Dienstag, 03. Juli 2018

Dunkles Licht

Die international preisgekrönte Zürcher Landschaftsfotografin Simone Cmoon verblüfft mit ihren faszinierenden Aufnahmen des nächtlichen Firmamentes immer wieder auf's Neue. Simone bringt von ihren mehrtägigen Touren und Reisen Bilder mit, welche meist fernab der Zivilisation aufgenommen werden. Ihre Landschaftsfotos entstehen während Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, speziellen Licht- und Wetterstimmungen und unter den Juwelen des nächtlichen Himmels. Ihre große Liebe gilt den Bergen und der Natur.

In ihrem Reisebericht durch stürmische Abenteuer in Island erfahrt ihr, wie die erfahrene Fotografin bei tristen Wetterverhältnissen die atemberaubensten Eindrücke festhält.

Nikon D850 | 1/30s | f/11 | ISO 64

Mystische Wetterstimmungen mit vielen Wolken und diffusem Licht faszinieren mich beim Fotografieren von Landschaften sehr. Die Wettervorhersage für meinen Islandtrip kündigte genau dies, inklusive Regen und Schnee, an, sodass ich der Reise noch mehr entgegen fieberte. In der Hoffnung, während klaren Nächten auch die einzigartigen Polarlichter in meinen Bildern einzufangen, packte ich meine Fotoausrüstung zusammen.

Blár klukkustund

Einen kurzen Schockmoment hatten wir bereits zu Beginn der Reise: Zwei Tage bevor es los ging, wüteten so starke Stürme, dass alle Flüge abgesagt und die Verbindungsstrasse Rejkyavik - Flughafen komplett gesperrt wurde. Doch glücklicherweise beruhigte sich die Wettersituation, sodass wir wie geplant abreisen konnten.

Am Flughafen in Island angekommen, fuhren wir mit unserem gemieteten Camper drei Stunden Richtung Südosten, denn der ganze Westen blieb mehrere Tage von stark peitschenden Windböen heimgesucht. Auf unserer Fahrt entdeckten wir einige Autos, die von ihren Besitzern neben der Strasse im Schnee steckend, verlassen worden waren. Mein Wunsch nach düsterer Wetterstimmung wurde also definitiv erfüllt - wir sahen tagelang keinen Sonnenschein. So konnten meine neuen Lithium-Ionen-Akkus EN-EL 15a direkt bei Kälte zeigen, wieviel ausdauernder sie sind. Außerdem zeigte sich auch hier wieder, dass Wasserfälle sich bei Regen als sehr fotogene Sujets erweisen; auch sind die Farben der Landschaft durch die Wassertropfen intensiver und dank der Wolkendecke konnten wir den ganzen Tag ohne harte Schatten fotografieren.

Wer unseren ersten Fotostopp, den Skogafoss-Wasserfall kennt, weiss, wie viele Touristen diese Location überrennen. Normalerweise meide ich solche Fotospots und suche abgelegene Gebiete auf. Doch dieses Mal sah ich ein kleines Mädchen mit roten Locken unter der Kapuze und bat sie und ihren Vater um Erlaubnis, ein Foto von ihr machen zu dürfen. Die kleine 9-jährige nordische Schönheit stellte sich mir zuliebe sogar sehr nahe an den Wasserfall und war danach ziemlich durchnässt. Ich wählte das AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR, um die anderen Touristen nicht mit auf dem Bild zu haben. Mit ISO 800, 1/640s, f/5.6 war das Bild unter den vorhandenen Lichtverhältnissen ziemlich unterbelichtet, aber die D850 mit ihrem hohen Dynamikumfang kommt damit ausgezeichnet klar und nachträgliches Aufhellen von Tiefen führt zu keinerlei störendem Qualitätsverlust. Später teilte mir ihr Vater mit, dass ihr Name Emma sei und sie als Junge mit dem Namen Gijs zur Welt gekommen sei. Dieses Foto hängt nun als Druck bei der Familie Zuhause und ich freue mich sehr darüber, Emmas Mut kennen gelernt zu haben und sie dabei begleiten zu dürfen, ihr wahres Wesen in all seiner Schönheit zu leben.


Der dicht bewölkte Himmel begleitete uns Tag und Nacht, also nutzte ich die dramatischen Stimmungen für nicht minder atemberaubende Sujets. Bei Reynisfjara wüteten zeitweise so starke Windböen, dass ich nicht mehr stehen konnte, daher setzte ich mich in den nassen Sand, fixierte Kamera und Tele-Objektiv mit meinen Knien und begann die Wellenbewegungen der sich hochauftürmenden See einzufangen. Die neue Funktion der absolut geräuschlosen Auslösung der D850 trägt den Stempel der gewohnt ausgezeichneten Nikon Qualität und unterstützte mich dabei, unter diesen harschen Bedingungen gestochen scharfe Bilder aus der Hand zu schiessen. Beim Fotografieren von Wellenbewegungen stehen einem verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Um die Wellen „einzufrieren“ arbeite ich mit sehr kurzen Belichtungen von ca. 1/400s bis zu 1/4000s. Etwas weniger kurze Belichtungszeiten bis ca. 1s beinhalten bereits ein eingefangenes Fliessen und Strömen des Wassers. Noch längere Belichtungszeiten über 1s lassen Wasser sehr weich, fliessend  und neblig erscheinen.

"Dark Soul"

"Big Piece"

"Kirkjufell"
Verliebt habe ich mich auch in den verbesserten Liveview-Bildschirm: Am Strand vom Jökulsarlon-Gletscher, wo sich Seehunde galant zwischen tonnenschweren Eis-Diamanten im Wasser bewegen, glänzte das türkisfarbene Eis auf der Liveview-Ansicht nicht weniger als live vor meinen Augen. An diesem Diamantstrand ergeben sich immer sehr viele Fotos. Durch den Touchscreen ist das Bilderbetrachten sehr angenehm. Die neuen Akkus hielten übrigens mehrere 100 Bilder länger - super!


In unserer letzten Nacht im Land von Feuer und Eis war uns das Glück doch noch hold: In einem nur 5 Stunden entfernten Gebiet wurde eine fast wolkenlose Nacht prognostiziert! Endlich konnte ich den Autofokus der D850 auch so richtig auf die Probe stellen und das Fokussieren auf einen einzelnen Stern testen: Und wie als Krönung war der Stern präzise scharf gestellt; sowas kannte ich bisher noch von keinem anderen Autofokus.

"Hellnar"

Nordlichter bewegen sich unterschiedlich schnell. Je schneller sie über den Himmel tanzen, desto kürzer muss die Belichtungszeit gewählt werden: ideal sind eine bis sechs Sekunden. Das Bild „Kirkjufell“ (siehe oben) besteht aus 7 Aufnahmen, bei denen die Kamera auf dem Stativ montiert war und ich den Fokus bei den identischen Einstellungen mit jeder Aufnahme etwas weiter nach hinten verlagerte. Da in jener Nacht die Aurora nur extrem schwach in den Löchern zwischen den Wolken auftauchte, war es mir egal, sie durch die 25s Belichtung etwas verschwommen einzufangen, dafür war das grüne Leuchten intensiver sichtbar. Dank dem Vollmond konnte ich die ISO-Werte sehr tief auf 250 einstellen, da der Vordergrund bereits durchs Mondlicht erhellt war. Ich fotografiere nachts immer so offenblendig wie möglich, in Kombination mit Fokus stacking und Mehrfachbelichtungen.

"Into The Blue"

MEIN FAZIT

"Dunkles Licht", dies trifft meine Islanderfahrung auf den Punkt. Zwar war es uns wegen des „schlechten“ Wetters - bis auf die letzte Nacht - nicht möglich, die atemberaubenden Polarlichter einzufangen, aber Island bot mir genau die mystischen Wetterstimmungen mit Wolken und Wind, die mich so faszinieren und bei dem meine Fotoausrüstung die meteorologisch düstere Seite Islands einfangen konnte. Der  Autofokus der D850 ist ein Genuss: Auch in low-light Situationen findet er den richtigen Fokus zuverlässig. Das klappbare Display ist enorm praktisch wenn man sehr bodennah arbeitet und dadurch nicht in Schmutz oder Nässe liegen muss.

Mehr stimmungsvolle Fotos von Simone könnt ihr hier entdecken:

Simone's Website

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Simone Cmoon

 
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