NIKON FEMALE FACETS MENTORINNEN-DUO ALEXANDRA EVANG UND TANJA BRANDT

Mittwoch, 10. März 2021

Alexandra Evang und Tanja Brandt verbinden ihre Leidenschaft für die Fotografie mit einem großen Herz für Tiere. Alexandra hatte schon als Kind viel Kontakt zu Pferden und hat sich aus diesem Grund schon früh auf wunderschöne Porträts von Pferden mit Menschen spezialisiert. Bei Tanja sorgte ein persönlicher Schicksalsschlag dafür, dass sie sich voll und ganz der Fotografie gewidmet hat. Mit großer Begeisterung fotografiert sie seitdem am liebsten Greifvögel, Eulen und Hunde. Beide Fotografinnen unterstützen uns als Mentorinnen bei Nikon Female Facets und freuen sich darauf, euch im Bereich der Tierfotografie mit Tipps und Inspirationen zur Seite zu stehen. Wir haben mit ihnen über ihre Arbeit, über Herausforderungen und ihren Start in das Fotografen-Business gesprochen.

Auf ganz unterschiedlichen Wegen zur Fotografie

Alexandra und Tanja haben ganz unterschiedlich zur Fotografie gefunden. Für Alexandra begann die Leidenschaft für Kameras und Fotoshootings bereits im Kindes- und Teenageralter: „Ich habe damals unheimlich gerne mit den Pferden ‚Fotoshootings‘ gespielt. Dabei ging es mir nicht um die Fotografie an sich. Auch von technischen Dingen wie Blende, ISO und Co. hatte ich damals noch keine Ahnung. Es war vielmehr das gesamte Erlebnis, das mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Dazu kam, dass mein Vater damals bei AGFA Foto in Leverkusen gearbeitet hat und dort als Chemielaborant unter anderem für die Entwicklung von neuem Fotopapier zuständig war. So hatte ich das große Glück, dass ich ihm immer meine voll fotografierten Filme mitgeben konnte, die er dann für mich entwickelt hat. Meine erste Spiegelreflexkamera hatte ich dann später im Rahmen meiner Ausbildung beim WDR in Köln in der Hand, wo ich von 2005 bis 2008 den Beruf der Fotomedienlaborantin gelernt habe.“

Für Tanja begann alles wesentlich später mit einem Erlebnis, das ihr Leben auf den Kopf gestellt hat: „Ich hatte eine Spedition und habe rund um die Uhr gearbeitet. Es gab keine Wochenenden, keinen Urlaub und auch sonst kaum Freizeit. Irgendwann war das meinem Körper zu viel und ich erlebte einen leichten Schlaganfall. Danach konnte ich weder laufen noch sprechen. Als es mir endlich wieder besser ging, beschloss ich, etwas zu ändern. Ich wollte ein Jahr lang fotografieren und nur noch mit den Tieren leben. Das hat mir unheimlich gutgetan. Die Fotografie hat mir dabei geholfen, wieder vollständig gesund zu werden. Aus einem Jahr wurden zwei Jahre und mittlerweile lässt mich die Fotografie nicht mehr los.“ Es ist also nicht wichtig, ob man bereits als Kind oder erst später seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt. Ist sie einmal geweckt, kann sie viel in uns bewegen.

Nikon Female Facets Mentorinnen-Duo Alexandra Evang und Tanja Brandt

Alexandra Evang & Tanja Brandt mit Micky, Nalani und Ingo

Alexandra Evang

Tanja Brandt

Fotografie-Ausbildung oder Quereinstieg – zwei Möglichkeiten zum Erfolg

Durch ihre sehr unterschiedlichen Wege zur Fotografie zeigen Alexandra und Tanja auch, dass es durchaus verschiedene Möglichkeiten gibt, ein erfolgreiches Fotografie-Business aufzubauen. Alexandra legte den Grundstein mit ihrer Ausbildung beim WDR: „Durch die dreijährige Ausbildung hatte ich die Möglichkeit, fotografische Kenntnisse von der Pike auf zu lernen. Dazu gehörte damals auch die Arbeit im Labor. Ich habe gelernt, wie Filme entwickelt werden und wie ich Abzüge in Schwarz-weiß und Farbe erstelle. Auch das Fotografieren an sich war Teil der Ausbildung. So stand ich zu der Zeit vor allem im Studio und bei Veranstaltungen, wie zum Beispiel der 1LIVE Krone, hinter der Kamera. Zur Ausbildung gehörte auch die Bildbearbeitung mit Photoshop. Ab und an hatte ich das Glück und durfte eine Kamera vom WDR übers Wochenende mit nach Hause nehmen, um dort zu üben. In dieser Zeit habe ich vor allem meine Freundinnen mit ihren Pferden fotografiert. 2010 habe ich mich dann bereits selbstständig gemacht und mein Gewerbe angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, dass ich die Fotografie als meinen Hauptjob leben werde. Von 2011 bis 2015 habe ich anschließend Kommunikationsdesign in Düsseldorf studiert. Ich wollte für mich persönlich einfach einen höheren Abschluss als die Ausbildung erreichen, um noch mehr zu lernen und besser auf den Markt vorbereitet zu sein. Da ich unterm Strich im Studium weniger zu tun hatte als im Vorfeld angenommen, ergab sich mehr Freizeit als gedacht. Die habe ich dann komplett damit verbracht, mich mit voller Kraft auf die Selbstständigkeit zu stürzen. Durch das Studium hatte ich auch direkt gute Ansprechpartner. Das hat mir geholfen. Im Endeffekt bin ich in die Selbstständigkeit gestartet, noch bevor ich meinen BA-Abschluss in der Tasche hatte. Das war eigentlich nicht so geplant, weil ich die Fotografie ursprünglich nur nebenbei betreiben und mir zusätzlich ein sicheres Standbein organisieren wollte. Vor allem, weil ich mehr als nur einmal gehört habe, dass die Fotografie tot sei und ich doch lieber etwas Bodenständigeres lernen solle. Dennoch habe ich mich voll und ganz für die Fotografie entschieden.“

Alexandra Evang hat sich auf Porträts von Pferden mit Menschen spezialisiert.

Da sich Tanja aus anderen Umständen heraus mit der Fotografie beschäftigt hat, ist auch ihr Weg in die Selbstständigkeit ein ganz anderer als bei Alexandra. Nach ihrer Krankheit war für Tanja klar, dass sie Tiere fotografieren möchte. Dabei war es ihr wichtig, die Seele und den Charakter der Tiere widerzuspiegeln. So kam sie auf die Idee, eine professionelle Kamera anzuschaffen. „Die ersten Ergebnisse waren ernüchternd. Ich habe daraufhin einige Workshops und Kurse besucht, an Webinaren teilgenommen, Bücher gelesen und den Austausch mit anderen Fotografen gesucht. Ich wollte jeden Tag Neues lernen und entdecken. Dass ich heute als Fotografin Erfolg habe, hat einerseits mit ein bisschen Glück, aber auch mit Fleiß zu tun. Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben und das zu machen, was man liebt. So fotografiere ich zum Beispiel Tiere und keine Hochzeiten. Wenn man es dann schafft, aus seinen Bildern eine Marke zu machen, dann kommt der Erfolg von selbst. So hatte ich das Glück, dass mich einige Verlage entdeckt haben und meine Fotos und ihre Geschichten von Magazinen, vom Fernsehen und vom Radio aufgegriffen wurden. Darüber hinaus kam es zu Kooperationen mit Nikon und Eizo und ich konnte eigene Bücher veröffentlichen, die sehr gut angekommen sind. Durch die zunehmende Bekanntheit bekam ich die Chance, meiner Leidenschaft für die Tierfotografie weiter nachzugehen.“

Das Herz schlägt für die Tiere

Als sich Tanja dafür entschied, ihr Leben umzukrempeln und mit der Fotografie zu beginnen, war für sie von Anfang an klar, dass thematisch nur die Tierfotografie infrage kommt: „Tiere sind meine große Leidenschaft. Ein Leben ohne sie ist für mich kaum vorstellbar. Ich möchte der Welt zeigen, wie schön die Tiere sind und mit meinen Bildern ihren Charakter, ihre Ausstrahlung, ihren Charme und ihren Witz hervorheben. Andere fotografische Themen habe ich gar nicht richtig ausprobiert. Ich finde zwar auch Gefallen an der Landschaftsfotografie, aber da gehört einfach mehr dazu, als mal eben in eine Landschaft zu fahren und den Auslöser zu drücken. Hochzeiten sind für mich auch nichts. Da fehlt mir wirklich das Romantik-Gen. Man sollte sich immer für das Thema entscheiden, das einem besonders am Herzen liegt. Für mich steht fest, dass ich lieber mit den Tieren im Dreck liege.“

Bei Alexandra hat sich die große Begeisterung für Pferde bereits in der Kindheit gezeigt. Dennoch hat sich ihr Fokus auf die „Pferde-Mensch-Fotografie“ erst nach ein paar Jahren herauskristallisiert: „Ich habe bestimmt schon 200 Hochzeiten in meinem Leben fotografiert. Dazu kommen Paare, Business- und Studio-Aufnahmen, Veranstaltungen und eben schon immer Pferde, Pferde, Pferde. Eines Tages kam der Punkt, an dem ich mir gesagt habe: Ab heute soll der Fokus nur noch auf den Pferden liegen und ab da ging es los. Es war eine gute und wichtige Entscheidung, um meinen Namen in Bezug auf die Pferde beziehungsweise die Pferde-Mensch-Fotografie bekannt zu machen. Nichtsdestotrotz finde ich es genauso richtig, viel auszuprobieren. So lässt sich herausfinden, wofür das Herz schlägt und welche Aufnahmebereiche man am liebsten mag. Nichts ist in Stein gemeißelt. Das macht die Selbstständigkeit eben auch so aufregend.“

Tanja Brandt arbeitet gerne mit langen Brennweiten, wie zum Beispiel dem AF-S NIKKOR 300 mm 1:2,8G ED VR II.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich inspirieren zu lassen

Um mit der Fotografie erfolgreich zu sein, ist es wichtig, authentisch zu sein und eine Bildsprache zu entwickeln, die sich von der anderer Fotografen abhebt. Tanjas Markenzeichen sind zum Beispiel besondere Tierfreundschaften. So wurde sie unter anderem durch ihre gefühlvollen und witzigen Aufnahmen ihres Hundes Ingo mit seinen tierischen Freunden bekannt. Tanja lässt sich am liebsten von den Tieren selbst inspirieren: „Ich beobachte einfach nur und drücke den Auslöser. Dabei ist es wichtig, dass sich die Tiere wohlfühlen, mit Begeisterung mitmachen und keine Angst vor der Kamera haben. Ich glaube zwar nicht, dass ich einen speziellen Fotografie-Stil habe, ich liebe aber zum Beispiel starke Freistellungen in meinen Bildern. Dazu arbeite ich gerne mit langen Brennweiten, wie zum Beispiel dem AF-S NIKKOR 600 mm 1:4E FL ED VR und dem AF-S NIKKOR 300 mm 1:2,8G ED VR II.“

Auch Alexandra arbeitet am liebsten mit dem NIKKOR 300 mm: „Diese Linse ist Magie pur! Die Freistellung ist brillant und ich bin eh ein großer Fan von Festbrennweiten.“ Wie Tanja lässt sich Alexandra ebenfalls gerne von den Tieren selbst inspirieren: „Ich ziehe meine Ideen aus den Momenten, die mir diese wundervollen Wesen vor meiner Kamera anbieten. Auch das Licht an dem Tag und der Ort, an dem wir uns befinden, spielt für meine Aufnahmen eine wichtige Rolle. Sehr hilfreich ist aber auch das Gespräch mit meinen Kunden. Dabei frage ich nach, was ihnen beim Shooting ganz besonders wichtig ist, was sie an ihrem Tier lieben und worin die einzigartige Bindung zwischen ihnen und ihren Tieren besteht. Diese Informationen helfen mir dabei, das Foto-Shooting für meine Kunden zu einem besonderen Erlebnis zu machen.“

Tanja Brandt fotografiert am liebsten Greifvögel, Eulen und Hunde.

Wichtige Weiterempfehlungen und Social Media

Alexandra und Tanja haben es geschafft, dass viele Kunden von sich aus auf die Fotografinnen zugehen. Bei Alexandra und ihrem Team läuft sehr viel über Weiterempfehlungen: „Wir geben für unsere Kunden immer 110 Prozent und stecken ganz viel Liebe in unsere Arbeit. Das wird auch von den Kunden honoriert. Dabei sind uns vor allem unsere Stammkunden unendlich wichtig. Wir haben so viele Menschen, die mindestens einmal im Jahr buchen. Ein anderer wichtiger Faktor ist Social Media. Wir nehmen die Leute beinahe tagtäglich über Instagram (@alex_lovesnelly und @alexandraevang_photographie) und Facebook (Alexandra Evang Photographie) mit. Da zeigen wir viel hinter den Kulissen und über unsere generelle Arbeitsweise. Das bringt uns viele neue Buchungen.“ Tanja setzt neben sehr vielen Kundenanfragen ebenfalls auf Social Media: „Ich schreibe auf Instagram (@tanja_brandt) und Facebook (TierfotografieTanjaBrandt) manchmal Kurse aus. Da ist die Resonanz immer sehr groß.“

Tanja & Alex mit Noah und den Schwänen der Paasmühle

Alexandra & Tanja mit Pony Mini Maus

Auch Alexandra Evang arbeitet am liebsten mit dem NIKKOR 300 mm:

Vielseitigkeit und der Rückhalt von Kunden in Krisenzeiten

Das Jahr 2020 war mit dem Beginn der Covid-Pandemie für viele Selbstständige ein sehr schwieriges. Auch Alexandra und Tanja hat die Krise zu schaffen gemacht. Tanja hat es geholfen, dass sie vielseitig aufgestellt ist: „Meine Kurse, Workshops und der Großteil der Nikon-Veranstaltungen sind leider alle ausgefallen und ich plane derzeit auch noch nichts Neues, da man ja immer noch nicht weiß, wie es weitergeht. Durch die Buchprojekte und meine Kalender kam ich aber ganz gut durch das letzte Jahr.“ Für Alexandra hat sich das Jahr 2020 oft angefühlt, als würde sie gegen eine Wand rennen: „Mein Team und ich mussten ständig umplanen. Es gab immer wieder große Unsicherheiten, was stattfinden darf und was nicht. Da wir auf das Reisen angewiesen sind, mussten wir auch immer wieder neu die Regeln in dem jeweiligen Bundesland oder Ausland überprüfen, um zu schauen, was überhaupt machbar ist. Neben den negativen Aspekten möchte ich aber auch den Rückhalt durch unsere Kunden herausheben. Die haben uns wahnsinnig gut unterstützt und waren da, als wir Hilfe brauchten. Das hat uns darin bestätigt, dass es genau der richtige Weg ist, so viel Zeit und Herzblut in die Arbeit mit unseren Kunden zu stecken. In der Krise hat sich auch der Vorteil gezeigt, wenn man ein so kleines Unternehmen ist. Dann ist es auch möglich, schnell zu reagieren. Es gab zum Glück keine Schockstarre. Wir konnten zügig auf den Lockdown reagieren und viele Ideen direkt online umsetzen. Das hat vor allem meinen Mann Marko und mich als Team noch einmal gestärkt.“

Persönliche Herausforderungen und Tipps für Berufseinsteiger

Um mit einer Selbstständigkeit als Fotografin Erfolg zu haben, bedarf es Mut und Selbstbewusstsein. Für Tanja war es persönlich nicht ganz einfach, nach den ersten Veröffentlichungen mit einer gewissen Bekanntheit umzugehen: „Es ist für mich verdammt schwierig, vor und nicht hinter der Kamera zu stehen. Videoprojekte, Interviews, Fernsehauftritte – daran musste ich mich erst gewöhnen. Ich liege lieber mit der Kamera im Dreck, aber das Präsentieren und Vermarkten gehört zu dem Business eben mit dazu. Sonst gewinnt man keine Kunden und Firmen.“

Für Alexandra ist es als selbstständige Fotografin die größte Herausforderung, nicht zu viel Angst vor der Zukunft zu haben: „Es ist wichtig, sich keine Sorgen vor dem nächsten Morgen zu machen und den Mut und die Energie aufzubringen, immer weiterzumachen.“ Berufseinsteigern legt sie ans Herz, sich direkt von Anfang an mit anderen Fotografen auszutauschen, die mit der Fotografie ihren Lebensunterhalt verdienen und über ihre Erfahrungen berichten können: „Solche Einblicke sind wahnsinnig wertvoll. Ich würde auch direkt Geld in Weiterbildungen investieren, um von Profis und eben auch von seinen Vorbildern zu lernen.“ Nach allem, was Alexandra und Tanja im Fotografie-Business bisher erlebt haben, sind sie sich in einem Punkt beide einig: „Es ist wichtig, immer authentisch zu bleiben und mit dem Herzen dabei zu sein.“ Und Alexandra ist sich sicher: „Man ist nur in den Dingen richtig gut, die man auch wirklich liebt und lebt. Die Fotografie ist eben nicht nur ein Job, sondern auch eine besondere Leidenschaft.“

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