FABIAN MÜHLBERGER ÜBER TIER- UND NATURFOTOGRAFIE MIT DER NIKON D850 UND Z 7

Donnerstag, 30. Januar 2020

Fabian Mühlberger ist als Naturfotograf und für das ZDF oder National Geographic unterwegs. Uns erzählt er, warum er auf Nikon setzt, wie er seine Expeditionen plant und wie es sich anfühlt, einen romantischen Abend mit einem Wolf zu verbringen.

Wie bist du zur Tier- und Naturfotografie gekommen?

Geboren und aufgewachsen bin ich im Harz, dort gibt es noch viel unberührte Naturlandschaft. Mein Vater – er ist Ingenieur, wollte aber immer Biologe werden – hat das Interesse an Natur früh in mir geweckt. So lange ich denken kann, beobachteten wir fasziniert Tiere und mein Wunsch war immer schon, Tierforscher zu werden. Wenn Naturdokus im Fernsehen kamen, durfte ich länger wach bleiben, so sah ich natürlich jede Sendung, die irgendwo lief. Die Fotografie kam erst recht spät dazu.

Warum kam die erst später dazu?

Ich musste für mein Studium in Biodiversität natürlich auch Expeditionen machen und dokumentieren, somit begann ich mit dem Fotografieren. Dafür habe ich mir viele Ideen, Informationen und Tipps in Foren geholt, um entsprechende Bilder entstehen zu lassen, welche einer breiten Masse präsentiert werden können. Die Bilder sollten nicht nur Tiere zeigen, sondern die Geschichte dazu. Mit der Zeit entwickelte es sich dann weiter, bis die Expeditionen weniger mit biologischer Forschung zu tun hatten, sondern zu reinen Fotoexpeditionen wurden. So wurde die Fotografie von meinem Hobby zum Hauptberuf.

Inzwischen arbeitest du mit bekannten Naturdoku-Produktionen von National Geographic oder dem ZDF zusammen. Wie kam es zur Zusammenarbeit, hattest du denen Bilder angeboten?

Ich habe an einem Projekt von National Geographic mitgewirkt. Ein schwedischer Fotograf, Staffan Widstrand, welcher mein Mentor war, lud mich ein, nach Spitzbergen zu kommen. So ging ich mit ihm dann auf Reise durch die Arktis. Parallel dazu kam vom ZDF auch die Anfrage, ob ich für deren Dokumentationen auch produzieren möchte. Die wurden über meinen Instagram-Account auf mich aufmerksam. Da geht es um Fotografie und auch Videografie. Es sind oftmals Themenbeiträge für Social Media im Format „ZDF unterwegs“, wie beispielsweise vor wenigen Tagen über Kanada. Ich zeige da dann die Wildtiere und erkläre deren Lebensweise.

Was war so dein spektakulärster Trip, bei dem es vielleicht nicht so lief wie geplant oder etwas besonders Beeindruckendes passierte?

Da waren schon einige dabei, die einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen haben. Vergangenes Jahr auf Eisbären in Spitzbergen zu treffen und einem ausgewachsenen Männchen sehr nahe zu kommen, war spektakulär.

D850 | 1/320s | f/5.6 | ISO 125

In Spanien traf ich auf eine der seltensten Raubtierarten des Planeten, den Pardelluchs, das waren einzigartige Momente. Die Tierart galt schon als ausgestorben, das ist dann etwas besonders Intensives, so eine Katze abzulichten. Ich war im Juli im Auftrag von Wilderness International, einer Stiftung, unterwegs. Da habe ich mich zehn Tage alleine auf einer einsamen Insel aussetzen lassen, um Küstenwölfe zu suchen. Diese seltene Unterart der Wölfe gibt es nur noch an wenigen Orten eben an der Küste. Die ersten Tage waren sehr deprimierend, da ich nichts fand. Erst am vorletzten Tag hatte ich dann eine richtig schöne Begegnung mit dem Wolf. Ich lag am Strand zwischen Treibgut versteckt und fotografierte Otter. Wie aus dem Nichts stand dann etwa zwanzig Meter vor mir ein Wolf und schaute mich direkt an. Er kam bis auf fünf Meter auf mich zu, im perfekten Abendlicht. So konnte ich Spitzen-Porträts schießen. Das war wirklich ein Adrenalin- und Gänsehaut-Moment.

War das nicht gefährlich, so nah an einem wilden Raubtier?

Da ich Rotkäppchen nicht als Fachliteratur sehe, hatte ich auch keine Angst, die Wölfe sind sehr scheu und tun Menschen in der Regel nichts, wenn man bestimmte Regeln beachtet. Meine Essensvorräte habe ich beispielsweise nicht direkt an meinem Camp gelagert, um die Tiere nicht direkt zu mir zu locken. 

D850 | 1/500s | f/4 | ISO 500

Aber ein Wolf greift normal keinen Menschen an. Mein Model-Wolf war nicht aggressiv, er bewegte sich mit einer Mischung aus Angst und Neugier auf mich zu, ging wieder etwas weg und kam dann immer näher. Ich hatte ihn nicht angelockt, sondern er wollte anscheinend herausfinden, was ich bin, bis er offensichtlich genug hatte und verschwand.

Wie kannst du solche Situationen einschätzen, ist das mittlerweile Erfahrung? Lernt man das im Studium?

In erster Linie ist es die Erfahrung. Wichtig ist das eigene Verhalten, Ruhe zu bewahren und auf besonnene Bewegungen zu achten. Speziell bei den Küstenwölfen habe ich mich vorher auch über das Verhalten der Raubtiere erkundigt, auch diese Hausaufgaben sind zur Vorbereitung enorm wichtig.

Wie sieht dein „Alltag“ aus? Du bist ja nicht immer nur draußen in der Wildnis …

Ich sage da gerne, ich führe zwei Leben. Mich gibt es auf dem Sofa beim Netflix schauen genauso wie in der wilden Natur. Oft kommen meine Projekte recht kurzfristig oder häufen sich. Eine bestimmte Saison dafür gibt es nicht. Da geht es schnell innerhalb von Wochen mal nach Kanada, dann nach Namibia, vorher war ich in Peru, es ist immer etwas los. In den Zeiten, die ich hier in Deutschland verbringe, ist viel Planungsarbeit zu tun. Besonders wichtig ist die Kommunikation mit Geographen oder Biologen, die sich mit den Gegebenheiten vor Ort bestens auskennen. So hole ich mir Tipps und Informationen, welche dann auf Expedition sehr wertvoll sein können.

Fabian Mühlberger bei der Arbeit

Es fällt beim Blick auf deine Arbeit auf, dass du sehr viel in den Tropen bist. Grün dominiert stark. Ist das dein Lieblingsgebiet?

Ich befasse mich intensiv mit der Biodiversität. Da bietet der tropische Regenwald einfach unbegrenzte Möglichkeiten zum Forschen. Auf einem Hektar Tropenwald in Südamerika findet man mehr Tierarten, als in ganz Kanada beheimatet sind. Es scheint eine unendliche Quelle für neue Entdeckungen zu sein. Darum zieht es mich einfach immer wieder dorthin. Auch kenne ich in dem Gebiet inzwischen viele Forscherkollegen und so ist es mir auch möglich, „günstiger“ dorthin zu kommen und zu arbeiten. Meine Expeditionen finanziere ich mir selbst, daher ist das auch ein Faktor.

Kommen wir zur Fotografie. Naturfotos, Landschaften und wilde Tiere möchten natürlich sehr viele gerne abbilden. Hast du Tipps für Einsteiger, veranstaltest du auch Workshops?

Workshops direkt biete ich nicht an. Was ich anbiete, sind begleitete Reisen, da gebe ich gerne viele Tipps. Wer mit Wildlife-Fotografie anfangen möchte, sollte auf jeden Fall nicht auf eigene Faust losziehen, besonders nicht in den Regenwald oder abgelegene Regionen. Es gibt überall erfahrene Guides, welche nützlich und wichtig sind, alleine aus dem Aspekt der Sicherheit.

Wer sich auf die Jagd nach einem speziellen Tier begibt, sollte sich vorher sehr viel einlesen. Das Verhalten, Auffälligkeiten oder die Lebensräume müsst ihr kennen, auch um dann bei der Begegnung mit Wild- oder sogar Raubtieren besonnen und ruhig zu reagieren. Wie erwähnt, hole ich mir selbst heute noch viele Tipps von anderen Forschern, welche der Spezies schon begegnet sind. Fragen kostet bekanntlich nichts und sehr häufig bekommt man viele wertvolle Antworten oder es entstehen Bekanntschaften.

Sehr wichtig ist auch, die Tiere nie zu stören oder versuchen sie zu beeinflussen. Sei es durch Geräusche, welche sie erschrecken können – nur damit das Tier vielleicht in die Kamera schaut. Oder bei kleinen Tieren wie Fröschen diese zur Bildgestaltung irgendwo hinzusetzen, lasst das bitte, lasst die Lebewesen ungestört!


Nun zum technischen Teil deiner Fotografie. Bei deiner Arbeit herrschen extreme Bedingungen, welches Equipment nutzt du?

Im Moment vorwiegend die Nikon D850 in Verbindung mit meinem Nikon AF-S NIKKOR 500 mm 1:4G ED VR. Neuerdings nutze ich auch die spiegellosen Systemkameras, da gerne die Z 7 – die ist gerade zum Filmen eine super Ergänzung. Der Autofokus, wenn ein Tier direkt auf dich zukommt, funktioniert da hervorragend, das ist mir vorher mit keinem Equipment so gelungen.

Makro-Aufnahmen entstehen mit dem Nikon AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm 1:2,8G IF-ED, vorwiegend dann im Regenwald, um Schlangen oder Frösche zu dokumentieren. In den Tropen herrscht extremes Klima, da war ich mit der D850 und dem Makro schon stundenlang im Regen unterwegs, ohne Schutz, das hat diese robuste Kombination problemlos weggesteckt.

Insgesamt sind es so 15 Kilogramm, welche ich dann im Rucksack mit herumtrage. Mindestens zwei Bodys, damit ich nicht Objektive wechseln muss. Blitzgeräte mit Diffusor für die Nacht, da nutze ich das Nikon WSB 700 und das SB 28. Dazu noch Stative und Proviant – Gewicht genug.


Seit wann fotografierst du mit Nikon?

Ehrliche Antwort: Schon immer, seit ich Fotos selbst mache. Etwa zur Abiturzeit wollte ich mir meine erste eigene Kamera kaufen. Damals schwankte ich zwischen den Marken und testete, entschied mich dann für Nikon, da die mir am meisten zusagten. Da bin ich auch treu geblieben, denn keine andere Marke konnte mich überzeugen, einen Systemwechsel zu wagen. Die Geräte sind robust, haben mich selbst bei Kälte, im Sand oder im Regen nie im Stich gelassen. Da schließe ich die spiegellose Z 7 auch mit ein, die in den Nebelwäldern von Borneo problemlos gearbeitet hat. Da es in den Wäldern eher selten Strom gibt, sind mir auch die langen Akkulaufzeiten sehr wichtig.

D850 | 1/200s | f/5.6 | ISO 4000

Du hattest vorhin Wilderness International erwähnt. Kannst du uns darüber etwas mehr Hintergrundwissen geben?

Wilderness International ist eine Naturschutz-Stiftung und bietet für Reiseagenturen zum Beispiel einen CO2-Ausgleich an. Wer beispielsweise eine Fotosafari nach Namibia bucht, verursacht Unmengen an CO2. Der Flug dorthin und zurück, vor Ort mit schweren SUVs hunderte Kilometer durch die Savanne und so weiter, da kommt eine Menge zusammen. WI berechnet dann die Belastung pro Teilnehmer. Nach einer bestimmten Formel wird errechnet, wieviel der Reiseunternehmer oder der Kunde mehr bezahlen, oder in diesem Fall spenden muss, um diesen Fußabdruck auszugleichen. Ich begleite Informationsreisen der Stiftung und dokumentiere diese mit Foto- und Videomaterial.

Was passiert dann mit dem Geld?

Eingenommenes Geld investiert die Stiftung dann vorwiegend darin, bestehende Waldflächen in Kanada zu kaufen. Also keine aufwändige Aufforstung, sondern bestehende wilde Naturwälder zu erhalten und sie so vor gnadenloser Abholzung zu bewahren. Diese Wälder bräuchten Jahrhunderte, um wieder zu wachsen. Das Projekt ist direkt, effizient und transparent, somit einfach gut. Ich sehe meine Arbeit für die Stiftung als meinen Beitrag zum Umweltschutz, denn auch ich bin abhängig von einer intakten und gesunden Natur in der Zukunft. Hierfür ist die Fotografie das Mittel zum Zweck und das stärkste Werkzeug, das ich habe, um über die Natur aufklären zu können. Das ist meine Motivation, zu fotografieren.

WHAT'S IN MY BAG

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