ALPINE LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE MIT STEFAN FORSTER UND DER Z 7II - #CREATEYOURLIGHT

Dienstag, 05. Januar 2021

Die #CreateYourLight-Reise geht weiter mit dem Landschaftsfotografen und Nikon Ambassador Stefan Forster. Begleitet Stefan mit der Nikon Z 7II in die Berge. Holt euch von ihm wertvolle Tipps, wie ihr Wettervorhersagen „lesen“ könnt und eure Objektive ideal einsetzt, um das perfekte Licht einzufangen.

Die Landschaftsfotografie war schon immer meine Leidenschaft, da ich von klein auf ein Naturbursche bin. Die Herausforderung für mich, wie auch für die meisten anderen Landschaftsfotografen besteht darin, Orte in einzigartigen Bildern einzufangen und Aufnahmen zu vermeiden, die man schon eine Million Mal gesehen hat. Deshalb erkunde ich gerne abgelegene Gebiete fernab der üblichen Straßen und versuche, seltene Wetterszenarien einzufangen.

Traut euch, aus der Hand zu fotografieren

Normalerweise besuche ich einen Ort mehrere Male, bis ich den Moment für die ideale Lichtstimmung gefunden habe. Als Nikon mich bat, die neue Z 7II mit in die österreichischen Alpen zu nehmen, hatte ich nur zwei Tage an einem Ort, den ich noch nie zuvor besucht hatte. Wenn man an einem neuen Ort nur wenig Zeit zur Verfügung hat, kann es sehr hilfreich sein, aus der Hand zu fotografieren. Landschaften ohne Stativ aufzunehmen, ist erst einmal ungewohnt. Diese Herangehensweise gibt euch aber die Freiheit, verschiedene Perspektiven auszuprobieren und schneller zu reagieren. So könnt ihr innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums vier oder fünf Perspektiven von ein und demselben Gebiet aufnehmen.

Ich persönlich hasse es, das Stativ aufzubauen und danach auf den optimalen Augenblick zu warten. Deshalb finde ich es großartig, dass ich mich mit der Z 7II so frei bewegen kann. Es ist fast so, als wäre das Bildstabilisierungssystem der Kamera für mich gemacht worden! Davon abgesehen ist die Kamera so robust, dass ich mir keine Sorgen um sie machen muss, wenn ich von einem Ort zum nächsten laufe, um das perfekte Licht zu finden. Die Suche nach dem idealen Licht heißt für mich, dass ich entweder immer wieder an ein und dieselbe Stelle gehe, um herauszufinden, zu welchen Tageszeiten und Wetterbedingungen das Licht dort am schönsten ist – oder dass ich dem Licht tatsächlich hinterherjage, indem ich zum Beispiel den Lichtstrahlen folge, die durch ein Loch in den Wolken hindurchscheinen. In dem Fall muss ich mich viel bewegen.

Dem Licht auf der Spur

Ich bin ein „Licht-Jäger“ und verbringe viel Zeit damit, seltene Wetter- und Lichtphänomene zu entdecken, wie zum Beispiel linsenförmige Wolken in einem ganz bestimmten Licht oder einer bestimmten Formation. Für mich dreht sich alles um Muster – sowohl was die Landschaft als auch das Wetter betrifft. Wenn ich meine Shootings organisiere, plane ich alles bis ins Detail! Bevor ich mich entscheide, an einen Ort zu fahren, schaue ich mir Webcam-Aufnahmen an, um einen Eindruck von der Landschaft zu bekommen. Wenn ich dann das erste Mal dort bin, mache ich selten ein Foto. Ich verbringe die Zeit hauptsächlich mit dem Scouting und suche dabei nach dem einen Ort, an dem die Szenerie und die Perspektive etwas Magisches mit sich bringen.

Wie schon erwähnt, sind Muster für mich sehr wichtig. Selbst die schönste Landschaft oder Komposition ist nichts wert, wenn das Licht nicht mitspielt. Die Lichtstimmung, zu der für mich auch die Wolken gehören, ist das Wichtigste überhaupt. Ein blauer Himmel ist zu flach. Ein grauer Himmel ist zu langweilig. Was ich brauche, sind Wolken.

Beobachtet das Wetter

Nehmt euch die Zeit, um etwas über Wettermuster und Wolken zu lernen. Dann könnt ihr gezielter an die Aufnahmen herangehen. Ich denke, dass rund 80 Prozent der Landschaftsfotografie aus Planung und Wissen und nur 20 Prozent aus Glück bestehen. Als Landschaftsfotografen stehen uns heutzutage Werkzeuge und Hilfsmittel zur Verfügung, die unsere Vorgänger aus früheren Zeiten nicht hatten - und ich setze sie alle ein! Ich schaue mir Satellitenbilder an, damit ich mir ein Bild von den Wetterbedingungen machen kann, bevor ich entscheide, an welchen Tagen ich zum Fotografieren an die Location fahre. Die Windrichtung ist ebenfalls sehr wichtig, denn wenn man die genaue Windrichtung kennt, kann man voraussehen, mit welchen Wolken zu rechnen sein wird.

In der Landschaftsfotografie kann das einfacher sein, als man denkt. Zum Beispiel gibt es in den meisten Gegenden der Welt ein typisches Wetterszenario, das sich „Rückseitenwetter“ nennt und auf eine Kaltfront folgt. Hier lässt sich die Aufnahme gut timen: Wenn die Kaltfront vorbeizieht und der Abend naht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die letzten Sonnenstrahlen (wenn die Sonne Richtung Westen untergeht) auf die Wolken der sich zurückziehenden Kaltfront scheinen. Das ist wunderschön!

Muster und Sonnensterne

Ich suche immer nach den Mustern in meiner Bildkomposition. Ich mag es zum Beispiel, mit besonderen Vordergründen zu arbeiten und achte darauf, dass ich Wolken am Himmel habe. Ich liebe auch die Muster, die durch Sonnensterne erzeugt werden. Wenn man die Sonne mit einem Handy fotografiert, ist sie nur ein überbelichteter gelber oder weißer Punkt im Nirgendwo. Ich denke, die Sonne muss ein Element sein, das gezielt in die Komposition eingebaut wird.

Die Z-Objektive sind perfekt dafür geeignet, Sonnensterne einzufangen. Ich mag besonders die NIKKOR Z 20 mm 1:1,8 S Festbrennweite, das NIKKOR Z 14–30 mm 1:4 S Zoom und das neue NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S. Bei der Aufnahme von Sonnenstrahlen ist es wichtig, auf die Blendeneinstellung zu achten. Ich fotografiere gerne zwischen f/13 und f/16. Eine Blende f/22 ist dagegen zu klein für scharfe Sonnensternbilder.

Mit Filtern arbeiten

Filter gehören für Landschaftsfotografen zur Grundausstattung. Bei etwa 80 Prozent meiner Aufnahmen verwende ich zum Beispiel einen Polarisationsfilter. Deshalb ist es extrem hilfreich, dass das neue NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S Objektiv eine flache Frontlinse hat, um selbst bei diesem Ultraweitwinkelzoom mit einem Schraubfilter arbeiten zu können. Wenn ihr alpine Landschaften fotografiert, kann eure Sichtweite durch reflektierende Wasserpartikel in der Luft eingeschränkt sein. In solchen Situationen kann ein Polarisationsfilter die Sichtweite verdoppeln und die Reflexionen im Bild beseitigen. Damit ein Polfilter optimal funktioniert, müsst ihr in einem bestimmten Winkel zur Sonne fotografieren. Die besten Ergebnisse erhaltet ihr, wenn die Sonne aus etwa 90 Grad von der Seite scheint. Das ist auch das Licht, das ich am liebsten mag, weil sich dann schöne lange Schatten bilden.

Nach rechts belichten

Der Dynamikbereich der spiegellosen Nikon-Kameras ist so enorm groß, dass ihr die so genannte „Nach rechts belichten“-Aufnahmetechnik voll ausschöpfen könnt. Die Belichtungsautomatik tendiert nämlich dazu, eher zurückhaltend zu agieren, um zu helle Bildbereiche zu vermeiden. Blendet euch deshalb am besten das Histogramm im elektronischen Sucher ein und konzentriert euch darauf, die hellste Stelle im Bild optimal zu belichten. Wenn ihr alpine Landschaften fotografiert, dann muss der hellste Punkt im Histogramm (in der Regel sind das die Berge) so nah wie möglich am rechten Rand (100 % Weiß) liegen - ohne ihn dabei zu berühren. Das ideale Histogramm ist für mich dann erreicht, wenn der hellste Punkt bei etwa 98 oder 99 Prozent liegt. Diese Aufnahmemethode führt zwar dazu, dass einige Bereiche des Bildes in den RAW-Dateien dunkel erscheinen – der Dynamikbereich der Z 7II ist aber so gut, dass ihr dunkle Bildpartien in der Nachbearbeitung leicht wiederherstellen könnt. Das klappt bei dunklen Stellen leichter als bei hellen Stellen.

Weißabgleich manuell einstellen

Viele Leute sagen, dass man den Weißabgleich bei der Aufnahme nicht einstellen muss, weil er sich leicht in der Nachbearbeitung anpassen lässt. Das finde ich aber schwierig, wenn zum Beispiel viel Zeit zwischen der eigentlichen Aufnahme und der Nachbearbeitung vergeht. In dem Fall ist es eine große Hilfe, wenn man den Weißabgleich schon bei der Aufnahme auf die gegebenen Lichtbedingungen eingestellt hat. Ich arbeite mit einem vollständig manuellen Weißabgleich, in dem ich die exakt gewünschte Kelvin-Farbtemperatur an der Kamera wähle. Seit ich mit spiegellosen Nikon-Kameras fotografiere, kann ich die perfekten Farben schon im Sucher sehen, bevor ich den Auslöser drücke. Die optimale Einstellung des Weißabgleichs hängt von den Lichtverhältnissen ab. Tagsüber passt meist ein Wert zwischen 5.750 und 6.250 Kelvin. Während die Sonne langsam untergeht, wechsele ich auf rund 7.000 Kelvin und gehe zum eigentlichen Sonnenuntergang zurück auf 6500 Kelvin. Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, erhöhe ich auf 8.000, 9.000 oder sogar 10.000 Kelvin.

Durchgängig scharfe Landschaftsbilder

Ich möchte, dass meine Aufnahmen von vorne bis hinten scharf sind. Um das zu erreichen, stelle ich mein Objektiv auf die hyperfokale Distanz ein: Das ist die kürzeste Entfernung, in der ein Objektiv fokussieren kann, während Objekte im Unendlichen akzeptabel scharf bleiben. Je größer der Bildwinkel ausfällt, desto kürzer ist der Abstand. Wenn ich zum Beispiel mit einem 14-24-mm-Zoom fotografiere, beträgt die hyperfokale Distanz für 14 mm bei Blende 8 etwa 1,2 Meter. Das ist viel näher, als wenn ich mit 20 mm fotografieren würde. Ich mag es, wenn der Vordergrund, die Mitte, der Hintergrund und der Himmel scharf abgebildet werden. In dieser Hinsicht könnte man sagen, dass ich zu den traditionellen Landschaftsfotografen gehöre.

JETZT SEID IHR DRAN!

Wie geht ihr an die Landschaftsfotografie heran? Mit den Tipps von Stefan lernt ihr, wie ihr euch optimal auf die Wetterlage einstellt und magische Momente einfangen könnt. Teilt eure Ergebnisse mit der Fotografie-Community unter den Hashtags #CreateYourLight und #ShootingLandscapePhotos sowie dem Tag @NikonDACH auf Instagram oder in den Facebook-Kommentaren. Wir werden wie immer die besten Bilder auf unseren Kanälen präsentieren.

NIKON SCHOOL TIPPS: Manuelle Einstellung des Weißabgleichs

Wenn ihr den Weißabgleich vor Ort manuell einstellen möchtet, könnt ihr ganz einfach über das i-Menü eurer Nikon Z-Kamera darauf zugreifen. Um das i-Menü aufzurufen, drückt ihr einfach die i-Taste auf der Rückseite der Kamera. Wählt das Untermenü "Weißabgleich" und schaltet auf „K“, um die Farbtemperatur festzulegen. Durch Drücken des Abwärtspfeils könnt ihr im Untermenü den gewünschten Farbtemperaturwert und den Farbton eingeben.

Die Farbtemperatur wird in Kelvin gemessen. Im Allgemeinen spricht man von warmem Licht (wie das Licht einer Kerze oder einer Glühbirne) und kaltem Licht (direktes Sonnenlicht ist farblich gesehen eigentlich kalt). Das Spektrum reicht von Gelb/Orange (warm) bis Blau (kalt). Warme Farben haben niedrige Kelvin-Werte, wie zum Beispiel 2.400 Kelvin. Bei kalten Farben sind die Werte höher. Bewölktes Tageslicht hat einen Wert von circa 6.500 Kelvin. Ein klarer, blauer Himmel, wie man ihn oft in den Bergen sieht, kann dagegen einem Wert von bis zu 15.000 Kelvin entsprechen. Wenn ihr die Weißabgleich-Voreinstellungen eurer Kamera verwendet, wie zum Beispiel „direktes Sonnenlicht“ oder „bewölkt“, wählt die Kamera die richtige Farbtemperatureinstellung ganz automatisch. Wenn euch aber die volle Kontrolle über die Farben in euren Bildern wichtig ist, dann lohnt es sich, mit Stefans Vorschlag zu experimentieren und den Weißabgleich manuell einzustellen.

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