AARON PÜTTMANN ERZÄHLT ÜBER PLANESPOTTING MIT DER NIKON Z 7

Dienstag, 10. März 2020

Wer sich für Luftfahrt und Planespotting, also das Fotografieren von Flugzeugen, interessiert, kommt um Aaron Püttmann kaum herum. Der begeisterte Luftfahrt-Blogger erzählt uns über seine Anfänge, die besten Spotter-Tricks und seine Jagd nach dem perfekten Bild mit der Nikon Z 7.

Deine Seite “Pilotstories” ist schon etwas Besonderes. Dort gibst du Einblicke und Informationen in die Welt des Fliegens. Wie bist du dazu gekommen?

Flugzeuge, die Fliegerei und alles Drumherum haben mich schon immer interessiert und fasziniert. Das begleitete mich bis zur Berufswahl. Meine Mutter war Flugbegleiterin, so durfte ich im Alter von etwa zehn Jahren das erste Mal im Cockpit mitfliegen. Ich erinnere mich bis heute, es war der Silvesterabend 2002 und wir flogen nach Paris. Danach war es um mich geschehen. So kam es dann nach der Schulzeit zum Studium im Luftverkehr.

Aktuell arbeite ich als Cargo Charter Consultant in Frankfurt. Da betreue ich Projekte rund um die Beratung, den Vertrieb und die Durchführung von Sondertransporten per Flugzeug. Von „sehr eilig“ bis zu „riesengroß“ ist da alles dabei. Da ich inzwischen Storys über Piloten schreibe, passt der Name “Pilotstories” ja auch. Ich durfte schon einige Piloten bei Kurz- oder Langstreckenflügen begleiten, ihnen über die Schulter schauen und fotografieren, um das Berufsbild zu porträtieren.

Eine Boeing 747-400F beim Start in Frankfurt | Nikon Z 7 | 1/2000s | f/8 | ISO 800

Das bedeutet, die Fotografie steht beruflich nicht im Mittelpunkt?

Genau, das hat sich aber inzwischen glücklicherweise vom Hobby zum zweiten Standbein entwickelt. Die Bereiche Luftfahrt und Fotografie lassen sich doch auch sehr schön und interessant verbinden. Flugzeuge faszinieren mich immer wieder aufs Neue; aber auch alles, was dahinter an Management und Logistik steckt. Während des Studiums begann ich mit dem Planespotting. Da ich schon immer gerne und viel über Flugzeuge erzählt habe, begann ich mit meiner Website, zuerst mit dem Ziel, in verständlicher Weise die Faszination Luftfahrt näherzubringen. Um nicht auf Stock-Fotos zugreifen zu müssen, füllte ich meinen Fundus immer mehr, so ging meine Leidenschaft Hand in Hand mit dem beruflichen Werdegang.

Planespotting ist inzwischen eine eigene Sparte der Fotografie mit wachsender Community. Wie funktioniert das genau, was ist Planespotting eigentlich und gibt es Tipps, was dabei zu beachten ist?

Flugzeuge abzulichten ist nicht immer einfach. Wie immer in der Fotografie spielen die Lichtverhältnisse eine enorme Rolle. Gegenlicht kann wundervolle Stimmungen erzeugen, ist allerdings natürlich auch sehr komplex. Morgen- oder Abendsonne eignet sich hier besonders gut, da das Licht nicht so scharf von oben kommt und harte Schatten wirft. Manche Flughäfen sind besonders spotterfreundlich. Hier in Frankfurt am Main zum Beispiel gibt es um das ganze Gelände richtige Spotterpoints. Der sogenannte „Affenfelsen“ liegt auf einem Hügel in direkter Linie zum Runway, sodass man einen tollen Blick auf den Flughafen und die Flugzeuge hat. Einen Faktor, der sich nicht beeinflussen lässt, aber beachtet werden muss, sind die Windverhältnisse. Von diesen hängt die Einflugsrichtung der Maschinen ab. Hier können Apps, die Wind und Wetter vorhersagen, enorm helfen. Doch oft – bei wechselnder Windrichtung – ist es auch ein Glücksspiel. Es ist leider nie sicher, ob das gewünschte Flugzeug dann auf eben der gewählten Landebahn anfliegt. Da habe ich auch schon ein paar spontane schnelle Autofahrten hinter mir, um doch richtig zu stehen. Außerdem bewegen sich Flugzeuge natürlich recht schnell – hier ist eine schnelle Auslösezeit und eine ruhige Hand, oder im Idealfall beides, wichtig.

Sieht das Thema Planespotting jeder Flughafen so entspannt?

Es gibt aber auch Flughäfen, welche es den Spottern nicht so leicht machen und das Fotografieren nicht erwünscht ist. Dort kann man sich mit einer Leiter eventuell helfen, sollte dies jedoch nicht übertreiben, da man sonst schnell die Security auf den Plan ruft. In Köln beispielsweise wurden vor Kurzem sogar Löcher in den Zaun geschnitten – sowas geht gar nicht und kann die gesamte Szene in Verruf bringen.

Die Concorde | Nikon Z 7 | 1/800s | f/8 | ISO 100

Die meisten deutschen Flughäfen jedoch unterstützen das und sehen es auch gerne, wenn viele Besucher kommen. Was auch ganz cool ist, ist der Flughafen in Zürich. Dort wird die Spotterszene sehr aktiv unterstützt. Beispielsweise durch Cafés direkt am Runway oder einen Grillimbiss. Letztendlich profitiert der Flughafenbetreiber somit auch von den Besuchern. Außerhalb der gängigen offiziellen Spotting-Punkte kann man sich natürlich auch kreativ selbst legale Plätze in Flughafennähe suchen.

Eine Boeing 767 in der Abendsonne | Nikon Z 7 | 1/8000s | f/8 | ISO 50

Was motiviert Spotter denn in der Regel?

Bei den Planespottern gibt meiner Meinung nach zwei Arten. Da sind einmal diejenigen, die Flugzeuge regelrecht nach ihren Kennzeichen „sammeln“. Da werden von Airlines möglichst viele Registrierungen gesammelt, sie versuchen, wenn möglich, die gesamte Flotte abzulichten. Hier wird also eher auf die „Dokumentation“ Wert gelegt und der Bearbeitungsstil fällt eher natürlich aus. Und dann gibt es so Typen wie mich, bei denen das künstlerische Foto mit Perspektive und Stimmung im Vordergrund steht. Natürlich freue ich mich aber auch, „seltene Objekte“ vor die Linse zu bekommen.

Gibt es ein bestimmtes Flugzeug oder Modell, welches du gerne erwischen würdest?

Ja, das ist eine spezielle Boeing 747 SP, welche vom DLR und der NASA gemeinsam mit einem Weltraum-Teleskop betrieben wird, die „SOFIA“. Ich habe die Maschine zufällig in Hannover starten sehen, die würde ich sehr gerne mal ablichten. Vor Kurzem hat sie für ein Projekt Stuttgart angeflogen. Leider war ich da zeitlich verhindert. Ansonsten auch sehr gerne noch einmal eine Antonov-225 im Flug. Die habe ich bisher nur am Boden auf einer Messe gesehen. Das ist das größte Frachtflugzeug der Welt und ist sehr beeindruckend. Und natürlich die Air Force One; die hat sich bisher auch noch nicht ergeben. Da diese bald von einem moderneren 747-Modell abgelöst wird, wäre das auch noch so ein Wunschmotiv. Okay, ein bisschen Jagdtrieb ist auch bei mir beim Spotten dabei!

Was passiert eigentlich mit den Fotos der „erjagten“ Flugzeuge? Wird da dann auf Plattformen getauscht oder wie stellen wir uns das vor?

Die entstandenen Bilder mache ich in erster Linie für mich privat zum „immer mal anschauen“. Manche hängen auch an der Wand. Natürlich findet ihr auch vieles auf meiner Webseite und Social Media. Seit kurzem biete ich, nachdem ich von vielen gefragt wurde, auch Prints meiner Bilder an. Die wirklichen Spotter-Webseiten sind Seiten wie airliners.net oder jetphotos.net. Da laden tausende Spotter aus aller Welt ihre Bilder hoch. Trotzdem gelten dort hohe Qualitätskriterien, diese Plattformen verstehen sich als riesige Flugzeugbilder-Datenbank. Ich selbst bin da aber eher weniger aktiv und versuche, meine eigenen Kanäle zu bespielen.

Du fotografierst aber auch unterwegs: Welche Geschichten sollen deine Dokumentationen erzählen? Planst Du vorher, was im Cockpit festgehalten wird?

Im Prinzip begleite ich immer eine Crew über den gesamten Arbeitstag und dokumentiere diesen. Da sind feste Abläufe und Routinen mit dabei und planbar. Beim vorherigen Briefing kann ich die Crew zum Beispiel beim Studieren der Wetterdaten festhalten – und bei den Flugvorbereitungen außerhalb des Cockpits. Später kommen dann die Checks in der Kanzel vor dem Start. Beim Start schätze ich übrigens besonders, dass ich mit der Nikon Z 7 einen elektronischen Verschluss habe, der somit geräuschlos ist und keinen ablenkt. Im Flug werden dann verschiedenste Situationen festgehalten. Am Zielflughafen und bei den Rückflug-Vorbereitungen läuft es dann nochmals ähnlich ab.

Du zeigst deine Werke auch auf Instagram deinen 70.000 Followern, wie wichtig ist das für dich? Interagierst du mit denen?

Zu Beginn habe ich Instagram witzigerweise genutzt, um meinen Blog zu promoten – nun ist es eher umgekehrt, durch die Instagram-Reichweite kommen viele neugewonnene Follower nun langsam auf meinen Blog zurück. Ich poste nahezu täglich, aber nur, ohne mich dazu gezwungen zu fühlen, sondern weil ich das möchte. Ich antworte auch gerne und oft auf Kommentare. Die Community ist in der Luftfahrt doch sehr begeistert dabei und der Austausch macht immer Spaß. Am meisten mag ich den Networking-Aspekt von Instagram. Man lernt viele Gleichgesinnte kennen und ich habe hierdurch einige Freunde im echten Leben gefunden!Mir ist dabei auch wichtig, Hintergrundinformationen und Fachwissen auszutauschen. Auch Einstellungen und solche Dinge werden erfragt oder Details über die Technik und Optik.

Genau das möchten wir als Nächstes von dir wissen: Welches Equipment nutzt du?

Da man beim Planespotting üblicherweise von weiter weg fotografiert, sind lange Brennweiten gefragt. Da nehme ich das AF-S NIKKOR 200-500 mm 1:5,6E ED VR an der Nikon Z 7. Wenn die Lichtverhältnisse schlechter sind und ich die ISO nicht unendlich hochschrauben möchte, verwende ich das AF-S NIKKOR 70-200 mm 1:2,8E FL ED VR, damit wird auch bei Offenblende das Motiv nicht verwackelt und schön scharf. Zusätzlich, falls man doch mal etwas näher dran ist habe ich auch immer das AF-S NIKKOR 24 mm 1:1,4G ED dabei. Falls man zum Beispiel mal aufs Vorfeld kann.

Bei der Reportage im Cockpit zum Beispiel wird weitwinkliges Glas benötigt. Da nutze ich den Bereich 24 mm, sehr oft auch das AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G. Am Himmel ist es mit den Lichtverhältnissen im Cockpit sehr schwierig, draußen ist es sehr hell, innen deutlich dunkler. Da versuche ich immer, etwas unterzubelichten, um später die Dynamik im Himmel noch zu haben, aber auch nicht die Details im Cockpit zu verlieren. Da es im Cockpit nahezu immer leicht wackelt und ein Stativ natürlich nicht in Frage kommt sind kurze Belichtungszeiten enorm wichtig. Da brauche ich lichtstarke Objektive. Das Tele lasse ich da meistens zuhause, wobei ich es hin und wieder vermisse: Da fliegst du 300 Meter über einem anderen Flugzeug, darunter liegt eine herrliche Berglandschaft, wundervolles Motiv mit einem Zoom – da komme ich mit 35 mm nicht weit und genieße dann ohne zu fotografieren den Anblick.

Die Alpen aus dem Cockpit | Nikon Z 7 | 1/2000s | f/8 | ISO 100

Aaron Püttmann beim Plainspotting mit der Nikon Z 7

Was schätzt du an Nikon?

Ich habe zuvor andere Hersteller verwendet, bin dann bei Nikon gelandet und absolut begeistert. Die Ergonomie passt, die intuitive Bedienung läuft flüssig, der Sensor ist super, die Dynamik schlicht beeindruckend. Der Weg zum guten Bild macht mit Nikon einfach Spaß. Der elektronische Sucher der Nikon Z 7 ist echt klasse, man bekommt beim Betrachten schon wirklich eine Idee, wie das Bild am Ende ausschaut.

Kommen wir abschließend zu deinen Zukunftsplänen. Was steht da für dich an?

Ich hoffe auf viele weitere spannende Projekte rund um die Luftfahrt. Ich würde mich freuen, den Flugschein selbst noch in Angriff zu nehmen.

WHAT'S IN MY BAG

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