In der Ruhe liegt die Kraft. Wenn ihr euch mit dem Blick auf eure Umgebung ein wenig Zeit nehmt, entdeckt ihr bald die Schönheit in statischen Motiven, an denen andere vorbeihetzen. Hier findet ihr Tipps für die Architektur und Still-Fotografie und mit welchem Equipment ihr die besten Ergebnisse erzielt.

Das große Ganze ...

Bei der Architekturfotografie denkt man in erster Linie an die klassische Abbildung ganzer Bauwerke. Das ist auch der Kern des Genres und entsprechend ist es sehr weitwinkelgeprägt. Da Gebäude nun einmal groß sind und man nicht immer beliebig weit weggehen kann, hat dies einerseits technische Gründe (man will einfach vom möglichen Standpunkt aus ein Gebäude in seiner Gänze aufs Bild bekommen), andererseits könnt ihr aber gerade die starke Dynamik des Weitwinkels gezielt als gestalterisches Element einsetzen. Ein sehr gutes Weitwinkel- oder Ultraweitwinkel-Objektiv ist also für Liebhaber dieses Genres ein Muss. Empfehlenswert sind zum Beispiel das NIKKOR Z 20 mm 1:1,8 S, das AF-S NIKKOR 14-24 mm 1:2,8G ED oder das AF-P DX NIKKOR 10-20 mm 1:4,5-5,6 G VR.

... und der Blick aufs Detail

Wenn euch die Architektur fasziniert, dann liebt ihr wahrscheinlich auch Details – ein Wasserspeier weit oben an einer gotischen Kathedrale, Verzierungen an einem barocken Schloss oder technische Meisterleistungen wie die Aufhängung einer modernen Brücke. Für solche Motive genügt oft ein sehr gutes Universalzoom, das unabhängig vom Lieblingsgenre ohnehin in jede Kameratasche gehört, etwa das NIKKOR Z 24-70 mm 1:4 S, das AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR oder das AF-S DX NIKKOR 16-80 mm 1:2,8-4E ED VR. Aber auch noch längere Telebrennweiten oder Makro-Objektive können sinnvoll eingesetzt werden.

Lasst euch Zeit

Ein gutes Architekturfoto kann euch spontan gelingen, aber für ein außergewöhnliches braucht es Planung. Bevor ihr die Kamera überhaupt aus der Tasche holt, lauft ein wenig um das Gebäude eures Interesses herum. Welche ist die Schokoladenseite? Wie könnt ihr Vorder- und Hintergrund optimal in Szene setzen? Überlegt auch, welche Tageszeit für dieses Motiv ideal ist und kommt gegebenenfalls später wieder. Dabei können spezielle Apps helfen, die euch den Sonnenstand zu einem beliebigen Zeitpunkt berechnen.

Ein schönes Projekt kann es auch sein, euer Lieblingsbauwerk in eurer Nähe immer wieder aufzusuchen und so zu dokumentieren, wie sich dessen Wirkung je nach Tages- und Jahreszeit verändert. Benutzt dafür am besten ein Stativ, auch wenn das in Sachen Belichtungszeit technisch nicht erforderlich wäre. Gerade für Einsteiger in das Genre kann ein Stativ auch dazu anleiten, sich sehr bewusst mit dem Standort und der Perspektive auseinanderzusetzen. Und darüber hinaus hilft es bei einer sauberen Ausrichtung der Kamera. Tipp: Nutzt den künstlichen Horizont eurer Nikon-Kamera. So vermeidet ihr eine kippende Horizontlinie im Foto, braucht später nicht digital nachzukorrigieren und nutzt so euer NIKKOR-Weitwinkel optimal aus.

Auch bei der Architekturfotografie lohnt sich das Spiel mit der Perspektive. Ungewöhnliche Standorte auszuprobieren lohnt sich.

Stills

Auch drinnen lassen sich mit einem wachen Blick wunderschöne Motive finden – oder ihr arrangiert euch einfach selbst eines. Je nach gewünschter Perspektive werdet ihr am ehesten im mittleren Brennweitenbereich, also vom moderaten Weitwinkel bis zum leichten Tele, unterwegs sein – für den Einstieg genügt also auch hier ein Nikon-Standardzoom (siehe oben). Für das Ausleuchten eines kleineren Stilllebens (Tabletop) ist das Makroblitz-Kit R1C1 ideal. Für größere Szenen kannst du mehrere Nikon-Systemblitzgeräte im Rahmen des Nikon Advanced Wireless Lighting fernsteuern.

Es müssen nicht immer Obstkörbe sein – auch Technisches lässt sich ansprechend in Szene setzen.

Empfehlenswerte Nikon-Kameras

Sowohl Architektur- als auch Stillaufnahmen stellen als Genre keine besonders hohen technischen Anforderungen an die Kamera. Wo sich das Motiv nicht bewegt, braucht es weder schnelle Bildraten noch eine Autofokus-Nachführung auf professionellem Niveau. Insofern ist jede aktuelle Nikon-DSLR, etwa die Nikon-Z-Modelle oder das Einsteigermodell D3500, für beide Genres sehr gut geeignet. Allerdings leben diese Motivtypen von ihrem Detailreichtum und je nach Perspektive kann ein beweglicher Monitor einen klaren Komfortgewinn darstellen. Wenn du dich also zwischen zwei Kameramodellen entscheiden musst, wähle im Zweifel das mit der höheren Auflösung und mit einem neigbaren Monitor. Wenn du die Architekturfotografie auch bei schlechtem Wetter betreiben willst, achte auch auf eine gute Abdichtung deiner Kamera gegen Spritzwasser, wie sie z. B. die Z 7, D780 oder D500 bieten.

So verschoben erlaubt ein PC-NIKKOR (hier mit Adapter FTZ an einer Z 7 angesetzt) das Fotografieren nach oben ohne stürzende Linien.

Wenn ihr es wirklich ernst meint

Egal, ob Architektur oder Tabletop: Wenn ihr diese Genres professionell oder auf professionellem Niveau betreibt, werdet ihr euch früher oder später in Tilt-Shift-Objektive wie das PC-E NIKKOR 24 mm 1:3,5D ED verlieben. PC-NIKKORe sind so gebaut, dass ihre Optik gegen die optische Achse verschoben (Shift) und geneigt (Tilt) werden kann. Das erlaubt auf optischem Wege die Kontrolle über die Perspektive (inklusive Vermeiden stürzender Linien) und sogar das Kippen der Schärfeebene. Aber bevor ihr euch hier bindet: Probiert, ob ihr mit den digitalen Funktionen Perspektivkorrektur (in Capture NX-D) und Focus Stacking (z. B. in den Modellen Z 7, D850 und D780) nicht auch die gewünschten Ergebnisse erzielt.

Zubehör-Empfehlungen

Weil ein gutes Stativ sowohl für die Architektur- als auch für die Still-Fotografie praktisch unverzichtbar ist, empfehlen wir es hier noch einmal. Es sollte stabil genug sein, um deine Nikon-Kamera sicher und ohne Schwingungen zu tragen, aber auch leicht genug, damit du es auch tatsächlich dabei hast, wenn du es brauchst. Polfilter sind für Architekturaufnahmen ein weiteres unverzichtbares Zubehör. Mit ihnen kannst du Reflexe auf Fassaden reduzieren oder den Himmel im Hintergrund klarer wirken lassen. Graufilter helfen dir, längere Belichtungszeiten zu nutzen. So kannst du Passanten im Vordergrund unsichtbar machen. Um bei Stativaufnahmen eine Verwacklung beim Auslösen zu vermeiden, ist ein IR- oder Funk-Fernauslöser hilfreich. Alternativ kannst du aber auch mithilfe von Nikons kostenloser App SnapBridge dein Smartphone zur Fernbedienung machen.

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