7 TIPPS FÜR STILVOLLE INTERIOR-AUFNAHMEN

Montag, 04. Oktober 2021

In der Interior-Fotografie werden Räumlichkeiten, Möbelstücke und Deko-Elemente stimmungsvoll in Szene gesetzt. Ihr kennt solche Bilder sicherlich aus den Prospekten von Einrichtungshäusern, von Hotel-Websites und von zahlreichen Blogs, die sich mit dem Thema beschäftigen. Euch gefallen solche Innenraum-Aufnahmen und ihr würdet euch gerne zu Hause selbst daran versuchen? Wir haben sieben Tipps für euch zusammengestellt.

1. Die Grundidee

Bevor ihr loslegt, ist es hilfreich, ein Konzept im Kopf zu haben. Stellt euch die Frage, was ihr genau fotografieren möchtet. Soll es ein ganzer Raum sein oder vielleicht nur die Sofa-Ecke? Geht es um ein bestimmtes Produkt, wie zum Beispiel einen Sessel oder eine Vase auf einer Kommode? Je nachdem, was ihr fotografieren möchtet, werdet ihr unterschiedliche Brennweiten benötigen und auch die Herausforderungen an die Lichtsetzung fallen je nach Ansatz unterschiedlich aus. Wenn ihr einen Raum möglichst abwechslungsreich darstellen möchtet, nehmt ihr am besten unterschiedliche Perspektiven auf und ergänzt dabei eine Gesamtaufnahme des Raumes durch zusätzliche Detailbilder.

2. Das Equipment

Für den professionellen Einsatz würden wir zu einem Tilt-und-Shift-Objektiv wie dem PC-E NIKKOR 24 mm 1:3,5D ED raten. Darüber hinaus enthält unser Objektiv-Lineup weitere Tilt-und-Shift-Objektive mit längeren Brennweiten. Der Vorteil dieser Spezial-Objektive: Mit ihnen seid ihr in der Lage, stürzende Linien, die vor allem bei weitwinkligen Objektiven in Innenräumen auftreten, bereits bei der Aufnahme zu begradigen. Das spart hinterher Zeit in der Bildbearbeitung. Solltet ihr nur gelegentlich eine Innenraum-Aufnahme ausprobieren wollen, dann könnt ihr selbstverständlich auch mit jedem anderen unserer NIKKOR-Objektive zu schönen Ergebnissen kommen. Weitwinklige Objektive um die 24 mm im Kleinbildformat eignen sich zum Beispiel für die Aufnahme ganzer Räume. Mit einem 35 mm oder einem 50 mm ist es möglich, die Ecke eines Raumes oder auch Möbelstücke an einer Wandseite abzubilden. 

Mit längeren Brennweiten um die 70 cm und größer gelingen schöne Detailaufnahmen. Hier könnt ihr auch mit einem Makro-Objektiv arbeiten. Vom Objektiv abgesehen ist es auf jeden Fall sinnvoll, die Kamera auf ein Stativ zu stellen. Das gibt euch einerseits die Gelegenheit, euch in Ruhe mit der Bildkomposition zu beschäftigen und andererseits habt ihr so die Möglichkeit, mit einer niedrigen ISO-Empfindlichkeit und zugleich längeren Belichtungszeiten zu arbeiten.

4. Ordnung schaffen und arrangieren

Grundsätzlich wirkt eine Innenaufnahme wesentlich ansprechender, wenn vorher aufgeräumt wurde und Möbelstücke wie auch Deko-Elemente gezielt arrangiert wurden. Dabei muss natürlich nicht jede Aufnahme so aussehen, als wäre alles perfekt in die Schränke eingeräumt. Es kommt immer darauf an, welche Stimmung ihr erzeugen möchtet. In einem Möbelkatalog sehen die Räume oft sehr „clean“ aus, um den Blick gezielt auf die Möbelstücke zu lenken. Möchtet ihr dagegen ein Kinderzimmer fotografieren oder eine Küche zeigen, in der gerade gekocht wird, dann dürfen da selbstverständlich auch Gegenstände auf der Arbeitsplatte stehen oder Spielsachen auf den Boden liegen. Dennoch sollte möglichst eine gewisse Ordnung dahinterstehen. Achtet zum Beispiel auf die Abstände zwischen den einzelnen Objekten. Nehmt euch die Zeit, alles im Bild an die gewünschte Stelle zu rücken. Da die Kamera auf dem Stativ steht, könnt ihr eure Komposition jederzeit kontrollieren und gegebenenfalls Änderungen vornehmen.

5. Die Perspektive

Stürzende Linien werden bei Innenaufnahmen als störend wahrgenommen. Es wirkt einfach unnatürlich, wenn der Raum im Bild scheinbar in sich zusammenfällt. Wenn ihr nicht gerade ein Tilt-und-Shift-Objektiv zur Hand habt, dann empfehlen wir euch bei der Aufnahme eines ganzen Raumes, das Stativ in etwa so hoch einzustellen, dass die Kamera samt Objektiv ungefähr auf der halben Raumhöhe positioniert ist. Durch diese sehr mittige Perspektive lassen sich stürzende Linien weitgehend vermeiden. Fotografiert ihr dagegen aus niedriger Bodenperspektive oder klettert ihr auf eine Leiter wird es durch den spitzen Aufnahmewinkel zu stark stürzenden Linien kommen. Wenn ihr Details in einer Nahaufnahme fotografiert, wie etwa eine Vase auf der Kommode, dann seid ihr beim Blickwinkel etwas flexibler. Sobald aber Türen, Schränke, Fenster oder eure Zimmerwände ganz oder teilweise im Bild zu sehen sind, erwarten wir als Betrachter, dass diese Gegenstände gerade erscheinen. Versucht in solchen Fällen, die Höhe eurer Kameraposition so lange anzupassen, bis die stürzenden Linien entweder nicht mehr zu sehen sind oder so gering ausfallen, dass ihr dieses Problem in der Nachbearbeitung lösen könnt.

3. Die Ausleuchtung

Bei der Ausleuchtung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für den Einstieg ist es am einfachsten, mit dem vorhandenen Licht zu arbeiten. Dazu zählen das Fensterlicht und die Lampen in eurem Raum. Das können Deckenleuchten sowie Steh- oder Wandlampen sein.

Unser Tipp: Macht die Lampen am besten alle mit an, um die Helligkeit im Raum zu erhöhen. Außerdem wirkt ein Raum ganz anders, wenn er mit verschiedenen Lichtquellen beleuchtet wird. Was das Fensterlicht betrifft, ist es hilfreich, wenn ihr euch vorab anseht, wie sich das Tageslicht von morgens bis abends im Raum verändert. So fällt es euch leichter, die optimale Zeit für eure Aufnahme zu finden. Solltet ihr mit dem vorhandenen Licht nicht zufrieden sein, könnt ihr natürlich mit zusätzlichem Blitzlicht und Dauerlicht-Leuchten arbeiten. Das bedarf allerdings etwas Übung, weshalb wir Einsteigern weiterhin dazu raten, eher mit dem im Raum vorhandenen Licht zu arbeiten.

6. Kameraeinstellungen

Die Aufnahme vom Stativ hat den großen Vorteil, dass ihr mit einer niedrigen ISO-Empfindlichkeit arbeiten könnt. Das vermeidet Bildrauschen, führt aber zu längeren Belichtungszeiten, da die Beleuchtung in einem Raum üblicherweise nicht so hell ist wie draußen in der Sonne. Durch die stabile Aufnahmeposition ist das aber kein Problem. Um Verwacklungen beim Auslösen zu vermeiden, empfehlen wir euch, entweder einen Fernauslöser oder den Selbstauslöser eurer Nikon-Kamera zu verwenden. Was die Blendenwahl betrifft, kommt es auf die Wirkung an, die ihr erzielen möchtet. Wird ein ganzer Raum oder ein kleinerer Bereich des Raumes aufgenommen, soll in den meisten Fällen alles scharf abgebildet werden. Für eine große Schärfentiefe wird die Blende geschlossen, also ein eher großer Blendenwert gewählt. Das kann zum Beispiel eine Blende f/8 oder f/11 sein. Solltet ihr dagegen ein Detail in der Nahaufnahme fotografieren, dann kann es durchaus stimmungsvoller wirken, wenn ihr mit einer offenen Blende arbeitet, um zum Beispiel die Vase auf der Kommode vor einem unscharfen Hintergrund in den Fokus zu rücken. Grundsätzlich empfehlen wir, die Belichtung im M-Modus vollständig manuell einzustellen. Falls ihr euch dabei unsicher sein solltet, ist auch der Blendenprioritäts-Modus A eine gute Wahl. Hier entscheidet ihr, ob ihr mit einer geschlossenen oder einer offenen Blende fotografieren möchtet. Eure Nikon-Kamera wählt die dazu passende Belichtungszeit anschließend automatisch aus. Für einen größtmöglichen Spielraum in der Bildnachbearbeitung ist es außerdem sinnvoll, im RAW-Modus zu arbeiten.

7. Mehrfachbelichtungen

Wenn ihr einen Innenraum fotografiert und dabei ein Fenster im Bild zu sehen ist, dann werdet ihr, je nach Tageszeit, Schwierigkeiten bei der Belichtung bekommen. Habt ihr die Kamera so eingestellt, dass der Raum optimal belichtet ist, wird das Licht am Fenster voraussichtlich überstrahlen, sodass draußen kaum noch Details zu erkennen sind. Stellt ihr die Belichtung umgekehrt optimal auf das Fenster ein, wird der Raum zu dunkel aufgenommen. Auch wenn unsere Nikon-Kameras einen erstklassigen Dynamikumfang vorweisen können, macht es bei Innenaufnahmen Sinn, eine Belichtungsreihe aufzunehmen. Dabei nehmt ihr ein und dasselbe Motiv mit unterschiedlichen Belichtungen auf, um diese Einzelbilder später in der Bildbearbeitung zu kombinieren. Ihr könnt die einzelnen Belichtungen entweder manuell einstellen oder die Bracketing-Funktion eurer Nikon-Kamera verwenden. Dabei nimmt die Kamera nach der ersten von euch gesetzten Belichtung noch jeweils ein unter- und ein überbelichtetes Bild auf.

Zum Abschluss gibt es nochmal alle Tipps im Überblick:

  • Plant zuerst das Konzept eurer Aufnahme. Möchtet ihr einen ganzen Raum oder nur ein Möbelstück in Szene setzen? Darauf bauen dann eure weiteren Arbeitsschritte auf.
  • Ein Tilt & Shift-Objektiv gleicht stürzende Linien aus und führt zu professionellen Innenraum-Aufnahmen. Davon abgesehen empfehlen wir ganz allgemein weitwinklige Objektive um die 24 mm für die Aufnahme ganzer Räume, ein 35 mm oder ein 50 mm für Teile eines Raumes und längere Brennweiten um die 70 cm und größer für Detailaufnahmen.
  • Verwendet am besten ein Stativ, um längere Belichtungszeiten ausgleichen zu können. Außerdem gibt es euch die Möglichkeit, in Ruhe eine geeignete Bildkomposition zu finden.
  • Arbeitet mit dem vorhandenen Licht. Schaltet zusätzlich zum Fensterlicht auch die Lampen in eurem Raum an. Das macht die Aufnahme stimmungsvoller.
  • Achtet auf ein durchdachtes Arrangement eurer Bildelemente. Ihr könnt den Raum sehr aufgeräumt darstellen oder mit weiteren Gegenständen und Deko-Elementen arbeiten. Achtet nur immer darauf, dass eure Komposition nicht zufällig wirkt. Nehmt euch die Zeit für ein stimmiges Arrangement.
  • Versucht stürzende Linien zu vermeiden, indem ihr die Höhe eurer Kameraposition verändert. Bei Aufnahmen eines ganzen Raumes ist eine Position auf halber Raumhöhe empfehlenswert.
  • Durch die Aufnahme vom Stativ könnt ihr mit einer niedrigen ISO-Empfindlichkeit fotografieren. Möchtet ihr einen Raum scharf abbilden, wählt ihr am besten eine geschlossene Blende f/8 bis f/11. Für Details mit einer Freistellung vor unscharfem Hintergrund empfiehlt sich eine offene Blende.
  • Der RAW-Modus bietet euch den größten Einstellungsspielraum in der Bildnachbearbeitung.
  • Mehrfachbelichtungen helfen euch dabei, große Helligkeitsunterschiede zwischen dem Innenraum und der Außenwelt auszugleichen. Ihr könnt die unterschiedlichen Belichtungen entweder manuell in der Kamera vornehmen oder eine automatische Belichtungsreihe aufnehmen. Dabei nimmt die Kamera nach eurem ersten Bild zusätzlich weitere Bilder mit einer Unter- und einer Überbelichtung auf.



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