Donnerstag, 13. September 2018

Chasing Light: das Spiel von Licht und Nebel

André Alexander und Max Leitner sind von Kindesalter an begeistert von der Fotografie und dem einfangen besonderer Lichtstimmungen und Momente. André nimmt uns auf seinem Instagram-Kanal @Formgestalter mit in eine atemberaubende Reise durch wundervolle Landschaften und Gebiete. Max Leitner liebt Höhen, Architektur und lässt mit seiner Fotografie Alltägliches in einem neuen Licht erscheinen. Zusammen ergeben sie ein perfekten Reise-Team, das luftige Höhen, frühes Aufstehen oder das Campen in freier Natur nicht scheut. Kürzlich waren sie gemeinsam in Madeira unterwegs - herausgekommen ist eine faszinierende Fotoserie der Landschaft mit einem spannenden Spiel von Licht & Nebel.

D850 | 1/400s | f/2.8 | ISO 100

Wie habt ihr euch kennen gelernt und wie kam es zu dieser gemeinsamen Reise?

André: Wir wurden beide im letzten Jahr für eine Fotoreise durch Argentinien gebucht und haben uns hier erstmalig kennen gelernt. Schon während des Aufenthaltes in Argentinien wurde der Entschluss gefasst, bald möglichst wieder etwas gemeinsam unternehmen zu wollen. Der Kontakt ist nach der Reise nicht wie zuvor bei etlichen Treffen mit anderen Fotografen abgebrochen, sondern es herrschte stets ein reger Austausch zwischen uns - so kamen wir auch auf das gemeinsame Madeira Projekt.

D850 | 1/640s | f/2.8 | ISO 200

Wie lange beschäftigt ihr euch schon mit Fotografie und für welche Art schlägt euer Herz besonders?

André: Die Fotografie hat mich schon im Kindesalter gepackt. Ob es in jungen Jahren ein Roadtrip durch die ehemaligen Balkanstaaten oder eine Abenteuerreise zu den hawaiianischen Inseln war - meine Eltern und Großeltern haben mich überall hin mit auf Reisen genommen. Alles wurde mit aufwendigem Equipment festgehalten und so kam ich auch zur Fotografie. Ich möchte mit meiner Arbeit visuelle Reize setzen und dazu motivieren raus in die Natur zu gehen,  die Landschaft fühlen und in den Aufnahmen mit meiner eigenen Bildsprache darstellen. Dazu eignen sich am besten einzigartige Landschaften mit Stimmungen wie bei Sonnenauf- und Untergang.

Max: Ich lebe für Licht. Für mich ist es enorm wichtig das richtige Streiflicht für meine Fotografie zu haben, um spannende und atmosphärische Bidlstimmungen einzufangen. Aber wie so oft ist es am wichtigsten wenn alle Elemente zusammen spielen. Von klein auf hat mich die Fotografie fasziniert, daher habe ich mich für ein Studium in diesem Bereich entschieden und meinen Bachelor in Fine Arts an der School of the Art Institute in Chicago gemacht. Heute kümmere ich mich um persönliche Projekte und arbeite für Kunden in Europa, Asien und dem Nahen Osten. Die Suche nach besondere Orten treibt mich an.

Warum reist ihr gerne, um Fotos aufzunehmen, statt iM Studio?

Max: Die Welt ist da, um gesehen zu werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass kulturelle Wahrnehmung und Teilung grundlegen für Weltfrieden sind. Da ist Reisen das ideale Tool, um möglichst vielen Menschen voneinander zu erzählen.

André: Reisen macht den Kopf frei und eine neue Umgebung steigert mein kreatives Denken ungemein. Die Welt hat so viele Facetten, unterschiedlichste Landschaften, Menschen und Kulturen, da wäre es doch schade, das alles zu verpassen und immer nur an einem Ort zu arbeiten. Deshalb bin ich gerne unterwegs und lerne Neues kennen.

D850 | 1/125s | f/6.3 | ISO 64

Wie sieht euer perfekter Reise-Buddy aus? Habt ihr dies ineinander entdeckt? 😉

André: Max ist schon sehr nah dran an dem perfekten Reise-Buddy. Ich finde wir harmonieren sehr gut miteinander, obwohl er eigentlich aus einem anderen Fotografiegenre stammt. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es so gut funktioniert zwischen uns beiden. Die Herangehensweise ist bei ihm als „gelernter und studierter Fotograf“ ein wenig anders als bei mir, diese Mischung macht es aber aus. Zudem brauche ich jemanden auf meinen Reisen, der mich pusht und bei Allem mitzieht. Egal ob man kaum Schlaf hatte, früh raus oder spät ins Bett muss, über die Grenzen hinaus gehen können und etwas wagen, das sollten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fotoreise sein. Stundenlange Wanderungen mit schwerem Gepäck und nur dem Nötigsten an Proviant oder ein spontanes Treffen am anderen Ende der Welt - Max ist überall dabei und kennt kein Limit, das schätze ich sehr an ihm.

Max: Andre hat eine Art "Gnadenlosigkeit", die Menschen selten mit an den Tag bringen, sei es impulsiv etwas zu entscheiden oder über den verbotenen Zaun zu springen. Andre macht da alles mit ohne lang zu überlegen: Das finde ich super. Reise-Partner müssen immer auf das Projekt eingestimmt sein.

Welches Equipment war mit an Bord und welches Objektiv habt ihr am meisten genutzt?

Wir hatten beide unsere Nikon D850 sowie unsere persönliche "Grundausrüstung" an NIKKOREN mit dabei, wozu das AF-S NIKKOR 14–24 mm 1:2,8G ED, das AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR und das AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8E FL ED VR gehören. Das gibt uns alles, was wir brauchen könnten bei einer lichtstarken 2.8er Blende.

Welches Geheimnis steckt hinter den „moodigen Nebelfotos“?

Max: Nebel bildet Ebenen. Solche Motive zu suchen macht enorm viel Spaß und generiert sehr viel kreative Energie. Derartige Kurzprojekte, helfen mir besonders dabei meine Augen und Motivation zu (re)-vitalisieren.

André: Nebel ist für mich mit das Interessanteste in einem Bild, es gibt der Landschaft eine mystische und magische Stimmung die nicht zu vergleichen ist.

D850 | 1/100s | f/7.1 | ISO 400

Wie früh STEHT IHR für solche Fotos auf?

Das kommt ganz darauf an. Manchmal reicht es nicht nur früh aufzustehen. Trotz unserer Unterkunft für die gesamte Reisezeit, sind wir in Madeira zwei Tage auf Wanderung gegangen und haben draußen in den Bergen im Zelt geschlafen. Im Idealfall fängt man schon vor Sonnenaufgang mit dem Location Scouting an. Oftmals braucht es aber die Sonne und gewisse Lufttemperaturen für Nebel, ein bisschen Glück gehört also auch dazu.

D850 | 1/125s | f/8 | ISO 100

Wie aufregend ist es an einer solch steilen Clippe zu stehen?

André: Für mich ist es weniger aufregend, vielmehr empfinde ich es als ein Gefühl der Freiheit dort zu stehen. Wind und Wellen von so einer Klippe aus spüren zu können ist das Größte.

D850 | 1/250s | f/8 | ISO 250

Ist die Reise verlaufen wie geplant oder gab es spontane Änderungen, Wetterprobleme etc.?

Max: Wir haben uns keine Agenda vorgeschrieben, sondern einfach eine grobe Liste von Orten gemacht, die wir sehen wollten. Da wir einige Tage dort waren, konnten wir an die meisten Stellen sogar öfters.

Was war der lustigste / schockierendste Moment der Reise?

Max: Hoch oben auf den Trails hört man immer wieder deutlichen Grummeln von herabfallenden Felsen, da hofft man sehr, das nichts von Oben hinunter fällt.

André: Mir war dann doch etwas unwohl als Max zum tausendsten Mal auf irgendeinen steilen Felsen/Berg hochgeklettert war und ich ihn dann aber aus den Augen verloren habe und auch nicht mehr per Handy erreichen konnte. Normalerweise vertraue ich auf seine Fähigkeiten, aber da hatte ich ein richtig schlechtes Gefühl. Umso erleichterter war ich, als er nach einer halben Stunde wieder auftauchte. Lustige Momente gab es mehr als genug, da will ich aber gar nicht näher darauf eingehen 😉.

Welche Reise-Buddy-Tipps habt ihr für unsere Leser?

André: Sucht euch jemanden, dem ihr zu hundert Prozent vertraut und auf den ihr euch zu hundert Prozent verlassen könnt. Die sogenannte Chemie muss einfach stimmen, ich denke ein Geheimrezept gib es nicht.

Max: Am wichtigsten ist es vorab die Ziele zu klären, damit am Ende alle auf Ihre Kosten kommen.

D850 | 1/1250s | f/4.5 | ISO 140

Wir wissen gar nicht, wer von euch welches Foto des Trips gemacht hat. Warum habt ihr euch dafür entschieden? Steht ihr so nicht in Konkurrenz und verschleiert euren eigenen Stil?

Einfach mal etwas Neues und frisches ausprobieren, so einfach kann die Antwort sein. Für uns ist es schön eine Handvoll Leute zu haben mit denen man nicht zwingend in Konkurrenz stehen muss. Was wir am meisten aneinander schätzen ist die Loyalität dem anderen gegenüber.

D850 | 1/200s | f/3.5 | ISO 100

D850 | 1/400s | f/4 | ISO 100

Wie schön fandet ihr Madeira? Welche Besonderheiten gibt es dort und warum sollten wir dort auch mal hinfahren?

Max: Nebel ist eine Sache... aber was Portugal betrifft, sind die Menschen auf Madeira die einzigen die es schaffen gut zu würzen. 🤣

André: Die Landschaft mit Flora und Fauna auf so kleiner Fläche ist einmalig. Von wunderschönen Stränden, tropischer Hochebene bis hin zur wahnsinnig beeindruckenden Gebirgslandschaft mit Wasserfällen gibt es unzählige Möglichkeiten die Insel zu entdecken. Die Stimmungen mit Nebel, Hochnebel oder atemberaubenden Sonnenauf- oder Untergängen ist einmalig und aufgrund der geografischen Lage fast garantiert.

Wohin geht euer nächster gemeinsamer Trip?

Das steht noch in den Sternen, zumal wir uns spontan nach Madeira sogar in Vietnam wiedergesehen hatten. Der nächste gemeinsame Trip kommt bestimmt, ob früher oder später. Als Ziel stehen verschiedene Möglichkeiten offen. Seid einfach gespannt wohin uns die Reise führt.

D850 | 1/1000s | f/6.3 | ISO 500

Mehr von André findet ihr hier:

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André in Vietnam

Mehr von Max findet ihr hier:

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Max in Kopenhagen

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