INTERIOR-FOTOGRAFIE: TIPPS FÜR STILVOLLE INNENAUFNAHMEN VON NAPHAPORN ALDEGUER HERGARDEN

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Naphaporn Aldeguer Hergarden, kurz „Pau“ genannt, schreibt seit August 2016 auf ihrem Blog bohoandnordic.de über Interior- und „Do it yourself (DIY)“-Themen. Mit uns spricht die Fotografin über ihre Herangehensweise und nützliche Tipps in der Interior-Fotografie.

Hallo Pau, du hast dich auf die Interior-Fotografie spezialisiert. Woher kommt die Begeisterung für das Thema?

Um diese Frage beantworten zu können, muss ich ein bisschen weiter ausholen. Vor circa 14 Jahren begann meine Leidenschaft für das Einrichten und Dekorieren. Damals habe ich nur dekoriert und noch nicht fotografiert. Die Interior-Fotografie habe ich erst vor rund vier Jahren für mich entdeckt, als ich meinen Blog „Boho and Nordic“ gegründet habe. Hier veröffentliche ich seitdem Beiträge rund um die Themen DIY und Wohnen. Um diese Themen ansprechend und inspirierend bebildern zu können, begann ich damit, in das Thema „Fotografie“ einzutauchen. Die Interior-Fotografie macht mir total Spaß, weil sie all die Dinge miteinander vereint, die ich sehr gerne mag. Aber um ehrlich zu sein, bin ich, was die Fotografie angeht, noch am Anfang. Ich fotografiere weniger nach fotografischen Regeln, sondern immer nur nach meinem Gefühl.

Wie gehst du an die Planung deiner Bilder heran? Steht für dich meist ein spezielles Produkt oder doch eher ein bestimmter Look im Vordergrund?

Hier kommt es tatsächlich darauf an, für welche Zwecke meine Fotos benötigt werden. Normalerweise nehme ich die Interior-Fotos für meinen Instagram-Kanal auf. Hier liegt der Schwerpunkt auf „Interior“-Themen. In dem Fall entstehen die Bilder im Alltag und zeigen meine Wohnung. Hier muss ich nicht viel machen. Ich räume lediglich den Raum oder den Bereich auf, den ich fotografieren und zeigen möchte, damit keine Störfaktoren wie etwa Ladekabel, schmutziges Geschirr oder andere Dinge auf den Fotos zu sehen sind. Das war es dann auch schon. Letztendlich soll man ja sehen können, dass in der Wohnung auch gelebt wird. Außerdem haben die Fotos dann auch etwas Persönliches. Die Bilder sollen absichtlich nicht perfekt aussehen, sondern vielmehr meinen persönlichen Wohnstil erkennen lassen.

Naphaporn Aldeguer Hergarden, kurz „Pau“ (bohoandnordic.de)

Anders ist es natürlich, wenn ich von einem Kunden beauftragt werde. In dem Fall stehen bestimmte Produkte im Vordergrund, die ich dann so dekoriere und fotografiere, dass sie am besten zur Geltung kommen. Dabei ist es wichtig, dass der Betrachter des Bildes schnell erkennen kann, um welches Produkt es geht und welche Nachricht hinter dem Foto steckt. Ich überlege mir deshalb im Vorfeld, welche Botschaft das Foto vermitteln soll und versuche anschließend, das dazu passende Ambiente zu erschaffen.

Wo liegen die Herausforderungen, wenn du ein stimmiges Arrangement für eine Aufnahme planst?

Für mich persönlich ist tatsächlich der Faktor „Zeit“ die größte Herausforderung. Ich habe manchmal einfach zu wenig Zeit, um die Dinge so zu arrangieren, wie ich mir das vorstelle. Ich kann zwar gut unter Zeitdruck arbeiten, dennoch leidet meistens die Kreativität darunter. Beim Arrangieren selbst achte ich sehr darauf, dass die Farben, die Wohnaccessoires und die Möbel ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Mein Lieblings-Farbkonzept besteht aus den Farben Naturweiß, Schwarz und Erdfarben wie etwa Braun und Ocker. Dazu eignen sich frische Blumen in Pastelltönen als zusätzlicher Farbtupfer. Außerdem setze ich gerne Deko-Elemente aus ganz unterschiedlichen Materialien ein. Das können zum Beispiel ein Holztablett und eine Vase aus Keramik sein. Als Ergänzung gefallen mir schöne Blumen, Kerzen und für die persönliche Note eine Brille, Zeitschriften, eine Tasse Kaffee oder ähnliches. Dadurch wirkt das Ganze noch lebendiger und spannender.

Hast du ein paar Tipps für Einsteiger, um möglichst einfach zu einem stimmigen Bildergebnis zu kommen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Interior-Fotos mit vielen schönen und besonderen Dingen wie Deko-Elementen und Möbeln besser angenommen werden als solche, auf denen nur wenige Details zu sehen sind. Das liegt vermutlich daran, dass viele Interior-Liebhaber das Gesamtbild beziehungsweise das ganze Zimmer sehen möchten und nicht nur ein einzelnes Deko-Objekt. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, die Atmosphäre eines Raumes einzufangen und rüberzubringen. Nicht so gut geeignet sind dagegen extrem weitwinklige Aufnahmen, auf denen kaum etwas zu erkennen ist, weil sie zu kleinteilig erscheinen und konkrete Schwerpunkte fehlen. Ich gehe lieber ein paar Schritte vor oder zurück, bis ich den perfekten Winkel für meine Aufnahmen gefunden habe. Außerdem nehme ich immer direkt mehrere Bilder vom gleichen Motiv auf, damit ich später eine Auswahl habe. Mit der Zeit entwickelt man aber ein Gefühl dafür, welche Bildausschnitte gut in der Interior-Fotografie funktionieren.

Worauf achtest du beim Licht?

Ich arbeite nur mit Fensterlicht. Das Blitzlicht mag ich persönlich nicht so gerne. Am liebsten ist mir ein weiches Licht, was bei Fensterlicht leider nicht immer möglich ist. Deswegen werden meine Bilder im Nachhinein zusätzlich bearbeitet. Dabei helle ich auch manchmal Schatten auf. Im Sommer fotografiere ich meine Interior-Bilder meistens morgens, wenn das Sonnenlicht noch nicht so grell ist.

Du zeigst auf deiner Website viele DIY-Tipps, um die Wohnung zu verschönern und den Bildern damit eine persönliche Note zu geben. Hast du auch einen Tipp für uns?

Mein neuestes DIY-Projekt für den Frühling ist ganz einfach. Als Materialien verwende ich:

  • eine Holzschale
  • Wachteleier
  • Frühlingsblumen in hellen Farben
  • eine kleine Vase oder
  • einen Becher in Weiß

Zuerst gebe ich ein wenig Wasser in die Vase. Danach kommen die Blumen hinein. Das Ganze wird in die Holzschale gestellt. Zum Schluss braucht man nur noch die Wachteleier um die Vase herum zu verteilen. Das war’s auch schon. Wie man sehen kann, dekoriere ich am liebsten mit Naturmaterialien. Außerdem kombiniere ich gerne Holz mit Deko-Elementen oder Blumen in hellen Farben. Den Farbkontrast finde ich sehr schön.

Mit welcher Kamera und mit welchen Objektiven arbeitest du? Hast du ein Lieblings-Objektiv für deine Interior-Aufnahmen?

Ich fotografiere momentan mit der spiegellosen Nikon Z 50. Für Interior-Aufnahmen verwende ich gerne das NIKKOR Z DX 16–50 mm 1:3,5–6,3 VR. Bei Nahaufnahmen kommt zusätzlich das AF-S DX NIKKOR 35 mm 1:1,8G von meiner Nikon-Spiegelreflexkamera zum Einsatz, das ich per FTZ-Adapter weiterhin an der Nikon Z 50 verwende.

MEHR VON PAU

VERWANDTE ARTIKEL

DETAILS IN DER KÜCHE FOTOGRAFIEREN

FOTO-HACKS MIT MARTIN KROLOP #CREATEYOURLIGHT

WENN KUNDEN NICHT ZAHLEN – SO KOMMT IHR AN EUER GELD

NEUE ARTIKEL

ABGEFAHRENE KUNST: ALEXANDRA LIER UND IHRE MUTANT VEHICLES

NIKKOR Z 24-200 MM 1:4-6,3 VR: KOMPAKTES ALLROUND-ZOOM FÜR REISEFOTOGRAFEN

IM AUFTRAG DER KUNST: DER PHOTO & VIDEO SERVICE DER ART BASEL