DER KOMPAKTE START-UP-GUIDE FÜR FOTOGRAFEN – SIEBEN SCHRITTE ZUM ERFOLGREICHEN FOTO-BUSINESS (TEIL 2)

Dienstag, 03. Dezember 2019

Wer sein Foto-Hobby intensiv und voller Leidenschaft ausübt, stellt sich irgendwann die Frage: Lässt sich hiermit auch Geld verdienen? Manchem reichen ein paar Euros nebenher, andere träumen davon, die Fotografie hauptberuflich auszuüben. Doch bekanntlich ist aller Anfang schwer. In unserem kompakten Start-up-Guide erklären wir euch in sieben Schritten, wie euer Traum vom eigenen Foto-Business Wirklichkeit wird. Hier findet ihr Teil 1 des Beitrags.

Schritt 4: Die Versicherungen

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das gilt für jeden Unternehmer. Doch wäre es Dummheit, zu glauben, man könne bestimmte Risiken ignorieren. Eine Haftpflichtversicherung ist beispielsweise ein „Muss“ für jeden Selbstständigen. Wenn ihr im Job oder beim Kunden irgendetwas kaputt macht, das euch nicht gehört, oder jemand bei einem eurer Shootings zu Schaden kommt, dann haftet ihr dafür – im schlimmsten Fall sogar mit eurem Privatvermögen. Eine betriebliche Haftpflichtversicherung schützt euch gegen Schadenersatzansprüche. Die Versicherung zahlt für berechtigte Forderungen bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungssumme und sie hilft euch auch dabei, unberechtigte Ansprüche abzuwehren (passiver Rechtsschutz).

Statt eine einzelne Haftpflichtversicherung abzuschließen, kann sich ein spezielles Versicherungspaket für Fotografen lohnen. Einige Anbieter haben „Fotografen-Versicherungen“ im Portfolio, die die wichtigsten Versicherungen für jedes Foto-Business beinhalten: Neben einer Basisversicherung des Equipments und Studio-Inventars enthalten diese beispielsweise eine Betriebshaftpflicht (Personen- und Sachschäden) und eine Berufshaftpflicht (Verletzung von Persönlichkeitsrechten oder Markenrechten) sowie eine Versicherung gegen Cyber- und Datenrisiken (Verlust von Foto-Dateien durch Computer-Viren oder Hacking).

Von den betrieblichen Risiken abgesehen, gilt es natürlich auch, persönlich Vorsorge zu treffen. Vor allem braucht ihr eine Krankenversicherung (privat oder freiwillig gesetzlich) und solltet euch auch möglichst früh mit dem Thema Altersvorsorge auseinandersetzen. Als freier Fotograf, der im journalistischen oder künstlerischen Bereich erwerbsmäßig tätig ist, könnt ihr euch bei der Künstlersozialkasse (KSK) anmelden, wenn ihr mit dieser Arbeit pro Jahr mindestens 3.900 Euro einnehmt.

Die KSK hat den Vorteil, dass ihr wie ein Arbeitnehmer gesetzlich versichert seid. Auf Basis deines geschätzten Einkommens zahlt ihr den Arbeitnehmeranteil der Sozialabgaben selbst, den Arbeitgeberanteil übernimmt der Staat. Neben dem passiven Rechtsschutz der Betriebshaftpflicht gibt es natürlich auch noch klassische Rechtsschutzversicherungen. Hier gehen die Meinungen allerdings auseinander, ob sich diese für Berufseinsteiger wirklich lohnen. Lasst euch am besten von einem Versicherungsexperten beraten und dein individuelles Risiko einschätzen.

Schritt 5: Das Equipment

Als Berufsfotograf braucht ihr selbstverständlich eine professionelle Kamera mit entsprechenden Objektiven sowie weiteres Zubehör. Ob das eine Nikon D5, eine Nikon D500 oder eine Nikon Z 6 ist, spielt dabei zunächst keine wesentliche Rolle. Wichtig ist aber, dass Kamera und Objektive zur geplanten Art der Fotografie passen.

Die Anschaffung von Kamera-Equipment ist gerade für Neueinsteiger, die noch keine eigene Ausrüstung haben, zu Beginn einer der größten Kostenfaktoren (siehe „Schritt 3: Die Finanzierung“). Wer als Fotoprofi arbeitet, sucht hier am besten den persönlichen Kontakt zu einem Nikon-Vertragshändler. Dieser kann nicht nur gezielt beraten, sondern häufig auch attraktive Finanzierungsmöglichkeiten vermitteln. Ein preiswerter Start ist auch mit gebrauchten Geräten möglich, die im Idealfall ebenfalls von einem Fotofachhändler stammen, der die besonderen Bedürfnisse von professionellen Fotografen kennt.

Vielleicht fragt ihr euch, warum ihr im Fotofachhandel kaufen solltet, wenn die Produkte anderweitig vielleicht günstiger zu haben sind? Aus einem einfachen Grund: Ebenso wichtig wie die Produkte selbst, ist für Profis ein verlässlicher Service, der euch im Fall der Fälle eines Equipment-Ausfalls unkompliziert und schnell hilft. Gute Beziehungen zu einem gut vernetzten Händler können sich in solchen Situationen auszahlen. Wer als Berufsfotograf mindestens zwei professionelle Nikon-Kameras und drei professionelle Nikon-Objektive besitzt, kann zudem Mitglied im Nikon Professional Service (NPS) werden. Welche Voraussetzungen dabei genau gelten, steht in den NPS-Rahmenbedingungen.

Eine Alternative zum Kauf von Kameras, Objektiven oder auch Lichtanlagen sind Rental-Services, die Equipment verleihen. Das Mieten kann insbesondere bei Ausrüstungsteilen, die man nicht täglich braucht oder die man vor dem Kauf zunächst ausgiebig testen möchte, eine finanziell interessante Option sein. Im Zusammenhang mit einem Auftragsshooting lassen sich die Rental-Kosten übrigens häufig eins zu eins an den Kunden weiterberechnen.

Schritt 6: Das Marketing

Ohne Kunden kein Foto-Business. Damit deine Kunden jedoch überhaupt auf dich aufmerksam werden, braucht es einen Marketing-Plan. Das klingt nach viel Arbeit und tatsächlich fällt es vielen Fotografen erstaunlich schwer, sich selbst zu vermarkten. Dabei führt am Eigenmarketing kein Weg vorbei – und es ist auch nicht wirklich schwer.

Der Anfang ist eine Website, auf der interessierte potenzielle Kunden einen Eindruck von eurem Angebot und eurer Bildsprache bekommen. Parallel dazu braucht es Präsenzen auf den gängigen Social-Media-Plattformen (z. B. Instagram, Facebook, Xing). Falls es euch anfangs an Bildmaterial mangelt, solltet ihr in das Anfertigen von brauchbaren Fotos zunächst etwas Zeit und Mühe investieren. Eine Möglichkeit, an brauchbare Bilder zu kommen, könnte etwa ein kostenloses Shooting für Freunde oder Unternehmen aus der Nachbarschaft sein. Auch gestellte Shootings mit Models sind ein guter Weg, um euren besonderen Stil zu zeigen. Nach den ersten Aufträgen werdet ihr automatisch immer mehr Bildmaterial zum Vorzeigen generieren. Dieses ist eure wichtigste Visitenkarte! Macht es euch deshalb zur Gewohnheit, am besten schon bei der Auftragsvergabe die Nutzung der Fotos für das eigene Marketing zu regeln.

Wenn das eigene Portfolio und die eigene Mappe stehen, beginnt ihr mit der aktiven Kundenakquise. Das ist für viele der unangenehme Teil, doch gibt es dabei wirklich nichts zu verlieren. Im Gegenteil: Nur wer aktiv wird und den Kontakt sucht, hat überhaupt eine Chance, vom Kunden in spe eingeladen zu werden. „Bevor Sie einen Auftrag eintüten können, geht immer eine Phase des Kundenkontakts voraus“, schreibt Fotografen-Trainerin Silke Güldner in ihrem Buch „Erfolg im Foto-Business – Wertvolles Wissen für Fotografen von der Akquise bis zum Portfolio“. Je nach Schwerpunkt und Zielgruppe zählen dabei entweder der Griff zum Telefon und die fernmündliche Vorstellung oder vielleicht die schnelle Social-Media-Message zu den besonders bewährten Maßnahmen.

Entscheidend über Erfolg oder Misserfolg ist letztlich der persönliche Kontakt beim Verkaufsgespräch. Güldner verweist in diesem Zusammenhang auf die große Bedeutung direkter Kommunikation mit dem Kunden, die weit über das reine Präsentieren von Fotomappen hinausgeht: „Tatsächlich beeinflussen die Beziehungsebene, der erste Eindruck und das Bauchgefühl zu einem weit größeren Teil die Entscheidungsfindung als die Sachebene.“ Habt also keine Angst davor, die eigenen Fotos zu zeigen und euch in sympathischen Small Talk zu verstricken!

Grundsätzlich gilt, dass sich einmalige Marketing-Aktionen nie auszahlen. Ihr werdet feststellen, dass der Effekt einfach verpufft. Es braucht also einen Plan mit aufeinander aufbauenden Aktionen. Das können regelmäßige Posts auf unterschiedlichen Social-Media-Kanälen und Online-Werbung sein oder auch eine Reihe von Telefonanrufen oder sonstigen Kontaktsituationen (z. B. auf Messen oder Networking-Events). Hier gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein. Achtet aber auf euer Bauchgefühl und die Reaktionen der erhofften Auftraggeber. Wenn euer Gegenüber das Gefühl hat, dass ihr ihn stalkt oder anfangt zu nerven, dann wart ihr zu proaktiv. Mit der richtigen Marketing-Mischung und der entsprechenden professionellen Leistung eurerseits werden aus Neukunden nach und nach Bestandskunden, zu denen ihr den Kontakt dann beispielsweise mit einem exklusiven „VIP-Newsletter“ und regelmäßigen persönlichen Treffen halten könnt.

Schritt 7: Weiterbildung und Qualitätssicherung

Ganz wichtig in der heutigen Imaging-Welt: Ihr dürft nie stehen bleiben und euch auf euren Erfolgen ausruhen. Dessen solltet ihr euch von Beginn an bewusst sein. Nicht nur Technik und Bildsprachen entwickeln sich fortlaufend weiter, sondern auch die Wünsche und Ansprüche eurer Kunden. Es ist daher unabdingbar, ständig in eure Weiterbildung zu investieren. Lest Blogs und Websites, die über professionelle Fotografie berichten, abonniere Fotozeitschriften, in denen du alles über aktuelle Foto- und Business-Trends erfahrt.

Mindestens einmal im Jahr solltest du an einem Workshop oder einer Konferenz teilnehmen. Wähle dabei nicht nur nach dem Programm aus, sondern auch nach der angesprochenen Zielgruppe. Denn der Benefit derartiger Veranstaltungen liegt nicht allein in der Vermittlung von neuen Techniken, sondern auch im kollegialen Austausch mit anderen Teilnehmern.

Fort- und Weiterbildungen sollten für euch nicht die einzige Form von Qualitätssicherung sein. Sucht gerade in der Anfangszeit den Kontakt zu erfahrenen Kollegen, Trainern oder Mentoren. Eine gute Möglichkeit, schnell viel über das Business zu lernen, ist die Assistenz bei einem etablierten Kollegen. Hole dir bei Portfolio-Reviews eine professionelle Meinung zu euren Bildern. Ihr werdet feststellen, dass es zu einem Foto oder einer Serie sehr viele unterschiedliche Ansichten geben kann. Lasst euch davon nicht beirren. Bleibt eurer Linie treu, seid jedoch offen für ehrliche Kritik. Nehmt Ratschläge an und lernt aus euren Fehlern!


Es liegt in der Natur der Sache, dass die hier skizzierten sieben Schritte in der Praxis selten nacheinander, sondern eher zeitlich parallel erfolgen. Versteht euer Start-up als dynamischen Prozess, in dem selten etwas genau so läuft, wie ihr es euch auf dem Papier ausmalt. Nehmt euch ein Beispiel an Mike Tyson, einem der größten Boxer der Sportgeschichte, dessen Credo lautete: „Jeder hat einen Plan, bis er eins auf die Fresse bekommt.“ Lasst euch von den Rückschlägen, die unausweichlich kommen werden, nicht entmutigen. Begreift jede Veränderung vielmehr als eine Chance, wieder einen entscheidenden Schritt weiterzukommen. Und vergesst nie, dass Erfolg letztlich nur zwei Wörter braucht: Tut es!

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