LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE MIT NIKON-KAMERAS IM EINDRUCKSVOLLEN HOHEN NORDEN

Freitag, 17. Dezember 2021

Michael Schauer ist ein Landschafts- und Fine-Art-Fotograf aus München. In seinen Arbeiten dokumentiert er den Einfluss des Menschen auf die Natur und stellt ihn in künstlerischer, oft minimalistisch gehaltener Bildsprache dar. Sein Fokus liegt auf starken Linien und Symmetrie. Seine Motive findet er vor allem in den entlegenen Regionen des hohen Nordens auf Reisen nach Island, Grönland, Norwegen und Spitzbergen, aber auch auf den Gletschern der europäischen Alpen.

D850 | AF-S NIKKOR 80-400 mm 1:4,5-5,6G ED VR | 80mm | 1/400s | f/8 | ISO 250: Eisbergen im glühenden Sonnenuntergang in Grönland

„2018 war mein Jahr der Arktis. Auf einer Reise, die mir als eines der größeren Abenteuer meines Lebens in Erinnerung bleiben wird, habe ich binnen weniger Wochen Island, Grönland, das norwegische Festland und das Archipel Spitzbergen besucht. Neben spannenden Fotomotiven wollte ich Antworten auf Fragen finden, die mich schon lange beschäftigen. Wie ist es zum Beispiel, längere Zeit im hohen Norden zu verbringen? Wie fühlt es sich an, an den allermeisten Tagen nach dem Zwiebelprinzip zu leben? Was macht es mit einem Menschen, ein halbes Jahr lang fast keine Sonne zu sehen? Und ist es bedrückend, mancherorts im Freien eine Waffe tragen zu müssen, um sich gegen Eisbären wehren zu können, die durch den Klimawandel und die Suche nach Fressbarem immer näher an die Ortschaften getrieben werden?

Eine beeindruckende Gletscher-Landschaft

Als ich die Reise nach Ilulissat in Grönland antrat, hatte ich im Vorfeld viele Vorstellungen und Vermutungen, was mich an diesem geheimnisvollen Ort erwarten würde. Sie sollten sich als falsch herausstellen. Nach meiner Ankunft hat mich als erstes die weite und majestätische, arktische Landschaft begeistert. Neben zahlreichen Gletscherflüssen, die über weite Ebenen ins Meer fließen, ist die ganze Bucht voller Eisberge, die sich größentechnisch zwischen Schlauchboot und Frachttanker bewegen. Sie kommen aus dem Ilulissat Eisfjord, einem der schnellsten sich bewegenden Gletscher der Welt. Wandert man in den Fjord, wird man nicht nur Zeuge, wie sich im Minutentakt neue gewaltige Eisbrocken vom Gletscher lösen, man hört es auch knacken und knistern und krachen. Um eine solche Szenerie wirklich zu begreifen, muss man sie von oben sehen. Von einem Hügel kann man erahnen, wie weit sich die Gletscher erstrecken, in sich selbst verzweigen und am Ende die nördliche Polkappe der Erde bilden.

Die Vorteile des elektronischen Suchers der Nikon Z 7

So richtig klar wird mir das Ausmaß dieser Weite, als ich aus dem Fenster einer kleinen Propellermaschine auf die schier endlose Eiswüste hinabblicke. Obwohl es in der Maschine recht eng ist, kann ich mit der kompakt gebauten Nikon Z 7 und dem dazugehörigen NIKKOR Z 24-70 mm 1:4 S bequem fotografieren, indem ich die Kamera an das Fenster drücke. Der elektronische Sucher gibt mir die Möglichkeit, die Belichtung optimal einzustellen.

Z 7 | NIKKOR Z 24-70 mm 1:4 S | 39mm | 1/500s | f/8 | ISO 100: Tiefe Schluchten und Furchen eines Gletschers in Grönland – fotografiert aus dem Flugzeug

Es ist das erste Mal, dass ich eine Kamera mit diesem Feature verwende. In Echtzeit zu sehen, was der Sensor sieht, ist eine große Hilfe. Unter mir erstreckt sich eine weiße, glänzende Fläche, die von unzähligen tiefen Furchen durchzogen ist. Da es keinen richtigen Referenzpunkt gibt, ist es schwierig, die Größenverhältnisse einzuschätzen. Durch den hohen Dynamikumfang und die sehr gute Auflösung des Nikon Z 7-Sensors lässt sich aber zumindest jedes Detail in den Höhen und den Tiefen der Eiswüste aufnehmen. Da sich das Flugzeug schneller fortbewegt als die Boote, auf denen man sonst in Grönland unterwegs ist, bleibt für die Bildkomposition oft nur sehr wenig Zeit. Glücklicherweise hat die Kamera so viele Megapixel, dass es später kein Problem ist, das Bild in der Nachbearbeitung zuzuschneiden und immer noch ein Bild mit beanstandungsloser Qualität zu haben. Das sind gute Voraussetzungen für mich, da ich nicht immer den schnellsten Finger am Auslöser habe.

D850 | AF-S NIKKOR 80-400 mm 1:4,5-5,6G ED VR | 195mm | 1/500s | f/8 | ISO 250: Verschiedene Bildebenen Eis und Wasser liegen still im Abendlicht in Grönland

Bei Kälte ist ein Bildstabilisator sehr hilfreich

Abgesehen von regelmäßigen Flügen, die als Pendant zu öffentlichen Verkehrsmitteln dienen, sind Schiffe das Hauptfortbewegungsmittel in Grönland. Diejenigen, die auf dem Land aufgewachsen sind, erinnern sich noch an die eine Buslinie, die zweimal am Tag gefahren ist. Der Hafen ist voll mit kleinen und mittelgroßen Fischerbooten, mit Transportschiffen und natürlich mit diversen Tourenanbietern, die Tagesausflüge zu den vielen Gletschern, oder Rundfahrten in der Disko-Bucht anbieten. Als ich am Hafen unterwegs bin, ist die Bucht voller Eisberge, die aus dem Eisfjord kommen. Das Krachen einiger kleinerer Eisstücke an Bug und Kiel gehört zur typischen Geräuschkulisse, wenn man sich entschließt, an Bord eines Schiffes zu gehen. Der Wetterbericht verspricht keinen Wind und klare Luft, sodass die untergehende Sonne die Eisberge nach und nach in immer intensiveres Licht zu tauchen beginnt. Nach einer Stunde Fahrt vom Land in Richtung Eis bin ich von Eisbergen aller Formen und Größen umgeben. Manche mit wilden Zacken und Auswüchsen, andere ganz vom Fluss des Wassers glatt poliert. Die sehr langsam sinkende Sonne taucht die Szene in ein fast schon gespenstisch schönes Licht. Wie die anderen Passagiere verfalle ich in ein ehrfürchtiges Schweigen. Sogar die Crew scheint ein bisschen beeindruckt zu sein. Um dieses besondere Schauspiel festhalten zu können, habe ich für alle Eventualitäten gleich zwei Kamera-Sets mitgenommen.

Zum einen habe ich die Nikon Z 7 über den FTZ-Adapter mit dem AF-S NIKKOR 500 mm 1:4E FL ED VR kombiniert. Die beiden arbeiten hervorragend zusammen. Zusätzlich habe ich die Nikon D850 mit einem AF-S NIKKOR 80-400 mm 1:4,5-5,6G ED VR eingepackt. Das 80-400mm ist seit Jahren mein „Immerdrauf-Objektiv“. Aufgrund seiner Flexibilität und seiner Kompaktheit packe ich es für jeden Ausflug mit ein und habe einige meiner liebsten Bilder mit diesem Allround-Zoom geschossen. Auch dieses Mal werde ich mich auf den beeindrucken Bildstabilisator verlassen können, wenn das kleine Schiff wackelt und ich in der Kälte – trotz diverser Kleidungsschichten – das Zittern anfange. Die Kälte ist hier auf jeden Fall eine Herausforderung. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich mir vorab überlege, wie meine Wunschmotive aussehen. Dann kann ich schnell reagieren, wenn eine der vielen Formen im Eis meinen Vorstellungen entspricht. Dem Objektiv und der Nikon D850 ist die Kälte egal. Der sehr schnelle Autofokus macht selbst bei diesen Temperaturen einen erstklassigen Job.

Viele gelungene Bilder und ein erstaunliches Fazit

Am Ende dieses Tages habe ich über tausend Bilder von Eisbergen im Sonnenuntergang gemacht und es fällt mir unglaublich schwer, zu entscheiden, welche sich davon für Bilderserien eignen. Die Kameras und die Objektive haben sehr gute Arbeit geleistet. Im hohen Dynamikumfang der RAW-Dateien sehe ich, wie groß das Potential der Bilder ist. Das macht mir die Bildauswahl natürlich nicht einfacher, aber ich möchte mich auch nicht über zu viele gelungene Bilder beschweren. Um auf meine eingangs gestellten Fragen zurückzukommen: Erstaunlich vieles ist im hohen Norden erstaunlich ähnlich, wie bei uns zu Hause. Kinder spielen auf einem Bolzplatz Fußball, es gibt Supermärkte, meistens gutes Internet, Infrastruktur und den gleichen Zugang zu Bildung, wie an den meisten anderen Orten auch. Alles in Allem ist es fast wie zu Hause – mit ein bisschen mehr Wasser in etwas anderen Aggregatzuständen.“

WHAT'S IN MY BAG

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