VON DER FASZINATION DES REISENS AUF DEM RAD: WUNDERSCHÖNE PANORAMEN FESTGEHALTEN MIT DER NIKON Z 7

Donnerstag, 14. November 2019

Im Sommer 2017 stieß Bernd Wichmann im Internet auf Berichte über die Torino-Nice Rallye. Diese fast 700 Kilometer lange Bikepacking-Tour startet in Turin und führt über hohe Gipfel, Passstraßen, alte Militärschotterwege und Alpen-Handelsrouten bis nach Nizza. Die Reiselust hatte ihn sofort gepackt: Das wollte er unbedingt machen, fand aber zunächst niemanden, der ihn begleiten wollte. Wie es dazu kam, dass er es doch geschafft hat, erzählt er uns in diesem Artikel.

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Ich komme mit jedem ins Gespräch, der die Straßen und später die Schotterwege mit mir teilt. Ich spreche unter anderem mit James Olsen, dem Organisator der Torino-Nice Rallye. Diese findet nun schon zum vierten Mal in Folge statt und obwohl sie immer beliebter wird, ist die Teilnahme kostenlos. Die TNR ist eine Non-Profit-Veranstaltung und soll es auch weiterhin bleiben. Warum Geld dafür verlangen, GPX-Routen zu teilen? So lautet James’ Devise. Bei der TNR geht es nicht um Schnelligkeit, ganz im Gegenteil: Man soll sich Zeit nehmen, um Kontakte zu knüpfen, Fotos zu machen, die Gastfreundschaft in den Schutzhütten und Restaurants zu genießen und sich auf dem Weg auszuruhen. Frei nach James: „Bleib eine Weile hier, damit du morgens immer noch da bist, um den Sonnenaufgang zu sehen.“

Später schaue ich während einer Pause von den Alpen herab auf Turin und bin beeindruckt davon, wie klein und weit entfernt die Stadt nun wirkt. Die erste Höhenfahrt auf den Colle del Colombardo liegt hinter uns. Als uns langsam die Kälte überkommt, beschließen wir weiterzufahren. Auf der rasanten Abfahrt ins Tal ziehen wunderschöne Landschaften an uns vorbei, die Gerüche werden wieder intensiver. Unten angekommen müssen wir die Kleidung den wieder sommerlichen Temperaturen anpassen. Ich kenne keine andere Sportart, bei der man so oft die Kleidung wechseln muss: Beim Anstieg zieht man nach und nach die warmen Kleider aus, oben ist es dann allerdings zu kühl und man zieht die warmen Sachen wieder an, für die Abfahrt ist winddichte Kleidung notwendig und unten muss dann alles wieder ausgezogen und verstaut werden.

Dann folgt schon die ab sofort tägliche Routine: Hotel suchen und die Wäsche waschen – das muss sein, denn das Gepäck wurde akribisch auf die Tour abgestimmt, um sich nicht mit zu viel Gewicht zu belasten. Als Nächstes schauen, ob man in der ländlichen Region ein Restaurant findet, das noch geöffnet hat. Beim Essen werden der Ablauf des nächsten Tages und die zur Wahl stehenden Optionen besprochen. Leider sieht die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht so gut aus. Regen im Tal und Schneefall in den Höhen.


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Auf geht's!

Zwei Jahre nachdem ich das erste Mal von der Torino-Nice Rallye gelesen hatte, lernte ich auf einer Gravel-Rallye in Belgien Dries und Michael kennen, die sich drei der 150 Startplätze sichern konnten. Ich hatte es bis dahin nicht einmal geschafft, mich um einen Platz zu bewerben. Wir sprachen zwar über die sportlichen Herausforderungen der Torino-Nice Rallye, das Thema geriet aber schnell wieder in Vergessenheit.

Als die beiden mir zwei Wochen später eine Nachricht schickten und mir einen der Startplätze anboten, zögerte ich nicht lange mit meiner Zusage. Und so trafen wir drei uns am 9. September 2019 mit 147 anderen Fahrerinnen und Fahrern in Turin am Piazza Giambattista Bodoni, um zu unserem Abenteuer aufzubrechen. Da standen wir also: drei Bikepacking-Rookies mit ordentlich Respekt vor den zu bewältigenden Höhenmetern. Wir unterhielten uns noch eine Weile mit den anderen Teilnehmern über Räder und Routenpläne, dann ging es auch schon los, raus aus Turin und der Alpen-Wand entgegen.

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Und so kommt es dann auch: Wir fahren im leichten Regen los. Am Colle delle Finestre sinkt die Temperatur drastisch und langsam wird aus Regen Schnee. Die lange, abenteuerliche Fahrt über die Schotterpiste Strada dell’Assietta am Grenzkamm zwischen Italien und Frankreich verlangt uns viel ab und führt durch Wolken und Nebel. Wir können teilweise nicht sehr weit sehen, aber da wir auf den Schotterpisten eher langsam fahren, kann eigentlich nichts passieren. Ich frage mich, wie es um mich herum wohl aussieht. Sehr gerne hätte ich die hinter Wolken und Nebel verborgene Landschaft genauer betrachtet, aber das hochalpine Wetter wollte nicht mitspielen. Nach einer Abfahrt halten wir völlig durchgefroren und durchnässt am ersten Café, das am Wegesrand erscheint, und treffen auf eine Gruppe Spanier, die sich aufwärmen, um die letzte Etappe des Tages anzugehen. Wir beschließen, an diesem Tag früher aufzuhören als geplant und lieber bei besserem Wetter einen längeren Tag auf dem Rad zu bestreiten. Dieser Abend beginnt also etwas anders als sonst – sämtliche Kleidung ist durch und durch nass und sehr dreckig, aber dafür blickt man auf einen anstrengenden und gleichermaßen beeindruckenden Tag zurück.

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Die Sonne scheint wieder, als wir uns am frühen Morgen des dritten Tages auf den Weg machen. Heute steht eine Bike-and-Hike-Passage an: „Rough Stuff“, um es mit den Worten von James zu sagen. Ich hatte schon im Vorfeld ein paar Berichte über diesen Abschnitt gelesen und ausnahmslos alle klangen begeistert. Wir wollen selbst erfahren, wie anstrengend und fordernd die Strecke ist, und machen uns auf den Weg.

„Rough Stuff“ war nicht untertrieben: Nachdem wir ein Wegesende erreichen, müssen wir unsere Räder zwei Stunden tragen oder schieben, auch zum Schluss müssen wir sie immer wieder über weitere Passagen tragen. Doch ich denke mir, dass ich noch genug auf Straßen fahren kann, wenn ich wieder zu Hause bin – genau das hier wollte ich und will es auch immer noch. Belohnt werden wir mit der Ankunft in einem idyllischen Tal, in dem sich außer uns nur noch drei Engländer, ebenfalls Teilnehmer der TNR, und zwei Wanderer befinden. Unser Tag endet im wunderschönen Bergdorf Saint-Véran, der auf 2.040 Metern höchstgelegenen Gemeinde Europas. Also weiter mit den Superlativen.

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Doch die beiden Länder grenzen aneinander und die Andenlandschaft ähnelt sich bestimmt. Wie in den Anden sieht es hier jedenfalls aus: keine Bäume, ausgeblichenes Gras und beeindruckende Felsformationen. Eine Stunde lang fahren wir durch diese menschenleere Landschaft – wir beobachten alles fasziniert und halten immer wieder für ein Foto an. Danach geht es zurück ins Tal und in die Zivilisation.

Über Demonte fahren wir auf einem Radweg nach Borgo San Dalmazzo, wo die einzigen Radgeschäfte auf der ganzen Route sind. Also nehmen wir einen kurzen Abstecher in Kauf, damit mein Rad wieder geräuschlos fahren kann. Der leise Quietschton bei jeder Umdrehung der Kurbel ist doch etwas nervig. Der Tag endet in der größeren Ortschaft Vernante, wo wir ein hervorragendes Essen in einer Enoteca bekommen. Wir sind nun mal im Piemont und ich hörte, dass hier besonders gut gegessen wird.

Der sechste Tag führt uns über den Anstieg am Colle di Tenda auf die Via del Sale, eine alte Militärstraße, die über eine Strecke von 60 km die Provinzen Ligurien und Piemont miteinander verbindet. Die spektakuläre Route führt durch eine Karstkalklandschaft und ist bestimmt eine der unglaublichsten Straßen Europas.

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Nach einer Nacht in Frankreich und einem Café au Lait freue ich mich schon wieder auf Italien und viele Bars mit wundervollem Espresso und Dolce. Aber zuerst müssen wir den Col d’Angel hochfahren, auf dessen Gipfel sich die Grenze befindet. Kurzer Fotostopp am Grenzstein, dann geht es runter ins Tal zu Pasta und Kaffee. Nur um gleich wieder nach oben zu müssen. Glücklicherweise im bewaldeten Gebiet, denn die Temperaturen sind sehr sommerlich und der Himmel ist wolkenlos. Auf dem nächsten Pass angekommen, entscheiden wir uns für die Cannone-Abfahrt. Die Steine auf dieser Schotterpiste sind fast schon Felsen und die Abfahrt ist für uns ohne Platten oder Durchschlag kaum zu bewältigen. Der Tag endet spät in Acceglio.

Für den nächsten Tag steht wieder „Rough Stuff“ auf dem Plan, wir möchten das Tal Little Peru erreichen. Wir sind inzwischen keine Bike-and-Hike-Rookies mehr, der anfängliche Respekt verwandelt sich allmählich in Vorfreude. Wir „wandern“ vorbei an Chialvetta, bis sich bei der Überquerung des Gipfelkamms vom Passo della Gardetta aus vor uns das Altopiano erstreckt. Beim Anblick von Little Peru kann ich nur staunen: Das Tal erinnert mich eher an Ecuador, aber bisher war ich auch noch nicht in Peru.

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Wir lassen die Wintersportregion Col de Turini hinter uns und es geht weiter bergab. Die Route führt durch Moulinet. Wir erkunden die kleine Ortschaft und halten auch an einem Fluss. Hier ist alles schön beschaulich und ruhig – ein ganz anderes Tempo als in der Stadt.

Tempo ist das richtige Stichwort, denn mit schnellem Tritt geht es nach Sospel. Geplant ist ein kurzer Stopp für ein spätes Mittagessen. Der Ort ist sehr schön, im alten Stadtkern findet sich eine gute Mischung aus alten und sanierten Gebäuden. Sospel wirkt einfach authentisch, anders als die typischen Fassadenstädtchen für Touristen. Mir gefällt der Gedanke nicht, an diesem Tag noch bis nach Nizza zu fahren. Möglicherweise ist das die aufkommende Wehmut, die sich immer zum Ende einer Reise einstellt. Also weiter zum Col de Braus. Dort beginnt eine sehr schöne Schotterstrecke mit herrlichem Blick auf die Côte d’Azur.

Wir fahren heute nicht mehr bis Nizza, sicher ist es schöner, dort einen Tag später bei Tageslicht einzutreffen. An einen Hügel geschmiegt erscheint das kleine Bergdorf Sainte-Agnès, das höchstgelegene Küstendorf Europas (wieder ein Superlativ). Im Dorf gibt es ein Hotel mit freien Zimmern und auch dem einzigen Restaurant vor Ort – der Blick von der Dachterrasse ins Tal ist atemberaubend. Der Ortskern ist nur 200 Meter lang und nach dem Essen schnell erkundet.

Die vielen verschiedenen Abschnitte, die wir passieren, sind so wunderbar abwechslungsreich und kurzweilig, dass wir fast vergessen, wie lange wir schon auf dem Rad sitzen. Die Gravel-Passagen sind eine Herausforderung, es beginnt eine sehr lange und mühsame Abfahrt Richtung La Brigue. Dort angekommen setzen wir uns zuerst auf ein Getränk in ein Café und beobachten das geruhsame Treiben in diesem kleinen, pittoresken Ort. Danach suchen wir ein Hotel, was wir ganz bequem im Sitzen erledigen können. Hier wollen wir bleiben und uns die Aufstiege zum Fort de la Forca und zum Col de Turini für den nächsten Tag aufheben.

Der siebte Tag war etwas besser geplant. Direkt nach dem Start geht es erst einmal bergab, um dann den Anstieg zum Fort de la Forca und zum Col de Turini zu fahren. Die Ankunft am Fort de la Forca ist weniger spektakulär als erwartet, allerdings sind wir in den letzten Tagen mit außergewöhnlich schöner Landschaft schon sehr verwöhnt worden. Doch nachdem wir einmal um den Bergkamm herum sind, wartet schon das nächste Highlight: Bergkamm an Bergkamm hintereinander aufgereiht, blau eingefärbt. Der Dichter Stéphen Liégeard veröffentlichte einst das Buch „La Côte d’Azur“, namensgebend für die heutige Region. Vermutlich liegt in diesem Anblick der Ursprung hierfür.

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Die beiden Datenportale, über die ich die Strecke aufgezeichnet habe, nennen unterschiedliche Werte. Also habe ich mich natürlich an die höheren Zahlen gehalten und finde unsere Leistung beachtlich. Wir sind in acht Tagen 23.860 Höhenmeter und 663 Kilometer gefahren.

Immer mehr bekannte Gesichter treffen ein und alle freuen sich, als würde man die anderen nach Jahren wiedersehen. Ich kaufe eine Badehose – hier in Nizza bekommt man diese auch im Radgeschäft –, denn im Mittelmeer schwimmen ist zum Abschluss der Torino-Nice Rallye ein Muss.

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Die letzte Etappe beginnt wieder mit einem Anstieg, und erneut treffen wir auf einen Fahrer der TNR: Neil aus England. In Sospel saßen wir schon gemeinsam in einem Café. Oft hat er im Bivi unter freiem Himmel übernachtet. Leider ist seit Beginn der Tour seine Isomatte kaputt und er konnte sie nicht reparieren, weshalb er direkt auf dem Boden geschlafen hat. Das gibt „Suffer Score“-Punkte von uns und sicherlich auch von anderen.

Und dann erreichen wir das Café du Cycliste in Nizza – das Ziel der TNR. Mir scheint, dass in Nizza im Moment wohl nichts häufiger fotografiert wird als das Schild des Cafés mit einem oder mehreren Radfahrern darunter.

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Für mich war die Nikon Z 7 die ideale Begleitung auf dieser Tour und bei der Dokumentarfotografie. Sie ist sehr kompakt und mit einem Kilo (inklusive des NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S) auch sehr leicht, wenn man ihre hohe Auflösung und die hervorragende Qualität der ausgegebenen Dateien bedenkt. So muss es auch sein, wenn das gesamte Gepäck nur 6,5 Kilo wiegt. Ich hatte eine Bikepacking-Tasche am Lenker zur Kameratasche umfunktioniert, sodass ich die Kamera immer leicht verstauen konnte, wenn ich sie nicht gebraucht habe. Meist hatte ich sie aber doch an einem Umhängeriemen bei mir, denn sonst wäre ich oft zu langsam gewesen.

Die Kamera ist sehr robust verarbeitet und spritzwassergeschützt – ideale Voraussetzungen für einen Outdoor-Einsatz. Das Display hat eine sehr gute Qualität, sodass ich die Bilder auch ohne Computer einfach bewerten kann. Dank der XQD-Karten werden die Daten so schnell verarbeitet, dass ich nicht mehr warten muss. Und natürlich merke ich die Verarbeitungsgeschwindigkeit auch beim Fotografieren.

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