NIKON D6 IM TEST: SPORTFOTOGRAF MATTHIAS HANGST BERICHTET

Montag, 07. September 2020

Der Sportfotograf Matthias Hangst, der als Chef-Fotograf für die Bildagentur Getty Images arbeitet, war einer der ersten, der die neue Nikon D6 ausführlich testen konnte. Im Gespräch erzählt er von seinen Erfahrungen – und verrät, wie leistungsstark die neue Kamera ist.

Als er die Nikon D6 zum ersten Mal in der Hand hält, fühlt sie sich gleich an wie ein alter Freund. Denn die Leistungssteigerungen, die die D6 zu bieten hat, stecken vor allem im Gehäuse – und das lässt sich genauso handhaben wie das der D5. Wer also wie Matthias Hangst die D5 kennt, kann gleich mit dem Fotografieren loslegen: „Sie fühlt sich an wie eine D5, sodass man nicht allzu viele neue Dinge lernen muss. Trotz der ergonomischen Verbesserungen fühlt sich alles vertraut an.“

Nikon D6: Superschneller und flexibler AF

Also alles „business as usual“? Auf keinen Fall! Die Nikon D6 bietet eine massive Verbesserung der Autofokus-Leistung. Der AF-Motor ist der schnellste, den Nikon je gebaut hat. Alle 105 Fokuspunkte sind wählbar und kreuzweise angeordnet, wodurch eine eineinhalb Mal so hohe Dichte wie bei der D5 erreicht wird. So könnt ihr schneller fokussieren und die Bewegung besser vorhersehen. Die Messfeldgruppen-Steuerung bietet mehr benutzerdefinierte Einstellungen für die automatische Nachführung, und die verbesserte Szenenerkennung erfasst eure Motive so zuverlässig wie nie zuvor.

Nachdem er den neuen Autofokus bei verschiedenen Veranstaltungen ausprobiert hat, ist Matthias begeistert: „Das ist ein riesiger Schritt nach vorn. Ich weiß nicht, wie das überhaupt möglich war, aber ich bin beeindruckt! Ich habe ein halbes Dutzend verschiedene Sportarten aufgenommen – und was immer ich auch fotografiert habe, der Autofokus ist unglaublich viel besser geworden. Und bei den Messfeldern gibt es eine größere Auswahl an Gruppen, die man auswählen kann. So kann ich sie viel besser an meine Bedürfnisse anpassen. Auch das 3D-Tracking ist mit der Gesichtserkennung jetzt noch viel besser geworden.“

D6 | AF-S NIKKOR 300mm f/2.8G ED VR II | 300mm | f/3.2 | 1/2.500 s | ISO 125

Benutzerdefinierte Einstellungen für jeden Aufnahmestil

Als großer Fan individueller Anpassungen ist Matthias Hangst von den neuen Optionen der Nikon D6 beeindruckt: „Diese Kamera ist ein leistungsstarkes Werkzeug, aber man muss sich die Zeit nehmen, sich mit ihr vertraut zu machen, um all die großartigen neuen Funktionen zu nutzen. Man kann so viel anpassen: Ihr könnt verschiedene Verfolgungsoptionen für den AF einstellen. Ihr könnt Sets bauen, sie als Voreinstellungen speichern und sie einfach wieder abrufen, wenn ihr die Sportart wieder fotografieren wollt. So kann ich die volle Leistung der Kamera nutzen. Das alles macht uns das Leben als Fotograf besser und leichter. Wenn man eine ganze Reihe mit benutzerdefinierten Einstellungen eingerichtet hatte, war es früher etwas schwierig, sie zu wechseln oder eine benutzerdefinierte Einstellung anzupassen. Jetzt ist dies viel einfacher, da weniger Tasten gedrückt werden müssen und der Zugriff auf das Menü einfacher ist. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber der D5.“

Das 3D-Tracking war ein Feature, das Matthias vor allem bei Sportarten eingesetzt hat, bei denen es eine klare Trennung zwischen Sportler und Bildhintergrund gibt. „Ich finde, dass 3D-Tracking eine tolle Sache ist. Bei der Rhythmischen Sportgymnastik gibt es viele unerwartete Bewegungen und Richtungswechsel. Sie springen, sie laufen, sie gehen auf den Boden, in die Luft, und es sind viele Requisiten im Spiel. Nicht alles davon ist vorhersehbar. Es ist wirklich hilfreich, sich einfach auf den Ausschnitt zu konzentrieren, während die Kamera dir hilft, das Motiv zu verfolgen.“


Top-Bildqualität direkt aus der Kamera

In der Sportfotografie gibt es meist nur eine einzige Chance, genau die eine Aufnahme zu machen. Umso wichtiger, dass man sich auf seine Kamera verlassen kann. Die Nikon D6 kombiniert extreme Präzision mit hoher Geschwindigkeit: Aufnahmen mit bis zu 14 Bildern pro Sekunde bei vollem AF/AE. Wenn der Fotograf unter Druck steht, schnell zu liefern, ist die Bildqualität direkt aus der Kamera entscheidend. Die D6 liefert außergewöhnlich saubere Bilder mit einem neuen Algorithmus für den automatischen Weißabgleich, der für eine hervorragende Farbgenauigkeit und klarere Hauttöne sorgt.

D6 | AF-S NIKKOR 200mm F2G ED VRII | 200mm | f/2.8 | 1/1.250 s | ISO 2.500

D6 | AF-S NIKKOR 200mm F2G ED VRII | 200mm | f/2.8 | 1/2.000 s | ISO 2.500

Auf die Frage nach den auffälligsten Verbesserungen der D6 hat Matthias eine klare Antwort: „Es ist die Bildqualität der JPEGs direkt aus der Kamera. Es gibt eine neue Bildverarbeitungs-Engine, die bei JPEGs klar zeigt, was sie kann – in Bezug auf Rauschunterdrückung, Schärfe, Brillanz der Bilder und Qualität. Das ist ein beeindruckender Schritt. Einfach die Kamera in die Hand zu nehmen, etwas damit zu fotografieren und ein JPEG mit einer außergewöhnlichen Bildqualität zu erhalten – sagenhaft!“

Auch der Autofokus und der automatische Weißabgleich haben sich seiner Einschätzung nach deutlich verbessert. „Beim Autofokus kann ich das Beste herausholen, wenn ich ihn an meine Bedürfnisse anpasse. Auch der automatische Weißabgleich ist jetzt so viel besser. Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben im frühen Morgenlicht fotografiert, das einen warmen, gelben Ton hat. Der Weißabgleich der D5 hätte all diese Farben neutralisiert, aber die D6 verstand, dass es das Licht am frühen Morgen war und gab uns einen gelb-roten Ton im Bild. So wie wir Menschen ihn gesehen haben; auch Hauttöne wurden viel feiner abgestuft. In Kombination mit der deutlich verbesserten JPEG-Qualität spart der automatische Weißabgleich wichtige Zeit im Arbeitsablauf.“

WHAT'S IN MY BAG

Nikon D6: Schnellerer Workflow, zufriedenere Kunden

Apropos Workflow: In Matthias‘ Welt der Agentur-Fotografie muss jeder Aspekt berücksichtigt werden. Es geht nicht nur darum, eine tolle Aufnahme zu machen. Es geht darum, die Bilder so schnell wie möglich zu veröffentlichen. Die Ethernet-, WLAN- und Bluetooth-Verbindungen der D6 bieten Übertragungsgeschwindigkeiten, die zu den schnellsten in der Branche gehören. Und sie werden auch während der Aufnahme nicht langsamer. Bilder können nach Priorität geordnet werden, indem sie an den Anfang der Übertragungs-Warteschlange gestellt werden. „Die allgemeine Konnektivität ist besser, ebenso die Funktionalität rund um das Senden und Übertragen von Bildern. Das Priorisieren ist neu. Wenn wir ein sehr wichtiges Bild haben, können wir es in der Warteschlange nach oben schieben.“

Den Workflow ausführlich zu testen war für Matthias Hangst von entscheidender Bedeutung, deshalb hatte er einen Redakteur dabei, der den Aufnahme- und Übertragungsprozess von Anfang bis Ende begleitete. „Der Workflow ist für uns von großer Bedeutung – und wir sehen tatsächlich eine Verbesserung des gesamten Ablaufs. Unser Ziel ist ein perfektes JPEG direkt aus der Kamera. Das ist es, was die Agenturen brauchen. Im Idealfall muss der Redakteur nur noch zuschneiden oder eine Bildunterschrift hinzufügen – Farben, Kontrast oder Schärfe soll er nicht mehr anfassen müssen. Bei Getty Images ist es einer unserer Ansprüche: Wir können in weniger als einer Minute an den Kunden liefern. 59 Sekunden oder weniger. Für uns geht es darum, wie schnell wir dem Kunden ein Bild in perfekter Qualität liefern können. Jede Sekunde, die wir sparen, ist eine Sekunde, die der Kunde gewinnt. Die Kombination aus automatischem Weißabgleich und verbesserter Bildqualität ist also ein großer Schritt im Workflow. Vielleicht nicht so sehr für mich, wenn ich das Foto mache, sondern wenn ich es direkt an den Redakteur weitergebe.“

D6 | AF-S FISCHEYE NIKKOR 8-15mm f/3,5-4,5E ED | 15mm | f/9 | 1/800 | ISO 100

D6 | AF-S NIKKOR 14-24mm f2.8G ED | 14mm | f2.8 | 11250 s | ISO 12800

Nikon D6: Abschließende Gedanken

Es gab noch eine weitere neue Funktion, die Matthias zu seiner Überraschung sehr oft benutzt hat: die Option „Großes Messfeld“, eine Variante des Einzelfeld-Autofokus, bei der die Kamera in einem größeren Messfeld scharfstellt. „In der Vergangenheit hatte man nur die Möglichkeit, ein einzelnes AF-Messfeld zu verwenden. Jetzt kann man statt des einzelnen AF-Feldes – meist das zentrale für Sportfotografen – die Option „Großes Messfeld“ auswählen. Diese habe ich sehr oft verwendet. Damit hat man immer noch eine große Kontrolle darüber, was die Kamera macht, weil es sich um einen kleinen, begrenzten Bereich handelt. Ich würde sogar sagen, dass diese Funktion dir eine neue Art der Aufnahme ermöglicht.“

Am Ende baten wir Matthias, seine Erfahrungen mit der Nikon D6 zusammenzufassen: „Die D6 ist ein beeindruckendes Werkzeug. Es ist ein großartiger nächster Schritt vorwärts, wenn man bisher mit der D5 fotografiert hat, die einfach ein brillantes Arbeitspferd ist. Ich habe nicht geglaubt, dass es eine Möglichkeit gibt, den Autofokus noch so viel besser zu machen. In der Welt der Sportfotografie geht es viel um Autofokus und Bildqualität, und beide Hauptbereiche wurden auf ein neues Niveau gebracht. Das erweitert unsere Möglichkeiten enorm. Die D6 ist eine großartige Nachfolgerin zur D5. Mit dem Geist der D5, aber eben auf der nächsten Stufe. Und das ist meiner Meinung nach genau das, was wir brauchen.“

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