3. PLATZ BEIM NIKON FEMALE FACETS WETTBEWERB 2021 – SUSANNE KRAUSE IM INTERVIEW

Freitag, 05. August 2022

Susanne Krause hat mit ihrem Bild „Mystisches Indien“ den 3. Platz beim Nikon Female Facets Wettbewerb 2021 erreicht. Auf die Frage, wie sie sich selbst beschreiben würde, sagt sie: „Ich interessiere mich für tausend verschiedene Sachen und Themen. Es macht mir Spaß, Neues zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Ich liebe die Natur und Tiere, bin neugierig und offen, höre viel Musik, reise gerne, und finde es toll, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen. Ich interessiere mich für Technik und Innovationen. Und natürlich sind mir meine Freunde und die Familie sehr wichtig.“ Beim Nikon Female Facets Wettbewerb 2021 hatte Susanne die Gelegenheit, einen gemeinsamen Workshop mit den beiden Fotografinnen und Mentorinnen des Wettbewerbs Marion Payr und Alina Rudya zu verbringen. Wir sprechen mit Susanne über ihre Fotografie, was sie antreibt, wie der Workshop für sie war und welche fotografischen Ziele sie sich gesteckt hat.

Mit ihrem Bild „Mystisches Indien“ hat Susanne Krause beim Nikon Female Facets Wettbewerb 2021 den 3. Platz belegt.

Susanne, wie, wann und warum bist du zur Fotografie gekommen?

Das kann ich gar nicht so wirklich an einem Ereignis oder einem Zeitpunkt festmachen. Die Fotografie hat mich immer schon interessiert und neugierig gemacht. Als Kind und Jugendliche wollte ich sogar lernen, wie man Fotos entwickelt, obwohl ich zu der Zeit noch gar nicht so richtig fotografiert habe. Vielleicht habe ich in der Kindheit zu viele Filme mit Dunkelkammer-Szenen gesehen. Irgendwann werde ich das nachholen, mir eine analoge Kamera kaufen und lernen, Negative und Dias zu entwickeln.

So richtig angefangen hat es mit der Fotografie erst 2006. Da habe ich mir meine erste Nikon Spiegelreflexkamera – die D40 – gekauft. Der Start war allerdings etwas holprig. YouTube-Tutorials waren damals noch nicht so zahlreich wie heute. Und das Lernen aus Büchern ist manchmal etwas, naja, weniger spaßig. Es war über mehrere Jahre ein Auf und Ab – ich habe angefangen, aufgehört und wieder von vorne begonnen. Im Laufe der Zeit konnte ich mir dann ein paar Grundlagen aneignen. Danach war die Fotografie lange Zeit ein toller Ausgleich zu meinem anstrengenden IT-Consulting-Job. Ich konnte das Hobby wunderbar mit Freizeit in der Natur verbinden. Das war für mich ein wunderbares Mittel zur Entschleunigung.

Leider war es mir dann in den letzten zwei Jahre nicht mehr möglich, mir die Zeit und Ruhe zum Fotografieren zu nehmen. Da ich mit drei Freunden eine IT-Firma gegründet habe, und dann auch noch mein Vater gesundheitliche Probleme bekam, haben sich die Prioritäten verschoben und die verbleibende Freizeit wurde überschaubar.

Mit der Teilnahme am Wettbewerb wollte ich mich wieder motivieren, mehr mit der Kamera rauszugehen. Der dritte Platz hat mir natürlich einen Schub gegeben – auch wenn meine Freizeit nach wie vor etwas knapp bemessen ist. Der Workshop und die kleine Auszeit auf Fuerteventura haben mir richtig gutgetan und ich habe viel fotografiert. Ich werde mir Gedanken darüber machen, ob ich die Fotografie wieder intensiver vorantreiben möchte und mir damit vielleicht sogar ein weiteres kleines Standbein schaffen kann. Ein paar grobe Ideen habe ich bereits. Ich werde mir Zeit lassen und sehen, wie sich die Ideen entwickeln.


„Ich möchte lernen und Neues entdecken, meinen Stil herausarbeiten und Freude haben.“

Welche Themenschwerpunkte fotografierst du und was gefällt dir daran an meisten?

Auch in der Fotografie interessiere ich mich nicht nur für ein Thema. Ich fotografiere gerne in der Natur, zum Beispiel Bäume im Winter. Solche Aufnahmen sind für mich wie Porträts, nur eben ohne Menschen. Die Ruhe in der Natur hilft mir dabei, zu entschleunigen. Und natürlich ist die Kamera auch auf Reisen immer dabei. Hier fotografiere ich, was mein Interesse weckt und mich innehalten lässt. Sehr spannend finde ich auch die Jazz-Fotografie. Ich spüre, wie die Musik inspirierend auf meine Fotos einwirkt. Ich bin eigentlich keine Jazz-Hörerin, sondern komme eher aus der Rock/Indie/Industrial/Elektro-Ecke. Das macht das Ganze für mich noch spannender. Ich erinnere mich, dass ich mir bei meinem dritten Jazz-Konzert nicht sicher war, ob ich wirklich bis zum Ende Freude an der Musik empfinden werde. Doch dann entpuppte sich der Abend zu einem wirklich schönen Erlebnis. Ich ging voll in der Kombination aus Musik und Fotografie auf. Bei Jazz-Musik ist die Action auf der Bühne in Bezug auf die Musiker und das Licht sehr überschaubar. Alles fokussiert sich auf die Künstler und die Musik. 

Als dritten Schwerpunkt begeistere ich mich immer mehr für die Infrarot-Fotografie. Hier stehe ich noch ganz am Anfang und experimentiere viel. Ich finde es faszinierend, in Fotos das Licht abbilden zu können, das unserem menschlichen Auge entgeht. Man kann damit extrem knallige und bunte Fotos kreieren. Mit dem Farb-Aspekt musste ich mich anfangs tatsächlich erst anfreunden, weil es doch teilweise etwas sehr Kitschiges an sich hat. Man kann aber auch unheimlich tiefe und faszinierende Schwarz-Weiß-Fotos erstellen.

Beschreibe kurz deinen Fotografie-Stil und die Leidenschaft, die du damit verbindest.

Hhmm, Fotografie-Stil. Das ist wohl noch ein wichtiger Punkt auf meinem Entwicklungsplan. Wobei das natürlich auch ein niemals endender Prozess ist. Generell würde ich meine zuletzt entstandenen Fotos als eher ruhiger, weniger bunt und vielleicht etwas minimalistisch beschreiben. Ich möchte mich im Hinblick auf meinen Bildlook aber auch nicht selbst einschränken. Mit dem Thema des eigenen Fotografie-Stils muss ich mich aber auf jeden Fall noch beschäftigen. Was kann/soll das für mich bedeuten? Will ich das? Oder ist jedes Foto, das ich mache, auch immer eine Entdeckungsreise zu mir selbst, oder ein Spiegel? Ein wichtiges Thema, das mich in nächster Zukunft sicher sehr beschäftigen wird.

Wie bist du auf Nikon Female Facets aufmerksam geworden und warum hast du dich entschieden, beim Wettbewerb teilzunehmen?

Ich glaube, es war in einem Nikon-Newsletter. Und ich meine mich zu erinnern, dass ich den Aufruf sogar an meinem Geburtstag, dem 8. März, entdeckt habe. Wichtiger ist der Tag allerdings als Internationaler Frauentag. Ich dachte mir sofort, dass ich da teilnehmen möchte. Ich hatte eine anstrengende Zeit hinter mir und war lange nicht fotografieren. Den Wettbewerb wollte ich als Anlass und Tritt in den Hintern nehmen, um endlich mal wieder meine Kamera zu packen und fotografieren zu gehen. Letzteres hat nur bedingt geklappt. Da ich aber unbedingt teilnehmen wollte, habe ich schließlich Bilder aus meinem Portfolio eingeschickt.

Wie ist dein Gewinnerinnen-Bild entstanden?

Tatsächlich ist das Foto schon recht alt und stammt aus der Zeit, als ich mit der Fotografie begonnen habe. Das Foto ist in Süd-Indien (Kerala) entstanden. Ich hatte damals meine erste Nikon-Spiegelreflexkamera Nikon D40 mit dem Kit-Objektiv dabei. Es war die dritte und letzte Station des Urlaubs. Eine tolle Unterkunft an den Backwaters. Wenige Touristen, kein Trubel. Während der ganzen Reise hatten wir viele wundervolle Begegnungen und Unterhaltungen mit einheimischen Menschen. Von unserer Unterkunft waren es nur wenige Schritte bis zum Ufer der Backwaters. Jeden Morgen habe ich dort mit einer Mischung aus Bewunderung, Respekt, Neugierde und Freude den Fischern zugeschaut. In Kerala wird eine spezielle Art des Fischfangs betrieben. Ich genoss die sehr ruhige Stimmung, die magisch auf mich wirkte. Es war, als würden sich die bisher erlebten Momente und Erfahrungen der Reise in diesem Augenblick verdichten. Eben magisch. Es ist schwierig für mich, in Worte zu fassen. An einem solchen Morgen ist dieses Foto entstanden. Wann immer ich das Bild nach dem Urlaub anschaue, berührt mich die Erinnerung an diesen Moment und zaubert mir einen Hauch Magie in meinen Alltag.

Warum hast du dich für einen Workshop mit Marion Payr & Alina Rudya entschieden und was hast du dir von dem 1:1 Workshop erhofft?

Ich habe mich für Marion und Alina entschieden, weil Marion eine tolle Reisefotografin und Alina eine tolle Fotografin mit einem starken Background in der Dokumentarfotografie ist. Für mich eine großartige Kombination. Reisefotografie passt wunderbar zu mir und das Dokumentarische fand ich einfach passend für jedes Genre. Was hatte ich mir erhofft? Das kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Es war alles so überraschend und unwirklich. Mein Kopf war gleichzeitig voll und doch auch irgendwie leer. Ich habe mir sehr viele Themen und Ideen aufgeschrieben und hätte gut und gerne einen Zwei-Wochen Workshop daraus machen können. Kurz vor dem Workshop war ich einfach nur voller Vorfreude auf das Treffen und den Ausstauch mit Alina und Marion.

Erzähle kurz, wie der Workshop abgelaufen ist und was dir am meisten Spaß oder Erkenntnis gebracht hat und was du gelernt hast.

Wir haben gemeinsam entschieden, dass wir den Workshop auf Fuerteventura machen möchten. Am Abend vor dem ersten Workshop-Tag trafen wir uns, um uns kennenzulernen und gemeinsam den Workshop zu besprechen. Alina kannte die Umgebung bereits und hat entsprechend tolle Spots vorgeschlagen. Es folgten zwei geballte Workshop-Tage mit verschiedenen Themen und Motiven. Das Fotografieren von Menschen (außerhalb der Konzertfotografie) war für mich immer eine große Herausforderung – und ist es auch noch immer. Durch Marion und Alina konnte ich hier aber sehr viel lernen. Ganz nebenbei hat man durch das gemeinsame Fotografieren auch Tipps und Tricks ausgetauscht. Es ist immer spannend zu sehen, wie andere Fotograf:innen arbeiten und darüber nachzudenken, ob das vielleicht auch für einen selbst eine Option ist.

Schon am ersten Tag habe ich so viel erlebt, gelernt und erfahren, dass ich abends völlig erledigt und glücklich ins Bett gefallen bin. Auch der zweite Tag war sehr intensiv und lehrreich. Was am meisten Spaß gemacht hat? Ich glaube der Workshop als Ganzes und nicht eine bestimmte Situation oder Sache. Es war großartig, sich mit zwei erfahrenen, tollen Fotografinnen auszutauschen, sie arbeiten zu sehen und Tipps und Tricks von ihnen zu bekommen.

Ich habe jede Menge gelernt. Darunter viele kleine, aber wichtige Dinge. Sehr geholfen hat mir, dass ich durch den Workshop mein Auge und meinen Blick für Motive und Details schulen konnte. Außerdem habe ich für mich mitgenommen, dass ich fokussierter und mehr im Moment sein muss. Ich habe den Workshop mit Marion und Alina sehr genossen. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich die Möglichkeit und die Chance hatte, diese tolle Zeit mit zwei wundervollen Fotografinnen verbringen zu können.

Gibt es etwas, was dir neben dem Workshop an dem Nikon Female Facets Projekt besonders gefallen hat?

Mir hat der Austausch auf Facebook sehr gut gefallen. Ich bin zwar kaum auf Facebook unterwegs, empfand den Austausch in der Gruppe aber immer sehr positiv und hilfsbereit. Es war auch schön, dass Webinare und Kurse angeboten wurden. Die habe ich nur leider meistens verpasst, weil ich nur selten auf Facebook unterwegs bin.

Was sind deine fotografischen Pläne oder Ziele für die Zukunft?

Ich möchte mich einfach immer weiterentwickeln. Ich möchte lernen und Neues entdecken, meinen Stil herausarbeiten und Freude haben. Konkrete Pläne und Ziele gibt es im Moment noch nicht. Aber es ist gut möglich, dass sich das in nächster Zeit ändert.

Welchen Rat möchtest du anderen Fotografinnen, egal ob Anfängerin oder Profi, mitgeben?

Für Anfänger: Auf keinen Fall aufgeben, wenn es mal nicht so funktioniert, wie gedacht. Man sollte Mut haben und einfach Dinge ausprobieren – und dabei nicht so viel auf Social-Media-Likes geben.

Susanne Krause konnte einen 1:1 Workshop mit den beiden Fotografinnen Marion Payr (links) und Alina Rudya (rechts) verbringen.

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