Dienstag, 12. Februar 2019

Wild, happy, raw and real

Seit über 20 Jahren ist Frank Weyreuther als freier Fotograf unter dem Pseudonym Phrank tätig. Er arbeitet vor allem für Plattenlabel und Events, aber auch diverse Medien und Agenturen gehören zu seinen Kunden. Seine Sommer verbringt der gebürtige Düsseldorfer dafür in de Regel auf der Partyinsel Ibiza. Im Interview mit Nikon erzählt der diplomierte Grafik-Designer, was ihn an Ibiza reizt, über seinen Weg zur Fotografie und seine Erfahrungen als Partyfotograf.

DJ Sneak with Bob Marley T-Shirt | D800E | 35 mm | 1/50s | f/5 | ISO 800

Wie bist du in die Party-Szene gerutscht?

Ich bin immer schon ein großer Fan von elektronischer Musik gewesen und war schon Anfang der Neunziger den ersten Techno- und House-Partys unterwegs. Das war mein Sound und die Szene hat mir gut gefallen. Ich fing dann an, während des Studiums bei einem Plattenlabel und einer Veranstaltungsagentur als Grafik-Designer zu jobben und Kontakte in der Szene zu knüpfen.

Nina Kraviz Incognito | D800 | 28 mm | 1/60s | f/3.5 | ISO 500

Was hat dich damals speziell nach Ibiza gezogen? Kommst du irgendwann zurück?

Ibiza hatte den Ruf als Partyinsel schlechthin. Als Fan elektronischer Musik wollte ich unbedingt dorthin. Von meinem ersten Trip 1996 wurde ich allerdings ziemlich enttäuscht: Handtaschen-House und Trance, eher Großraum-Discomusik und alles super teuer. Doch nach zwei Jahren zog es mich zurück, dieses Mal in Form eines Survival-Trips – ein Tipp meines Freundes Harry. Das war dann wirklich ein Abenteuer und magic happens: ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Warum? Ich habe die Leute von der holländischen Veranstaltung „Extrema“ kennengelernt. So bin ich da kleben geblieben und habe mich in das Land, die Leute und den Lifestyle verliebt. Dennoch tut ein bisschen Abstand ab und zu gut, deswegen verbringe ich die Winter in Deutschland, die Sommer auf Ibiza.

Erzähl uns etwas über die Partyszene in Deutschland und auf Ibiza. Welche Unterschiede gibt es?

Ibiza ist “the place to be” für eine Kombination aus Hedonismus, elektronischer Tanzmusik, internationalem Flair, Sommer, Sonne, Strand und Meer. Menschen aus der ganzen Welt kommen zusammen, um Spaß zu haben, zu tanzen und zu feiern. Eine offenere Gesellschaft, die alles etwas lockerer nimmt – typisch Spanien eben. Deutschland ist da schon spießiger, da es nicht die Möglichkeiten bietet schnell mit Fremden in Kontakt zu kommen. Allerdings ist es günstiger und experimenteller bzw. innovativer in Sachen elektronischer Tanzmusik. Ibiza hingegen ist eine Touristeninsel mit teuren Touristenprogrammen.



Wann und wie hat dich die Fotografie dann „gepackt“?

Cocoon Sven Väth | D800E | 24 mm | 1/60s | f/4 | ISO 800

1998, da wollte ich alles auf meinem zweiten Ibiza-Trip in Bildern festhalten – ursprünglich noch mit einer alten Point and Shoot- bzw. einer Lomo-Kamera. Ich hatte ein paar abgelaufene Diafilme gekauft und Spaß zu experimentieren.

Pippi | D700 | 35 mm | 1/10s | f/7.1 | ISO 200

Sunrise in Privilege | D700 | 50 mm | 1/500s | f/2.5 | ISO 800

Seit wann nutzt du Nikon?

Als Grafik-Designer hatte ich von Anfang an großes Interesse am Desktop-Publishing und digitaler Bildtechnik. Als dann die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen, war ich Feuer und Flamme. Das Design und die Technik von Nikon finde ich schöner und besser als bei anderen Herstellern. Direkt bei mir um die Ecke hatte Nikon einen Showroom. Dort konnte ich die Kameras anschauen, in die Hand nehmen und mich beraten lassen.

Meine erste Nikon war eine COOOLPIX 100, die aussah wie ein Taschenrechner mit Display. Sie hatte gerade mal eine Auflösung von 640x480 Pixel. Dann folgte die COOLPIX 900. Da die Auflösung für Print immer noch etwas dürftig war, kaufte ich mir 1999 meine erste Spiegelreflexkamera von Nikon, die F100 und dazu auch gleich einen Diascanner. Je nach Job und Medium sind bei mir heute noch die digitale oder die analoge Spiegelreflexkamera im Einsatz.

Dancer in spotlight | D700 | 50 mm | 1/250s | f/2.8 | ISO 1600

Welchen Umfang hat dein Fotoequipment? Mit welchem Objektiv fotografierst du am liebsten?

Meine vorhandenen Brennweiten haben so gut wie alle eine Blende von mindestens 2.8. Einige sind schon ziemlich alt, andere etwas neuer. Vom Super-Weitwinkel und Fisheye bis zum Tele: Ich liebe Festbrennweiten, weil sie nicht nur robuster, sondern auch kompakter und leichter sind. Nur bei Jobs, die schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven und Brennweiten erfordern, nutze ich Zoom-Objektive. Meine Lieblinge sind das AF-S Zoom-Nikkor 17–35 mm 1:2,8D IF-ED und AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED und wenn es der Job erfordert das AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED bis AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR. Es kommt also immer auf die Situation an. Mein aktuelles Dreamteam besteht aus dem AF-S NIKKOR 24 mm 1:1,8G ED, AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G und einem AF Fisheye-Nikkor 16 mm 1:2,8D – klein, leicht, scharf.

Home Office

Dancer at Space Opening, backstage | D800 | 85 mm | 1/60s | f/7.1 | ISO 200

Wie würdest du deinen Fotografiestil beschreiben?

Wild, happy, raw and real und irgendwie grafisch. Ich fühle mich immer noch mehr als Grafik-Designer, der fotografiert, als ein Fotograf, der Grafik-Design macht und denke, dass das auch auch meinen Fotografiestil prägt.


Was macht dir am Fotografieren auf Partys die größte Freude und wie reagieren die Leute, wenn sie dich sehen?

Generell sind sie froh, mich zu sehen. „Da kommt er (wieder), der wilde, langhaarige, lächelnde Fotograf.“ Speziell im Event-Musikbusiness kennen mich viele vom Sehen, da ich das nun schon ein paar Jahre mache. Was mir besonders Spaß macht, ist die Jagd nach den Magic Moments. Wenn ich versuche, die Party und die Atmosphäre mit einem Bild einzufangen, um damit eine Geschichte zu erzählen. Dazu kommt, dass ich durch die Kamera auch interessante Menschen kennenlerne, mit denen ich wahrscheinlich sonst nie in Kontakt gekommen wäre.


Zu später Stunde steigt der Alkoholpegel – hast du keine Angst um dein Equipment? Was ist dir schon alles kaputt gegangen? Wurdest du schon einmal beklaut?

Alkohol fließt auf großen Parties natürlich nicht zu knapp. Das Problem sind dann die alkoholisierten Leute, die einem das Equipment vollkleckern. Zu Bruch gegangen ist meine Ausrüstung aber eher durch Missgeschicke meinerseits außerhalb des wilden Nightlifes und beklaut wurde ich bisher „nur“ drei Mal in all den Jahren.

Du arbeitest nebenher auch mit Magazinen, bzw. an einem Magazin mit. Wie ist das für dich? Welche Fotos wählst du für einen Bericht besonders gerne aus?

Genau, ich arbeite mit am „dub Magazine Ibiza“. Es gefällt mir sehr meine andere, persönliche Sicht der Dinge zu präsentieren. Ein eigenes Magazin bzw. Medium ist da super, da ich fast alles ohne Kompromisse zeigen kann – so bin ich mein eigener Creative Director. Wie auch bei anderen Veröffentlichungen, sind mir spannende Perspektiven wichtig. Als Grafik-Designer habe ich ein eher grafisches Auge – ich liebe zum Beispiel Silhouetten.

Was war bisher deine größte fotografische Herausforderung?

Da hatte ich schon mehrere große, aber nicht die eine größte Herausforderung.
Hier also meine Top 3:

  • Drei Tänzerinnen auf drei Kamelen in der Wüste von Marrakesch.
  • Karneval in Rio Sambadrome – wenn ihr die Bilder aus dem Fernsehen kennt, könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie es inmitten des bunten Treibens ist: viel Gerenne bei tropischer Hitze.
  • Cocoon Heroes Backstage Shooting im „Amnesia“ auf Ibiza. Ich habe ein Portrait-Shooting mit Studioblitzanlage und einem Tethered Shooting auf engstem Raum im Partytrubel des Backstage-Bereichs des Amnesia Clubs realisiert. Da musste die Frage von eben ganz besonders beachtet werden: Keine Drinks in der Nähe des Equipments, speziell des Laptops!

Bouncer | D700 | 50 mm | 1/60s | f/2.8 | ISO 400

Tirry | D700 | 50 mm | 1/30s | f/11 | ISO 800

Setzt du auf eine bestimmte Technik beim Fotografieren?

Alles, was technisch möglich ist – ich experimentiere gerne. Vor ein paar Jahren kam mir die Idee, die Tanzflächen der Clubs auf Ibiza von oben zu fotografieren. Dafür habe ich mir einen neuartigen Transmitter von CamRanger gekauft und meine Nikon mit dem Fisheye zusammen an der Decke des Clubs montiert. Die Installation war ziemlich aufwendig. Besonders zu beachten war, dass der Akku hält, die WLAN-Verbindung nicht abbricht und die Kamera nicht durch Kondenswasser oder CO2-Nebel in Mitleidenschaft gezogen wird.

Derzeit sind Radio-Transmitter angesagt mit denen Blitze ferngesteuert werden können. Ich habe das ins Extreme getrieben und jeden Winkel der Clubs mit Blitzen ausgestattet. So habe ich fast die volle Kontrolle über die Lichtsituation im Nightlife und bin nicht vom Lightjockey abhängig. Ansonsten gefällt es mir entfesselt zu blitzen, um nicht zu flache Portraits zu haben. Da sind wir wieder bei der Nikon Technik: Das SC-29 Blitzkabel mit AF-Hilfslicht hat mir den Spitznamen "Octopus" eingebracht, weil ich mit einem Arm immer mit dem Blitz herumhantiere.


Welchen Anteil nehmen bei dir Vorarbeit, tatsächliche Umsetzung und Postproduktion ein?

Die Vorarbeit nimmt oft viel Zeit in Anspruch: Die Akquise kann Tage bis Wochen dauern. Gott sei Dank gibt es Smartphones, so habe ich mein Büro immer dabei, bin flexibel und fast immer erreichbar. Um das Equipment für das jeweilige Projekt zusammen zu stellen, benötige ich 1-2 Stunden. Die Umsetzung macht dann natürlich den meisten Spaß! Zeitlich ist das von Job zu Job unterschiedlich. Die Nachbearbeitung dauert in der Regel halb so lang wie das eigentliche Shooting, zumindest bei Nightlife-Events. Danach kommen dann noch die Bild-Archivierung und Buchhaltung.

Camera on the roof - Cocoon in Amnesia | D2X | 10 mm | 1/700s | f/4.5 | ISO 640

Hast du Party-Fototipps, die du gerne an andere Fotografen weitergeben möchtest?

  • Ihr solltet euch nicht unter eurem Wert verkaufen. Es macht Spaß im Nightlife zu fotografieren, aber es ist auch harte Arbeit. Die Fotoausrüstung und die Zeit sollten bezahlt werden.
  • Ich rate dazu, unbedingt eine Versicherung für Foto- und Filmapparate abzuschließen! Sicher ist sicher. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Club oder Veranstalter für Schäden am Equipment aufgekommen ist.
  • Und schließlich: Immer die Situation respektieren und nicht zu aufdringlich sein. Das heißt: Nicht zu viel blitzen – der DJ, Live Act oder die Tänzer(innen) sollten im Fokus sein, nicht der Fotograf. Um den "Schuss des Lebens" zu erhaschen, vergisst man das im Eifer des Gefechts manchmal schnell. Blitzende Trauben von Fotografen wie bei der Yellow Press sind ein No Go während einer Party.

After Party | D700 | 28 mm | 1/2000s | f/2.8 | ISO 200

Und welcher Tipp war der beste, den du bekommen hast, als du mit der Fotografie noch ganz am Anfang standst?

Ein Foto muss eine Geschichte erzählen, ein Tipp von meinem holländischen Freund Judocus.

Playa Salinas | D2X | 60 mm | 1/2500s | f/4.5 | ISO 100

Benirras rock hair style | D800 | 92 mm | 1/100s | f/5.3 | ISO 1600

Was ist in Zukunft geplant? Kannst du uns da was verraten?

Wie anfänglich erwähnt, bin ich nun seit fast 20 Jahren auf Ibiza unterwegs. Da muss langsam mal ein Fotobildband her, um der Welt zu zeigen, was ich so alles gesehen habe – Phrank’s Ibiza.

Lost shoes at Amnesia | D800E | 24 mm | 1/60s | f/2.8 | ISO 1250

Phrank | D700 | 50 mm | 1/640s | f/6.3 | ISO 250

Mehr von Frank, Parties und seiner Arbeit findet ihr hier:

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