ASTRO-FOTOGRAFIE MIT DEM NIKON-Z-SYSTEM

Donnerstag, 19. März 2020

Christoph Kaltseis, 44, spricht über seine fotografischen All-Erkundungen, die technischen Details dahinter und seinen Entdeckergeist als Antriebsfeder.

Hallo Christoph, wie und wann haben dich die Sterne gepackt?

Da muss ich ungefähr fünf Jahre alt gewesen sein. Es gab eine Fernsehserie, die hieß „Unser Universum“, da habe ich keine Folge verpasst. Am Weihnachtsabend lag dann noch das gleichnamige Buch unterm Tannenbaum. Ab da war es um mich geschehen.

In welchem Alter hast du dein erstes Astrobild geschossen?

Mit 15 oder 16. Ich weiß noch genau, ich hatte eine Nikon F4s und habe auf Kodak Pro Gold 400 fotografiert, Landschaftsfotos und erste Astro-Aufnahmen. Sehr überlegt – Filmmaterial war schließlich teuer. Meine erste digitale Spiegelreflexkamera war die Nikon D100, die 2002 herauskam. Ab etwa 2005 habe ich viel herumexperimentiert und mich fotografisch stetig verbessert. Als ich ein vernünftiges Portfolio beieinander hatte, habe ich meine Bilder auf eine DVD gepackt und zu Nikon Österreich geschickt. Als auch nach Wochen keine Reaktion kam, bin ich zum Nikon-Hauptsitz in Wien gefahren, wo sich herausstellte, dass man auf eine Kontaktaufnahme meinerseits bereits gewartet hatte. So war ich dann ab 2005 bei Nikon Pro vertreten.

Wie sieht dein Business-Modell heute aus?

Ich gebe Workshops im Bereich Landschafts-, Beauty-, Bodypainting- und Sternfotografie und ich fertige Astrobilder im Auftrag von Unternehmen an. Darüber hinaus organisiere ich Treffen im Bereich Astrofotografie und leite alle zwei Jahre eine der größten Astronomie-Konferenzen im deutschsprachigen Raum. Insgesamt macht die Sternfotografie inzwischen gut 60 Prozent meiner Arbeit aus.

Du fotografierst immer noch mit Nikon – seit einiger Zeit mit den Nikon-Kameras Z 6 und Z 7. Warum mit einem spiegellosen System?

Ich habe ein paar Jahre lang mit der Nikon-Astrokamera D810 A gearbeitet, später auch mit der D850, sowohl im Landschafts- als auch im Astrobereich. Die Ergebnisse waren wirklich gut, aber die Z 6 und Z 7 toppen das in puncto Bildqualität noch einmal.

Worauf führst du diese Qualitätssteigerung zurück?

Wenn man Sterne fotografiert, sind die Belichtungszeiten extrem lang – in der Summe bis zu eineinhalb Stunden und mehr. Durch die Erwärmung der Sensoren steigt auch das Bildrauschen unweigerlich. Dieser Effekt ist bei spiegellosen Systemen aufgrund des leichteren und damit schneller Wärme abgebenden Kamerabodys allerdings geringer, vor allem, wenn man das Display zur Seite klappt. Das Ergebnis sind sichtlich rauschärmere, detailreichere Bilder.

Aufgenommen mit der Nikon Z 6


„DIE NIKON Z IST WIE GESCHAFFEN
FÜR DIE ASTRO-FOTOGRAFIE“

Wenn man den nächtlichen Himmel mehrere Minuten lang fotografiert, verwischen die Sterne aufgrund der Erdrotation zu Lichtspuren. Wie also kommst du zu scharfen Bildern?

Hier kommen Montierungen (10Micron) zum Einsatz, die sich automatisiert mitdrehen und damit die Erdrotation ausgleichen. Dabei steuere ich die Kamera via USB und mit der Capture-Control-Software von Nikon, das funktioniert wirklich sehr gut.

Beim Thema Detailreichtum spielen aber auch die Objektive eine entscheidende Rolle. Welche setzt du ein?

Bei den Bildern einzelner Sternbilder arbeite ich überwiegend mit speziellen Teleskopen, die sehr hochauflösend sind und extrem lange Brennweiten besitzen.

Z 7 mit NIKKOR Z 14–30 mm 1:4 S

Was heißt das konkret?

Ich nutze beispielsweise das Rasa-36-f2.2-Teleskop, das eine Brennweite von 800 mm und eine Lichtstärke von f2.2 hat und beispielsweise auch von der Weltraumbehörde zur Beobachtung von Weltraumschrott eingesetzt wird. Damit habe ich beispielsweise die M101-Galaxie ziemlich detailliert fotografieren können, in 30 einzelnen, jeweils 180 Sekunden dauernden Etappen, also summa summarum in 90 Minuten. Für die Astrofotografie ist das eine extrem kurze Belichtungszeit, dennoch konnte ich so selbst schwächste Details sichtbar machen. Wenn ich noch mehr in Detailstrukturen gehen möchte, setze ich das Teleskop C14 EDGE HD ein. Dank seiner 3.928-mm-Brennweite und einer maximalen Blendenöffnung von f10.84 habe ich schon Reste eines explodierenden Sterns ablichten können. Einige dieser Bilder sind so gut geworden, dass sie die NASA am Ende als APOD „Astronomy Picture of the Day“ veröffentlicht hat. Das bedeutet vor allem viel mehr Klicks, als wenn ich das gleiche Bild auf meiner Facebook-Seite poste, meist sind es bis zu einer Million Aufrufe.

Du arbeitest also überwiegend mit extremen Tele-Optiken …

Ja, meist in einem Brennweitenbereich von 2.000 bis 4.000 mm, den ich über einen Konverter bis auf 12.000 mm verlängern kann. Ein solches Set-up an der Nikon Z 6 habe ich 2019 das erste Mal auch zum Filmen eingesetzt. Als Mitte Februar der Mond die kürzestmögliche Distanz zur Erde hatte und die Luftbedingungen sehr gut waren, habe ich bei ISO 1.250 mit 30 Bildern pro Sekunde ein 4K-Video gedreht und auch einige Stills daraus gezogen. Die Ergebnisse waren atemberaubend. Du hast das Gefühl, in einer Raumfähre über dem Mond zu schweben – die Nikon liefert einfach ein unglaublich gutes Signal bei f32,77.

C14 Edge HD | Nikon Z 6 | f/7.6 | 1/250s | ISO 800

Du gibst ja auch Kurse für Amateure, die sich mit der Astrofotografie beschäftigen wollen. Ist das angesichts der Teleskope, die es braucht, nicht ein extrem teures Hobby?

Ich habe inzwischen einiges an Geld in die Hand genommen, das ist wahr. Aber der Einstieg in das Genre ist gar nicht so extrem teuer. Teleskope mit interessanten, also langen, Brennweiten gibt es schon ab 1.500 Euro, inklusive Montierung (= Nachführeinheit) ab 2.500 Euro. Software, die die Einzelbilder übereinanderlegt und das unvermeidbare Rauschen, das bei den minutenlangen Einzelshots entsteht, mittelt, das heißt subtrahiert, gibt es schon für kleines Geld.

Du selbst hast beispielsweise mit APF-R (Absolute Point of Focus) eine Schärfeoptimierungs-Software entwickelt, die auch von der NASA für das Hubble Space Telescope genutzt wurde. Ist das der Hauptanreiz für dich: das letzte Quäntchen Bildqualität herauszuholen?

Nein, das ist für mich Handwerkszeug. Was mich wirklich fasziniert, ist dieser Entdecker-Moment: Du belichtest Dinge, die du so nie sehen könntest, unter Idealbedingungen Farbschimmer von Konstellationen, die Distanzen von unfassbaren 10 Milliarden Lichtjahren überbrückt haben, ehe sie die Erde erreichen. Ich habe mit meiner Nikon und dem RASA-36-Teleskop sogar schon einmal extrem feinen Sternenstaub festgehalten, der bislang noch nicht kartografiert war – ein tolles Gefühl!

Christoph Kaltseis, geboren 1975 in Wels, Oberösterreich, kam mit 15 Jahren zur Astrofotografie. Heute lebt der Österreicher von Workshops im Bereich Landschafts-, Beauty-, Bodypainting- und Sternfotografie sowie von Auftragsbildern im Astrobereich. Kaltseis lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in oberösterreichischen Sarleinsbach.

Setzt du auch Nikon-F-Objektive ein?

Zunächst einmal großes Kompliment an Nikon für die Entwicklung des neuen Z-Mounts, der ja eine Reihe von Vorteilen bietet, wie eine bessere Ausleuchtung des gesamten Bildkreises und leichtere Objektive. Der Umstieg auf das Z-System ist mir als Nikon-Fotograf leicht gefallen, denn dank des FTZ-Adapters kann ich ja meine vorhandenen Nikon-Objektive weiter einsetzen. Diese wie auch die neuen Z-Objektive setze ich immer dann ein, wenn ich statt Details größere Himmelsareale abdecken möchte. Vom Gipfel des höchsten Berges der Kanareninsel La Palma aus habe ich in diesem Jahr mit der Z 7 und dem NIKKOR Z 85 mm F 1.8 S eine Panorama-Aufnahme, also eine Himmelsaufnahme im HDR-Verfahren, mit summiert 660 Millionen Bildpunkten gemacht. Da kann man ohne Ende reinzoomen. Viele glauben, die Bilder seien gephotoshopt, weil die Qualität so gut ist, dabei sind sie “out of the box” entstanden. Auch vom vergleichsweise preisgünstigen NIKKOR Z 24-70 mm F 4 S kann ich nur Gutes berichten. Bei Offenblende war der Sternenhimmel scharf bis in die Ecken, bei 52 mm war der Sweet Spot erreicht, bei 70 mm fiel das Ergebnis dann etwas weicher aus, die Details waren wegen der längeren Brennweite aber noch besser sichtbar. Und mit dem NIKKOR Z 50 mm F 1.8 habe ich bei Blende 2.8 mit der Z 7 ein Bild von der Milchstraße gemacht, für das ich 38 Mal 60 Sekunden lang belichtet habe. Die Kombination liefert eine sensationelle Leistung für das Geld, das  NIKKOR Z 50 mm F 1.8 kostet ja gerade mal 470 Euro. Die Nachführung der Kamera habe ich einem Nano-Tracker überlassen, einer winzigen Nachführeinheit, die in jede Hosentasche passt.

Bei deinen Sternenbildern geht es immer um maximalen Detailreichtum, also um Auflösung. Warum fotografierst du dann nicht ausschließlich mit der Nikon Z 7, die mit 46 Megapixeln ja doppelt so viel Auflösung besitzt wie die Z 6?

Die Z 6 setze ich ein, wenn die atmosphärischen Bedingungen nicht optimal sind, sprich wenn das Luftflimmern dazu führt, dass die Sterne, wenn man durch das Objektiv guckt, nicht fix an einem Punkt stehen, sondern zu „hüpfen” scheinen. Dann ist die geringere Auflösung nämlich ein Vorteil.

MEHR VON CHRISTOPH

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