ALINA RUDYA

Geboren in der Ukraine, aus Prypyat bei Tschernobyl evakuiert, aufgewachsen in Kiew, Studium in New York und Berlin, wo sie auch heute noch lebt: Die 34-jährige Fotografin Alina Rudya hat ein bewegtes Leben. Drei Wochen im Monat ist sie normalerweise auf Reisen. Ihren Fotografe-Stil beschreibt sie als poetisches Storytelling.

Burning Man

USA Roadtrip

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Landmannalaugar

El Hornocal

Wie & wann bist du zur Fotografie gekommen?

Ich bin in Kiew in der Ukraine geboren und aufgewachsen. Ich habe Politikwissenschaft und Journalismus studiert, bevor ich nach Berlin kam, um ein Studium der Visuellen Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin abzuschließen. Ich habe Fotografie am Lette-Verein und an der Parsons School of Design (New York) studiert.

Angefangen zu fotografieren habe ich schon, als ich zehn Jahre alt war. Mein Vater gab mir meine erste Plastikkamera, natürlich noch mit Film. Er war Atomphysiker und arbeitete in Tschernobyl, hatte aber auch eine große Leidenschaft für die Fotografie. Das habe ich wohl von ihm geerbt.

Anouk

In Griechenland

Was gehört alles zu deiner Foto-Ausrüstung?

Ich habe viele Kameras, aber meine Lieblingskamera ist die Nikon D850. Wobei ich sagen muss, dass ich seit kurzem auch sehr oft mit der Nikon Z 6 unterwegs bin und die ist super zum Reisen! Ich habe auch eine analoge Nikon FE, die ich zu besonderen Anlässen benutze.

Ich verwende hauptsächlich drei Objektive: das AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,4G (der Klassiker für Porträts), das AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR oder an meiner Z 6 das NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S und meinen Favoriten das AF-S NIKKOR 70-200 mm 1:2,8E FL ED VR – es ist scharf und fängt den Raum gut ein. Deshalb ist es auf meinen Reisen immer mit dabei. Es ist zwar ziemlich schwer, aber das ist es auf jeden Fall wert.

Was treibt dich an? Woher nimmst du deine Inspiration?

Seit ich neun Jahre alt war und mein Vater mir eine Ausgabe des National Geographic Magazins aus dem Ausland mitgebracht hat, wollte ich eine Reisende und Abenteurerin sein. Meine Lieblingsbücher als Kind waren die Abenteuer von Huckleberry Finn und Bücher über Reisen von Thor Heyerdahl, im Fernsehen die Expeditionen von Jacques-Yves Cousteau. Meine Eltern standen meinen Träumen nie im Weg und obwohl ich in jungen Jahren nicht die Möglichkeit hatte, viel ins Ausland zu reisen, gingen wir mit meinen Eltern immer auf kleine Abenteuer – meist mit meinem Vater.


Was macht dich zu einem Original?

Ich bin besessen von Licht und Farben. Ich finde sie überall. Ich fotografiere keine reinen Landschaften, denn ich versuche immer, eine Geschichte hinter einem Bild zu finden. Wenn ich reise, will ich Einheimische treffen und versuchen, den Ort durch ihre Augen zu sehen. Ich würde meinen Stil als “poetisches Geschichtenerzählen” bezeichnen, besonders wenn es um meinen Instagram-Account @alina_rudya geht.


Love Tunnel

Prypat mon Amour von Alina Rudya

Prypat mon Amour von Alina Rudya

Was war für dich die bisher herausforderndste Situation als Fotografin?

Eines meiner schwierigsten und wichtigsten Projekte war die Arbeit an meinem Buch „Prypyat mon Amour“. Ich wurde als Baby aus Prypyat, in der Nähe von Tschernobyl, wegen der Atomkatastrophe evakuiert. Ich habe mehrere Jahre lang an einem Bildband gearbeitet, in dem ich Menschen, die wie ich aus der Geisterstadt evakuiert wurden, porträtiere – und zwar während sie in ihre alten Wohnungen und Orte der Erinnerung zurückkehren und ihre Geschichten und Emotionen mit mir teilen. Meine Reisen zurück in die verlassene Evakuierungszone von Tschernobyl waren emotional sehr herausfordernd.

Eine weitere visuell atemberaubende und herausfordernde Erfahrung war das Fotografieren beim Burning Man Festival in Nevada, USA. Ich musste meine Kamera mit Klebeband vor Staub und Wüstensand schützen – aber die Fotos von dort waren außerirdisch. Der ganze Ort und das, wofür das Festival steht, ist für Fotografen einfach klasse.

Ich kann nicht stillsitzen. Wann immer ich beruflich auf Reisen oder im Urlaub bin - ich mache Fotos. Es ist manchmal schwer für diejenigen um mich herum, die nichts mit Fotografie zu tun haben. Es kommt schonmal vor, dass ich 30 Minuten lang an einem Ort warte, bis das Licht perfekt ist oder sonst irgendwie die optimale Situation zum Fotografieren eintritt. Ich suche immer nach Großartigem um mich herum – und ich bin unermüdlich dabei, es zu finden.


Du hast bereits einige Bücher veröffentlicht. Welches war bislang dein Lieblings-Buchprojekt und werden bald noch weitere kommen?

Mein bereits erwähntes Buch „Prypyat mon Amour“ ist wahrscheinlich mein bisher wichtigstes Projekt. Es ist ein dokumentarisches und erzählerisches Projekt, das sich mit Nostalgie, Erinnerungen, persönlicher Geschichte und manchmal Trauer beschäftigt. Im Moment setze ich meine Arbeit in der Tschernobyl-Ausschlusszone an einem neuen Projekt fort, das ich hoffentlich im nächsten Jahr veröffentlichen werde.

Las Vegas

Ein eher lustiges Projekt ist ein englischsprachiger Reiseführer von Locals für Touristen, die in die ukrainische Hauptstadt Kiew kommen. Daran habe ich zusammen mit drei Freundinnen gearbeitet. Wir hatten festgestellt, dass es keinen Reiseführer gibt, den wir stolz unseren Freunden aus dem Ausland präsentieren würden und so haben wir beschlossen, selbst einen zu erstellen – ich habe meine Social-Media-Erfahrung hier genutzt, um die Kiewer Fotocommunity zu motivieren, ihr eigenes Projekt mit unserem Hashtag #kyivbylocals einzureichen. Am Ende landeten die besten Bilder sowohl im Reiseführer als auch in einer Ausstellung. Viele der anderen Fotos im Reiseführer stammen von mir, darunter Porträts zu Interviews mit prominenten Einheimischen. Ich bin sehr froh, dass ich Besuchern so meine Heimatstadt in einem neuen und frischen Licht zeigen kann.

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