Montag, 20. August 2018

Sonja Saur

Nikon-Fotografin Sonja Saurliebt es mit Bildern Geschichten zu erzählen und den Betrachter für einen Moment aus der Realität zu entführen. Ihre Geschichten leben von knalligen Farben, fantasievollen Inszenierungen und Kulissen in der Natur. Gerne nutzt Sonja das Naturlicht, besonders Sonnenuntergänge, um eine besondere Atmosphäre in ihren Bildern zu schaffen.

Model: Constance Wambui | Headpiece: Elysian Fantasy Artistry | D800 | 1/160s | f/11 | ISO 100

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Die Begeisterung für die Fotografie teile ich mit meinem Papa. Er war schon immer – und ist das bis heute – begeisterter Hobbyfotograf und –filmer. Mein liebstes Hobby in der Grundschule war es, mit meiner Freundin durch die Gegend zu laufen und Videos zu drehen: Die Vlogs der Internet-Steinzeit.

Model: Maria Amanda | Kleid: Fraise Au Loup | D800 | 1/640s | f/4 | ISO 200

Mit den ersten Social Media-Kontakten entstand die dringende Notwendigkeit professioneller Profilfotos: Mit Bauleuchten und einer Kompaktkamera ausgestattet begaben wir uns nach aufwändigem Styling auf die Suche nach spektakulären Kulissen, um uns gegenseitig abzulichten und damit bei Wer-kennt-wen, Studi-VZ und Abgefuckt-liebt-dich so richtig Eindruck zu schinden. Kennt ihr das noch? ;-)


Weiter ging es als Model für verschiedene Hobbyfotografen im Bereich der inszenierten Fotografie. Während man alles, was bis zu diesem Zeitpunkt passiert war, als Amateur-Fotografie bezeichnen kann, wurde es ganz plötzlich professionell: Erfahrene Fotografen, gute Ausrüstung und Fotos, die ich bis heute mag – aber eben noch auf der anderen Seite der Linse. Die Fotografen, die ich als Model kennengelernt habe, haben mich dann an die Kunst des Fotografierens herangeführt und alle meine Fragen beantwortet.


Meine erste „richtige“ Kamera war die Nikon D40. Als dann Ende 2010 mein Bausparvertrag auslief, durften die Nikon D7000 und Studiolampen für mein Wohnzimmer-Studio einziehen. Im November 2012 habe ich mit einem befreundeten Fotografen und meinem damaligen Mentor ein Studio in Trier eröffnet. 2013 kam eine Nikon D800 dazu, die mich bis heute begleitet. Anfang 2014 bin ich der Liebe wegen ins Saarland gezogen und habe die wunderbare Kostümdesignerin Rachel Epley von Elysian Fantasy Artistry kennengelernt. Unsere gemeinsame Leidenschaft für die Fotografie hat uns einerseits zu besten Freundinnen gemacht und andererseits fotografisch enorm vorangebracht. Jede freie Minute – damals noch neben meinem Vollzeitjob im Krankenhaus – haben wir mit Kamera und Kostümen verbracht.


Nach der Geburt meiner Tochter 2016 kam dann die Entscheidung für die Selbständigkeit. Während ich meine Leidenschaft bis dahin fast ausschließlich im Bereich der Fantasy-Fotografie ausgelebt hatte, habe ich mein Portfolio in dieser Zeit um die Familienfotografie erweitern. Die Liebe für die Erstere ist bis heute riesig, findet ihren Platz aber zunehmend in meiner Freizeit.

Mit welchem Objektiv fotografierst du am liebsten?

Mein Herz schlägt für sehr offenblendige Objektive. Daher ist besonders häufig das AF-S NIKKOR 105 mm 1:1,4E ED das Objektiv meiner Wahl.


Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich meine große Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Fotografie ist für mich so viel mehr als nur ein Job. Inspiration finde ich überall. Ob Kostüme, Menschen, Bücher, Orte oder auch Träume - vor meinem geistigen Auge entsteht sofort das dazu passende Foto. Als ich mit der Fotografie begonnen habe, hat mich überwiegend die Arbeit anderer Fotografen inspiriert. Ich wollte testen, ob ich ein bestimmtes Motiv ähnlich interessant umsetzen kann. Besonders hat hier Jamari Lior meinen Weg geprägt. Noch heute fasziniert und inspiriert mich ihre Arbeit und aus anfänglicher Bewunderung ist Freundschaft geworden.
Mit der Zeit hat sich nicht nur das Auge für die Fotografie weiter entwickelt, sondern auch die Kreativität. An Inspiration und Visionen mangelt es wahrlich nicht, vielmehr an der Zeit zur Umsetzung.


Was, wann und wo fotografierst du am liebsten?

Am Liebsten fotografiere ich Menschen in fantasievollen Kostümen, z. B. Cosplayer. Das Wo spielt eine untergeordnete Rolle. Der Großteil meiner Aufnahmen entsteht in der Natur, sie bietet einfach eine unbegrenzte Vielfalt an verschiedensten Kulissen. Ich liebe es, spazieren zu gehen und schöne Plätze zu erkunden. Seit ich fotografiere, sehe ich die Welt mit komplett anderen Augen und nehme meine Umgebung viel intensiver wahr. Wann? Wann immer ich Zeit habe, was -seitdem ich selbständig bin und eine Tochter habe- deutlich weniger geworden ist! Aber ich habe einige Wochenenden im Jahr, an denen ich für die Fotografie verreise. Dieses Jahr z. B. nach Paris, in die Sahara und nach Amerika. 

Model: Gabriela Porter | Outfit: Elysian Fantasy Artistry | D800 | 1/640s | f/1.8 | ISO 100

Was macht dich zu einem Original?

Viele beschreiben meinen Bildstil als märchenhaft, fantasievoll und doch noch realistisch. Meine Bilder leben außerdem von Farbe. Selbst wenn ich versuche, eher schlicht zu bearbeiten, wird es am Ende doch meist sehr knallig. Ich denke, die Mischung macht mich zu einem Original. Außerdem war ich eine der ersten, die diese Art der inszenierten Fotografie in Kombination mit dem farbintensiven Bearbeitungsstil, mit aufwändigen Kostümen und prunkvollem Kopfschmuck in Deutschland umgesetzt hat.

Model: Dunja | Outfit: Arthemis Maskenbild | D800 | 1/160s | f/2.8 | ISO 160

Model: Gabriela Porter | Outfit: Elysian Fantasy Artistry | D800 | 1/160s | f/1.8 | ISO 100

Was war für dich die bisher herausforderndste Situation als Fotografin?

Da gab es schon einige und sicherlich fallen mir viele auch schon gar nicht mehr ein. Ich gehe für meine Bilder an jedes Limit und habe auch schon des Öfteren meine Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Unterwassershootings sind definitiv eine große Herausforderung. Ich muss nicht nur auf das Model und die Kamera achten, das Fotografieren unter Wasser ist körperlich extrem anstrengend und die Kommunikation nahezu unmöglich.


Was fasziniert dich an der inszenierten People-Fotografie und Fantasiewelten besonders?

Ich kann aus Alltag und Realität fliehen, in ferne Welten eintauchen und diese gar erschaffen. Als Kind war ich nie beliebt in der Schule, ich war immer eine Außenseiterin, wurde gemobbt und hatte kaum Freunde.

Damals habe ich viel gemalt – was ich auch heute noch tue, nur eben in Form von Bildbearbeitung auf Fotografien. Die Flucht in Fantasiewelten hat mein Leben schon immer bereichert.

Model: Su | Outfit: Jumeria Creations | D800 | 1/640s | f/2.8 | ISO 500

Model: Lu Schnürschu | Outfit: Sirenpearls | D800 | 1/500s | f/2.2 | ISO 100

Einige deiner Fotos sind mit Wölfen entstanden – wie ist die Arbeit mit solchen Tieren?

So faszinierend Wölfe sind, so scheu sind sie auch. Eines der Tiere, mit denen ich zusammengearbeitet habe, stammt direkt vom Wolf ab und ist entsprechend menschenscheu. Nach einem abenteuerlichen Aufstieg AUF einen Wasserfall musste ich „aus sicherer Entfernung“ fotografieren, um das Tier nicht zu verschrecken. Der Großteil der Wolfshunde, mit denen ich arbeite, ist jedoch sehr gut mit Menschen sozialisiert und verhält sich im Grunde ähnlich wie Hunde. Und da ich selbst ein absoluter Hundenarr bin, liebe ich die Arbeit mit diesen wunderbaren Tieren.

Model: Melina Roß | Kleid: Elysian Fantasy Artistry

Model: Manuela Flick | Kleid: Glücksklee Couture

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