MICHAEL MARTIN - DIE DOKUMENTATION DER ERDE

Mittwoch, 22. April 2020

Seit über 30 Jahren reist Nikon-Ambassador Michael Martin in die entlegensten Orte der Welt, um dort Natur, Kultur und Mensch zu dokumentieren. Dabei hält er in seinen Bildern auch die starke Veränderung der Natur fest und macht auf die ökologischen Verhältnisse aufmerksam. Mit uns hat er über seine Aufklärungsarbeit und seine Reisen mit der Nikon D5 gesprochen. 

D4 | 50 mm | 1/160 Sek. | f/4 | ISO 400

Du bist in die entlegensten und gefährlichsten Regionen der Welt gereist und hast diese mit deiner Kamera dokumentiert. Welche sind die größten Herausforderungen, denen du dich dabei stellen musstest? Und wie konnte dir vielleicht auch dein Equipment helfen, diese zu überwinden?

Ich bin in vielen extremen Gebieten der Erde unterwegs, in der Arktis, im Regenwald, im winterlichen Sibirien, auf aktiven Vulkanen. Da hat man es mit extremen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder Sturm zu tun. Es ist ein gutes Gefühl, mit der Nikon D5 eine Kamera zu haben, die das alles aushält. Die D5 ist für mich die Mutter aller Kameras. Technisch einzigartig, extrem robust und sehr bedienfreundlich. Ich bin froh, dass sich das Gehäuse und das Menü seit Erscheinen der D3 trotz aller technischen Finessen kaum verändert hat. Am meisten schätze ich die ungeheure Dynamik und den überlegenen Autofokus.


Wüsten und Eislandschaften haben ein sensibles und anfälliges Ökosystem. Welche Veränderungen konntest du während deiner Projekte beobachten? Gab es in diesem Zusammenhang besonders prägende Momente oder Erfahrungen? 

Ich bereise Wüsten seit über dreißig Jahren. Verändert haben sich weniger die Landschaften als vielmehr die dortigen Kulturen und Gesellschaften. Die Globalisierung hat die letzten Winkel der Erde erreicht, viele Traditionen, viel althergebrachtes Wissen ist verschwunden. Mit diesem Kulturwandel einher geht ein Verlust an Identität und Selbstvertrauen. Auf der anderen Seite haben sich die Lebensbedingungen auch in manchen Punkten verbessert. Es sterben weniger Kinder an vermeidbaren Krankheiten, weil die Trinkwasserversorgung, die Gesundheitssysteme und die Impfrate verbessert wurden.

In den Polargebieten ist natürlich der Klimawandel das große Thema, der Landschaften und Lebensbedingungen stark verändert hat. Aber auch der Kulturwandel ist in der Arktis schon weit vorangeschritten. Am Polarkreis ist nur noch wenig traditionelles Leben zu finden. Das spielt insbesondere der Öl- und Gasindustrie in die Hände und gefährdet die Ökosysteme im Arktischen Ozean jedoch umso mehr.

Ich dokumentiere das alles mit meiner Kamera und gehe darauf auch in meinen Vorträgen und Büchern ein – wichtig sind mir als Geograph aber auch kompetente und informative Texte.


D5 | 14 mm | 1/160 Sek. | f/16 | ISO 100

D5 | 105 mm | 1/30 Sek. | f/1.4 | ISO 3200

Du leistest mit deinen Bildern viel Aufklärungsarbeit. Wie hilft dir deine Kamera dabei, das zu leisten? Welches Equipment darf auf keiner Reise fehlen?

Wer mit seinen Bildern Geschichten erzählen will, sollte auch Details und zunächst scheinbar unwichtige Dinge fotografieren. Im Kontext können sie eine besondere Bedeutung bekommen: die Kamera als Tagebuch. 

Was das Equipment betrifft, setze ich neben meiner D5 vor allem auf besondere Objektive wie die hochlichtstarken AF-S NIKKOR 28 mm 1:1,4 E ED und das AF-S NIKKOR 105 mm 1:1,4E ED. Entscheidend ist der Moment, in dem ich auf die Menschen zugehe. Ich muss es schaffen, Vertrauen aufzubauen. Mit diesen beiden Objektiven gelingen mir die Aufnahmen immer, für Portraitaufnahmen gibt es nichts Besseres.


D5 | 290 mm | 1/640 Sek. | f/5.6 | ISO 250

D850 | 26 mm | 1/400 Sek. | f/11 | ISO 100

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Ich arbeite seit 2017 an meinem Projekt TERRA, einem geographischen Porträt der Erde. Dafür bin ich in zehn Gebieten weltweit unterwegs und fotografiere Menschen und ihre Umwelt. 

Dabei konzentriere ich mich auf die großen Naturlandschaften und die dort lebende autochthone Bevölkerung. Es ist für mich faszinierend, hautnah zu erleben, wie vielfältig und facettenreich sich das Leben auf der Erde zeigt.

Ich wollte ursprünglich TERRA dieses Jahr noch fotografisch abschließen, doch aufgrund der Corona-Krise muss ich einzelne Reisen verschieben. Von meiner letzten Reise zu den Nenzen-Nomaden im Nordwesten Sibiriens bin ich gerade noch rechtzeitig zurückgekehrt. Wir saßen in der letzten Maschine Moskau-Wien, noch am gleichen Abend schloss Putin die Grenzen Russlands.

Ich habe trotz der aktuell schwierigen Reisesituation fest vor, im Herbst 21 TERRA als Multivision, Buch und TV Film veröffentlichen. Auf meiner Website stehen schon 60 Termine!


D5 | 320 mm | 1/1000 Sek. | f/9 | ISO 200

D5 | 500 mm | 1/50 Sek. | f/7.1 | ISO 1600

Bekommst du auf deinen Vorträgen häufiger Fragen oder Feedback bezüglich Naturveränderungen und Umweltschutz?

Leider nein. Die meisten Menschen machen sich Sorgen um ihre Sicherheit auf Reisen, haben Fragen zur Fotografie oder zum Motorrad. Die Motivation, eine Multivision zu besuchen, hat meist doch mit Reisen zu tun. Aber das heißt natürlich nicht, dass ich diese Themen nicht ansprechen würde. Das wird von den Zuschauern auch sehr gut aufgenommen.


Wie blickst Du in die Zukunft?

Trotz der vielen Herausforderungen bin ich sehr optimistisch. Die Menschheit wird nicht untergehen. Langsam wachen die Menschen auf und erkennen, welchen Beitrag sie zur Zerstörung von Umwelt und Natur leisten. Wichtig ist, dass wir die Klimaveränderung und das Artensterben stoppen, aber auch Frieden und Bevölkerungsexplosion sind wichtige Themen. Wir haben zwar das Potential, die Erde zu zerstören, aber genauso die Fähigkeit, sie zu bewahren.


MEHR VON MICHAEL MARTIN

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