Donnerstag, 13. Juni 2019

Mit der D850 bis zum Nordkap – Natur- und Tier-Fotografie von Katharina Meyer

Katharina Meyer (23) steht kurz vor dem Ende Ihres Studiums Design mit Schwerpunkt Fotografie, als sie sich entscheidet, mit ihrer Bachelorarbeit eine ganz besondere Mission zu wagen. Auf einer 35-tägigen Reise durch Norwegen, Finnland und Schweden fotografiert sie von Februar bis März 2019 die Natur, die sich durch die den Klimawandel immer schneller verändert. Wir sprachen mit ihr über die Reiseplanung, die schönsten Momente und Herausforderungen für Mensch und Equipment.

Der erste und mit der wichtigste Punkt der Reise brachte Katharina nach Norwegen, um dort die Moschusochsen zu fotografieren.

Katharina, wer deine Bilder sieht, staunt in der Regel viel. Seit wann arbeitest du als Fotografin, was ist deine Intention?

Ich habe erst Anfang des Jahres 2018 mit der Wildlife-Fotografie begonnen. Im Rahmen meines Studiengangs war es damals vorgeschrieben, ein Praktikum von sechs Monaten zu absolvieren. Tier- und Naturfotografie hat mich schon immer interessiert, also schien es mir eine sehr gute Chance, dies zu vertiefen. Also nutzte ich die Möglichkeit und verbrachte die Zeit bei dem schwedischen Tier- und Naturfotografen und Nikon Ambassador Staffan Widstrand. Somit festigte sich meine Leidenschaft für die Naturfotografie, das Reisen und vor allem für den Norden. Wir waren viel zusammen unterwegs, wodurch ich unglaublich viel gelernt habe, unteranderem das Vereinen von dokumentarischer Fotografie und der modernen Ästhetik des Designs. Mit meinen Bildern möchte ich Geschichten erzählen und daran erinnern diese artenreiche Naturlandschaft zu schützen. Momentan fokussiere ich mich fotografisch auf den Norden und die Arktis.

D850 | 1/160s | f/5 | ISO 1000

Warum?

Die Polarregionen zu besuchen war schon lange ein Traum von mir. Zunächst erschien mir dieser Teil der Welt so weit weg, so unwirklich, aber als ich das erste Mal dort war, hat es mich gepackt. Ich möchte als Conservation-Fotografin arbeiten, mich also mit meinen Fotos für die Erhaltung der Natur, ihren Tieren und unseres Planeten, unser Zuhause einsetzen. Die Arktis ist hierbei besonders wichtig, da der Klimawandel dort mit am deutlichsten zu spüren ist.

Als Bachelorarbeit hast du dich für eine Expedition von Norwegen über Finnland nach Schweden entschieden. Was war dein Antrieb und was sollte dabei herauskommen?

Die Reise und die dadurch entstandenen Bilder habe ich nicht nur als Bachelorarbeit gesehen, sondern auch als wichtiges Projekt für mich selbst und als Einstieg in die professionelle Fotografie. Aus meinen Expeditionen in den Norden wird ein Bildband mit dem Namen „Cold fever“ entstehen. Die Arbeit zeigt die Schönheit und Verletzlichkeit des Nordens und zusätzlich gibt es ein begleitendes Tagebuch, welches die Reise beschreibt und einen Einblick hinter die Kulissen bietet. Die Idee dazu entwickelte sich auf meiner ersten Reise nach Spitzbergen im Mai 2018. Vom Klimawandel hat jeder schon einmal gehört, aber vor Ort mit eigenen Augen zu sehen, wie die das Eis schmilzt und wie Eisbären keinen Halt mehr finden, das hat mich sehr bewegt. Darüber wollte ich meine Arbeit machen. Ich will zeigen, was wir eigentlich verlieren, wenn wir nicht handeln.

Du hast deine Bachelorarbeit mithilfe von Crowdfunding realisiert. Wie lief das ab?

Genau. Als ich begriff welche Ausmaße das Projekt annehmen wird, wurde mir klar, dass ich ein solch großes Projekt nicht allein stemmen kann. Da die Idee der Bachelorarbeit auf immenses Interesse gestoßen ist, und viele Menschen mich dabei unterstützen wollten, beschloss ich Anfang des Jahres eine Crowdfunding Kampagne zu starten. Dort konnten die Unterstützer unter anderem die Vorabauflage des Buches, Postkarten von der Reise und Fine Art Prints als Gegenzug für ihre Hilfe bekommen. Dann hieß es innerhalb von 28 Tagen das Ziel zu erreichen, da auf Kickstarter eine „Alles oder nichts“ Regel herrscht. Es war viel Arbeit das Projekt publik zu machen, ein ständiges Hoch und Tief der Gefühle, aber schlussendlich wurde das Projekt mit 115% des Ziels finanziert. Das hat mich natürlich wahnsinnig gefreut und mir die Motivation gegeben etwas wirklich Außergewöhnliches zu schaffen. Eine Woche später habe ich mich dann auf die Reise in den Norden begeben.

D850 | 1/80s | f/4.5 | ISO 100

Der Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark in Norwegen ist in erster Linie wegen seiner Moschusochsen bekannt.

Wohin führte dich die Reise?

Mein erster und mit der wichtigste Punkt der Reise brachte mich in den Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark in Norwegen, um dort die Moschusochsen zu fotografieren. Danach ging es an Fjorden entlang die norwegische Küste hoch. Über die Lofoten und weiteren kleinen Inseln führte mich der Weg bis an das Nordkapp: den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Von dort aus ging es dann wieder über Nord-Finnland und Nord-Schweden gen Süden. Insgesamt war ich etwas länger als einen Monat unterwegs.

Wie hast du die Reise geplant?

Es gab einige Orte, die ich unbedingt besuchen und dokumentieren wollte. Bestimmte Tiere und bestimmte Landschaften, die ich dann alle auf einer großen Skandinavien-Karte eingezeichnet habe. Mithilfe von Guides und Kontakten durch meine vorherigen Aufenthalte in Skandinavien habe ich dann feste Tage für bestimmte Orte geplant. Dazwischen war ich sehr flexibel und spontan und passte mich den Wetterumständen und dem Moment an.

D500 | 1/1000s | f/5.6 | ISO 800

Hattest du einen „geregelten“ Tagesablauf auf der Reise?

Bis auf die markierten Punkte, an denen ich zu einem bestimmten Datum sein wollte, war ich sehr frei mit dem was ich zwischen den einzelnen Spots machte. Meistens ging es schon am frühen Morgen los, um den Sonnenaufgang mit einzufangen. Ich erkundete dann viel die Gegend, war Tieren auf der Spur und wanderte durch die weiße Landschaft. Sobald es dunkel wurde habe ich natürlich erst einmal die Bilder gesichert und dann für den nächsten Tag geplant. In Norwegen war es recht warm, da waren es nachts maximal -8°C, tagsüber sogar leichte Plusgrade. Der Schnee blieb zwar liegen, aber durch den Regen und die Temperatur wurde das Wandern sehr anstrengend, da man selbst mit Schneeschuhen bis zur Hüfte im nassen Schnee einsinkt.

Du warst auch auf der Suche nach wilden Tieren. Welche hast du gesehen?

Meine Highlights waren die Moschusochsen, die ich am Anfang meiner Reise fotografiert habe. Dort war ich letztes Jahr schon zwei Mal, leider lag zu diesem Zeitpunkt jedoch kein Schnee mehr. Diese Bilder wollte ich aber unbedingt haben. Allerdings war es auch diesmal schwierig, da am ersten Tag die Sonne schien und den Schnee auf den Bergen zum Schmelzen brachte. Dann habe ich mir beim Abstieg auch noch das Innenband am Knie gerissen. Am zweiten Tag gab es einen Schneesturm, also genau das Wetter, welches ich für die Bilder im Kopf hatte. Der erneute Aufstieg an dem Tag war zwar sehr anstrengend und schmerzhaft, hat sich aber definitiv gelohnt. Neben den Ochsen habe ich noch Elche und auch die Ankunft der Singschwäne fotografiert, daneben noch einige andere Vogelarten. Bären wären auch schön gewesen, die sind zu dieser Zeit aber noch im Winterschlaf. Nachts habe ich Wölfe gehört, welche ich aber leider nicht zu Gesicht bekommen habe.

Neben den Moschusochsen hat Katharina noch Elche im tiefen Schnee mit der Nikon D850 einfangen können.

Was hat dich besonders beeindruckt, womit hast du nicht gerechnet?

Tatsächlich habe ich nicht damit gerechnet, dass es in Finnland so kalt ist. Die Prognosen waren eher warm, also ca. -15°C in der Nacht. Im Norden waren es jedoch am Ende nachts um die -30°C. Das ist schon sehr knackig. Da es aber sternenklar war, habe ich dann trotzdem nachts die Polarlichter fotografieren können. Immerhin war ich darauf vorbereitet und hatte natürlich entsprechende Kleidung dabei. Was mich auch sehr beeindruckt hat: Die Fjorde und Berge in Norwegen. Ich komme aus dem schönen Mittelfranken, da gibt es keine Berge und kein Meer, bestenfalls Hügel und den Brombachsee. Auf der Insel Senja in Norwegen bin ich zwischen zwei Lawinen geraten, die die Straße blockierten, da hatten wir aber Glück und es ist nichts passiert. Sehr schön waren auch die Wälder und Seen in Finnland und Schweden, die sich hunderte Kilometer erstrecken.

Die Polarlichter bei sternenklarer Nacht in Finnland zu fotografieren, war für Katharina besonders beeindruckt.

Am Ende der Reise steht unter anderem ein Fotobuch. Wie beschreibst du das Ergebnis?

Die Bilder für den Bildband sind sehr nah an meinen Vorstellungen. Vieles von dem, was ich mir vorgenommen habe, konnte ich auch umsetzen. Dabei gab es so viele Umstände wie Wetter oder das Verhalten der Tiere, die glücklicherweise meistens mitgespielt haben. Bei der Tier- und Naturfotografie kann man zwar viel planen und sich viele Bilder und Situationen im Kopf ausmalen, jedoch wird es oft ganz anders, was aber nichts Negatives bedeutet. Ganz im Gegenteil: manchmal entstehen dadurch sogar unerwartet weit bessere Bilder. Das Ergebnis wird großartig und sehr bewegend. 

Das AF-S Nikkor 70-200mm 1:2,8G ED VR II, hat Katharina auf ihrer Reise genau die Flexibilität gegeben, um Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren.

Du hast mit Fotografie unter solchen Bedingungen ja schon Erfahrung. Nikon hat dich für den Trip mit Equipment ausgestattet. Was hattest du dabei und warum genau das?

Ich hatte eine Nikon D850, eine D500 und die Objektive AF-S Nikkor 24-70mm f2.8 G ED, AF-S NIKKOR 70-200 mm 1:2,8E FL ED VR, AF-S Nikkor 500 mm 1:5,6E PF ED VR und einen 1,4x-Telekonverter im Gepäck. Meine Bilder entstehen eher im Telebereich, daher reichten die 24 mm am kurzen Ende auch aus. Mein Lieblingsobjektiv auf dem Trip war das AF-S NIKKOR 70-200 mm 1:2,8E FL ED VR, da es mir genau die Flexibilität gegeben hat, die ich brauchte, um auch die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren. Als Haupt-Kamera habe ich auf die D850 aufgrund ihrer brillanten Auflösung gesetzt. Die D500 hat mir mit ihrem Cropfaktor beim Einsatz von Vollformatobjektiven bei den Moschusochsen und bei Tieren sehr weitergeholfen. Mit dem Telekonverter und dem 500er hatte ich bei Blende 8 1.050mm Brennweite und die Bilder sind gestochen scharf.

Wie hat es sich geschlagen? Was hat dir am besten gefallen?

Die Kameras haben den Job wirklich gut gemacht, selbst bei -30°C hat alles funktioniert. Meistens bin ich sogar mit einem Akku durch den Tag gekommen. Das schwierigste war eigentlich darauf zu achten, dass mein Atem nicht direkt an der Kamera gefriert. Anschließend musste ich das Equipment langsam wieder aufwärmen, das hat es souverän mitgemacht. Das neue AF-S NIKKOR 500 mm 1:5,6E PF ED VR ist zudem für solche Expeditionen wirklich perfekt, weil es klein und leicht ist. Bei Bergwanderungen und Touren von rund 20 Kilometern und 1.500 Höhenmetern kam mir das natürlich sehr entgegen und war sehr angenehm.

Dein Studium endet mit „Cold fever“ – was kommt danach? Gibt es schon Pläne?

Natürlich weiterhin als Tier- und Naturfotografin arbeiten und mich der Entdeckung und Dokumentation unserer Erde widmen. Gerne möchte ich für verschiedene Natur-Magazine auf Expeditionen gehen. Auch steht die Überlegung im Raum bei National Geographic eine Förderung zu beantragen, um Polarwölfe zu fotografieren und darüber zu berichten. Auch möchte ich unbedingt in die Antarktis, um weiter über die Auswirkungen des Klimawandels in den Polregionen zu berichten. Ein weiteres Nebenprojekt ist Nature-Guiding. Aber generell: Viel reisen, viel fotografieren, viel bewegen!

Erfahrt mehr über Katharina auf ihrem Instagram-Kanal:

@kmeykmeyk

D850 | 1/1600s | f/5.6 | ISO 250

Katharina in Aktion.

 
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