Faszinierende Panoramen, große Räume und lustige Effekte: Weitwinkel-Fotos sind eine spannende und anspruchsvolle Art der Fotografie. Landschafts- und Architekturfotografen schwören auf diesen Bildstil. Was ihr beachten müsst, um weitwinklige Meisterwerke zu produzieren, verraten wir euch hier.

1. Das richtige Objektiv

Um Bilder mit weitem Blickwinkel überhaupt machen zu können, braucht ihr ein Objektiv mit der entsprechenden Brennweite. Zwar lässt sich strenggenommen auch ein Weitwinkel-Bild aus vielen „normalen“ Bildern zusammensetzen, das ist aber aufwendig und manchmal nicht praktikabel. Als Weitwinkelobjektiv werden Objektive mit einem Bildwinkel bezeichnet , der größer ist als der eines Standardobjektivs, das heißt mit einer Brennweite von weniger als 50 mm (alle Werte sind bezogen auf das 35-mm-Kleinbild-Format). Während 35 mm noch als gemäßigtes Weitwinkel gilt, werden Objektivbrennweiten ab 28 mm als „echtes“ Weitwinkel bezeichnet, ab 20 mm spricht man von einem Superweitwinkel-Objektiv. Eine Klasse für sich sind sogenannte Fisheye-Objektive, die in der Regel eine Brennweite von 16 mm und darunter haben.

Der Sinn von Weitwinkelobjektiven liegt entgegen der weitverbreiteten Ansicht nicht nur darin, bei gleichem Objektabstand mehr aufs Bild zu bringen, sondern vor allem ergibt sich eine besondere Darstellung von räumlicher Tiefe: Entferntes wird noch entfernter dargestellt, als in der Realität, wodurch sich eine deutliche Tiefenstaffelung ergibt. Als beliebte Weitwinkel haben sich Objektive der Klasse 14-24mm für Vollformat herausgebildet, hier liegt das AF-S NIKKOR 14-24 mm 1:2,8G ED ganz vorne. Nutzer des APS-C-Formats (Nikon D500, D7500, D5600 und D3500) bekommen mit dem AF-P DX NIKKOR 10-20 mm 1:4,5-5,6 G VR einen besonders kompakten Vertreter. Wer es gerne extrem mag, greift zum AF-S FISHEYE-NIKKOR 8-15 mm 1:3,5-4,5 E ED.

2. Fotografieren mit dem Weitwinkel

Gerade der bei Weitwinkelobjektiven geschätzte große Aufnahmewinkel kann beim späteren Betrachten der Bilder oft für Enttäuschung sorgen. Die Vielfalt der Linien, Formen, Details und Strukturen sowie die große Schärfentiefe im Bild machen es dem Betrachter oft schwer, das eigentliche Motiv auszumachen. Gestaltendes Ordnen ist daher in der Weitwinkelfotografie entscheidend, um die Bildaussage klar und deutlich zu vermitteln.

„Vordergrund macht Bild gesund“ lautet eine große Fotografie-Weisheit. Viele gelungene Weitwinkelbilder erzielen ihre Wirkung aufgrund einer klaren Staffelung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Der Vordergrund wird dabei oft vom Hauptmotiv besetzt, während Mittel- und Hintergrund dem Betrachter wichtige Informationen über die Umgebung des Motivs vermitteln. Solche Aufnahmen können, dank ihres hohen Informationsgehaltes, komplette Geschichten erzählen. Ein ausgezeichnetes Hilfsmittel beim überlegten Bildaufbau ist eine Gittermattscheibe im Sucher der Kamera oder im Live-View.

Schenkt außerdem einem weiteren Grundsatz der Fotografie Beachtung: Weniger ist mehr! Findet das zentrale Element im Bild, auf das sich der Betrachter konzentrieren soll. Dann komponiert die Aufnahme so, dass das Auge dort zur Ruhe kommt und verweilen kann ohne abgelenkt zu werden. Das ist gerade beim Fotografieren mit Weitwinkelobjektiven schwierig, weil sich immer wieder Elemente finden, die sich kaum oder gar nicht aus der Komposition eliminieren lassen. Hier ist Geduld gefragt, aber es lohnt sich.


3. Mehr Flexibilität – freihand fotografieren

Neben der großen Schärfentiefe, die das gesamte Bild von Vorder- zu Hintergrund scharf abbildet und dem großen Blickwinkel, zählt die geringe Verwacklungsgefahr als Vorteil bei der Anwendung von Weitwinkelobjektiven. Die relativ langen Verschlusszeiten bei Freihandaufnahmen erlauben dem Fotografen spontane kreative Einsätze auch ohne Stativ. Hier lohnt es sich die Kehrwertformel nochmal ins Gedächtnis zu rufen: Belichtungszeit = Kehrwert der Brennweite. Beispiel: Eine 20 mm Brennweite kann mindestens 1/20 s Belichtungszeit frei aus der Hand gehalten werden. Im großen Ausschnitt des Weitwinkels fallen Verwacklungen viel weniger ins Gewicht als im kleinen Ausschnitt eines Teleobjektivs.


4. Stürzende Linien

Das Fotografieren mit Weitwinkelobjektiven hat jedoch auch seine kleinen Tücken. Linien sind generell ein Thema, mit dem sich Fotografen auseinandersetzen sollten. Denn Linien können Himmel und Hölle eines Fotografen sein, insbesondere bei der Architekturfotografie. Achtet auf stürzende Linien und richtet die Kamera immer parallel zu dem zu fotografierenden Objekt aus, um das weitestgehend zu vermeiden. Verlagert den Blickwinkel nach unten oder oben, um Linien zu dem Hauptelement ihres Motivs zu lotsen oder sucht euch, wenn es wirklich nicht anders geht, eine besser geeignete Stelle, um Linien generell aus der Komposition herauszuhalten.

5. Lustige Verzerrung

Außerdem haben Weitwinkelobjektive eine verzerrende Wirkung bei kurzer Aufnahmedistanz. Dieser Effekt wird oftmals als nachteilig empfunden, wenn er nicht bewusst zur Bildgestaltung eingesetzt wird. Vor allem Porträts solltet ihr nicht mit Weitwinkelobjektiven aus kurzer Distanz aufnehmen, da hierbei zum Teil bizarre Verzerrungen entstehen können – was jedoch auch sehr lustig sein kann. Achtet auch darauf, das Hauptmotiv nicht zu nah am Rand zu platzieren, um die bei Weitwinkelobjektiven häufig vorkommenden tonnenförmigen Verzeichnungen am Bildrand zu vermeiden.

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