MARION PAYR

Die Österreicherin Marion Payr ist Fotografin und Reisebloggerin. Mit ihren Fotos von nahen und fernen Zielen weckt sie als @ladyvenom auf Instagram regelmäßig die Reiselust ihrer Follower. Wie sie zur Fotografie gekommen ist, welcher Moment auf Reisen für sie ganz besonders war und was sie angehenden Fotograf:innen für Social Media rät, erzählt Marion im Nikon Family-Interview.

Marion auf einer Fotoreise in Indien.

Wie & wann bist du zur Fotografie gekommen?

Mein Weg zur Fotografie hatte einen ungewöhnlichen Anfang. Meine ersten Versuche in der analogen Fotografie kamen mit der Pubertät zum Erliegen. Tatsächlich ist dann erst 2011 mit meiner Anmeldung auf Instagram die alte Leidenschaft wieder aufgeblüht. Vorerst habe ich mit meinem Handy Fotos gemacht und so wurden die Stadtspaziergänge in meiner Heimat Wien immer ausgedehnter. Plötzlich war jedes Wochenende nur noch der Fotografie gewidmet.

2013 folgte mein erster bezahlter Fotoauftrag, 2014 meine erste Einladung auf eine Foto-Reise nach Israel. Und so wurde mir nach und nach bewusst, dass meine Leidenschaft vielleicht auch zu meinem Beruf werden könnte. Erst 2014 habe ich dann erstmals begonnen, wieder mit einer Kamera zu fotografieren. Nur 2 Jahre später habe ich meinen Job gekündigt und mich als Reisefotografin selbstständig gemacht. Rückblickend kann ich sagen, dass ich Instagram also sehr viel verdanke!


Was gehört alles zu deiner Foto-Ausrüstung?

Ich versuche auf meinen Reisen, das Equipment immer an die Bedürfnisse anzupassen und nicht zu viel mitzunehmen. Der Großteil meiner Fotos entsteht deshalb mit meiner spiegellosen Vollformat-Kamera und dem NIKKOR Z 24–70 mm 1:2,8 S. Seit Kurzem darf ich die neue Z 6II mein Eigen nennen, die jetzt zu meiner Hauptkamera geworden ist. Auf Safaris nehme ich dann meine Z 6 als Zweitkamera mit und auf die Z 6II kommt ein langes Tele-Objektiv - zuletzt häufiger das AF-S NIKKOR 200-500 mm 1:5,6E ED VR mit dem FTZ-Adapter. Natürlich habe ich auch ein Weitwinkel-Objektiv, das NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S. Das nutze ich zum Beispiel für Interior- oder Architektur-Aufnahmen. Und dann gehört noch ein NIKKOR Z 50 mm 1:1,8 S in meine Sammlung, mit dem ich hauptsächlich Porträtfotos mache. Je nach Auftrag packe ich dann die entsprechenden Objektive ein.

Indien - Z 7 | 50mm | 1/4000s | f/2 | ISO 100

Indien - Z 6 | 53mm | 1/400s | f/2.8 | ISO 100

Indien - Z 6 | 70mm | 1/640s | f/2.8 | ISO 100

Mit welchem Objektiv fotografierst du am liebsten und warum?

Mein Lieblingsobjektiv ist definitiv das NIKKOR Z 24–70 mm 1:2,8 S - es ist der perfekte Allrounder für meine Reisen bei gleichzeitig optimaler Performance, toller Schärfe und fantastischer Lichtstärke. Das Objektiv kommt bei mir dauernd zum Einsatz und deckt den Großteil meiner Bedürfnisse ab. Als Nächstes möchte ich mir auch noch das AF-S NIKKOR 70-200 mm 1:2,8E FL ED VR zulegen - für noch mehr Optionen im Bildausschnitt. Die Einkaufsliste wird nie kürzer. Auch auf ein 100-400mm aus der Z-Serie freue ich mich schon.

Was treibt dich an? Woher nimmst du deine Inspiration?

Die Reisefotografie ist so was wie eine perfekte Meditation für mich. Ich tauche völlig in den Moment ein, wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin. So hat das Reisen für mich noch eine zusätzliche Dimension gewonnen. Das Element der Konzentration und des Fokussierens auf den Augenblick verlangsamt und intensiviert meine Reisen und lässt mich die Eindrücke stärker wahrnehmen. Das ist der größte Motor für meine Arbeit. Ich brauche Zeit und liebe es, mich beim Reisen auf einen Ort einzulassen und ihn in verschiedenen Lichtstimmungen immer wieder zu erleben und einzufangen. Die größte Inspiration für mich ist weiterhin Instagram - hier finde ich neue Ideen für Reiseziele und Fotomotive - mit dem Bell Collective haben wir außerdem einen Ort geschaffen, an dem wir uns als weibliche Fotografinnen vernetzen und untereinander austauschen können und uns so auch gegenseitig inspirieren!

Was, wann und wo fotografierst du am liebsten?

Das Was und Wo ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn ich lasse mich sehr gern auf unterschiedliche Orte und Gegebenheiten ein. Generell liebe ich weiche Farben und sanftes Licht. Daher ist das Wann ganz klar früh morgens oder abends, jeweils in der blauen oder goldenen Stunde. Gegenlicht und tierstehende Sonne tauchen alle Motive in diese einzigartige Stimmung eines Pastell-Gemäldes, die ich sehr liebe. Wenn ich mich für einen Kontinent entscheiden müsste, den ich immer und immer wieder besuchen würde, dann wäre das auf jeden Fall Afrika. Die Weite und Stille in den Nationalparks, die Unberührtheit der Natur, die Wildtiere - nirgends fühle ich mich so zuhause wie in Afrika.

Kenia - Z 6 | 70mm | 1/320s | f/4.5 | ISO 100

Was war der eindrucksvollste Moment auf einer deiner Reisen, den du mit deiner Kamera festgehalten hast?

Einer der eindrücklichsten Momente war, als wir in Botswana im Okavango Delta kurz nach Sonnenuntergang durch Zufall auf eine Gruppe Löwinnen auf der Jagd gestoßen sind. Die Löwinnen haben eine Herde Büffel über die Weiten der Savanne gejagt. Das Katz- und-Maus-Spiel ging für eine ganze Weile. Immer wieder stoppten die Tiere, die Büffel fingen wieder an zu grasen, die Löwinnen pausierten - dann ging es von vorne los und die Tiere liefen los. Staub stieg auf und tauchte die ganze Landschaft in eine rosa Wolke.

Das entstandene Foto ist deshalb auch sehr körnig, aber strahlt für mich perfekt diesen Moment der Ruhe inmitten des Überlebenskampfes aus. Die Löwin und die Büffel sehen sich direkt ins Auge und wissen - jetzt geht es um alles. Ein scheinbar brutales und doch sehr friedvolles Bild.

Was macht dich zu einem Original?

Diese Frage sollten lieber andere über mich beantworten. ;-) Ich bin allerdings davon überzeugt, dass jede:r seinen oder ihren individuellen Fotografie-Stil hat und entwickeln kann. Das ist ein Prozess, der nicht von einem Tag auf den anderen abgeschlossen ist. Stile entwickeln sich auch weiter und es gibt Epochen und Entwicklungsschritte bei jedem:r Einzelnen von uns. Meine Reise ist diesbezüglich auch bestimmt noch nicht zu Ende. Mich treiben Emotionen und Stimmungen mehr an als bestimmte Stile - daher habe ich auch auf jeder Reise wieder neue Presets, die die Stimmung des jeweiligen Ortes für mich einfangen.

Was war für dich die bisher herausforderndste Situation als Fotografin?

Am meisten ins Schwitzen bringen mich (Business)-Porträt-Fotos und ich musste lernen, dass ich vor meiner Linse besser mit Natur und Tieren umgehen kann als mit Menschen. :-) Ab und zu fotografiere ich noch Porträts, aber das wird nicht mehr meine große Leidenschaft. Wenn einen die Fotografie stresst, dann ist man am falschen Ort - das musste ich auch erst lernen.

Botswana - Z 6 | 240mm | 1/1000s | f/5.6 | ISO 3600

Island - Z 6 | 35mm | 1/60s | f/4.5 | ISO 100

Wie planst du deine Reisen? Und wie hat sich das seit 2020 verändert?

Normalerweise mache ich eine grobe Jahresplanung bereits etwa 2 Jahre im Voraus. Dazwischen lasse ich Raum für spontane Projekte und auch, um zu Hause Zeit zu haben, alles aufzuarbeiten – was oft wochenlang dauert. Seit 2020 ist meine Planung natürlich völlig aus den Fugen geraten - alles langfristige Planen ist überflüssig geworden und die meisten Projekte sind on hold oder auch abgesagt worden. Viele meiner Reisen verschieben sich immer und immer wieder und können, wenn dann nur sehr spontan realisiert werden. Mein Leben ist also gleichzeitig stationärer geworden, aber trotzdem nicht weniger arbeitsreich. Ich kann mich aber nicht beschweren, ich habe immer noch genug Aufträge und gut zu tun - leider sieht es im Tourismus ganz anders aus und viele Menschen (und auch Tiere) sind vom Ausbleiben der Touristen stark finanziell betroffen - bis an die Grenze der Überlebensfähigkeit. Deshalb - und natürlich auch aus egoistischen Motiven - freue ich mich sehr, wenn es mit dem Reisen wieder losgeht.

Island - Z 6 | 35mm | 1/500s | f/5 | ISO 100

Island - Z 6 | 35mm | 1/2000s | f/1.8 | ISO 100

Island - Z 7 | 85mm | 1/5000s | f/1.8 | ISO 100

Was empfiehlst du Fotograf:innen, die auf Social Media durchstarten wollen?

Dranbleiben! Social Media macht einen im Normalfall nicht über Nacht berühmt oder erfolgreich, sondern ist ein Kanal, auf dem man langfristig investieren und aktiv sein muss. Egal, ob Instagram oder TikTok, am besten findet man seine eigene Nische, seine Zielgruppe, sein Thema und lässt dann nicht locker. Trends mitzumachen finde ich immer eher überflüssig (außer, sie passen perfekt zur eigenen Message). Wichtig ist: Social Media sollte weiterhin sozial bleiben. Wer nur auf der Suche nach dem eigenen Erfolg auf Social Media ist, vergisst, dass man andere Menschen berühren und ihnen Mehrwert liefern muss - dann lohnt es sich für alle Beteiligten!

Seit 2011 teilt Marion ihre Fotos als @ladyvenom auf Instagram.

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