VOLLMONDMISSION IN KÖLN: MIT JOHANNES HÖHN UND DER Z 6 AUF SHUTDOWN-TOUR DURCH DIE RHEINMETROPOLE

Mittwoch, 13. Januar 2021

Johannes Höhn (34) lebt und arbeitet in Köln als Fotograf. Der studierte Sportökonom ist Gründer des Fotografenkollektivs German Roamers und steckt hinter der Agentur Pangea Productions. Anfang August war er mit der Nikon Z 6 auf Vollmondmission in Köln.

Johannes, für gewöhnlich bist du als Landschaftsfotograf auf allen Kontinenten unterwegs, im Sommer aber hast du ein Fotoprojekt vor der eigenen Haustür gemacht. Wie kam’s?

Wie so vieles in diesem Jahr hat das mit Corona zu tun. Durch die Welt fliegen war nicht wirklich angesagt, also habe ich mich in Köln nach interessanten Motivwelten umgeschaut, und dabei ist mir, wenig überraschend, der Dom untergekommen. Allerdings habe ich nach Settings und Perspektiven gesucht, die weniger abgenutzt sind. Irgendwann bin ich dann mit dem Rad über die Zoobrücke gefahren, die sich in einiger Entfernung Luftlinie vom Dom befindet, der Mond ging auf, und meine Bildidee war da: der Vollmond zwischen den Domspitzen.

Du hast das Rheinpanorama samt Mond aus mehreren Blickwinkeln abgelichtet und dabei sehr stimmungsvolle Motive produziert. Wie bist du vorgegangen?

Als Landschaftsfotograf schaue ich eigentlich ständig auf das Wetter, auf den Stand der Sonne und auf den des Mondes, der lässt sich ja inzwischen unaufwändig mit entsprechenden Apps eruieren. Mir war also klar, wann ich starten musste – Anfang August passten alle Koordinaten zusammen. Ich bin dann um vier Uhr aufgestanden.

Respekt!

(lacht) Da muss man mir keinen Respekt zollen, in den sauren Apfel beißt jeder Landschaftsfotograf zwangsläufig. Jedenfalls bin ich mit zwei Freunden losgezogen, und um viertel vor fünf war es soweit: Der Vollmond stand goldgelb zwischen den beiden Türmen der Kathedrale, die Stadt warf silbrige, rotgoldene und pinkfarbene Lichter auf den ruhigen Fluss, mein Kollege hatte sich in einiger Entfernung am Kopf einer kleinen Landzunge platziert und davor schwamm ein Schwarm Enten. Dann zogen noch einige Schleierwolken auf, die das harte Mondlicht ein wenig abfederten: Besser hätte man es nicht planen können!

Z 6 | 1/800s | f/4.8 | ISO 640

Definitiv. Welche Objektive hast du eingesetzt?

Das NIKKOR Z 24–70 mm 1:2,8 S und das bildstabilisierte AF-S NIKKOR 80-400 mm 1:4,5-5,6G ED VR, das ich über den FTZ-Adapter angeschlossen habe. Darüber hinaus arbeite ich aber auch mit dem NIKKOR Z 14–30 mm 1:4 S und dem NIKKOR Z 35 mm 1:1,8 S.

Zurück zur Location-Frage. Professionelle Landschaftsfotografie bedeutet ja nicht zuletzt die Jagd nach den besten Spots auf der ganzen Welt. Dann kommt Corona dazwischen und du machst ein Fotoprojekt direkt vor deiner Haustür. Ein krasser Strategieschwenk ...

Das empfinde ich gar nicht so extrem, schließlich verfolge ich die lokale Fotografie, zumindest die in Deutschland, ja schon eine Weile. 2015 habe ich die German Roamers ins Leben gerufen …

Ein zwölfköpfiges Fotografen-Kollektiv auf Instagram, das sich der Landschaftsfotografie in Deutschland verschrieben und inzwischen ziemlich viel Erfolg hat ...

Genau. Am Anfang waren die German Roamers nicht mehr und nicht weniger als ein informeller Zusammenschluss ambitionierter Hobbyfotografen, die sich zu gemeinsamen Instagram-Walks verabredet haben und deutlich machen wollten, dass es in Deutschland viele tolle, fotogene Landschaften gibt. Es war cool, eine Community aufzubauen und zur richtigen Zeit einen eigenen Kanal zu bespielen – in einem Moment, in dem ganz viele Leute angefangen haben zu fotografieren.

Seither haben sich die German Roamers zu einer festen Größe in den sozialen Medien entwickelt, ihr habt im DuMont-Verlag ein eigenes Buch herausgebracht, zählt knapp 400.000-Abonnenten auf eurem Feed und könnt euch über zahlreiche Anfragen vonseiten der Tourismusbranche, aber auch von Konsumgütermarken freuen. Wie geht man mit so einer Interesse vonseiten der Industrie um?

Erstmal ist das ja zweifellos eine sehr erfreuliche Entwicklung. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass man Kurs halten sollte. Anders als viele Influencer möchten wir die eigene Marke nicht mit Product-Placements verwässern. Dazu gehört auch die Entscheidung, Kooperationen auf Marken oder Tourismusverbände zu beschränken, die zu unserem visuellen Konzept passen. Ich persönlich verfahre auf meinem eigenen Account nach dem Motto „If I don’t feel it, I don’t do it“, sprich, wenn es sich nicht richtig anfühlt, wenn etwas ästhetisch oder inhaltlich nicht zu mir passt, lasse ich es im Zweifel lieber, selbst wenn es lukrativ ist.

Z 6 | 1/500s | f/4.5 | ISO 640

Ein wenig meteorologisches Glück gehört zur Landschaftsfotografie schon dazu, oder?

Ja, aber das macht die Sache eben auch spannend. Ebenso wichtig ist aber eine minutiöse Planung, doch manchmal ist auch die nicht ausreichend. Zwei Tage später wollten wir dieselbe Szenerie fotografieren und dabei ein Kajak auf dem Rhein als Bildvordergrund einfangen. Wir sind also wieder um vier aufgestanden, doch dann war versteckte sich der Mond hinter den Wolken. Also habe ich meine Freunde angerufen und ihnen gesagt: Ihr könnt wieder ins Bett gehen.

Einen Tag später hat es dann offensichtlich geklappt, wie die EXIF-Dateien verraten ...

So ist es. Der Mond ist zwar nicht mehr ganz rund, aber nahezu, der Himmel färbt sich langsam azurblau, die Sonne schickt ihre ersten, purpurnen Farbtöne über den Horizont und aufs Wasser, ein paar Möwen ziehen ihre Morgenkreise über meinem Assistenten, der auf dem Rhein paddelt: Das war in Sachen Atmosphäre schon sehr dicht.

Apropos blaue Stunde und wenig Licht: Wie muss man sich das technisch vorstelle?. Hast du vom Stativ aus fotografiert?

Nein, ich fotografiere – untypisch für einen Landschaftsfotografen – eigentlich immer aus der Hand, und in dieser Hinsicht spielt mir die Nikon-Z-Serie definitiv in die Hände. Wenn möglich, wähle ich als Empfindlichkeit maximal ISO 1.600, im Zweifel beträgt die Belichtungszeit dann gerade einmal 1/16 Sekunde. Dank des sehr effizienten Bildstabilisators des Z-Systems ist das ohne Verwackler machbar.

Du hast früher mit spiegellosen Kameras eines anderen Herstellers gearbeitet. Warum bist du ins Nikon-Lager gewechselt?

Im Wesentlichen aus zwei Gründen: Erstens finde ich, dass die Kameras des Z-Systems – ich fotografiere sowohl mit der Z 7 als auch mit der Z 6 – einfach super in der Hand liegen und sich sehr intuitiv bedienen lassen. Und zweitens ist die Wiedergabequalität des Displays sehr gut. So kann ich vor Ort ohne großen Aufwand direkt beurteilen, ob der Shot im Kasten ist. Dass die Bildqualität über jeden Zweifel erhaben ist, auch und gerade bei den diffizilen Lichtbedingungen zur blauen Stunde – ich glaube, das zeigen die Aufnahmen meiner Vollmond-Bildstrecke aus Köln ebenfalls eindeutig.

Z 6 | 1/13s | f/4.5 | ISO 1600

Wie bist du überhaupt zur Landschaftsfotografie gekommen? Du bist ja ganz anders gestartet …

Anfangs habe ich von Lifestyle- und Streetwear-Aufnahmen gelebt – Landschaftsfotografie fand ich früher eher langweilig. 2014 bin ich dann auf den Instagram-Feed von Dylan Furst gestoßen, der für geheimnisvolle, geradezu düstere Landschaftsbilder aus Amerikas Norden und anderen kühleren Weltregionen steht und inzwischen über eine Million Follower hat. Ich wollte fotografisch auch in diese Richtung, konnte damals aber nicht mal eben nach Kanada reisen. Also habe ich angefangen, in Deutschland nach interessanten Landschaften zu suchen, festgestellt, wie vielseitig dieses Land ist und habe versucht, diese auf eine etwas andere Art und Weise ins Bild zu fassen.

Wie würdest du diesen Stil beschreiben?

Im Englischen würde man dazu vielleicht „moody“ sagen. Also mysteriös-stimmungsvoll – ein Look, auf den sich wohl auch viele der German Roamers einigen können.

Inzwischen lebst du überwiegend von deiner Landschaftsfotografie und Kooperationen in diesem Bereich. Kannst du angesichts des Teil-Shutdowns eigentlich arbeiten?

Ja, glücklicherweise kann ich das meiste ja in kleinen Teams mit eigener Anreise realisieren. In diesen Tagen bin ich etwa für den Tourismusverband NRW unterwegs und produziere herbstliche Motive, ehe der Wind die letzten Blätter von den Bäumen gefegt hat.

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