Donnerstag, 06. Juni 2019

Stimmungsvolles Kurzfilm-Projekt von Beauty- & Fashionfotograf Immo Fuchs mit der Nikon Z 7

Immo Fuchs arbeitet seit 10 Jahren hauptberuflich als Beauty- & Fashionfotograf. In seiner Wahlheimat Köln fühlt der gebürtige Heidelberger sich Zuhause und unterhält ein Fotostudio in Köln-Poll. Doch nicht nur hier entstehen seine Fotografien, er ist gerne unterwegs und liebt die Arbeit mit kreativen Köpfen - seien es Stylisten, Art-Director oder Setbauer. Schon als Kind kam er durch seinen Vater mit der Fotografie in Kontakt. Gerne spielte er mit dem Kamerazubehör seines Vaters. Als er dann sein erstes Portrait in der Dunkelkammer im Entwicklerbad sah, war es um ihn geschehen und die Fotografie ließ ihn nicht mehr los.

Im Herbst letzten Jahres zog es ihn nach Island, um einen Mini-Kurzfilm mit der Nikon Z 7 umzusetzen. Er soll die Zerrissenheit der Protagonistin zwischen der Social Media zersetzten Scheinwelt in Berlin und dem Leben, das ihre beste Freundin vor über 10 Jahren gewählt hat, ein Leben in Island, zeigen.

Wie ist die Idee der Reise entstanden und wieso hast du dich für Island entschieden?

Ich war bereits einige Male in Island und ich wollte es unbedingt noch einmal wagen, das Wetter zu besiegen, ihm zu trotzen, indem ich mich besser vorbereite, es länger aushalte. Auch bei diesem Besuch musste ich wiedermals feststellen, dass sich Island nicht bezwingen lässt und das ist eine schöne Erkenntnis.

Würdet ihr mir die Frage stellen "Immo, ist denn alles so gelaufen, wie du es dir vorgestellt hast?" dann würde ich berherzt antworten: KEIN BISSCHEN! Wir haben 4 Tage Locations gescoutet. Hauptsächlich am Rande zum Hochland. Ich war mit einem kleinen Team vor Ort (Asisstentin, Stylistin, Begleitung). Mit Ankunft unserer Modelle, gab es einen verheerenden Wetterumbruch und sämtliche Straßen waren gesperrt, Schneelandschaften verschwunden, Pässe verschüttet und wir hatten mit einem Wind von teilweise über 60 km/h zu kämpfen. Wir konnten nur noch improvisieren und haben sehr viel Zeit verloren. Das ist Island und irgendwie macht es das auch aus.

Neben der Arbeit und der Umsetzung der geplanten Bilder, gab es auch ein paar Tropfen Schnaps für die kalten Momente im Zelt. Wir haben uns also dazu entschieden, das beste aus der Wetterlage vor Ort zu machen... und es ist uns im Endeffekt auch gelungen ;)


Was war die herausforderndste Situation vor Ort?

Wir wollten etwas zu spät über eine Anhöhe in ein Tal fahren. Es wurde schlagartig dunkel und der Nebel wurde so stark, dass wir das Ende des eigenen Autos nicht mehr erkennen konnten. Da wir fernab von befestigten Wegen waren, es rechts und links teilweise steil herab ging, war das Unbehagen groß und die Angst jeden Augenblick in einen Abgrund zu fahren gegenwärtig. Die Erschöpfung und Müdigkeit taten ihren Rest. Am Ende war es doch alles nicht ganz so tragisch und wir haben einen schönen Schlafplatz hinter einer Felsformation gefunden.

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Du hattest die Nikon Z 7 dabei. Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Was sie verspricht, hat sie gehalten. Sie wurde nass! Sehr nass. Es war kalt und dunkel, aber diese kleine Kamera hat allem die Stirn geboten. Ich war begeistert von der Autofokusqualität, besonders beim Filmen. Und hätte ich vorher gewusst, dass die Tonqualität so gut ist, hätte ich definitiv noch mehr O-Töne eingeplant.

Ich hatte außerdem das NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S und das NIKKOR Z 35 mm 1:1,8 S mit dabei. Mir gefällt die kompakte Bauweise beider Objektive sehr. Meine Festbrennweiten über den FTZ-Adapter sind da schon wieder eine ganz andere Nummer. Funktioniert tatsächlich alles tadellos. Hübscher aussehen, tut es aber mit den Z-Objektiven ;-)

Mein Fazit: Ich musste sie haben. Und zwar für immer. Da ich bereits eine hochauflösende Kamera (die Nikon D850) habe, habe ich mich dann für die Z 6 entschieden. Vor allem für Videoaufnahmen überzeugt sie. Und wer skeptisch ist: Ja, es ist für einen Spiegelreflex-Fotografen vielleicht erst einmal ungewohnt durch den elektronischen Sucher zu schauen. Aber er hat doch auch viele Vorteile, sodass ich mich persönlich super schnell daran gewöhnen konnte und ihn lieben gelernt habe! Jetzt kommen beide Kameras bei mir zum Einsatz, je nach Zweck der Arbeit.

Hast du einen oder mehrere Reisetipp für unsere Leser?

Wer in Island Zelten möchte, sollte gut vorbereitet sein. Packlisten gibt es ganz viele im Netz, die kann ich gut empfehlen: sie sind wirklich lang, aber man braucht meist tatsächlich alles. Es wird kalt und nass, aber morgens alleine an einem Gletschersee aufzuwachen, entschädigt dafür sehr. Es gibt viele Nothütten, in denen ihr auch Zelten dürft. Am besten ist, wenn ihr euch darüber vorher informiert, wo sie sich genau befinden. Hostels gibt es einige, müssen aber mehrere Tage im Voraus gebucht werden. Spontan bekommt man selten was. Falls ihr in größeren Gruppen reist, solltet ihr euch nach Cottages umschauen, schöner und purer könnt ihr nicht übernachten.

Was fasziniert dich an der Beauty/Fashion oder auch Reise & Portraitfotografie besonders?

Ich bin kein Fotograf geworden, um für den Rest meines Lebens das gleiche zu fotografieren. Ich liebe die Abwechslung, die ständigen neuen Herausforderungen. Die kleinen und großen Unterschiede in den Disziplinen. Ich mag gut angezogene, wunderschöne Menschen mit großartigem Make-Up genauso, wie ich die kalte, verregnete Landschaft Islands oder das heiße pulsierende Kapstadt mag. Am Ende geht es mir um Ästhetik, Momente und die Menschen, die ich dabei kennenlerne.

Woher nimmst du deine Inspirationen? Wer oder was inspiriert dich?

Als ich mein erstes Buch über s/w Fotografie gelesen habe, meinte ich schon fast in Grauabstufungen und Zonensystemen zu sehen. Ich glaube, wenn man nichts anderes macht als die Fotografie und sich täglich mit ihr auseinander setzt, inspiriert einen alles, da man nicht mehr wegschauen kann. Von der Nachmittagsserie, berühmten und unberührten Fotografen über brillant inszenierte Kinofilme bis hin zu seinem eigenen Weltschmerz. Am meisten fasziniert mich Licht und dessen Wirkung. Wenn ich damit spielen darf, bin ich glücklich.


Wie lauten deine Top 3 Fotografie-Tipps, die du gerne an andere Fotografen weitergeben würdest?

Gute Tipps sind immer schwierig. Ich kenne die verschiedensten Biografien, die es, obwohl sie alles anders gemacht haben, als ich es getan hätte, dennoch zum Erfolg geschafft haben. Daher der vielleicht einzig ehrliche Tipp: finde DEINEN Weg und verfolge ihn jeden einzelnen Tag.


Für mich persönlich: am wichtigsten um erfolgreich zu sein, ist es neugierig zu bleiben. Auf die Dinge, die Menschen. Sich selbst nicht zu ernst nehmen (es geht nicht um den Fotografen, sondern um das Zusammenspiel mit dem Motiv!) und ehrlich, zuverlässig und wertschätzend mit anderen umgehen. Ich gehöre auch zu denen, die alles verstehen und machen wollen, auch wenn ich es nachher an andere delegiere. Mir ist es wichtig, auch die Technik zu verstehen. Am Ende darf es sich aber nur noch um das Motiv und die Motivation zu diesem drehen.

Und welcher Tipp war der beste, den du bekommen hast, als du mit der Fotografie noch ganz am Anfang standest?

Ich bin nicht so sicher, ob es wirklich ein Tipp als vielmehr ein Gebot war, aber: „Ein Foto muss fotografiert werden“. Um Retusche kommt man in meinem Feld nicht drum herum, aber ich versuche immer so viel wie möglich vor dem Auslösen zu lösen ;-)

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Seit wann nutzt du Nikon und warum?

Als es etwas ernster wurde und ich mit meiner ersten Spiegelreflex liebäugelte, stand ich vor der Entscheidung: eine gebrauchte Nikon F3 oder ein vergleichbares Konkurrenz Produkt. Ein Freund zeigte mir dann eine alte Werbung der F3: „3x Vietnam, 1x Kambodscha, 2x Nordirland …. 1x in Reparatur“. Da ich in der Zeit so ziemlich alles von Robert Capa und James Nachtwey gelesen und gesehen habe, hat mich das irgendwie überzeugt. Seit dem bin ich der Marke treu und inzwischen habe ich wirklich viel Kram. Noch mehr, seit ich auch mit Nikon filme. Zu meinen liebsten Brennweiten gehört das 35mm, 50mm und das 85mm. Ich nutze selten was anderes, da ich die Brennweite gerne als subtiles Stilmittel einsetzte.

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Foto: Immo Fuchs & Amelie Rehm

Was planst du in Zukunft – kannst du uns da schon etwas verraten?

Tatsächlich möchte ich noch einen weiteren Mini Kurz-Film in Berlin drehen, sobald es etwas freundlicher draußen ist. Um was es geht, sag ich noch nicht, aber nur soviel: es bleibt dunkel ;-)

Entdeckt mehr von Immo:

Immo Fuchs: Regie und Fotografie
Amelie Rehm: Fotografie und Assistenz
Tina Paffen: 2nd Camera und Produktion
Modelle: Marie Louwes und Theresa Hesterberg

 
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