Mittwoch, 12. Dezember 2018

Kirill Umrikhin entdeckt auf den Kommandeurinseln eine verborgene Welt

Das neue Projekt des russischen Nikon-Ambassadors Kirill Umrikhin führt uns in einen dünn besiedelten und kaum bekannten Teil der Welt: die Kommandeurinseln. Auf den Aleuten, einer russischen Inselgruppe in der Beringstraße, öffnet Kirills Projekt den Blick auf eine verborgene Welt aus Vulkanlandschaften, seltenen Wildtieren und dem mächtigen Ozean.

Peter Tyushkevich, Khalaktyrskiystrand, Kamtschatka | Nikon D5 | 1/3200 s | Blende 4 550 mm | ISO 200 | AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR (mit Telekonverter)

Ausgestattet mit einer Nikon D850, einer Nikon D5 und der neuen Nikon Z 7 begab sich Kirill auf eine unvergleichliche Tour in eine Region, die bislang kaum ein Reise-, Action- oder Tierfotograf vor die Linse bekommen hat. Die Mitglieder des Teams überquerten in einer Yacht den über 6000 m tiefen Aleutengraben und hatten dabei mit mehreren Stürmen zu kämpfen, bevor sie sich als erste Kitesurfer überhaupt in diesen Teil des Beringmeeres wagen konnten.

Nikolay Rakhmatov und Peter Tyushkevich, nördlicher Seehundfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/800 s | Blende 8 15 mm | ISO 200 | AF-S FISHEYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5–4,5E ED

Zahlreiche neue Möglichkeiten

Der für seine Arbeiten rund um Extremsport und Reisen bekannte Kirill hatte sich das Ziel gesetzt, die Gewässer um die Inseln surfend und segelnd zu erkunden. Jedoch eröffneten ihm die einzigartige Fauna und die Bewohner der Inseln die unverhoffte Gelegenheit, sich als Tier- und Dokumentarfotograf auszuzeichnen.

Kirill Umrikhin dazu: »Über die Inseln lassen sich nur wenige Informationen finden, deswegen war ich bei der Planung auf die Hilfe der Mitarbeiter des dortigen Naturschutzgebietes angewiesen. Doch was uns erwartete, war viel mehr, als ich hätte hoffen oder planen können. Die Inseln werden bestimmt von ihrer unvergleichlichen Fauna mit Schnabelwalen, Orcas, seltenen Seevögeln und über einer Viertelmillion Robben. Das ist ein Fünftel der weltweiten Population.«

Nördlicher Seehundfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/1600 s | Blende 9 15 mm | ISO 1600 | AF-S FISHEYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5–4,5E ED

Kirills Reise zeigt auch die Bewohner der Inseln. Nikolskoje, das einzige Dorf auf den russischen Aleuten, hat 700 Einwohner sowie eine Schule, ein Krankenhaus und eine Bühne für lokale Veranstaltungen.

Russische Aleuten, Beringinsel | Nikon D850 | 1/320 s | Blende 1,8 35 mm | ISO 3 200 | AF-S DX NIKKOR 35 mm 1:1,8G

Bewohner von Nikolskoje, Beringinsel | Nikon Z 7 | 1/1.500 s | Blende 4 30 mm | ISO 320 | NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S

Surfen im Meer

Nicht nur während der Überfahrt auf die Kommandeurinseln machte Kirill Bekanntschaft mit der Fauna und den Gewässern dieses einzigartigen Ortes. Er und sein Team waren die Ersten überhaupt, die zum Kitesurfen hierher kamen.

»Bei dieser Reise drehte sich alles um die einzigartige Beziehung von Mensch und Natur, das von der Landschaft und den Elementen bestimmte einfache Leben. Als Erster in einem Teil des Meeres zu surfen hat mir vor Augen geführt, dass die Welt eben nicht immer kleiner wird. Es gibt noch immer Orte voller Geheimnisse und Wunder zu entdecken und zu dokumentieren.«

»Vom Boot aus in schwierigen Gewässern, beim Bergwandern oder im Wasser mit Walen und Robben, mit diesen drei Kameras war einfach jede Aufnahme möglich.«

Stets vorbereitet

Die Sportaufnahmen hat Kirill mit der unzerstörbaren Nikon D5 mit ihren 153 Fokusmessfeldern und den 99 Kreuzsensoren gemacht. Sein AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR verwendet er mittlerweile mit der Nikon D850, die sich durch ihre unglaublichen 45,4 MP auszeichnet. Mit dieser Kombination hat er die einzigartigen Wildtiere festgehalten, sowohl unter als auch über Wasser.

Außerdem hatte Kirill die Gelegenheit, die neue spiegellose Nikon Z 7 mit dem Zoomobjektiv NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S auszuprobieren, mit dem ihm dramatische Landschaftsaufnahmen und intime Porträts gelungen sind.

Kirill abschließend: »Für mich war der Trip ein Traum, nicht nur als Fotograf, sondern auch als Reisender, Projektleiter und selbst als Sportler in einer verborgenen Welt, die sonst kaum jemand zu Gesicht bekommt.

Sonnenuntergang von der „Liberty“ aus gesehen | Nikon D850 | 1/1.000 s | Blende 4,5 15 mm | ISO 640 | AF-S FISHEYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5–4,5E ED

Lisinskayabucht, Beringinsel | Nikon D850 | 1/1.600 s | Blende 8 15 mm | ISO 400 | AF-S FISHEYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5–4,5E ED

Warum hast du die Kommandeurinseln als Location für Ihr Spezialprojekt ausgesucht?

Die Abenteuerlust liegt mir im Blut und mit der Gelegenheit, ein Traumprojekt zu verwirklichen, musste es einfach eine einsame Gegend sein, die nur wenig bekannt ist. Meine Methode war ganz einfach. Ich habe mir auf Google Maps Satellitenbilder von Orten angesehen, die ich selbst noch nicht kannte. Dabei habe ich eine Gruppe baumloser, dünn besiedelter Inseln im Beringmeer etwa 100 Meilen östlich der Halbinsel Kamtschatka entdeckt – eine verborgene Welt, die nur darauf wartete, erkundet zu werden.

Drei Aspekte an dieser Location haben mich gereizt. Zunächst war da ihre Geschichte. Die Inseln wurden von Kapitän Vitus Bering entdeckt, dessen Schiff 1741 vor der unbewohnten Beringinsel strandete. 1825 wurden hier von der Russländisch-Amerikanischen Kompagnie die Aleuten angesiedelt, um einen Seehundhandel aufzubauen.

Die heutige Bevölkerung besteht zu zwei Dritteln aus Russen und zu einem Drittel aus Aleuten, von denen nur noch zwei die traditionelle Sprache Mednyj beherrschen. Der zweite Grund ist die Fauna. Die Inseln sind reich an Tierarten, darunter zahlreiche seltene. Auch etwa 350.000 Seehunde sind dort beheimatet, etwa ein Fünftel der weltweiten Population. Der letzte Grund sind die sportlichen Möglichkeiten. Hier war noch nie jemand surfen oder kitesurfen. Meine Abenteuerlust hat mich also dazu gebracht, etwas fotografieren zu können, dass noch nie zuvor festgehalten wurde.

Arianfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/400 s | Blende 2,8 400 mm | ISO 640 | AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR

Wie viel Vorbereitung benötigt so ein Trip?

Es ist fantastisch, wenn man eine einsame und unbekannte Location findet, doch heißt das auch, dass nur sehr wenige Informationen zur Verfügung stehen. Die Vorbereitung ist also extrem schwierig. Ich habe mich an lokale Reiseanbieter und die Verwaltung des Naturschutzgebietes gewendet und versucht, so viele Informationen einzuholen wie möglich. Alle, mit denen ich gesprochen habe, hielten mein Vorhaben für eine extreme Herausforderung. Andere hätten sich davon vielleicht abschrecken lassen, doch in mir hat das den Wunsch, die Location zu besuchen, nur noch stärker gemacht. Von den Kommandeurinseln gibt es nur wenige Bilder, ich hatte also nur eine geringe bis überhaupt keine Vorstellung von der Landschaft und der Eignung der Gewässer für die Yacht. Wir haben uns in vielerlei Hinsicht blind auf den Weg gemacht. Das hat uns jedoch nicht davon abgehalten, uns auf eine Expedition zu begeben, um mehr über die Menschen, die Fauna und die Landschaft der Inseln zu erfahren.

Vögel auf der Beringinsel | Nikon D5 | 1/2500 s | Blende 2,8 200 mm | ISO 200 | AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR

Nikolay Rakhmatov und Peter Tyushkevich, nördlicher Seehundfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/4000 s | Blende 8 400 mm | ISO 400 | AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR

Selbstverständlich brauchte ich ein Boot. Deswegen habe ich Kontakt zu einem Kapitän auf Kamtschatka aufgenommen, der die Inseln bereits vier Mal besucht hatte. Während einer seiner Reisen hat sich der Anker im Sturm losgerissen und das Boot wurde zerstört. Trotzdem ist er zurückgekehrt. Die Mannschaft bestand aus insgesamt sieben Leuten, die alle begeistert von der Idee der Reise waren, die wir unternehmen wollten (und zugleich auch etwas Furcht hatten).


Auf welche Schwierigkeiten bist du während des Trips gestoßen?

Auf den Kommandeurinseln gibt es nur 10 Tage Sonnenschein im Jahr und viele schwere Stürme. Das Wetter ist zudem extrem unberechenbar, manchmal scheint die Sonne und schone eine Minute später gießt es wie aus Kübeln. Wir wussten also nicht, was uns erwarten würde. Wir hatten jedoch unglaubliches Glück. Die Einwohner sagten, es wäre der beste Sommer, den sie je erlebt hätten.

Das Wetter hatten wir also auf unserer Seite. Dafür gab es andere Herausforderungen, mit denen wir weniger gerechnet hatten. Die Bedingungen waren extrem anspruchsvoll, es war kalt auf dem Boot und die meisten von uns wurden während der Reise seekrank. Ein anderes Problem bestand darin, in die Nähe der Wildtiere auf den Inseln zu gelangen. Fotografieren von einem Boot aus ist mitunter schwierig und man muss aufpassen, dass man die Ausrüstung nicht beschädigt, während man versucht, die Kamera ruhig zu halten. Sie sind quasi der Gnade der Tiere ausgeliefert. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass ein Seehund in die Kamera blickt oder dass ein Vogel in der Nähe vorbeifliegt. Es waren viel Zeit, Geduld und eine robuste Ausrüstung nötig, doch ich bin zufrieden mit den Bildern, die wir zurückgebracht haben.

Qualle am nördlichen Seehundfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/200 s | Blende 9,5 15 mm | ISO 1 600 | AF-S FISHEYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5–4,5E ED

Welcher Moment während der Reise hat dir am besten gefallen?

Als wir eine Gruppe Wale getroffen haben. Es waren ungefähr zwanzig Tiere im Wasser unter uns. Ein Erlebnis wie aus einem Traum. Ich habe sie eine Weile mit einer Nikon D850 verfolgt und gehofft, dass sie aus dem Wasser springen würden. Leider sind sie aber unter der Oberfläche geblieben. Im Gegensatz zu einem Menschen, können Sie einen Wal nicht einfach dazu bringen, auf Kommando zu springen. Sie müssen sich mit dem abfinden, was passiert.


Auch die Seehunde (mit einer Nikon D850 in einem Unterwassergehäuse) zu fotografieren, war fantastisch. Ich war mitten unter ihnen im Wasser. Hunderte von ihnen waren überall um mich herum. Das war angsteinflößend und zugleich überwältigend.

Nördlicher Seehundfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/2000 s | Blende 4 400 mm | ISO 500 | AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR

Gorelyivulkan, Kamtschatka | Nikon Z 7 | 1/640 s | Blende 4 24 mm | ISO 250 | NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S

Was hast du aus dem projekt mitgenommen?

Es mag vielleicht wie ein Klischee klingen, aber auf solchen Fotoreisen muss man auf das Unerwartete gefasst sein. Wir hatten auf den Inseln nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung und die Umgebung kann ziemlich anspruchsvoll sein. Beispielsweise haben wir mit einer eintägigen Bootsreise gerechnet, doch dann haben wir die Wale getroffen. Das hat die Pläne über den Haufen geworfen und letzten Endes waren wir dann drei Tage unterwegs. Eigentlich wollte ich mich bei diesem Trip zu den Kommandeurinseln auf Extremsport und Surfen konzentrieren, doch dann kam alles ganz anders. Die Reise hat sich zu einem Blick durch das Objektiv auf eine verborgene Welt voll fantastischer Menschen und Tiere entwickelt. Die Aufnahmen von Menschen und Wildtieren haben mir die Augen für einen Bereich der Fotografie geöffnet, den ich bislang vernachlässigt hatte. Ich will unbedingt zurückkehren und noch mehr Bilder von den Walen und Orcas machen, die man um die Inseln findet.

Was rätst du anderen Fotografen, die ein vergleichbares Projekt angehen möchten?

Entscheidend für den Erfolg sind die Vorbereitung, die Zeitplanung und die Ausrüstung. Wir haben so viel wie möglich vorbereitet und darauf geachtet, dass die Kameras und Objektive für alle Wetterbedingungen geeignet sind. Ebenfalls wichtig ist Flexibilität. Möglicherweise haben Sie eine Vorstellung davon, wie die Dinge laufen sollen, doch in einer derart entlegenen Gegend bestimmen die Natur und die Wildtiere über die Reise. Sie sind auf deren Gebiet, also müssen Sie sich ihren Regeln unterwerfen.

Nördlicher Seehundfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/3.200 s | Blende 2,8 400 mm | ISO 800 | AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR

Welches Equipment hattest du mit dabei?

Die Nikon D5, die Nikon D850 und das neue spiegellose System Z 7. Damit hatte ich für jede Gelegenheit das richtige Gehäuse. Es ist kaum überraschend, dass meine verlässliche D5 genau die richtige Kamera für die Kitesurfingaufnahmen war. Ich halte die Kamera für unzerstörbar und mit den 153 Fokusmessfeldern und den 99 Kreuzsensoren ist die Geschwindigkeit kein Problem für sie. Für die Tieraufnahmen habe ich die Nikon D850 mit 45,4 MP verwendet. Mit dem Unterwasserschutz kann ich Tiere unter Wasser ebenso ablichten wie über Wasser. Es gibt nicht viel, was mit dieser Kamera nicht geht.

Es war meine erste Gelegenheit, das neue spiegellose System Z 7 wirklich zu testen. Dank des einer DSLR ähnlichen Aufbaus war die Bedienung wirklich intuitiv. Das System ist leicht, leise und die Bildqualität ist absolut beeindruckend, bei Detailaufnahmen ebenso wie im Weitwinkelbereich. Der ISO-Bereich entspricht dem der Nikon D850, das hätte ich kaum für möglich gehalten. 

Expeditionsyacht „Liberty“, Lisinskayabucht, Beringinsel | Nikon Z 7 | 1/640 s | Blende 4 29 mm | ISO 250 | NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S

Ich hatte mehrere Objektive dabei, Fisheyes (das AF Fisheye-Nikkor 16 mm 1:2,8D und das AF-S FISHEYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5–4,5E ED), Zoomobjektive (AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8G ED und AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR) und Festbrennweitenobjektive (AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G) sowie das neue NIKKOR Z 24–70mm 1:4 S. Letzteres war fantastisch. Als Standardobjektiv verwende ich jedoch stets das AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR. Auf dieses Objektiv ist immer Verlass.

Nikolay Rakhmatov und Peter Tyushkevich, nördlicher Seehundfelsen, Beringinsel | Nikon D850 | 1/800 s | Blende 8 15 mm | ISO 200 | AF-S FISHEYE-NIKKOR 8–15 mm 1:3,5–4,5E ED

Kirill Umrikhin

Über Kirill

Der russische Nikon-Botschafter Kirill Umrikhin ist einer der renommiertesten Reise- und Sportfotografen Russlands, der in seinen Arbeiten Sport- und Landschaftsaufnahmen vereint. Nach seinem Abschluss am Institute of Journalism and Literary Creativity in Moskau begann Kirill Umrikhin 2004 seine Karriere als Berufsfotograf mit einer Reportage für das Snowboardmagazin Onboard. Seine Bilder wurden seitdem in zahlreichen Sport-, Nachrichten- und weiteren Publikationen weltweit veröffentlicht. Während der vergangenen Jahre hat Kirill Umrikhin mehrere Einzelausstellungen gezeigt und Profikurse geleitet. Außerdem wurde er 2013 und 2014 beim nationalen Fotowettbewerb „Best of Russia“ ausgezeichnet, sein Bild einer Lawinenstation gilt als eines der besten russischen Bilder des letzten Jahrzehnts. Mit seiner Abenteuerlust und seiner Sportbegeisterung leitet Kirill Umrikhin Mannschaften in Sportarten wie Snowboarding, Skaten, Wakeboarding, Surfen, Windsurfen und Motorradfahren.

 
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