NIKON SOFTWARE GUIDE: NX STUDIO – KAMERA- UND OBJEKTIVKORREKTUREN

Montag, 14. Juni 2021

Es ist doch etwas Schönes, wenn man langweilige Routineaufgaben nicht selber machen muss sondern auslagern kann. In NX Studio gibt einen eigenen Bereich mit häufig benötigten Funktionen, die speziell dazu dienen, solche Makel aus euren Bildern zu entfernen, die aus optischen oder technischen Gründen auftreten können.

Wieso überhaupt korrigieren?

Mit eurer Nikon und den passenden NIKKORen habt ihr schon Hardware der Weltklasse in eurer Tasche, aber auch für uns gelten die Gesetze und Grenzen der Physik. Also sind auch eure Nikon-RAWs nicht ideal, sondern betroffen von bestimmten Abbildungsfehlern. »Abbildungsfehler« heißt nicht, dass etwas kaputt oder mangelhaft wäre, sondern es geht hier um eine Abweichung von einer idealen Abbildung, in der jeder Punkt im Bild gestochen scharf und gleich hell abgebildet würde und in der jede gerade Linie im Objekt auch gerade im Bild wiedergegeben wäre. In der Realität schaffen das (wegen der oben erwähnten Grenzen der Physik) nicht einmal unsere NIKKORe. Aber mit NX Studio kommt ihr diesem Ideal deutlich näher.

Den Reiter für die Kamera- und Objektivkorrekturen findet ihr hier (rot markiert). Die Korrekturfunktionen für Kamera und Objektiv könnt ihr einzeln ein- und klappen.

Allerdings ist nicht in jedem Fall eine Korrektur überhaupt wünschenswert oder sinnvoll (oder nötig). Manche Korrekturfunktionen können Nebenwirkungen haben und manche sogenannte Fehler können ein Bild auch bereichern. Wir zeigen euch hier auf, was in welchem Fall eine gute Idee ist.

Um welche Bildprobleme geht es?

Die Punkte die NX Studio adressiert, sind: 

  • Farbmoiré – Tritt manchmal in Form auffälliger bunter Streifen im Bild auf, wenn sehr feine Strukturen im Motiv sich mit der Pixelstruktur auf dem Sensor überlagern.
  • Staubflecken – Schatten, den Staub- oder Schmutzflecken auf eurem Bildsensor hinterlassen. Um diese Funktion nutzen zu können, braucht ihr ein mit derselben Kamera aufgenommenes Referenzbild (s. u.). 
  • Farblängs- und -querfehler – zwei Folgen der chromatischen Aberration, also des Umstands, dass Lichtanteile unterschiedlicher Farben nicht exakt gleich fokussiert werden (Prisma-Effekt). Beide reduzieren eure Bildschärfe.
  • Verzeichnung – geometrische Verzerrung des Motivs im Bild (gerade Linien werden gebogen abgebildet).
  • Rote-Augen-Effekt – dies kann man zwar korrigieren, aber wenn ihr damit Probleme habt, heben wir einen besseren Tipp: Blitzt beim nächsten Mal indirekt über Decke oder Wand – dann ist auch das Licht schöner.
  • Vignettierung – der natürliche Lichtabfall von der Mitte in Richtung Ecken des Bildes.
  • Beugungsunschärfe – bei kleinen Blendenöffnungen greift der wellenoptische Effekt der Beugung, der Bilder insgesamt weicher erscheinen lässt.
  • PF-Streulicht – hier geht es auch um Beugung, aber speziell um einen Nebeneffekt der Phasen-Fresnell-Linsen, die in NIKKORen mit der Bezeichnung PF zum Einsatz kommen.
  • Fisheye-Effekt – Kompensiert die typische starke Verzeichnung von Fisheye-NIKKORen und verwandelt die Bilder in verzeichnungsarme Ultraweitwinkelaufnahmen.

Die Werkzeuge

Manche dieser Korrekturfunktionen gibt es nicht nur in NX Studio, sondern direkt in den Einstellungen eurer Nikon. Die Einstellungen, die ihr dort wählt, übergibt die Kamera über die Metadaten jedes Bildes an die Software, sodass sie dort so erscheinen, wie ihr sie kameraseitig ausgewählt hattet.

Unsere Empfehlungen

Praktisch immer sinnvoll ist die Korrektur des Farbquerfehlers, denn mit euren NIKKOR-Objektiven funktioniert sie vollautomatisch und sie erhöht ohne sichtbare Nebenwirkungen eure Bildschärfe. Ihr Nachteil ist lediglich ein gewisser Rechenaufwand, der bei großen Bildzahlen zu einer etwas langsameren Bearbeitung führt. Nur bei tatsächlichem Auftreten solltet ihr die Funktionen zur Korrektur von Farblängsfehler (diese erfolgt manuell), Farbmoiré, Staubflecken und PF-Streulicht nutzen. Wenn ihr Staub auf dem Sensor habt, oder damit rechnet, und wenn eine Sensorreinigung gerade keine Option ist, dann macht sicherheitshalber bei jedem Shooting ein aktuelles Referenzbild für diese Funktion. Die Funktion findet ihr im Menü eurer Nikon unter SYSTEM > Referenzbild (Staub).

Das sind alle Optionen für die Kamera- und Objektivkorrekturen. Wenn einzelne Optionen wie hier ausgegraut sind, passen sie nicht zum ausgewählten Bild. Die Optionen, die mit »RAW« markiert sind, stehen nur für NEF-Bilder zur Verfügung.

Mit einem Referenzbild ist NX Studio in der Lage, die Position von Staubflecken tagesaktuell zu erkennen und die Flecken automatisch, gezielt und praktisch spurlos wegzurechnen.

Hier erkennt ihr rechts im Bildfenster einen Staubschatten (rot markiert). Wir empfehlen euch, eure Referenzbilder im selben Ordner abzulegen, wie die Bilder, auf die ihr es anwenden möchtet. Hier ist das Referenzbild grün markiert..

Hier dasselbe Bild nach der automatischen Staubretusche.

Die Korrektur von Vignettierung und Verzeichnung sind auch Geschmacksfragen. Während man bei Architektur- oder Produktaufnahmen beide Phänomene minimieren sollte, können sie in anderen Genres Bilder sogar besser machen. Bei der Verzeichnungskorrektur »rutschen« Bildbereiche über die Ränder des Restbildes. In Landschaftsaufnahmen ohne Korrektur der Verzeichnung hat das Bild deshalb eine stärkere Weitwinkelwirkung und ein gewölbter Horizont kann die Weite einer Landschaft noch unterstreichen. Und ein gewisses Maß an Vignettierung kann bei Porträts, Tier- oder Sportaufnahmen, in denen das Hauptmotiv fast immer ungefähr in der Mitte des Bildfelds liegt, für dieses sogar wie ein Rahmen wirken und den Blick des Betrachters leiten. Also, kompensiert nicht immer jeden »Fehler« weg, sondern probiert erst einmal aus, wie euch eure Bilder besser gefallen.

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