Mittwoch, 24. Januar 2018

Der Natur so nah: Mit Florian Smit auf Foto-Pirsch

Um erfolgreich in die Welt der Tierfotografie einzutauchen, ist Leidenschaft, viel Geduld und umfangreiche Kenntnis über die einzigartigen Geschöpfe dieser Welt gefragt. Florian Smit gehört aktuell zu den Besten Europas und lernte die spannendsten Orte bereits als Kind auf Reisen mit seiner Familie kennen. Der seit 2015 freiberufliche Naturfotograf versucht dabei nicht einfach nur Landschaften und Tiere zu fotografieren, sondern viel mehr Stimmung und Emotionen in seinen Motiven festzuhalten.

Ein seltener Anblick: Durch gezielte Zucht bleibt der Bestand an Wisente und Bisons weltweit erhalten. Florian gelangen Aufnahmen dieser Spezies nahe der weißrussischen Grenze im Jahr 2016.

WIE BIST DU ZUR NATUR- & TIERFOTOGRAFIE GEKOMMEN?

Zur Naturfotografie bin ich durch die gemeinsamen Reisen mit meinen Eltern gekommen. Wir waren meist im selbstausgebauten „Expeditionsmobil“ einem Unimog U1300 unterwegs und haben fast täglich lange Wanderungen und ausgedehnte Kanutouren unternommen. Eines war bei fast allen Reisen das gleiche Prinzip: Wir waren immer an Orten ohne viele Touristen oder Menschen, meist in der wilden Einsamkeit der Natur. Für mich als Kind das perfekte Abenteuer und so wurde in mir eine Faszination für die Natur mit all ihren Wundern geweckt. Da war es natürlich klar, dass auch meine ersten Bilder in der Natur entstanden. Von 2012 bis 2015 habe ich dann meine Ausbildung zum Fotografen als einer der besten in ganz Deutschland absolviert. Dabei habe ich festgestellt, dass Menschen, Gebäude oder Produkte einfach nicht „meine“ Motive sind. 2015 habe ich mich dann als freiberuflicher Naturfotograf selbstständig gemacht und lebe seit dem gemeinsam mit meiner Freundin Lisa, die mich bei all meinen Projekten unterstützt und mir zur Seite steht, meinen bzw. unseren Traum!

Auge in Auge mit der Natur – das Studieren eines Säugetiers, dessen Verhalten und Lebensraums, gehört zur gewohnten Vorbereitung einer Expedition.

WOHER NIMMST DU DEINE INSPIRATION UND WANN BIST DU AM KREATIVSTEN?

Vor allem früher habe ich mich viel mit den Werken anderer Fotografen beschäftigt. Beim Betrachten der Bilder und auch meiner eigenen habe ich immer akribisch hinterfragt, was genau mich an diesem Bild anspricht und so versucht daraus eine eigene Herangehensweise zu entwickeln. Besonders beeindruckt haben mich dabei immer größere Projekte und zusammenhängende Bildserien, die dem Betrachter eine Geschichte erzählen, ihn mit auf eine Reise nehmen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass auch ich selber heute meist in Bildserien arbeite. Immer mit dem Ziel, den Betrachter an einen anderen Ort zu entführen, ihn mit in meine Welt zu nehmen.

Ich habe keine besonderen Zeiten oder Stimmungen, bei denen ich besonders kreativ werde. Für mich ist absolute Ruhe und Konzentration wichtig. Wenn ich im Stillen konzentriert an einem Wunschmotiv arbeite, dann gerate ich meist in eine Art „Flow“. Ich vergesse alles um mich herum, meine Sinne sind geschärft und ich lebe nur noch in dem einen Moment.

SEIT WANN NUTZT DU NIKON?

Ich nutze Nikon seit dem Beginn meiner Selbstständigkeit 2015. Gründe dafür waren unter anderem die für mich intuitivere Bedienbarkeit und der grandiose Service, auf den ich mich als zukünftiger Profi verlassen wollte.

WELCHEN UMFANG HAT DEIN FOTOEQUIPMENT? MIT WELCHEM OBJEKTIV FOTOGRAFIERST DU AM LIEBSTEN?

Puh, das wird jetzt eine längere Liste! Ich bin als Naturfotograf sehr breit aufgestellt und habe mich bei meinen Motiven kaum spezialisiert. Mein Ziel ist es, immer in einzelnen Projekten nicht nur eine Tierart oder eine Landschaft zu zeigen, sondern eine Stimmung und ein Gefühl zu transportieren. Den Betrachter mit in diese Welt oder an diesen Ort zu ziehen. Aus diesem Grund fotografiere ich vor Ort meistens ganzheitlich und beschäftige mich mit sämtlichen Motiven, die die Natur dort zu bieten hat.

Der Blick in die Baumkronen im Dschungel von Borneo.

In den letzten Jahren hat sich aber eine kleine Leidenschaft für die Tierfotografie entwickelt. Als „Lieblingsobjektiv“ würde ich also mein Nikkor 1:2,8 400mm FL ED VR bezeichnen. Für mich trotz Festbrennweite durch den Einsatz von Konvertern das flexibelste Teleobjektiv für die Tierfotografie. Durch die extreme Offenblende von 2,8 bei 400mm ermöglicht mir diese Optik in „meiner“ Bildsprache zu sprechen.

Ansonsten besitze ich verschieden Kamerabodys von der großen Nikon D5 bis zur handlicheren Nikon D500. Ihr habt zwar nicht gefragt, aber mein neuer Lieblings-Kamerabody ist die Nikon D850. Für mich in der Naturfotografie der perfekte Allrounder und mein momentanes Zugpferd.

Bei den Objektiven verlasse ich mich auf eine breite Palette. Die meist genutzten davon sind das AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, das AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR, das AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR und das AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm 1:2,8G IF-ED.

VERRATE UNS MEHR ZU DEINER ZEIT AUF BORNEO:

Vom Aussterben bedroht: Der Orang-Utan Bestand auf Borneo sinkt zunehmend.

Nahaufnahme eines Borneo-Zwergelefanten.

WIE IST DAS PROJEKT ENTSTANDEN UND WIESO HAST DU DIESES LAND GEWÄHLT?

Wer mich kennt, weiß, dass ich eher so der „nordische Typ“ bin. Trotzdem reizen mich Regenwälder und fremde Kulturen schon mein Leben lang. Für Lisa und mich war das eine völlig neue Art zu verreisen und die bisher weiteste Reise unseres Lebens. Wir wollten einfach mal etwas völlig Neues ausprobieren und uns vor allem auch mal mit kritischeren Themen beschäftigen und selber ausprobieren, ob wir mit meinen Bildern etwas bei den Menschen erreichen können.

In unseren Vorträgen zeigen wir aus diesem Grund auch nicht nur die "heile und paradiesische" Welt, die an einigen Orten noch zu finden ist. Im Vortrag "Borneo – Überreste eines Paradieses" wollen wir viel mehr wach rütteln und auch auf Probleme hinweisen. Ziel ist es, die Menschen zu informieren und Denkanstöße zu geben, wie jeder auch seinen eigenen Konsum einschränken und verbessern kann. Nach unseren Vorträgen bleiben meist Fragen im Publikum offen und wir suchen danach gerne das persönliche Gespräch, um diese bestmöglich zu beantworten.

WELCHE TIERE UND LANDSCHAFTEN STANDEN DORT IM FOKUS?

Wir hatten es bei diesem Projekt auf die üblichen Vertreter des Regenwaldes abgesehen. Im Fokus standen ganz klar die, leider nur noch wenigen, geschützten Regenwaldgebiete und der Orang-Utan sowie die Borneo Zwergelefanten. Zwei Arten die sich nur auf Borneo finden lassen und deren Zukunft auf Grund von immer mehr Palmölplantagen ungewiss ist. Beide Tierarten sind stark vom Aussterben bedroht.

In ein solches Gebiet zu kommen und von den dortigen Problemen quasi "erschlagen" zu werden, führt erstmal zu einer Art "Ohnmacht". Klar, wir haben uns bereits vorher – während der Recherche – intensiv mit den Problematiken beschäftigt. Live ist das dann oft nochmal ganz anders und viel intensiver. Umso ehrgeiziger arbeiten wir dann vor Ort, um das bestmögliche Material mit nach Hause zu bringen. Die Zerstörung auf Borneo hat uns oft wütend und traurig zugleich gestimmt. Ein Grund mehr, die einzigartige Tierwelt festzuhalten und ihnen mit meinen Bildern eine "Stimme" zu geben.

Florian und seine Partnerin Lisa im Regenwald.

WELCHES NIKON-KIT IST DORT ZUM EINSATZ GEKOMMEN?

Vor Ort waren wir mit zwei Nikon D5 und einer Nikon D750 für Zeitrafferaufnahmen ausgestattet. Ansonsten hatten wir natürlich einige Objektive im Einsatz.

Geduld und Ausdauer sind für den Fotografen essentiell bei der Suche nach dem richtigen Motiv.

WIE SEHEN DEINE PLÄNE FÜR DIE ZUKUNFT AUS UND WELCHEN PROJEKTEN WIDMEST DU DICH ALS NÄCHSTES?

Im nächsten Jahr möchte ich vor allem weiter an meinem Projekt über den Norden arbeiten. Ansonsten ist der Um- und Wiederaufbau eines alten LKWs momentan unser größtes Projekt. Wir träumen seit Jahren davon mit so einem Expeditionsmobil die Welt zu erkunden und uns dabei natürlich vor allem mit der Kamera ganz flexibel spannenden Projekten widmen zu können. Das wird alle bisherigen Projekte überschatten, während wir sonst meistens 4-8 Wochen unterwegs waren, planen wir mit dem LKW mindestens zwei Jahre mit „Open End“. Der LKW wird mir als Fotografen die Möglichkeit geben sehr flexibel unterwegs zu sein und dient während der Reise als Basislager. Der Zeitraum des Projektes wird mir außerdem die Möglichkeit geben, meine Projekte vor Ort zu recherchieren und so an viel interessantere Informationen zu kommen, als es zum Beispiel über das Internet möglich wäre.

Geistern auf der Spur: Im norwegischen Forollhogna Nationalpark fand Florian seine bislang scheusten Motive: die Rentiere. Auch in Zukunft zieht es ihn wieder nach Skandinavien.

Wir freuen uns schon auf weitere stimmungsvolle Bilder von Florian und berichten sehr gerne über seine Weltreise. Seid gespannt!

Mehr von Florian und seinen atemberaubenden Abenteuern findet ihr auf seiner Website:

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