Nadine Naloha und Alexandra Schmitt, Nikon D800 + NIKKOR 16mm | 1/200s | f13 | ISO 200 mit insg. 4 Blitzen fotografiert


Wichtig ist auch das Beachten der Zeit. Solch ein Shooting sollte nicht länger als 2 Stunden dauern, denn dann ist der Erschöpfungsgrad durch körperliche Anstrengung und die Wassertemperatur sehr hoch. Auch zwischendurch empfehle ich kleine Erholungspausen, in denen sich alle aufwärmen können, nachgeschminkt und durchgeatmet werden kann. Tipp: ein Heißgetränkt und etwas Süßes wirken wahre Wunder.

Wasser hat eine Dichte, die etwa 840 mal höher ist, als die der Luft, was eine große Auswirkung auf die Ausbreitung von Licht unter Wasser hat. Dies stellt eine besondere Herausforderung bei der Farbgestaltung dar. Beispielsweise „verschwindet“ die Farbe Rot bereits nach wenigen Metern Lichtweg unter Wasser, gefolgt von anderen eher warmen Farben wie Orange und Gelb. Auch die Helligkeit ist natürlich betroffen, je tiefer wir in das Wasser abtauchen. Meine Empfehlung ist hier der gezielte Einsatz von Blitzen, um Farben zu erhalten und Akzente zu setzen. Tipp: Ein leicht steigender Winkel bei der Kameraführung bringt zusätzliches Licht auf den Sensor und ein kleinerer Abstand zum Modell bringt sattere Farben.

Model: Ann-Marie Anders; Sicherungstaucher; Alexandra Schmitt; Dress: Filia Design; Nikon D800 + NIKKOR 16mm |1/125s | f11 | ISO 560 mit insg. 7 Blitzen in ca. 7 Meter Tiefe on einem Tauchturm bei Siegburg fotografiert.


WELCHE FOTOAUSRÜSTUNG BENUTZT DU UNTERWASSER?

Im Jahr 1991 hielt ich meine erste Spiegelreflexkamera von Nikon in der Hand – ein lang ersehntes Werkzeug, um meine Leidenschaft auszuleben. Es war damals die erste Nikon, aber bei weitem nicht die Letzte!

Seit vielen Jahren nehme ich an nationalen und internationalen Live-Wettbewerben im Bereich Unterwasserfotografie teil. Bei solch einem Wettbewerb werden die Speicherkarten formatiert und die Kameras vor dem Tauchgang in einem Unterwassergehäuse versiegelt. Sofort nach dem Tauchgang werden die aufgenommenen Bilder ausgelesen und gesichert, sodass eine Bildbearbeitung durch externe Programme wie beispielsweise Photoshop nicht möglich ist. Es muss also alles sitzen und die Einstellungen der Kamera optimal gewählt werden. Von meiner Nikon wurde ich nie enttäuscht – gerade durch die Picture Control Software habe ich die Möglichkeit Bildverarbeitungseinstellungen wie Scharfzeichnung, Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung und Farbton schon direkt mit der Kamera vorzunehmen.


Weitere Kriterien weswegen mein Herz für Nikon schlägt sind die Robustheit und die Zuverlässigkeit. Gerade bei einem Live-Wettbewerb in 40 Meter Tiefe würde ein Ausfall der Technik zur Disqualifizierung führen. Das möchte ja keiner! Die selbsterklärende und klar gegliederte Menüführung ermöglicht schnelle Anpassungen der Einstellungen in jeder Situation – auch unter Wasser.

Konstantin mit Model Ann-Marie Anders beim Shooting.

Diese und noch einige weitere Kriterien haben mich zu Nikon geführt – und daran halte ich fest! Derzeit fotografiere ich mit meiner Nikon D800. Durch ein speziell angefertigtes Unterwassergehäuse aus Druckgussaluminium von SEACAM ist die Kamera bestens geschützt, wenn ich abtauche.


WELCHE OBJEKTIVE MÜSSEN IMMER MIT DABEI SEIN?

Entscheidend bei der Auswahl meiner Objektive ist das Umfeld: Fotografiere ich unter Wasser oder an Land? Wenn ich im Urlaub mit meiner Familie unterwegs bin, favorisiere ich mein AF-S NIKKOR 70-200 mm, 1:2.8E FL ED VR. Wie schon erwähnt birgt die Unterwasserfotografie durch die Dichte des Wassers eine besondere Herausforderung – auch bei der Objektivwahl. Hier bevorzuge ich Fisheye oder Weitwinkelobjektive – wichtig ist, dass die gewählten Objektive eine maximal hohe Lichtstärke mitbringen. Mit im Gepäck habe ich meistens das AF Fisheye-NIKKOR 16mm 1:2,8D, AF-S NIKKOR 85mm 1:1.4G und das AF-S Micro-NIKKOR 105mm 1:2,8G VR. Für Fischportraits ist ein Zoomobjektiv goldrichtig: Das AF-S Zoom-NIKKOR 24-70mm 1:2,8G ED bietet hier das richtige Brennweitenspektrum.

Schiffswrack in der Nähe von Marseille, Südfrankreich in ca. 20 Meter Tiefe, Nikon D810 + NIKKOR 16mm |1/200s | f10 | ISO 400

Schiffswrack im Mittelmeer in ca. 35 Meter Tiefe, Nikon D810 + NIKKOR 16mm |1/200s | f13 | ISO 640

Mein Lieblingsobjektiv unter Wasser ist das AF Fisheye-NIKKOR 16mm 1:2,8D. Eine Linse, die mich schon in vielen meiner Shootings begleitet hat. Mein „Arbeitstier“, das schnell, leicht und präzise ist.


WIE BEREITEST DU DICH AUF EIN SHOOTING UNTERWASSER VOR?

Eine genaue Planung ist bei Unterwassershootings besonders wichtig. Wie schon erwähnt, ist das Zeitfenster sehr eng und das Modell ist teilweise nur Sekunden unter Wasser, bevor es Luft holen muss. Für jedes meiner Shootings erstelle ich vorab ein konkretes Konzept bzw. Storyboard. Dabei ist es vor allem wichtig, die richtige Equipment-Auswahl für das geplante Motiv zu treffen sowie die Positionierung der Blitze genau zu planen. Außerdem überlege ich mir vorab schon Posen und wo genau ich bspw. Wert auf sichtbare Luftblasen lege – hier kommt beim Shooting dann auch die Kreativität des Modells dazu.

Vorbereitungen am Set – gleich geht’s los.

Vor dem Shooting treffe ich mich mit meinen Models und bespreche alle Einzelheiten. Leider ist es unter Wasser unmöglich genaue Anweisungen oder Posingwünsche mitzuteilen. Auch meine Hilfsmannschaft wie bspw. ein Sicherungstaucher und Beleuchter werden von mir eingewiesen und mit dem Storyboard vertraut, damit jede Einstellung sitzt, wenn es darauf ankommt. Nach dem Shooting folgt die Bildbearbeitung, die je nach Aufwand noch einmal ein paar Stunden und/oder Tage in Anspruch nehmen kann. Doch auch hier habe ich mir vorab schon gewisse Ideen zu Recht gelegt.


WAS SIND DEINE TOP TIPPS ZUR UNTERWASSERFOTOGRAFIE?

1. Am Wichtigsten: nah dran sein! Durch die physischen Gesetze, die wir Menschen nicht außer Kraft setzen können, ist der kleinstmögliche Abstand zum Objekt der Schlüssel zum perfekten Bild.

2. Ruhe bewahren. Durch meine langjährige Erfahrung als Ausbilder für Unterwasserfotografen habe ich festgestellt, dass viele Fotografen recht nervös unter Wasser agieren und vor lauter Aufregung alles Gelernte direkt wieder vergessen. Klar, es muss an vieles gleichzeitig gedacht werden: den Bildaufbau, das vorhandene Umfeld, die Sicherheit aller anwesenden Personen und so weiter – ein Aufgabentopf, der leicht die Köpfe zum Rauchen bringen kann.


3. Ein silbernes Rettungsschwimmerabzeichen wird oft als Grundvoraussetzung gefordert, um ein Schwimmbad oder -becken mieten zu können. Daher solltet ihr bei der Kontaktaufnahme und der Buchung euren Tauchschein sowie einen Beleg über das Silberabzeichen immer mitsenden oder dabei haben. Außerdem möchte ich ganz besonders darauf hinweisen, dass eine spezielle Haftpflichtversicherung notwendig ist, um euch gegen eventuelle Vorkommnisse wie Schäden am Becken zu schützen.


Außerdem sollte die Auswahl einer qualitativ hochwertigen Fotoausrüstung nicht vernachlässigt werden. Die Unterwasserfotografie birgt schwierige bis sehr schwierige Lichtverhältnisse, bei der einige Kameras schnell an ihre Grenzen stoßen – Frustration vorprogrammiert. Ich empfehle daher: Nehmt euch ausreichend Zeit für die Auswahl und Zusammenstellung eures Partners und Begleiters unter Wasser!

Konstantin mit seiner D810 auf Tauchgang.

Auch für sportliche Motive kann sich der Fotograf begeistern. So hat er bereits ein Traning der Deutschen Nationalmannschaft im Unterwasserrugby in Krefeld und eines der Synchronschwimmer im Mannheimer Herschel Bad fotografisch begleitet.


DEINE KAMERA IST AUCH IM URLAUB IMMER MIT DABEI. WAS FASZINIERT DICH AN DER UNTERWASSERWELT AM MEISTEN?

Unter Wasse,r wie über Wasser ist meine Nikon D800 immer bereit. Eine kleine Herausforderung, die ich schon öfters erfahren durfte: Behängt mit Taschen voller Fotoausrüstung komme ich kaum ungestört am Sicherheitspersonal am Flughafen vorbei. Ein Schicksal, das jeder reisende Fotograf wohl akzeptieren muss. Jedoch sind alle Strapazen sofort vergessen, wenn ich endlich die wunderschöne Unterwasserwelt vor der Linse sehe.

Für mich ist jeder Tauchgang eine Reise zum Mond. Besonders die kalten und tiefen Seen und Meere bergen große Geheimnisse, wie Wracks aus dem zweiten Weltkrieg oder sogar viel ältere Schiffs- und Flugzeug-Überreste – in meinen Augen eine Art „Zeitmaschine“, die uns die Geschichte „zum Anfassen" liefert. Ein wahnsinniges Gefühl und atemberaubende Bilder, die ich immer und überall unbedingt für alle Nichttaucher mitnehmen möchte. Es wird nicht umsonst gesagt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!



Mehr von Konstantin Killer erfahrt ihr auf seiner Website:

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