Mittwoch, 21. März 2018

Die Boxer von Bukom

Das neue Fotoprojekt des europäischen Nikon-Ambassadors Ray Demski widmet sich Bukom, einem kleinen Vorort von Ghana, der einige der besten Boxer der Welt hervorgebracht hat. Mit der D850 ist Ray tief in diese Kultur eintgetaucht und zeigt, wie die Boxer trainieren und sich entwickeln. Dabei hat er einheimische Kinder aufgenommen, aber auch legendäre Boxer, die sich weltweit einen Namen gemacht haben.

Boxer Ernest Amuzu und Richard Amefu beim Training in der Stiftung „Charles Quartey Boxing Foundation“ in Accra, Ghana. Nikon D850 + AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8G ED |1/250s | Blende 6,3 | 24 mm | ISO 500

Bukom ist ein kleiner Vorort in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Obwohl der Ort nicht groß ist und die Ressourcen begrenzt sind, hat er eine Reihe hervorragender Boxer von Weltklasseformat hervorgebracht. Dieser Sport dominiert in der Gemeinde, die auf eine lange Geschichte von Kämpfen zurückblickt. Viele der Bewohner können es sich nicht leisten, eine Ausbildung zu bezahlen. Die Karrieremöglichkeiten beschränken sich dann auf Fischer, Arbeiter oder Boxer.

Es gibt in diesem kleinen Vorort unglaublich viele Boxstudios, das sollen über 30 sein. Wir haben also nur an der Oberfläche gekratzt, als wir die bekanntesten darunter besucht haben. Boxen ist so ein wichtiger Teil des Alltags. Jeder hat einen lokalen Champion, geht zu den Kämpfen und unterstützt ihn auch beim Training. Das ist ausgesprochen inspirierend. Wenn man in Bukom in die Klasse der Champion-Boxer aufsteigt, gehört man zu den am meisten respektierten Personen der Stadt.

Boxtrainer Osumanu Nii Amarh Brew aus dem Fitnesszentrum „Attoh Quarshie Boxing Gym“ und der junge Boxer Barnor Wisdom. Nikon D850 + AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8G ED | 1/1600s | Blende 9 | 40 mm | ISO 64
Also war ich neugierig, Bukom kennenzulernen und herauszufinden, was sich hinter den Geschichten meiner Jugend verbirgt. Ich wollte mehr über die Kultur dort erfahren und die Jugendlichen und Legenden kennenlernen, die dort trainieren, damit ich endlich verstehe, was dieser Ort an sich hat, dass er so hervorragende Sportler hervorbringt. Deshalb habe ich die Gelegenheit ergriffen, als man mir anbot, als europäischer Nikon-Ambassador ein Lieblingsprojekt zu verfolgen, und bin nach Accra gereist.

Wie hast du dich auf dieses projekt vorbereitet?

Ich hatte eine vage Vorstellung davon, was ich in Bukom erreichen wollte. Aber weil das Timing für das Projekt mit nur 13 Tagen vor Ort recht kurz angesetzt war, nahmen die Planung und Vorbereitungsarbeiten deutlich mehr Raum ein. Ich habe drei bis vier Monate recherchiert und während der Zeit auch mit einer lokalen Zeitschrift, den „Bukom Boxing News“ und dem lokalen Sportjournalisten Sammy Heywood Okine Kontakt aufgenommen. Beide haben mir sehr geholfen, mich in der Gemeinde vorgestellt und mir gezeigt, welche Studios und Boxer für mein Projekt interessant sein könnten.

Ray hat mehrere Monate mit den Vorbereitungen und Recherchen für das Projekt verbracht und dabei Kontakt mit lokalen Organisationen der Box-Szene aufgenommen, darunter auch Bukom Boxing News und Sportjournalist Sammy Heywood Okine, dessen Unterstützung es ihm ermöglicht hat, die Grundlagen für sein Projekt in Bukom umzusetzen. Was eigentlich ein Bericht für die Sportfotografie werden sollte, entwickelte sich schnell zu etwas anderem. Einem sozialen Projekt, bei dem Ray über 40 Einheimische pro Tag getroffen hat. Ray hat sich am Ende auf sieben verschiedene Fitnessstudios und die Boxer, die dort trainieren, konzentriert.

Wie entstand die Idee für dieses Projekt?

Als Jugendlicher sind meine Familie und ich auf einem Segelboot um die Welt gereist. Jedes Mal, wenn wir vor Anker gingen, haben meine Brüder und ich einen einheimischen Kampfsportler oder einen Kampfsportclub gesucht, um zu trainieren. In gewisser Hinsicht war das unsere Art, mit den Menschen vor Ort Kontakt aufzunehmen und sie kennenzulernen. Während meiner Karriere als Fotograf habe ich viele verschiedene Sportarten aufgenommen, mich aber nie wirklich auf das Boxen konzentriert.

Boxer Atu Ricketts und Emmanuel Fofo Mawuli beim Sparring während des Trainings in der „Charles Quartey Boxing Foundation“. Nikon D850 + AF-S NIKKOR 24 mm 1:1,4G ED | 24 mm | Blende 4 | 1/1250s | ISO 1250

Ein Fixer aus Accra hat sich um die Presse-Ausweise für die Aufnahmen und die Zollformalitäten für die riesige Menge an Ausrüstung, die wir mitgenommen haben, gekümmert. Das war ausgesprochen wichtig. Bei so viel Vorbereitung konnten mein Team und ich unsere Zeit in Accra wirklich nutzen und sofort loslegen.

"Ich wollte in Ghana eigentlich eine Sport- und Actionstory aufnehmen und kam zurück mit etwas, das viel mehr unter die Haut geht. Einer Geschichte von einem kleinen Stadtviertel, das einige der besten Athleten der Welt hervorgebracht hat und auch weiterhin hervorbringen wird. Diese Gemeinde ist dem Boxsport wirklich absolut verschrieben."

Wie können wir uns Bukom vorstellen?

Ghana liegt in der Nähe des Äquators, es war also wirklich, wirklich heiß und die Luftfeuchtigkeit ist zwar hoch, aber durchaus erträglich. Bukom ist ein dicht besiedelter Vorort und irgendwo ist immer etwas los. Wir haben ständig geschwitzt und sind immer wieder auf Orte gestoßen, an denen es kein fließendes Wasser gab. Offene Abwasserkanäle und eine salzig schmeckende Meeresbrise (vermischt mit dem Rauch der geräucherten Fische): das alles macht Bukom aus.

Das Licht dort hat mich völlig überrascht. Da ich mir vorher die Wettervorhersage angeschaut hatte, wusste ich, dass wir mit einer Mischung aus Sonne und Wolken rechnen mussten. Aber am Ende war es viel besser, als ich es mir hätte vorstellen können. Die Sonne ließ sich ab und an durch die Wolken und den Dunst blicken und sorgte für dieses einzigartig diffuse, aber dennoch zielgerichtete Licht.

Ray Demski fängt auf diesem Bild eine Trainingssituation ein: ein Boxer muss gegen drei Trainingspartner gleichzeitig bestehen.

IBO-Weltmeister im Leichtgewicht, Emmanuel Tagoe „Game Boy“ wartet während einer Trainingspause im Fitnesszentrum „Will Power Boxing Gym“ darauf, dass ihm die Boxhandschuhe abgezogen werden.

welche Herausforderungen hast du bewältigt?

Einige der Studios haben kein Dach und der offene wolkenverhangene Himmel bot dann ein fantastisches Hintergrundbild. Der wichtigste Faktor war für mich jedoch der Mensch. Was eigentlich als Sportfotografie-Projekt begonnen hatte, wurde schnell zu einem viel größeren Thema, in dem es um die Gemeinschaft und die Menschen geht. Im Gegensatz zu meinen typischen Actionaufnahmen, bei denen jemand in völliger Einsamkeit an einer Klippe hängt, habe ich diesmal jeden Tag neue Menschen kennengelernt und jeder hatte eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. In diesen beiden Wochen haben die Boxer und ihre Trainer mir und meinem Assistenten Jakob einen Einblick in ihre Welt gestattet, und das mit einer Großzügigkeit, die mich tief berührt hat.

Eine weitere Herausforderung war es (und ist es häufig), zu entscheiden, wann es Zeit war, zu fotografieren oder zu filmen. Da die Fotos die Hauptrolle spielten, waren sie meist als Erstes dran. Aber bei einem Thema, das so viel Action umfasst und einem derart interessanten Ort, wollte ich immer beides gleichzeitig hinkriegen. Zum Glück hatte ich Jakob Schweighofer als Assistenten und 2. Kameramann dabei. Das bedeutet, dass wir gut zusammenarbeiten konnten, um beides zu erreichen.

Boxer Richman Ashiley übt sich während des Trainings im „Bronx Boxing Gym“ im Schattenboxen. Nikon D850 + AF-S NIKKOR 70–200 mm 1:2,8G ED VR II | 150 mm | Blende 9 | 1/800s | ISO 1000

"Was die Ausrüstung angeht war es das erste meiner Projekte dieser Art, bei der ich die D850 verwendet habe. Sie hat genau die Auflösung und den Dynamikumfang, den ich in einem kleinen und extrem schnellen Gehäuse benötigt habe. Das AF-S NIKKOR 24 mm 1:1,4G ED war ideal, um die Action aus nächster Nähe aufzunehmen während ich mit dem AF-S NIKKOR 105 mm 1:1,4E ED hervorragende Porträtaufnahmen machen konnte Das AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8 G ED ist ausgesprochen vielseitig, ein hervorragendes Objektiv für Actionaufnahmen.

All das bedeutet, dass ich den Kampfgeist von Bukom genau so aufnehmen konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es gab viele Momente voller Emotionen und ich werde den Menschen von Bukom immer dankbar für die Art und Weise sein, wie sie mich willkommen geheißen haben."

Boxer Issah Inusa in einer Pause zwischen zwei Runden beim Training im Fitnesszentrum „Attoh Quarshie Boxing Gym“. Nikon D5 + AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8G ED | 1/800 s | Blende 2,8 | 70 mm | ISO 6400

An welchen Moment dieser Reise erinnerst du dich besonders gerne zurück?

Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt und Geschichten gehört, da ist es immer schwierig, nur einen Moment herauszufischen.

An unserem letzten Tag haben wir jedoch auf dem Weg zum Flughafen entschieden, noch einmal bei der Charles Quatey Boxing Foundation vorbeizuschauen. Dieses Boxstudio hat kein Dach und ist nicht nur ein Trainingsraum, sondern beherbergt auch mehrere Kinder der Umgebung. Obwohl es wirklich eines der rauesten Studios ist, die wir besichtigt haben, ist es gleichzeitig auch eines der gastfreundlichsten. Cheftrainer Charles Quartey gehört zu den Menschen in meinem Leben, die mich am meisten inspiriert haben. Als er jung war, hat er selber geboxt. Er hat viel von dem, was er bei seinen Kämpfen verdient hat, in das Studio gesteckt und arbeitet jetzt auch noch nebenbei, um das Studio zu unterstützen und den Kindern, die er dort untergebracht hat, das Essen und eine Ausbildung zu finanzieren. Als wir an diesem letzten Tag unserer Reise dort ankamen, stand er mitten im Zentrum des Studios mit seinen Boxern.


Der junge Boxer Hakeem Nii Nortey Lokko während einer Trainingspause im Fitnesszentrum „Bronx Boxing Gym“. Nikon D850 + AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8G ED | 1/200 s | Blende 4 | 50 mm | ISO 800

Box-Lehrmeister Charles Quartey leitet das Training in der „Charles Quartey Boxing Foundation“. Nikon D850 + AF-S NIKKOR 24–70 mm 1:2,8G ED | 24 mm | Blende 2,8 | 1/125s | ISO 1600

Und in einem Kreis um ihn herum rannten sie alle, junge Kinder und erfahrene Box-Champions gleichermaßen. Er hat sie wirklich hart rangenommen. Gleichzeitig hat er aber auch breit gelächelt. Wir konnten richtig spüren, wie stolz er auf seine boxende Familie ist. Als die Sonne über diesem dachlosen Studio unterging, habe ich diesen magischen Moment eingefangen: Sein Lächeln inmitten einer Gruppe junger Boxtalente.

Was möchtest du mit diesem Projekt vermitteln?

Ich bin nach Ghana gereist und wollte dort eine Sport- und Actionstory aufnehmen. Ich bin mit etwas sehr viel Tiefgreifenderem zurückgekommen, der Geschichte einer boxenden Gemeinschaft, die einige der besten Sportler der Welt hervorgebracht hat und auch weiterhin hervorbringen wird. Ich hoffe nur, dass dieses Projekt der Gegend und den Menschen dort auch etwas zurückgibt. Sie haben mich in ihrer Welt willkommen geheißen und mir erlaubt, mir ihre Arbeit aus einer wirklich einzigartigen Perspektive zu betrachten. Ich hoffe, dass die entstandenen Bilder diesen Sportlern wirklich die Aufmerksamkeit bescheren, die sie verdienen.

hast du einen tipp für andere Fotografen?

Ich liebe meine Arbeit in Puncto Action und Abenteuer. Aber wenn ihr ein persönliches Projekt in Angriff nehmen möchtet, das euch an eure Wurzeln zurückbringt, dann ist es ausgesprochen wichtig, sich Zeit dafür zu nehmen. Boxen und die Kampfkünste waren ein wichtiger Teil meiner Kindheit und dennoch etwas, dem ich lange überhaupt keine Beachtung geschenkt habe. Es war etwas ganz Besonderes, eine Gemeinschaft aufnehmen zu dürfen, die sich durch ihre Liebe zum Boxen definiert. Es hat mich auf eine Art und Weise herausgefordert, die ich mir nie hätte vorstellen können und mich in vieler Hinsicht daran erinnert, warum ich meinen Beruf so sehr liebe.

Wenn ihr vorhabt, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen, dann denkt daran, dass persönliche Arbeit mindestens so wichtig ist wie kommerzielle Arbeit. Ihr solltet euch Zeit nehmen, um euch mit den Dingen zu beschäftigen mit denen ihr euch identifizieren könnt - so werdet ihr selbst Teil des Projektes.

I AM RAY DEMSKI

Ray Demski lebt in München und wird von Upfront repräsentiert. Er gehört heute zu den interessantesten Action- und Abenteuer-Fotografen der Welt. Ray ist in den kanadischen Rocky Mountains aufgewachsen und hat sich schon immer gerne an der frischen Luft aufgehalten. Diese Leidenschaft wurde dann noch von der Tatsache genährt, dass er schon ab dem zarten Alter von 14 Jahren sieben Jahre auf einem 37 Meter langem Segelboot um die Welt gesegelt ist. Während dieser Zeit nahm er seine erste Kamera in die Hand und dokumentierte mit Begeisterung die Menschen und Landschaften um ihn herum. Gleichzeitig betrieb er gerne Sport und entwickelte sich auch auf diesem Gebiet weiter. Im Jahr 2007, 40 Länder und fast 7 Jahre später, machte er sein Hobby zum Beruf. Ray ist auf Action- und Abenteuerfotografie spezialisiert und baut auf seine körperliche Fitness, um immer wieder Aufnahmen aus neuen Blickwinkeln zu fotografieren.

RayDemski.com

 
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