Eure Kamera ist auf dem Weg zum perfekten Bild nur das drittwichtigste Element. Am wichtigsten ist euer Blick und gleich danach kommt schon das Objektiv. Nur mit einem sehr guten Objektiv kann eine sehr gute Kamera ihr Potenzial entfalten. Mit eurer Nikon-Vollformatkamera könnt ihr dabei zum Glück aus dem Vollen schöpfen.

Ein unvollständiges Familienfoto.

Nikon-Vielfalt

Im aktuellen Programm haben wir über 100 Objektive (plus 5 Telekonverter). Von diesen sind 80 Vollformatobjektive, 66 mit F-Bajonettanschluss und 16 für das Z-Bajonett. Alle diese Objektive sind jeweils an eurer Nikon-DSLR oder Spiegellosen verwendbar. Dies gilt für alle NIKKOR-Objektive – egal, ob F- oder Z-Bajonett –, die kein »DX« in ihrer Typbezeichnung haben. (DX-NIKKORE sind für das kleinere DX-Bildformat konstruiert. So sind sie kleiner und leichter, aber leuchten eben an einer Vollformatkamera nur einen Teil des Bildfeldes aus, sodass ihr in dieser Kombination eben nur das DX-Format nutzen könnt. Immerhin: Das geht auch.)

Ganz allgemein unterscheidet man NIKKOR-Objektive im Wesentlichen nach zwei Kategorien: dem Bajonettanschluss und dem Bildformat.

Oben eine Auswahl von NIKKOR F-, unten von NIKKOR Z-Objektiven.

F- vs. Z-Bajonett

Das F-Bajonett begleitet Nikon seit der ersten analogen Nikon F aus dem Jahre 1959 und wurde im Laufe der Zeit bis heute immer weiter modernisiert. Und das mit einem unglaublichen Maß an Rückwärtskompatibilität: Fast alle F-NIKKORe, die seit 1977 auf den Markt gekommen sind, lassen sich, je nach Kameramodell, noch immer verwenden. Mit dem spiegellosen System der Nikon-Z-Modelle haben wir 2018 das neue Z-Bajonett präsentiert. Es bietet in vielen Details eine deutliche Verbesserung, besseren Zugriff auf modernste Technologien und wesentlich mehr Freiheiten für unsere Optik-Ingenieure.

FX vs. DX 

Das FX- oder Vollformat entspricht exakt dem analogen Kleinbildformat von 36 x 24 mm. Mit ca. 24 x 18 mm hat das DX-Format nur etwa die halbe Fläche und es kommt zur scheinbaren Brennweitenverlängerung um den Faktor 1,5.

Vorteile des Vollformats

Ein großer Sensor erfordert auch große Objektive. Ist das viele Glas in eurer Fototasche den Aufwand Wert? Spoiler: Ja.

Tiefenschärfe

Wie weit sich die Tiefenschärfe (oder unseretwegen »Schärfentiefe«, wenn euch das Wort besser gefällt) ausdehnt, hängt von der Blende ab, aber eben auch von der Perspektive und der Brennweite. Hier kommt das Format ins Spiel: 

Wenn ihr vom selben Standort ein Foto mit zwei unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlich großen Sensoren macht, müsst ihr dafür automatisch unterschiedliche Brennweiten nutzen. Wo ihr an einer Vollformatkamera ein 50-mm-Objektiv nutzt, braucht ihr an einer DX-Format-Kamera (scheinbarer Verlängerungsfaktor 1,5) eine Brennweite von etwa 35 mm. Angenommen, beide Objektive haben dieselbe Lichtstärke und die Blende wäre voll geöffnet. Trotzdem wäre die Tiefenschärfe des DX-Objektivs schon bei Offenblende weiter ausgedehnt als beim FX-Objektiv, denn auch die Eintrittspupille wäre auf das 1/1,5-Fache reduziert. Also etwas mehr als eine Blendenstufe (Faktor 1,4).

Detailschärfe

Ein großer Sensor bedeutet (bei gleicher Pixelzahl) einen größeren Abstand von einem Pixel zum nächsten (gemeint ist von Mitte zu Mitte). Wo bei kleineren Systemen die physikalisch bedingten Abbildungsfehler zu einem »Verschmieren« von Punkten über die Pixelgrenzen hinweg führt, ist das Bild auf einem Vollformatsensor von Pixel zu Pixel sehr viel klarer differenziert. Ihr bekommt einfach sichtbar mehr Detailschärfe. Ihr kennt vielleicht Beugungsunschärfe. In Kürze: Es ist ein wellenoptisches Phänomen, das bei kleinen Blendenöffnungen eure Bilder unschärfer macht (mehr zu dem Thema findet ihr in unserem Artikel zur Belichtungssteuerung).

Aufgenommen mit dem NIKKOR Z 50 mm 1:1,2 S

Mit großen und mittleren Blendenöffnungen dürft ihr dieses Phänomen getrost vergessen. Für euch als FX-Fotografen kommt sie erst ab Blende 16-22 zum Tragen. Aber da Beugung nicht nach Blendenzahlen fragt, sondern von der Größe einer Pupille abhängt, nimmt die Wirkung der Beugung ebenfalls mit kleineren Sensoren zu. Handykameras müssen deshalb schon bei Offenblende digital gegensteuern.

Dynamikumfang

Stellt euch zwei unterschiedlich große Sensoren vor, aber mit der gleichen Pixelzahl. Es ist offensichtlich, dass auf dem kleineren Sensor auch jedes einzelne Pixel kleiner ist. Die Fläche eines Sensorpixels hat aber physikalisch-technologisch eine wichtige Bedeutung. Auf einem Vollformatsensor kann jedes Pixel, schlicht wegen der größeren Oberfläche, mehr Licht einfangen. Das macht es nicht nur bei schwachem Licht besser, sondern auch bei starkem. Denn ein großes Pixel spricht einerseits bei schwachem Licht schneller an, aber es kann andererseits auch bei sehr hellem Licht noch differenzieren, wo kleinere Pixel schon längst an ihre Grenzen stoßen und nicht mehr unterscheiden können zwischen sehr hell und sehr, sehr hell. Beides zusammen führt zu den enorm hohen Dynamikumfängen der Nikon-Vollformatkameras.

Ein Blick in die Kameras der Z-Serie (hier Z 7 II). Praktisch genauso unverstellt ist auch der Weg für euer Licht bis zum Sensor beim Fotografieren.

Vorteile des Z-Formats

Mit dem Z-System haben wir ein neues Bajonett eingeführt und zwar eines mit dem kürzesten Auflagemaß (16 mm) und mit dem größten Innendurchmesser (55 mm; jeweils verglichen mit anderen spiegellosen Vollformatsystemen). Dies ist der wichtigste Vorteil des Z-Bajonetts. Bei Spiegelreflex-Objektiven müssen die Konstrukteure zwischen der letzten Linse und dem Sensor noch Platz lassen für den Spiegel und zudem muss die letzte Linse in die vergleichsweise kleine Fassung passen. Dass sich auch mit diesen Eckpunkten exzellente Objektive bauen lassen, haben wir wieder und wieder bewiesen, aber nun haben unsere Optikentwickler die Freiheit, noch fast unmittelbar vor dem Sensor Linsen zu platzieren, die das volle Bildfeld abdecken. So können sie quasi jeden Lichtstrahl an die Hand nehmen und zu seinem Pixel führen. Das Ergebnis ist ein neues Niveau an Schärfe. Und dass die Notwendigkeit wegfällt, das Licht durch die Enge des Spiegelkastens zu führen, ermöglicht elegantere Designs, die wiederum ein besonders feines, natürliches Bokeh mit sich bringen. 

Hinzu kommen noch technologische Fortschritte. Das Multi-Focusing-System von Z-NIKKORen kompensiert »Focus Breathing«. Der Bildwinkel bleibt beim Verstellen der Schärfe also gleich – ein großer Vorteil vor allem für die Videografie. Umgekehrt verstellt sich auch nicht die Schärfe beim Zoomen. Z-NIKKORe können über die schnelle Bajonett-Schnittstelle ihre optischen Profile an den Kamerabody übermitteln und zwar für jede mögliche Linsenstellung. Dies unterstützt eine automatisierte Bildoptimierung in der Nachbearbeitung sehr viel gezielter als Einheitsprofile, die vielleicht nach Brennweite, nicht aber nach Entfernungseinstellung differenzieren können.

Der Bajonettadapter FTZ

Die Familie der NIKKOR Z-Objektive wächst schnell, aber so groß wie die der NIKKOR F-Objektive ist sie noch nicht. Da ist es gut, dass beide Familien eng verwandt sind. Mit dem Bajonettadapter FTZ könnt ihr eure F-NIKKORe zu euren Kameras des Z-Systems kompatibel machen. Praktisch alle modernen F-NIKKORe werden unterstützt und bieten an einer Z 7 II (zum Beispiel) die gleichen Funktionen und dieselbe Abbildungsleistung wie an einer D850 (auch zum Beispiel). Umgekehrt ist eine Adaptierung von Z-NIKKORen auf F-Kameras nicht möglich. Aufgrund des geringeren Auflagemaßes ist schlicht kein Platz für einen Adapter vorhanden.

Falls ihr also noch unentschieden seid, ob DSLR oder Spiegellos, ist dies ein Argument pro Z: Im Z-System habt ihr das Beste aus beiden Objektiv-Welten.

Per Bajonettadapter FTZ habt ihr Zugriff auch auf spezielle Objektive, hier das AF-S FISHEYE-NIKKOR 8-15 mm 1:3,5-4,5 E ED an einer Nikon Z 7 II.

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