Porträtfotografie ist einer der spannendsten Bereiche, schließlich könnt ihr hier mit recht wenig Equipment reichlich experimentieren und da es viele Menschen, viele Klamotten und viele Locations gibt, werden euch die Motive wohl nie ausgehen. Kernidee eines Porträts ist es dabei immer, eine kleine Geschichte zu erzählen, selbst Modefotos sollen immer ein Statement setzen. Zu welcher Jahreszeit ihr dabei unterwegs seid, ist einerseits zwar völlig nebensächlich, verlangt andererseits eine etwas geänderte Herangehensweise. Wir geben euch daher fünf Tipps mit an die Hand, wie euch noch bessere Porträtfotos gelingen. Zudem erfahrt ihr, wie ihr die mit Hilfe einer spiegellosen Systemkamera auch noch das allerletzte Quäntchen Qualität aus euren Aufnahmen herausholen könnt.

1. Gut vorbereitet sein

Damit ihr bei einem Porträtshooting vor Ort souverän euren Job machen könnt, solltet ihr euch im Vorfeld gut überlegen, was eigentlich dabei herauskommen soll. Dazu gehört insbesondere, dass ihr euch mit Google Maps oder am besten vor Ort umseht und euch einen ersten Eindruck verschafft, was für Bilder gut gemacht werden können. Eine wunderschöne Parkanlage eignet sich gut für Beauty- oder Pärchenbilder, ein verlassenes Fabrikgelände dagegen eher für ein raueres Thema, zum Beispiel mit Motorrädern. Manchmal kann es auch nützlich sein, ein kurzes Vorgespräch mit dem Model zu führen: Vielleicht hat sie oder er ja schon eine Vorstellung, wie die Bilder aussehen sollen. Im zweiten Schritt macht ihr euch Gedanken um die Uhrzeit: mittags wird es harte Schatten geben, abends weicheres und wärmeres Licht. Auch die Lichtrichtung ändert sich fundamental. Wo die Sonne zu welcher Uhrzeit steht, erfahrt ihr am besten aus entsprechenden Apps oder ebenfalls bei Google Maps. Ein Blick auf die Wettervorhersage empfehlen wir ebenfalls – auch bei Regen lassen sich spannende Porträts kreieren, die so vielleicht nicht jeder hat. Apropos: Regenschirm in diesem Fall nicht vergessen! Zudem wisst ihr und auch euer Model so, welche Kleidung am besten eingepackt werden sollte.

3. Testet Posen aus

2. Nehmt die richtige Technik mit

Vorweg sei gesagt: Es geht bei Porträts immer besonders um die Beziehung zwischen Fotograf und Model und die Geschichte, die beide gemeinsam erzählen. Die Technik sollte daher clever und funktional sein, niemals aber zwischen den beiden Protagonisten stehen. Nutzt deshalb am besten eine spiegellose Systemkamera, denn so könnt ihr die Objektive wechseln, auf die jeweilige Situation anpassen und profitiert von den vielen kreativen Möglichkeiten lichtstarker Optiken. Spiegellose Modelle wie die Nikon Z 6II, Z 7II oder auch deren Vorgänger bieten für Porträtfotografen auch besonders praktische Features wie einen Augen-Autofokus an. Dank Fokus-Peaking könnt ihr zudem ganz genau sehen, wo die Schärfe liegt  vorausgesetzt ihr wollt auf kreative Art und Weise mit dem Fokus experimentieren. Ein weiterer Vorteil einer Spiegellosen liegt darin, dass ihr die Aufnahme schon vor dem Drücken des Auslösers sehen könnt  genau so, wie sie dann auch auf der Speicherkarte landet. Objektivseitig führt kaum ein Weg an einer lichtstarken Festbrennweite vorbei. Nur mit einer großen Offenblende könnt ihr euer Motiv sehenswert vor einem unscharfen und angenehm weichen Hintergrund freistellen. Das sogenannte Bokeh – der Unschärfebereich, der euer Model umgibt – hängt stark von der verwendeten Optik ab. Da bietet sich beispielsweise der Klassiker, das NIKKOR Z 50 mm 1:1,8 S, an. Alternativ und ab Dezember 2020 erhältlich könnt ihr auch das NIKKOR Z 50 mm 1:1,2 S verwenden – für ein noch feineres Bokeh und knackige Schärfe. Wer etwas mehr Reichweite möchte, greift zu einer dedizierten Porträt-Brennweite wie dem NIKKOR Z 85 mm 1:1,8 S. Auf dem Porträt-Thron sitzt aber das NIKKOR Z 58 mm 1:0,95 S Noct. Wer die Highend-Optik für Gesichter und knackscharfe Details ausprobieren möchte, sollte nach entsprechenden Leih-Angeboten Ausschau halten. Mehr Flexibilität bringt dagegen ein lichtstarkes Zoom-Objektiv mit Offenblende 1:2,8. Auch hier hat Nikon ein Standardzoom mit Brennweiten zwischen 24 und 70 Millimetern sowie ein Telezoom mit 70 – 200 Millimetern im Angebot. Dazu braucht ihr vielleicht noch einen Reflektor zum Aufhellen und zur Sicherheit frische Speicherkarten sowie gegebenenfalls ein paar Ersatz-Akkus. Mehr Foto-Equipment sollte nicht mitkommen.

Weitere Inspiration für passende NIKKORE zum Thema Porträtfotografie findet ihr hier.

Damit eine gute Verbindung zwischen euch und euren Modellen besteht, solltet ihr euch im Vorfeld zumindest einmal gesehen und gesprochen haben. Sie oder er sollte auf jeden Fall wissen, worauf es ankommt. Je besser ihr euch versteht, desto besser werden die Bilder. Lasst euch deswegen auch mit dem Posieren Zeit und gewöhnt euch erstmal aneinander. Dafür solltet ihr etwa eine halbe Stunde einplanen zum Beispiel bei einem Kaffee oder Kaltgetränk. Geht gelassen an die Situation heran. Sind alle gut ins Shooting gestartet, könnt ihr mit Posen wie Stehen, Sitzen, Händen und Kopfhaltung beginnen und experimentieren. Nutzt eure Hände, um zu demonstrieren, was ihr möchtet und bleibt immer entspannt dabei – auch, wenn es mal nicht so funktioniert, wie es soll. Nicht nur bei sehr dynamischen Shootings hilft euch schließlich auch eure Kamera dabei, den perfekten Augenblick einzufangen. Anstatt im Einzelbild-Modus zu fotografieren, setzt lieber auf schnelle Serien. So minimiert ihr nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass das Modell im richtig Moment die Augen geschlossen hat, sondern bringt auch etwas Schwung in eure Bilder; etwa in Form von fliegenden Haaren oder geschwungener Kleidung. Dank Augen-Autofokus müsst ihr euch auch keine Gedanken über die Schärfe machen. Die Spiegellosen verfolgen das Gesicht auch bei Höchstgeschwindigkeit zuverlässig. Habt ihr schließlich ein Bild fotografiert, dass euch besonders gut gefällt, zögert nicht, dieses auch dem Modell zu zeigen. Das motiviert und entspannt die Situation zusätzlich.

4. Nutzt das Licht richtig

Eine einfache Methode, um herauszufinden, von wo das Licht kommt, ist es, das Model an der Schulter zu nehmen und sich von Angesicht zu Angesicht umeinander zu drehen. Ihr bekommt so schnell ein Gefühl dafür, wie die Schatten fallen und werdet schon von selbst sehen, was gut aussieht und was ihr vermeiden solltet. Falls eine bestimmte Richtung wegen des Hintergrundes nicht vermieden werden kann, helfen euch Reflektoren oder Diffusoren. Ein Diffusor ist eine matte Plastikfolie, die Licht weichzeichnet. Er gehört zwischen Model und Sonne. Für den Einsatz eines Diffusors braucht ihr daher Hilfe, weil ihn jemand festhalten muss. Das lohnt sich: Er erzeugt die natürlichste Wirkung. Alternativ hilft ein Reflektor, der Licht ins Gesicht des Models reflektiert. Diesen kann das Model auch selbst halten. Wer möchte, kann zusätzlich mit gezielter Über- und auch Unterbelichtung experimentieren. Sogenannte High- beziehungsweise Low-Key-Aufnahmen sind ein echter Hingucker und wirken besonders, wenn die Fotos in Schwarz-Weiß umgewandelt werden. Nutzt dazu das kleine Rädchen zur Belichtungskorrektur um bis zu 5 Blendenstufen nach oben oder unten zu drehen. Über die ISO-Werte, auch in dunkleren Umgebungen, müsst ihr euch in der Regel nur nachrangig Gedanken machen. Moderne Systemkameras wie die Z 6II und die Z 7II bieten hier jede Menge Leistungsreserven und zeigen selbst bei ISO 6.400 beinahe keinerlei Helligkeitsrauschen.

5. Setzt den passenden Ausschnitt

Seht euch an eurem Standort um und entscheidet dann, wie viel von der Umgebung ihr einbeziehen möchtet. Der Ort kann Teil der Geschichte sein – oder eine Ablenkung. Denkt daran: Je mehr Hintergrund ihr einschließt, desto mehr Elemente müsst ihr auch im Auge behalten. Passanten, Verkehr oder Lichtwechsel konkurrieren um die Aufmerksamkeit des Betrachters und erschweren die Wahrnehmung. Mit einem lichtstarken Objektiv könnt ihr den Hintergrund glücklicherweise angenehm weichzeichnen – störende Elemente verschwimmen hier sprichwörtlich. 

Ein spannendes Experiment ist auch das Spiel mit der Belichtungszeit: Längere Verschlusszeiten, beispielsweise bei einem Shooting auf der Straße, lassen den Hintergrund ebenfalls verschwimmen – allerdings in Bewegungsunschärfe. In diesem Fall setzt ihr entweder auf den Bildstabilisator in Z 6II und Z 7II oder alternativ ein solides Stativ. Euer Modell sollte dabei unbedingt absolut stillhalten, sonst ist Unschärfe auch im Zentrum eures Motivs zu erkennen. Oder ihr haltet es einfach: Sucht zum Beispiel nach strukturierten oder farbigen Oberflächen, wie etwa einer Mauer oder einem Zaun, um zu fotografieren. Experimentiert dann mit der Distanz zum Model und verschiedenen Blickwinkeln. Solltet ihr euch dabei besonders unsicher sein, geht lieber einen Schritt zurück und nehmt einen größeren Ausschnitt mit. Die hochauflösenden Fotos mit beispielsweise 45 Megapixel bei der Z 7 und der Z 7II erlauben euch, nachträglich in der Bearbeitung eurer Bilder am Rechner den passenden Anschnitt zu setzten – ohne dass ihr Kompromisse bei der Bildqualität eingehen müsst.

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