Mittwoch, 17. Januar 2018

Auf den Spuren von Alpinist Robert Bösch

Robert Bösch ist Geograf sowie Bergführer und seit 30 Jahren als freischaffender Berufsfotograf tätig. Neben Aufträgen aus Industrie, Werbung und Tourismus arbeitet er für Zeitschriften wie Stern, GEO, Spiegel oder Schweizer Illustrierte. Zudem veröffentlichte er zahlreiche Bildbände. Der Nikon Fotograf erhielt 2009 den Eiger Special Award für sein langjähriges Schaffen im Bereich der Alpinfotografie.

Als Alpinist führten ihn seine Reisen und Expeditionen auf alle sieben Kontinente, auf denen er viele bekannte und unbekannten Berge erkundete. Für einen Auftrag als Fotograf und Kameramann bestieg er sogar den Mount Everest. Er dokumentierte viele Unternehmungen von Ueli Steck in den Alpen und im Himalaya. In den letzten Jahren beschäftigte sich Robert Bösch intensiv und erfolgreich mit der Landschafts-Kunstfotografie: Seine Bilder wurden im In- und Ausland in verschiedenen Galerien und Museen ausgestellt.

Im Interview mit uns spricht Robert Bösch über große Kampagnen-Shootings, seine Nikon-Ausrüstungsfavoriten und sein neuestes Buchprojekt.

WIE BIST DU ZUR FOTOGRAFIE GEKOMMEN?

Zur professionellen Fotografie bin ich über das Bergsteigen gekommen. Ich habe das Bergsteigen über viele Jahre intensiv, leistungsorientiert und suchtmäßig betrieben. Auf Bergtouren habe ich dann fotografiert. Und das habe ich ausgebaut. Es dauerte allerdings viele Jahre, bis ich davon wirklich gut leben konnte. Bis dahin habe ich mein Einkommen als Bergführer verdient.

Bild: Robert Bösch

Du fotografierst in den letzten Jahren auch immer mehr Landschaften. Was reizt dich daran?

Für mich ist Fotografie die Kunst des „Bilder-Sehens“, aus den unendlichen Möglichkeiten ein bestimmtes Viereck herauszulösen. In der Landschaftsfotografie lässt sich nichts arrangieren – lassen wir die nachbessernden Photoshop-Aktionen mal weg, die interessieren mich nicht. Ich kann die Bilder nur mit meinem Auge beziehungsweise mit der Kamera entstehen lassen: Mit dem Auge das spannende Viereck erkennen und mit der Kamera den Prozess des Weglassens vollziehen. Wenn ich auf den Auslöser drücke, dann entsteht das Bild, weil die Kamera alles weglässt, was vorher und was nachher war, und sie lässt alles weg, was außerhalb des gewählten Ausschnittes liegt.

Bild: Robert Bösch, Hörnligrat auf das Matterhorn, Nikon D810, AF-S NIKKOR 200mm f/2, 30sek., f/2.2, ISO 500

Robert Bösch inszenierte für Mammut Werbekampagnen schon viele beeindruckende Bilder, die enormen Koordinations- und Vorbereitungsaufwand erforderten – ein eindrücklich beleuchteter, nächtlicher Hörnligrat am Matterhorn, ein Alpenkaktus zusammengesetzt aus 28 senkrecht an einer Felsnadel hängenden Bergsteigern, skurrile Menschenskulpturen bestehend aus hunderten Alpinisten fotografiert in hochalpiner Umgebung.


Wie KÖNNEN WIR UNS solche UMFRANGREICHEN KAMPAGNEN-Produktionen vorstellen?

Als sehr aufwendig und eine große Teamarbeit: eine Agentur – Leute von Mammut – Bergführer – Fotograf. Bei jedem Motiv war die möglichst minutiöse Vorbereitung mit Planung, Testaufnahmen und Durchdenken aller Eventualitäten matchentscheidend. Der Druck ist immer sehr groß. Da möchte ich möglichst wenig dem Zufall überlassen. Am liebsten eigentlich nichts. Aber das geht nicht, weil die Shootings immer draußen stattfinden und da müssen wir immer auch mit dem Unvorhergesehenen rechnen.


In einem MAMMUT KEY VISUAL HAST DU DIE MIT LICHTPUNKTEN NACHGEZEICHNETE ROUTE DER ERSTBESTEIGER ENTLANG DES HÖRNlIGRATS AM MATTERHORN AUFGENOMMEN. KANNST DU UNS ETWAS ÜBER DIESES PROJEKT UND DIE HERAUSFORDERUNG DAHINTER ERZÄHLEN?

Die große Frage war, was können wir am Matterhorn machen, das spektakulär ist, einen direkten Bezug zur Erstbegehung hat und in der Saison keinen zusätzlichen Rummel am Berg auslöst. Die Gesamtidee zu der Kampagne stammt von der Agentur. Zusammen mit den Zermatter Bergführern entstand für dieses Bild die Idee, mit einer Lichterkette die Route der Erstbesteiger nachzuzeichnen. Wir haben das dann in der Nachsaison realisiert.

Bild: Robert Bösch, «Nadel der Kleopatra», Nikon D800E, AF-S NIKKOR 35mm f/1.4, 1/1250 sek., f/3.5, ISO 250. Dieser "Alpenkaktus" wurde aus 28 senkrecht an einer Felsnadel hängenden Bergsteigern zusammen gesetzt.

Was gehört alles zu deiner Fotoausrüstung?

Je nach Aufgabe und Situation stelle ich die Ausrüstung zusammen. So wenig wie möglich, so viel wie notwendig. In der konkreten Situation kostet es mich aber jedes Mal ziemliches Kopfzerbrechen. Außer ich arbeitetgleich neben dem Auto, dann nehme ich alles mit.

Wenn es um Geschwindigkeit wie zum Beispiel bei Action-Sportaufnahmen und Shootings aus dem Helikopter geht, verwende ich die Nikon D5. Ich bin äußerst begeistert vom neuen Autofokus und der ISO-Performance. Für Werbeshootings und Landschaftsaufnahmen verwende ich die Nikon D810, deren Dynamik für solche Projekte ausgezeichnet ist.

Wenn es leicht und kompakt sein soll (zum Beispiel beim Bergsteigen), setze ich lieber die Nikon D750 ein. Die Qualität hat mich völlig überzeugt und mit ein bis zwei Objektiven ist sie ideal für Bergtouren. Zusätzlich verwende ich D810, D5, D750, diverse Zoom-Objektive (von 14 mm bis 400 mm) und etliche Festbrennweiten. Die modernen digitalen Kameras haben die Fotografie revolutionär vereinfacht: Präzise und sehr schneller Autofokus, ausgeklügelte Belichtungsmesssysteme und die Möglichkeit, das Bild sofort auf dem Display beurteilen zu können. Vor allem der letzte Punkt ist der entscheidende Unterschied zur analogen Fotografie.

du hast schon viele bücher publiziert. WAS IST WICHTIG BEI DER ARBEIT AN EINEM BUCHPROJEKT?

Am wichtigsten ist, dass du einen Verlag von deinem Projekt überzeugen kannst. Ein Buch zu produzieren bedeutet immer ein finanzielles Risiko. Wenn man dann aber am Buchprojekt arbeitet, darf einem keine Mühe zu groß sein. Mir geht es auf jeden Fall so. Ich will ja immer das beste Buch aller Zeiten machen. Das macht die Arbeit an einem Buch so befriedigend, aber auch so aufreibend.


was kannst du uns über dein FOTOBUCH-projekt in den bündner bergen verraten?

Das große Fotoprojekt habe ich vor einer Weile abgeschlossen. „Aus den Bündner Bergen“ – dieser Landschafts-Kunstbildband hat mich zwei Jahre intensiv beschäftigt. Das Buch dazu erschien im NZZ Verlag. Ich hoffe, dass mir Projekte, die mich wirklich faszinieren und motivieren, nie ausgehen.


Mehr von und über Nikon Ambassador Robert Bösch findet ihr auf seiner Website.

Entdeckt viele weitere Tipps von Nikon-Fotografen auf unserem Instagram Kanal!

 
Zur Übersicht

What's in my bag
Mehr

Behind the Lens

Action- und Landschaftsfotografie Nikon Ambassador Robert Bösch

D5 D500 D810

Zum Abonnieren des Magazins oder einzelner Kategorien, melden Sie sich bitte mit Ihrem mynikon-Konto an.

Verwandt
Behind the Lens

BILDERWELT DER BERGWELT

Behind the Lens

Abgetaucht in die Welt des Sportfotografen Lukas Schulze

Behind the Lens

Vom sibirischen Uhu Bärbel bis zum Steinkauz Poldi: Durch die Natur mit Tierfotografin Tanja Brandt

Behind the Lens

"Sozialdokumentarische Fotografien" mit Manuel Bauer

Neu
Behind the Lens

Capture the Journey: Mit dem Campervan auf Teneriffa

Behind the Lens

Blick zurück: Japan früher und heute