MIT ORCAS UND BUCKELWALEN SCHWIMMEN

Donnerstag, 24. Januar 2019

Katharina ist 23 Jahre alt und studiert Design mit Schwerpunkt Fotografie. Sie hegt eine Leidenschaft für die Natur, die Fotografie, das Reisen und den Norden. Besonders die Natur hat es ihr angetan: Sie war schon immer ein fester Bestandteil ihres Lebens, da sie ihre Kindheit auf dem Land verbrachte. Nach dem Umzug für das Studium in eine Stadt merkte sie schnell, wie wichtig ihr die Natur ist und wie sehr sie ihr fehlt. Mit ihren Bildern möchte sie erzählen, wie wunderschön die Natur und die Tiere in all ihren Facetten sind und Menschen dazu bewegen all das schützen und erhalten zu wollen.

Im November 2018 erfüllte sie sich einen lang gehegten Traum: Mit Orca und Buckelwalen schwimmen.

D850 | 1/160s | f/5 | ISO 4000

WIE bist du auf DIE IDEE gekommen MIT ORCAS UND WALEN ZU SCHWIMMEN?

Davon erfahren habe ich vor nicht mal einem Jahr. Von Ende Oktober bis Anfang Februar ziehen viele Orca- und Buckelwal-Verbände in die nördlichsten Fjorde Norwegens um Heringe zu jagen. Orcas zu sehen und zu fotografieren war schon seit langem ein Traum von mir. Spätestens als ich erfuhr, dass es möglich ist, mit ihnen zu schwimmen, bekam ich die Idee nicht mehr aus meinem Kopf. Durch einen glückliche Zufall ergab sich die Möglichkeit schneller als gedacht. Ich flog Anfang November in den Norden Norwegens, zog einen Neoprenanzug an und glitt ins kalte, dunkle Wasser als eine schwarze Finne direkt auf mich zu kam.

D850 | 1/400s | f/6.3 | ISO 1600

WIE KÖNNEN WIR UNS SO EINEN TAG VORSTELLEN?

Begonnen hat mein Tag relativ spät für einen Naturfotografen. Da die Sonne so weit im Norden zu dieser Jahreszeit erst spät aufgeht, sind wir erst morgens um 9 am Hafen angekommen. Schon auf dem Weg zum Hafen sahen wir an der Küste die ersten Orcas. Von dort aus fuhren wir mit einem Boot ein Stück in die Fjorde. Am ersten Tag hat es keine 10 Minuten gedauert bis wir Orcas, auch Schwertwale genannt, entdeckten. Eine Gruppe bestehend aus 8 Tieren war gerade dabei Heringe zu jagen.


Vom Boot aus beobachten und lernten wir zunächst etwas über das Verhalten und die verschiedenen Jagdstrategien und was im Wasser zu beachten war. Es gibt zwar keinen dokumentierten Angriff von frei lebenden Orcas auf Menschen, doch beim Gedanken zu einem gut 8 Meter langem „Killerwal“ ins Wasser zu springen, wurde selbst mir etwas mulmig. Seit Jahrhunderten wird der Orca als Killerwal gefürchtet. Der Orca gehört nicht zu den Walen, sondern zu den Delfinen. Wieso also Killerwal? Der Name Killerwal entstand wahrscheinlich dadurch, dass Orcas gerne andere Wale wie kleine Delfine, Zwergwale und Grauwale fressen. Die Fischer gaben ihnen deshalb den Namen „whale killer“, was auf Deutsch "Walkiller" heißt. Durch einen versehentlichen Verdreher wurde daraus „killer whale“. Außerdem sind die Orcas in Norwegen auf Heringsschwärme spezialisiert. Somit war eigentlich nichts zu befürchten. Aufgeregt zog ich meinen Neoprenanzug an und glitt langsam ins Wasser. Ich schaute unter mich in das endlose Blau und sah die charakteristische Zeichnung eines Orcas der näher kam, und mich einen Moment lang neugierig inspizierte. Ich vergaß die Kälte und sämtliche Angst war verflogen. Die erste Begegnung war kurz. Als wir wieder alle an Bord waren, fuhren wir ein Stück weiter und sahen die ersten Buckelwale. Langsam zogen sie an unserem Boot vorbei. Alles war still, bis auf das Atmen der Wale. Dies sollte nicht die einzige Begegnung mit ihnen bleiben. Teilweise sahen wir Gruppen mit bis zu 15 Buckelwalen auf einmal. Wir verbrachten die vier bis fünf hellen Stunden des Tages damit Orcas und Wale zu finden und wenn es passte und sie in unserer Nähe blieben, mit ihnen zu schnorcheln.

Angst hatte ich zu keinem Zeitpunkt im Wasser, ganz im Gegenteil, es waren bisher mit die schönsten Momente in meinem Leben. Zwischen den Unterwasseraufnahmen trotzte ich der Kälte und fotografierte die Tiere Überwasser und hielt auch die atemberaubende Landschaft der norwegischen Fjorde fest.

AN WELCHEN MOMENT DIESER REISE ERINNERST DU DICH BESONDERS GERNE ZURÜCK?

Eigentlich gibt es zwei. Der wohl aufregendste Moment war, als ich das erste Mal mit einem Orca schwamm. Ich war gerade ins Wasser gegangen und machte ein paar Züge um mich an die Kälte zu gewöhnen, als vom Boot jemand rief: “There is an Orca right behind you!“. Als ich mich auf den Rücken drehte sah ich die mannshohe Rückenflosse keine 10 Meter entfernt auf mich zukommen und richtete meinen Blick Unterwasser. Ein riesiges Orca Männchen schwamm auf mich zu und tauchte in Zeitlupe unter mir hindurch.


Den zweiten unvergesslichen Moment erlebte ich spät nachmittags, die Sonne war gerade untergegangen. Eigentlich wollten wir schon zurück aufs Boot als unser Guide sagte, dass unter uns ein riesiger Heringsschwarm ist, der eigentlich nur noch als Schatten erkennbar war.

D850 | 1/400s | f/3.2 | ISO 720

D850 | 1/800s | f/4.5 | ISO 200

Gerade als wir überlegten noch eine Weile im Wasser zu bleiben fing es um uns herum an zu brodeln, kleine Heringe sprangen in die Luft. Auf einmal erschienen die riesigen Mäuler von vier Buckelwalen direkt vor uns. In dem sie ein Netz aus Luftblasen um die Heringe machen, aus dem die Fische nicht entkommen können, und dann von unten nach oben mit geöffnetem Maul schwimmen, können sie so einen riesigen Schwarm binnen Minuten fressen. Danach tauchten sie wieder neben uns ab und verschwanden in der Tiefe. Mit solch großen und intelligenten Tieren wie Walen und Orcas zu schwimmen und deren Verhalten auch Unterwasser zu beobachten ist ein unbeschreibliches Gefühl und hat mir noch mehr vor Augen geführt, wie wichtig es ist sie zu schützen.


WAS WAR DAS HERAUSFORDERNDSTE VOR ORT?

Definitiv die Kälte. Zwar schnorchelten wir in dicken Neoprenanzügen mit denen es sich gut im Wasser aushalten lies, jedoch aus dem Wasser gekommen waren diese natürlich zwischen den einzelnen Tauchgängen nass.

Dementsprechend kalt war es bei fünf Grad Außentemperatur und Fahrtwind während ich immer wieder zwischen den Unterwasseraufnahmen vom Deck aus fotografierte. War man erst einmal im Wasser und sah die Orcas und Wale neben sich, vergaß man die Kälte jedoch schnell.

D850 | 1/160s | f/4 | ISO 200

Eine weitere Herausforderung war das Wetter. Drei von vier Tagen hatten wir Regen und starke Bewölkung und nur von 10-14 Uhr genug Sonnenlicht, da die Tage zu dieser Jahreszeit so weit im Norden sehr kurz sind. Doch mit der D850 und den lichtstarken Objektiven war diese Herausforderung meist kein Problem.

WIE BIST DU ZUR NATUR- & TIERFOTOGRAFIE GEKOMMEN?

Die Natur war schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens, so war ich doch während meiner Kindheit auf dem Land stets davon umgeben. Als es mich für das Studium in die Stadt zog, merke ich nach ein paar Jahren wie sehr ich die Natur doch vermisste. Im Rahmen meines Studiengangs Design ist es vorgeschrieben ein Praktikum von 6 Monaten zu absolvieren. Also nutzte ich die Chance im März 2018 und verbrachte mein Praktikum bei dem schwedischen Tier- und Naturfotografen und Nikon Ambassador  Staffan Widstrand. Somit entdeckte ich meine Leidenschaft für die Naturfotografie, das Reisen und vor allem den Norden. Als wir um Spitzbergen reisten wurde mir bewusst wie vielfältig, und zerbrechlich doch unsere Erde ist. Mit meinen Bilder möchte ich erzählen, wie wunderschön die Natur und die Tiere in all ihren Facetten ist, und Menschen dazu bewegen all das schützen und erhalten zu wollen.

D850 | 1/2500s | f/3.5 | ISO 400

D850 | 1/1600s | f/5.6 | ISO 3200

WELCHES EQUIPMENT HAST DU BEI EINEM SOLCHEN TRIP DABEI?

Am liebsten fotografiere ich mit der D850 mit dem Multifunktionshandgriff. In Norwegen benutzte ich die D850 mit dem AF-S NIKKOR 20 mm 1:1,8G ED für die Unterwasseraufnahmen. Ein lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv ist ideal, denn teilweise waren die Orcas und Wale sehr nah und die Sicht aufgrund des schwachen Sonnenlichts eher schlecht. Zwischen den Tauchgängen war das AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR mein Favorit. Egal ob ich die Schönheit der rauen Fjordlandschaft, oder die Wale und Orcas Überwasser festhalten wollte. Auch das AF-S NIKKOR 200–500 mm 1:5,6E ED VR lieferte mir sehr gute Dienste wenn die Tiere mal was weiter weg waren. Der Bildstabilisator war auf dem schaukelnden Boot vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen eine enorme Hilfe. Da es nachts eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt in Nord-Norwegen Polarlichter zu sehen war es auch super das AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED im Gepäck zu haben.

WIE SEHEN DEINE PLÄNE FÜR DIE ZUKUNFT AUS UND WELCHEN PROJEKTEN WIDMEST DU DICH ALS NÄCHSTES?

Mein nächstes und bisher definitiv größtes Projekt ist meine Bachelorarbeit „Cold fever“. Dabei handelt es sich um einen Bildband über die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur und Tiere im hohen Norden. Der Klimawandel ist nicht zu leugnen und das Eis im Norden schmilzt beachtlich schnell. Mit „Cold fever“ möchte ich die Betrachter auf eine Reise mitnehmen und ihnen vor Augen führen, was wir bereits verlieren, wenn wir nicht handeln. Denn wie kann man etwas erhalten wollen, von dem man nicht weiß, dass es existiert? Um dieses zeit- und vor allem kostenaufwändige Projekt realisieren zu können bin ich auf die Hilfe von vielen Menschen angewiesen.


Auf der Crowdfunding Plattform Kickstarter kann man alles darüber erfahren, mein Vorhaben unterstützen und sich unteranderem die Vorabauflage des Bildbands bestellen.

D850 | 1/200s | f/3.2 | ISO 1250

Mehr über Katharina findet ihr hier:

WHAT'S IN MY BAG

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