FEATURES IN DER PRAXIS: BILDSTABILISATOREN

Mittwoch, 30. Juni 2021

Wenn ihr während der Abenddämmerung und in Innenräumen aus der freien Hand fotografieren möchtet, stellt euch das meist schwache Umgebungslicht vor eine Herausforderung. Je weniger Licht zur Verfügung steht, desto länger wird die nötige Belichtungszeit. Ihr könntet natürlich die ISO-Empfindlichkeit erhöhen, um das Problem zu lösen. Da bei recht schwachem Licht aber schnell ISO-Werte um die ISO 3.200 bis ISO 6.400 nötig werden, und das, je nach Motiv, zu Bildrauschen führen kann, ist dieser Schritt nicht immer optimal. Wenn ihr hingegen die Belichtungszeit verlängert, kann es euch passieren, dass ihr die Kamera über die Dauer der Belichtung irgendwann nicht mehr ruhig genug halten könnt. Das führt zu einer Verwacklung und damit zu unscharfen Bildern. Damit ihr bei der Aufnahme mehr Spielraum habt und bei schwachem Umgebungslicht länger bei niedriger ISO-Empfindlichkeit aus der freien Hand arbeiten könnt, sind viele unserer Nikon-Kameras und -Objektive mit einer Bildstabilisierung ausgestattet. Wir erklären euch, welche Vorteile die Stabilisierung bringt und was es bei der Handhabung zu beachten gibt.

Optische und sensorbasierte Bildstabilisierung

Bei Nikon unterscheiden wir zwischen einer optischen Bildstabilisierung im Objektiv und einer Stabilisierung über einen beweglich gelagerten Kamera-Sensor. Bei der optischen Variante handelt es sich um eine bewegliche Linsengruppe im Linsensystem des Objektivs, die sich bei ungewollten Objektiv-Bewegungen auf der horizontalen und vertikalen Achse in die jeweilige Gegenrichtung bewegt, um so eine Verwacklung zu vermeiden. Ob das Nikon-F- oder Nikon-Z-Objektiv mit einer solchen Stabilisierung ausgestattet ist, erkennt ihr am Kürzel „VR“ in der Produktbezeichnung. VR steht in dem Fall für „Vibration Reduction“. Passende Beispiele sind hier etwa das AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR für das F-Bajonett unserer Nikon-DSLRs und das NIKKOR Z 24–200 mm 1:4–6,3 VR für den Z-Anschluss unserer spiegellosen Z-Kameras.

Bei der Bildstabilisierung über das Kameragehäuse wird der gesamte Bildsensor beweglich gelagert. Der Vorteil dabei: Neben horizontalen und vertikalen Bewegungen können über den Sensor auch Kipp- und Dreh-Bewegungen ausgeglichen werden. Wir sprechen dabei von einer Fünf-Achsen-Stabilisierung, die in den meisten unserer Z-Kameras zum Einsatz kommt. Die Stabilisierung über den Sensor bringt einen spannenden Vorteil mit sich, der vor allem dann für euch interessant sein wird, wenn ihr gerne mit Objektiven arbeitet, die keine eigene optische Stabilisierung haben. Dabei gleicht der beweglich gelagerte Kamerasensor auch dann unerwünschte Bewegungen aus, wenn ihr zum Beispiel F-Objektive aus unserem DSLR-System über den optionalen FTZ-Objektivadapter an den Nikon-Z-Kameras verwendet.

In den meisten unserer Z-Kameras kommt eine Fünf-Achsen-Stabilisierung zum Einsatz.

Was bedeutet die Angabe der Lichtwertstufen?

Sobald ein Nikon-Objektiv oder eine unserer Kameras über ein Bildstabilisierungssystem verfügt, geben wir euch eine Information darüber, wie viele „Lichtwerte“ die Stabilisierung ausgleichen kann. Ein Lichtwert entspricht einer Halbierung des Belichtungswertes und damit einer Verdoppelung der Belichtungszeit. Wenn wir also zum Beispiel von einer 1/50 Sekunde ausgehen, entspricht eine Verdoppelung der Belichtungszeit auf eine 1/25 Sekunde einem Lichtwert. Die Effektivität eines Bildstabilisierungssystems wird absichtlich in Lichtwerten und nicht mit konkreten Verschlusszeiten angegeben, da sich die aus der freien Hand möglichen Verschlusszeiten je nach Brennweite unterscheiden. Dabei geht man grundsätzlich von der Regel aus, dass ihr ohne aktive Bildstabilisierung nur dann verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren könnt, wenn ihr nicht länger belichtet als der Kehrwert der verwendeten Brennweite.

Bei einem 50-mm-Vollformat-Objektiv ist nach dieser Regel also noch eine 1/50 Sekunde ohne Stabilisator möglich. Bei einem Tele-Objektiv mit 200 mm würde die 1/50 Sekunde ohne Stabilisierung hingegen zu einer Verwacklung führen. Hier geht maximal eine 1/200 Sekunde. Bei schwachem Licht ist die Aufnahmen mit Tele-Objektiven sind deshalb schwieriger als mit weitwinkligen Brennweiten. Hier zeigt sich der große Vorteil moderner Bildstabilisierungssysteme. Der beweglich gelagerte Sensor der Nikon-Z-Kameras kann zum Beispiel bis zu fünf Lichtwertstufen ausgleichen. Im Falle des 200-mm-Teles könnt ihr die Belichtungszeit somit bis auf eine 1/6 Sekunde verlängern! Mit der 50-mm-Brennweite sind bei fünf Lichtwertstufen sogar noch 0,6 Sekunden aus der freien Hand möglich! Trotz Bildstabilisierung empfehlen wir euch, die Kamera bei langen Belichtungszeiten möglichst ruhig zu halten.

ohne VR

mit VR

Tipps für Filmer und für Aufnahmen vom Stativ

Neben der optischen und der sensorbasierten Bildstabilisierung bieten moderne Nikon-Kameras zusätzlich einen digitalen VR für Filmaufnahmen. Dabei wird der nutzbare Bildausschnitt leicht verkleinert, um den Bildrand dafür zu verwenden, Bewegungen digital auszugleichen. Es kommt also zu einem leichten Cropfaktor. Solltet ihr eure Videos oder Fotos von einem Stativ oder generell von einem ruhigen Standort aufnehmen, ist es sinnvoll, den Bildstabilisator für diese Zeit auszuschalten. So vermeidet ihr, dass die Stabilisierung versucht, eine Bewegung auszugleichen, die durch den sicheren Stand gar nicht gegeben ist.

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