VOLLFORMAT-MASTERCLASS: AF-STEUERUNG – DSLR

Mittwoch, 24. März 2021

Ein Foto, bei dem die Schärfe nicht dort sitzt, wo sie soll, ist ein Fall für die Löschtaste. Gut, dass eure Nikon-DSLRs für jede Aufnahmesituation die richtigen Autofokus-Modi und Optionen für die AF-Messfeldsteuerung bieten. Noch besser, wenn ihr sie richtig einsetzen könnt. Wir zeigen euch, wie. (Für Nikon-Z-Fotografen: Hinweise zu euren spiegellosen Kameras findet ihr im Artikel »Vollformat-Masterclass: AF-Steuerung – Spiegellos«.

Die Stärke des Spiegels

Natürlich hilft ein Spiegel selbst erst einmal überhaupt nicht beim Fokussieren, aber dass eine Spiegelreflexkamera einen Spiegel hat, hilft ihr, einen Teil des Lichts auf ein separates AF-Modul umzuleiten, das im Boden des Spiegelkastens eurer Nikon verbaut ist.

Je nach SLR-Modell kommen unterschiedliche AF-Module mit einer unterschiedlichen Zahl von Messfeldern zum Einsatz, aber das Funktionsprinzip ist gleich. Wie genau ihr diese Messfelder nutzt, um ihr Verhalten an den jeweiligen Motivtyp anzupassen, steuert ihr über zwei Parameter: Den AF-Modus und die AF-Messfeldsteuerung.

Herzstück der AF-Performance der Nikon D6 sitzt unterhalb des Spiegels. Damit es freie Sicht durchs Objektiv hat, lässt der Hauptspiegel einen geringen Anteil Licht durch und ein Hilfsspiegel dahinter lenkt diesen Anteil nach unten zum AF-Modul.

Bei Motiven wie diesem ändert sich die Distanz zum Motiv ständig. Mit dem Modus AF-C hält die Kamera Schritt und sorgt dafür, dass der Fokus im entscheidenden Moment sitzt.

Der AF-Modus

Mit dem AF-Modus passt ihr die Kamera primär daran an, ob sich euer Motiv bewegt oder nicht. Für statische Motive eignet sich der Einzelautofokus AF-S, für alles andere der kontinuierliche Autofokus AF-C.

Der Modus »AF-Modus automatisch wechseln« AF-A ist keine eigene dritte Funktion, sondern eine Automatik, mit der die Kamera selbst erkennt, ob sich euer Motiv bewegt oder nicht. Je nachdem wählt sie den passenden Modus aus, also entweder AF-S oder AF-C. Diese Einstellung ist richtig, wenn ihr ohne viel zu überlegen Schnappschüsse machen wollt.

Die AF-Messfeldsteuerung

Wesentlich ist natürlich nicht nur, ob irgendetwas im Bild scharf ist, sondern ob es genau das Motivdetail ist, das auch scharf sein soll. Dafür ist die AF-Messfeldsteuerung zuständig.

Einzelfeldsteuerung
Genau ein einzelnes Feld wird vom Fotografen ausgewählt und alle anderen Felder werden von der Kamera ignoriert. Ideal für eine genaue Positionierung der Schärfe bei statischen Motiven, z. B. Porträts.

Dynamische Messfeldsteuerung
Die dynamische Messfeldsteuerung gibt es in gleich mehreren Optionen mit unterschiedlich vielen Messfeldern, die aber immer ein primäres, von euch auswählbares Feld umgeben. Das primäre Feld erfasst euer Motiv und wenn dieses sich bewegt, wird es durch die gewählten Felder verfolgt und die anderen übernehmen die Schärfenachführung. Mit mehr Feldern kann die Kamera die Schärfe über einen größeren Bereich des Bildfelds nachführen, mit weniger könnt ihr bei Bedarf Störungen durch andere Motivelemente vermeiden.

Messfeldgruppensteuerung
Die Stärke dieser Option ist die schnelle und sichere Erfassung von Motiven in schneller Bewegung, zum Beispiel beim Motorsport. Bei der Messfeldgruppensteuerung sind jeweils fünf rautenförmig angeordnete AF-Messfelder zu einer Gruppe zusammengeschaltet. Welche fünf das sind, wählt ihr, indem ihr die Gruppe mittels Multifunktions- oder Subwähler im Sucher platziert. Der wichtigste Unterschied gegenüber der dynamischen Messfeldsteuerung ist, dass alle fünf Messfelder gleichberechtigt sind. Das Messfeld aus der Gruppe, das zuerst ein Motiv erfasst, wird zum aktiven Messfeld und die Kamera fokussiert sofort darauf. Dies macht diese Methode in bestimmten Situationen sicherer als die dynamische Messfeldsteuerung, bei der die erstmalige Fokuserfassung vom primären Messfeld erledigt werden muss.

3D-Tracking
Das 3D-Tracking bietet eine echte Motivverfolgung. Diese Funktion ist eng an die Motiverkennung durch den Belichtungsmess-Sensor gekoppelt, sodass die Nikon-Kamera ein einmal identifiziertes Objekt innerhalb des gesamten Fokusbereichs verfolgen kann. Die Kamera misst beim Antippen des Auslösers zunächst im ausgewählten Feld und folgt dem Motiv im Fall einer Bewegung durch das Bildfeld. (Je besser sich das Objekt in Kontrast und Farbe von der Umgebung abhebt, desto sicherer funktioniert dies.) Nach Loslassen des Auslösers ist wieder das zuvor manuell ausgewählte Feld aktiv.

Hier ist die Messfeldgruppensteuerung aktiv – eine sehr effektive Option für die schneller Erfassung und sichere Verfolgung eines Motivs.

Bei solchen Motiven gelingt euch eine präzise Platzierung der Schärfe im Live View oft leichter – vor allem wenn ihr die Bilddarstellung mittels Zoomtaste vergrößert.

Tipp: Diese Funktion eignet sich auch sehr gut als Ersatz zur Einzelfeldsteuerung, bietet aber eine schnellere Positionierung des Messfelds. Egal, welches Messfeld primär ausgewählt ist: Richtet es auf euer Hauptmotiv, aktiviert den AF (AF-Taste drücken oder Auslöser antippen) und richtet dann den Bildausschnitt so aus wie gewünscht. Eure Kamera verfolgt das Motiv nun automatisch zum passenden AF-Messfeld und fokussiert mit diesem nach. Diese Methode ähnelt dem Vorgehen mit Fokusmesswertspeicher, ist aber sehr viel genauer.

AF im Live View
Für den Live View und die Videofunktion muss die Kamera den Spiegel hochklappen und das AF-Modul kann nicht mehr arbeiten. Nun muss die Kamera mittels Bildsensor fokussieren und der beherrscht leider nicht den Phasenautofokus (Ausnahme: D780; siehe unten) sondern fokussiert nach dem Prinzip der Kontrasterkennung. Im Live View bietet eure Kamera deshalb andere AF-Modi und Optionen für die AF-Steuerung. Wirklich praktisch sind sie für eine besonders exakte Positionierung auf feine Motivdetails, zum Beispiel in der Makrofotografie. Für Action ist aber die Sucherfotografie besser.

Sonderfall D780

Die D780 verfügt als bislang einzige Nikon-DSLR über einen Bildsensor mit eigenen, zusätzlichen AF-Sensoren, die wie das klassische AF-Modul nach dem Phasenerkennungsprinzip arbeiten. So funktioniert sie beim Fotografieren mit Sucher wie ihre Schwester-DSLRs und im Live View wie ihre Cousinen aus der Z-Reihe (tatsächlich ist ihr Sensor praktisch der gleiche wie der der Nikon Z 6). Für die Optionen der D780 im Live View gilt also, was wir im Artikel »MASTERCLASS VOLLFORMAT AF-Steuerung – Spiegellos« schreiben.

Ein feiner Tipp zum Abschluss: Der Daumen-Autofokus

Eure Nikon bietet die Möglichkeit, den Fokus vom Auslöser zu trennen und nur per AF-ON-Taste zu steuern. Das klingt vielleicht erst einmal nach einer Einschränkung, ermöglicht aber sehr effektives und elegantes Arbeiten. 

Die D780 ist eine Kamera mit zwei vollwertigen, voneinander unabhängigen AF-Systemen.

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